Anmerkungen.
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b) Bossert = Fleisch (auch speziell „Wellfleisch“), Braten, erscheint sehr beliebt in allerlei Zusammensetzgn. (oder Verbindgn.) und zwar bes.: α) ans Ende gesetzt, so: aa) für die Fleischarten nach den verschiedenen Tieren, wie: Babingbossert = Gänsefleisch (gesicherter Strohbutzerbossert = Gänsebraten), Kibe(n)bossert = Hundefleisch, Stupflengbossert = Igelfleisch, Schmalerbossert = Katzenfleisch, Horbogebossert = Kuh- oder Rindfleisch, Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Trabertbossert = Pferdefleisch, Groenikelsbossert = Schweinefleisch; ferner bb) für die Art der Zubereitung: eingespronktes Bossert = Pökelfleisch, Hitzlingbossert = Rauchfleisch, Spronkertbossert = Salzfleisch, Schwäzlingbossert = Schinken, Schmunkbossert = Speck, Rondlingbossert = Wurstfleisch; cc) für menschl. Körperteile: Näpflingbossert = Zahnfleisch; dd) auch im übertragenen Sinne: Koelebossert = „Teufelsbraten“; β) am Anfang der Zusammensetzg. stehend; aa) für Gerätschaften, wie Bossertschottel = Fleischbüchse, Bossertnolle = Fleischhafen; bb) für gewisse Speisen: Bossertblättling = Gulasch (eigtl. „Fleischsalat“), Bosserträsling = Leberkäse; cc) Bossertschei, d. h. eigtl. „Fleischtag“ = Sonntag (s. d. betr. die Übereinstimmung mit d. Zigeunerischen, vgl. auch „Vorbemerkung“, S. 18). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Boser = Fleisch, Speck); Pfulld. J.-W. B. 339, 340, 341 (Bosert = Fleisch, Schwarzbosert = geräuchertes Fleisch, B. von einem Horboge = Kalbfleisch); Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 69, 75 (Bossert = Fleisch, Schmunkbossert = Speck); Schwäb. Händlerspr. 480 (Bosset, Bôser od. Bôßert = Fleisch; dazu noch in Pfedelb. [209, 213] bes. Graunikels-, Hobuchen-, Trappertbossert = Schweine-, Kuh-, Pferdefleisch u. Schmunkbossert = Speck sowie in Lütz. [213]: Flūse-bosert = Ente). Zur Etymologie (vom hebr. bâsâr, jüd. bôsôr = „Fleisch“) sowie über weitere Belege im Rotw. (seit d. 15. Jahrh.) s. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 10 u. Anm. 2; vgl. auch Weber-Günther, S. 154 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1316.
c) Mass (im wesentl. gleichbed. mit Bossert gebraucht) erscheint nicht ganz so beliebt in Zusammensetzgn., doch findet es sich z. B. (am Ende) in verschiedenen Bezeichnungen von Fleischarten nach Tieren, wie Babingmass = Gänsefleisch (gesicherter B. = Gänsebraten), Tschuggel-, Stupfleng-, Horboge-, Trabertmoss = Hunde-, Igel-, Kuh-, Pferdefleisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise); Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Mas = Fleisch, Speck); W.-B. des Konst. Hans 245 (Mass); Pfulld. J.-W.-B. (nur in gewiss. Zusammensetzgn., z. B. [343] Horboge-Maß = Ochsenfleisch); Schwäb. Händlerspr. 480 (Maß; Maßfetzer = Metzger; in Pfedelb. [214]: Mast = Wurst). Vgl. auch Metzer Jenisch 216 (Mās = Fleisch). Zur Etymologie: Am wahrscheinlichsten ist es, daß das Wort ins Rotwelsch und die verw. Geheimsprachen unmittelbar aus der Zigeunersprache eingedrungen ist (vgl. „Einleitg.“ S. 30), welche mas od. (in Deutschl.) mass (schon altind. māsa) in gleicher Bedeutung kennt (s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 257 unter „Masengero“ und dazu noch Finck, S. 72); doch mag auch das tschechische, ebenfalls gleichbed. maso mit eingewirkt haben. Über das (auf die gleiche indogerm. Wurzel zurückgehende) früher gemein-germanische, jetzt im wesentl. veraltete Mass = „Speise“ („zugemessene, ausgeteilte Kost für die Hausgenossen“, schon ahd. u. mhd. maz [vgl. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 2063], got. mats, angels. mete, engl. meat) s. Näh. bes. bei Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 1721; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1517 (unter „Mass“ II, Nr. 1 u. 2).
