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Die jenische Sprache

Note 126 — Anmerkungen.

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Diese Bezeichnung setzt ein Zeitw. flu(h)ten voraus, das aber (für sich allein) in Wittichs Vokabular nicht vorkommt. Das Stammwort ist das Subst. Flu(h)te (masc. gen.), hier im Sinne von „Brühe“ (s. d.), sonst bes. = Wasser (Bach, Bad, Fluß, Flut, Gewässer, Quelle, See, Strom, Teich), das auch als Adj. (= naß) gebraucht wird. Es erscheint beliebt in Verbindungen, wie biberischer Flu(h)te (Biberischerflute) = Eiswasser (eigtl. „eisiges Wasser“), bostender Flu(h)te = laufendes Wasser (und dazu die Redensart: Flu[h]te bostet mer herab = ich schwitze (eigtl. „das Wasser läuft mir herab“, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. das Näh. unter „schwitzen“]) und grandich Flu(h)te (eigtl. „großes [oder größtes] Wasser“) = Meer (vgl. „Vorbemerkung“, S. 19, Anm. 49), namentlich aber in Zusammensetzgn., wie a) am Anfang stehend: Flu(h)tesore = Brücke (s. d.), aber auch Wasserfaß, Flu(h)tekies (eigentl. „Wasserstein“) = Insel (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen), Flu(h)tefläderling (eigtl. „Wasservogel“) = Bachstelze, Flu(h)tekupfer = Meergras oder Schilf, Flu(h)tegroenikel = Meerschweinchen, Flu(h)tefu(h)l oder -schund = Schlamm, Flu(h)tekib = Seehund, Flu(h)tegachne oder -stierer = Wasserhuhn, Flu(h)tenolle = Wasserkrug, Flu(h)terolle = Wassermühle; b) ans Ende gesetzt: Scheinlingflu(h)te = Augenwasser, Flösselflu(h)te = Harn (Urin), aber auch Regenwasser, Pfladerflu(h)te = Waschwasser, Süßlingflu(h