Das (in der Verbindg. grandich[er] Flederling enthaltene) Adj. grandich (oder grandig) hat außer der häufigsten und allgemeinsten Bedeutung „groß“ noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen, gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll, vorzüglich, endlich auch noch „wütend“ (doch geht es in diesem Sinne wahrscheinl. auf einen anderen Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der „Etymologie“ a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (nobis grandich) ist es = wenig, winzig, als Adverb gebraucht bedeutet es: oft (häufig), als Subst. (Grandich): Gewalt, Höhe. Der Komporat. grandicher kommt nicht nur für „größer“, sondern auch für „mehr“ („mehrfach“, „vielmals“) vor. In Verbindungn. erscheint grandich: a) zuweilen mit einem Zeitw., so grandiche pflanzen (eigtl. etwa „den Großen spielen“) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen grandicher pflanzen nur durch „verlängern“ wiedergegeben ist), viel häufiger aber natürlich: b) mit Hauptwörtern, und zwar in d. R. (und nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. „Vorbemerkung“, S. 17ff.), so α) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B. Gebäude u. dergl.): grandiche Jahre- od. Krachersäftling (d. h. „große Waldtraube“) = Ananas, grandiche Duft (d. h. „große Kirche“) = Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Kies (d. h. „großer Stein“) = Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, grandiche Kitt (d. h. „großes Haus“) = Hof, grandiche Kolbekitt (d. h. „großes Pfarrhaus“) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Schoflerei (d. h. „großes Gericht“) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr. d. Zigeun. unter „Kreis-“ u. „Kriminalgericht“), grandicher Sins-Obermann (d. h. etwa „des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut“) = Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Lobekitt (d. h. „großes Geldhaus“) = Münze, Münzwerkstätte, grandiche Hegerle (d. h. „große Knödel“) = Nudeln, grandiche Kaflerkitt (d. h. „großes Metzgerhaus“) = Schlachthaus, grandiche Schrende (d. h. „große Stube“) = Saal (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Spraus (d. h. „großes [langes] Holz“) = Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner β) auch für — mehr od. weniger — abstrakte Begriffe; so: grandich Flu(h)te (d. h. „großes“ [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben S. 36, Anm. 126), grandich Ulma (d. h. „viele Leute“) = Menge, grandich Lanenger („viele Soldaten“) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner grandicher Funk (d. h. „großes Feuer“) = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Zigeun.), grandich Bogelo (d. h. „großer Hunger“) = Heißhunger, grandich Begerisch (d. h. „großes [schweres] Siechtum“) = Schwindsucht, grandich Schure od. Sore (d. h. „viele Dinge“) = Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann γ) für Tiere: so (außer grandich[er] Flederling noch); grandiche Gachne (d. h. „großes Huhn“) = Hahn, grandich Jerusalemsfreund (d. h. „großes Schaf [Hammel]“) = Schafbock, grandich Babing od. Strohbuzer (d. h. „große Gans“) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich δ) für Menschen, und zwar: aa) nach deren Eigenschaften, wie grandicher Kaffer (d. h. „großer Mann“) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw. nobis grandicher Kaffer = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro toto für die Personen selbst gebräuchl.) Bezeichngn. grandicher Rande = Dickbauch, grandicher Ki(e)bes = Dickkopf oder Starrkopf u. grandicher Giel (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen, daß solche Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z. B. grandicher Rande = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger, trächtig, grandicher Muffer = großnasig; vgl. auch grandich Sore (s. oben) = vermögend; bb) nach dem Stande od. Beruf, wie z. B. grandicher Sins (d. h. „großer Herr“) = Amtmann, Richter (s. d. betr. d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Feberer (d. h. „großer Schreiber“) = Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele dieser Art ist — um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem Worte „Bischof“ eingegangen, da dort Wittichs Bemerkung über die in seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen durch Hinzufügung von grandicher (als Komparativ) u. grandich (als Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich Grandicher-Patres u. Grandichemamere = Großvater, -mutter. — Zu vgl. betr. grandich (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (grandig = gewaltig, stark); Schöll 271 (grandig = groß, stark, viel); Pfulld. J.-W.-B. 339, 340, 342, 344, 345 (grandig = groß, grandiger Kanoffer od. Gschor = „Erzdieb“, grandiges Schuberle od. Balderle = Gespenst, grandig Flotte = Meer, grandige Kehr = Schloß [Gebäude], grandige Duft [od. Kangeri (aus dem Zigeun.)] = Tempel); Schwäb. Händlerspr. 481 (grandig = groß); auch dem Metzer Jenisch (216) bekannt. Der Etymologie nach geht das (schon zu Beginn des 17. Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung, und zwar noch eher auf das italien. grande als auf das französ. grand, zurück. S. Näh. in Groß’ Archiv Bd. 38, S. 270 (unter „Sens“) u. dazu noch Weber-Günther, S. 173 (unter „garant“) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne „wütend“ — wozu das bes. in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. grandig = „mürrisch, verdrießlich, übel aufgelegt“ u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es wohl auf einen anderen Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei Fischer, a. a. O. unter u. zu „grandig“, Nr. 2, c verbd. mit Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter „Grand“) sowie Sp. 999 (unter „grennen“).
Das zweite (in der Zus. Schwächerlemamere enthaltene) Wort, Mamere = Mutter, findet sich auch noch in der Verbindg. Patres (d. h. Vater) und Mamere = Eltern (s. d. betr. d. Zigeunerspr., die ebenfalls kein eigenes Wort für „Eltern“ hat [vgl. auch „Vorbemerkung“, S. 17, Anm. 44]) sowie in den folgenden Zus.: a) am Anfang stehend: Mamereglied, das drei Bedeutgn. hat, nämlich α) Oheim (als „Mutterbruder“), β) Tante (als „Mutterschwester“), γ) Neffe (v. mütterl. Seite her; vgl. zu α u. β betr. die Überstimmg. mit d. Zigeun. Näh. unter „Oheim“ u. „Tante“), weiter Mameregroenikel = Mutterschwein; b) ans Ende ges.: Grandichemamere = Großmutter, Kittmamere = Hausmutter, Schoflemamere (eigtl. „schlechte Mutter“) = Stiefmutter. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Mamaire = Mutter), Schöll 271 (Mammere); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Mamere); Schwäb. Händlerspr. 484 (wie Schöll). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432 ist das (auch sonst noch im Rotw. vorkommende) Wort — wie übrigens auch schon Schöll 271 vermutet hat — wohl ohne Bedenken herzuleiten vom französ. „mamère“. Eine Heranziehung der Zigeunersprache ist daher nicht nötig, wie denn z. B. auch die Sulzer Zigeunerliste v. 1787 (251) ausdrückl. das rotw. Mammere dem gleichb. zigeun. Mamma (vgl. Finck, S. 71: máma) gegenübergestellt hat.
b) Mit Kracher (das in denselben Bedeutgn. wie Jahre gebraucht wird) sind im wes. auch die gleichen Zusammensetzgn. gebildet worden, so außer Krachersäftling noch Kracherkrächerle (= Haselnuß), Kracherstöber (= Tanne) u. Kracherschure (= Hirsch); dagegen ist neben Jahrestierer (= Rebhuhn) allerdings nur Krachergachne als Synon. angeführt. Auch Kracher bosten hat den gleichen Sinn wie Jahre bosten. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340, 346 (Krach = Holz, Wald); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Kracher = Wald sowie die geogr. Bezeichg. Schwarzkracher = Schwarzwald); Schwäb. Händlerspr. 488 (Kracher = Wald). Über weitere rotw. Belege sowie zur Etymologie (von unserem gemeinspr. Zeitw. krachen) s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 11 (u. Anm. 1) u. 12; vgl. auch Weber-Günther, S. 181 (unter „Krachet“) u. Fischer Schwäb. W.-B. IV, Sp. 662 (unter „Krachert“).
Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntax sich auch beim Gebrauch des „Jenischen“ grundsätzlich den allgemeinen Regeln unserer Muttersprache anschließen, enthalten naturgemäß Gespräche, die zwischen Leuten aus dem niederen Volke geführt werden, auch in dieser Beziehung mancherlei Abweichungen von der Schriftsprache.
I. Zunächst seien hierfür zwei (nicht bloß auf einzelne Mundarten beschränkte, vielmehr) wohl durch ganz Deutschland verbreitete Besonderheiten der volkstümlichen Redeweise erwähnt, nämlich:
1. daß „des Nachdrucks halber Verneinungen doppelt (ja dreifach) gesetzt werden können, ohne einander aufzuheben“ (Polle-Weise, Wie denkt das Volk über die Sprache?, 3. Aufl., Leipzig 1904, S. 108; vgl. Näh. noch bei R. Hildebrand, Ges. Aufsätze, Leipzig 1890, S. 214 ff.). Beispiele: in Nr. 20 (... der kemeret nobis keine Stiebe ... = ... der kauft keine Bürsten ...) u. Nr. 25 (... ich spann’ nobis kei Kenem = ... ich sehe keine Laus);
2. die Verwechselung des Dativs u. Akkusativs bei den persönlichen Fürwörtern (also mir statt mich, dir statt dich usw. und umgekehrt). Beispiel: in Nr. 16 (Ich baus’ mir = ich fürchte mich).
II. Folgende Eigentümlichkeiten sind dagegen auf die Mundarten namentl. die süddeutschen (bayr.-schwäb. Dialekt) beschränkt:
1. der Gebrauch des Nominativs statt des Akkusativs bei Hauptwörtern. Während sich für den umgekehrten Fall (also Gebrauch des Akkus. für den Nomin.), der z. B. auch im Schwäbischen vorkommt (s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 579 unter „ein“ Nr. I: das ist einen guten Mann) m. Wiss. in Wittichs Jenisch kein Beispiel findet, enthält es für die zuerst genannte Besonderheit — außer einigen unsicheren Fällen (in denen der unbestimmte Artikel ein ev. auch als Akkusativ eines Neutrums aufgefaßt werden könnte) — mehrere zweifelsfreie, so z. B. Nr. 11 (... vielleicht bestiebemer ein Schmaler = ... vielleicht bekommen wir eine Katze), Nr. 18 (... spann’ sein dofer Oberman = ... schau seinen schönen Hut), Nr. 24 (... ich schwäch’ ein Stielingsjohle = ... ich trinke einen Birnenmost; ... schwächt ... Gefinkelter = ... trinket ... Branntwein), Nr. 25 (... ich bestieb’ ein Stumpf = ... ich bekomme einen Zorn; ... der Ruch pflanzt ein linker Giel = ... der Bauer macht einen wüsten Mund) usw.; 2) der Gebrauch des relat. räuml. Adv. wo statt des Relativpronomens welcher (-e -es) bezw. der (die das), worüber zu vgl. u. a. v. Schmid, Schwäb. W.-B. S. 536/37 u. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 828 (unter „wo“, lit. c). Beispiele: Nr. 21 (... in dem Mochem, wo man spannt = in dem Dorfe, das man ḍ sieht); Nr. 25 (... Ulme, wo kasperet = Leute, die zaubern).
III. Zum Teil gleichfalls auf die Mundarten beschränkt, zum Teil aber auch allgemein volkstümlich erscheinen gewisse (übrigens nur neben den schriftdeutschen Formen auftretende) Veränderungen (namentlich Kürzungen) verschiedener (kurzer) Wertgattungen) so: 1) des (bestimmten und [häufiger] des unbestimmten) Artikels; s. Nr. 11 (d’ Schmaler = die Katzen); Nr. 18 (in de’ Griffling = in der Hand; auf’em Kiebes = auf dem Kopfe); Nr. 19 (vor’m Jahne = vor einem Jahre); Nr. 25 (s’ Glied = der Sohn; in’s Steinhäufle = in die Stadt); bes. aber (betr. a’ = ein [einer, eine]; vgl. dazu v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 1 u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 578): Nr. 24 a’ jenisches Model; a’ jenischer Fiesel); Nr. 25 (a’ Schuberle; a’ Schafnas’; a’ Finkelmoss); 2) des adj. Zahlpronomens kein (-ner, -ne) = kei’ (vgl. dazu Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310); s. Nr. 25 (kei’ Kenem = keine Laus); 3) des besitzanzeigenden Fürworts mein (-ner, -ne) = mei’; s. z. B. Nr. 11 (mei’ Keiluf); Nr. 14 (mei’ Patris); Nr. 15 (mei’ Moss); Nr. 35 (mei’ Kluper); 4) der persönlichen Fürwörter in Verbindung mit Zeitwörtern; vgl. z. B. a) du = d’; s. z. B. Nr. 13 (bis d’ umbohlst = bis du umfällst); b) dir = der; s. Nr. 27 (Schmusder nobis = sag’ dir[’s] nicht); c) dich = te in der (z. B. in Nr. 20, 25 [öfter] begegnenden) Imperativform schupfte (für: schupf dich) = hör’ auf (schweig’ still); d) ihm = (e)m; s. Nr. 20 (ich schmusem’s = ich sage es ihm); e) sie (Nom. u. Akkus.) = s(e); s. z. B. 23 (hauretse ...? = ist sie ...?); Nr. 25 (ich ... bukles’ = ich trage sie); Nr. 28 (schniffse = nimm sie); Nr. 32 (gneistse lore ...?); f) es (Nom. u. Akkus.) = ’s; s. Nr. 8, 9, 18 (s’ schefft od. s’ hauret ein Sins = es ist ein Herr; ich spann’s = ich sehe es; er gneist’s = er merkt es); Nr. 19, 25 (s’ hauret = es ist) u. a. m.; g) man = mer (vgl. dazu v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 382 unter „mer“, Nr. 1; Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1433 unter „man“; auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1642 unter „mir“, lit. c); s. Nr. 22 (... da bestiebtmer nobis = ... da bekommt man nichts); h) wir = mer oder (etwas seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382 unter „mer“, Nr. 2 u. S. 533 unter „wir“; Fischer, a. a. O. IV, Sp. 1433 unter „man“ a. E.; Schmeller, a. a. O. I, Sp. 1641 unter „mir“, lit. b); Beispiele: α) für mer: Nr. 11 (bostemer = gehen wir; bestiebemer = bekommen wir); Nr. 19 (ruedlemer ...? = fahren wir ...?; buttemer ...? = essen wir ...?); Nr. 25 (Wo schlaunetmer = Wo schlafen wir?) u. a. m.; β) für mir: Nr. 25 (Dann [Jetzt] pfichet mir in Sauft[linge] = dann (jetzt) gehen wir zu Bett; bostet mir = gehen wir; pflanzet mir Blatt = übernachten wir im Freien; bestiebet mir = bekommen wir); i) ihr = er; s. Nr. 25 (durmeter noch nobis? = schlaft ihr noch nicht?); Nr. 27 (haureter? = seid ihr?); k) euch = ich; s. Nr. 25 (schupfetich = seid still; der Koele mussich bukele = der Teufel muß [soll] euch holen). — Oft werden auch die persönl. Fürwörter ganz weggelassen; s. z. B. Nr. 4 (hauerst begerisch? = bist du krank?); Nr. 6 (was sicherst? = was kochst du?); Nr. 13 (in Nolle hauret = im Krug ist er [näml. d. Most]); Nr. 25 (spannst nobis = siehst du nichts; dann scheffte schiebes = dann gehe ich fort; pflanze = mache ich) u. a. m.
IV. Auch allerlei Abkürzungen durch Weglassung der Endsilben (Buchstaben) oder der Anfangssilben — bei Haupt-, Eigenschafts-, Umstands-, namentlich aber Zeitwörtern — stehen (gleich den Fällen unter III) in Übereinstimmung mit der allgemein oder doch mundartlich üblichen Redeweise des Volkes überhaupt. Beispiele: 1) für Kürzung durch Weglassung der Endsilbe -e (-en): a) bei Substantiven: Nr. 25 (a’ Schafnas’); b) bei Adjektiven: u. a. Nr. 16 (die jenisch Moss); Nr. 19 (mit der dof Beizere); Nr. 25 (in die dof Duft; die dof Latt) usw.; c) bei Adverbien: Nr. 11 und öfter (heut’ [Leile] = heute [Nacht]; d) bei Verben: hier ist dieser Sprachgebrauch für die erste Person Präsentis und den Imperativ so häufig, daß er fast als Regel erscheint, immerhin finden sich in diesen Fällen auch noch die volleren Formen, und zwar zuweilen unmittelbar neben den kürzeren; vgl. z. B. (für die 1. Person Präs.) Nr. 16 (Ich boste und beschrenk’ = ich gehe und schließe zu) und (für den Imperativ) Nr. 28 (Pflanz’, doge mir ein Funkerle = Mach’, gib mir ein Streichholz); 2) für Kürzung durch Weglassung der Anfangssilbe (ge-): bei Zeitwörtern (Partizipien): Nr. 17 (’buttet = gegessen); Nr. 25 (ein’bascht = eingekauft; ’pflanzte Sore = gemachte Ware; ’dalft = gebettelt); Nr. 33 (’dogt = gegeben) usw. Den Übergang dazu vermittelt g’ statt ge-; s. z. B. Nr. 24 (g’schallet = gesungen); Nr. 25 (abg’schunde Gleis, g’sprunkt, g’hauret usw.).
V. Eine spezielle (wohl auch auf mundartlichen Einfluß zurückzuführende) Eigentümlichkeit des Wittichschen Jenisch ist endlich noch der Gebrauch der Endsilbe -et statt des im Schriftdeutsch üblichen -en in mehreren Zeitwortformen, nämlich für den Infinitiv, für die erste und für die dritte Person Pluralis des Präsens, wofür sich übrigens mehrfache Beispiele auch schon im W.-B. des Konstanzer Hans („Schmusereyen“) finden, dessen Ähnlichkeiten mit unserem Jenisch ja auch sonst mehrfach auffallen (vgl. schon „Vorbemerkung“, S. 3, Anm. 4, S. 6 u. in dieser Anm. oben S. 73 sowie noch weiter unten die Anm. 2284 zu den „jenischen Schnadahüpfeln“). Beispiele: 1) für den Infinitiv: a) in W.-B. des Konst. Hans: 256 u. 258 (z’ malochet = zu plündern; z’ holchet = zu laufen); 259 (z’ kahlet und z’ schwächet = zu essen und zu trinken); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 12 (z’ schwächet = zum Trinken [zu trinken]); Nr. 21 (z’ biket und z’ schwächet = zu essen und zu trinken); Nr. 25 (z’ buttet = zu essen; z’ dalfet = zu betteln); 2) für die erste Person Plur. des Präs.: a) im W.-B. des Konstanzer Hans: 256 (Holchet mir ...? = Kommen wir ...?); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 11 (vielleicht bestiebemer ... und spannet = vielleicht bekommen wir ... und sehen); Nr. 18 (dass wir ... schmuset = daß wir ... sprechen); ebds. (wir pfichet = wir gehen); Nr. 19 (Schwächet und buttemer ...? = Trinken und essen wir ...?); Nr. 20 (Wir zeinet ... und schefften schiebes = wir bezahlen ... und gehen fort); Nr. 25 (wir kemeret = wir kaufen usw.); ebds. ([schon oben unter Nr. III, 3 lit. h als Belege für den Gebrauch von mer und mir = wir angeführt]: Wo schlaunetmer?; Jetzt pfichet mir in Sauft; bostet mir; pflanzet mir Blatt; bestiebet mir); 3) für die dritte Person Plur. des Präs.: a) im W.-B. des Konst. Hans: 256 (... den Kochem, die schiaunet = ... den Dieben, die schlafen; S’e schmuset = sie sagen; Jetzt schwächet s’e = Jetzt trinken sie); 260 (... Grandscharrle schefftet lau und Prinzen schefftet lau schofel = ... Die Hatschier’ sind für nichts, und die Herren sind gar nicht scharf); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 4 (Buz und Scharle hauret ... dof = Polizeidiener und Schultheiß sind ... gut); Nr. 25 (Durmet die Schrawiner? = Schlafen die Kinder?; herles pfichet Ulme = hier kommen Leute; die Horboge hauret am Kaim = die Kühe gehören dem Juden) u. a. m. — Die sonst noch vorkommenden Abweichungen von der Schriftsprache bedürfen kaum einer besonderen Hervorhebung oder Erläuterung.
Ey lustig seyn Kanofer (die Diebe, Schorne) Dann sia thun nichts als Schofle; Wann sia kenne Rande fülla Und brav mit der Sore springa. Hei ja! Vi va! Grandscharrle, was machst du da?
Zu Kanofer, das auch das Pfulld. J.-W.-B. 338 (Kanoffer = Dieb; vgl. 339, 343, 345) kennt u. das auch sonst im Rotwelsch vorkommt, s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 193, der das Wort in erster Linie zwar zu jüd. chonef = „Heuchler, Betrüger“, chanufa = „Heuchelei“ gestellt hat (vgl. dazu auch Weigand im „Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen“, Jahrg. 1846, Nr. 74, S. 300 [unter Nr. 13]), jedoch hinzufügt, daß es „doch (auch) wohl nicht ohne Beziehung zu ganfen, stehlen“ sei.
Schicksal, was hot auch der Kochern g’schmußt, Wia er ist abgeholcht von dier? Er hat g’schmußt: Wann er vom Schornen holch, Scheft er gleich wieder zu mier.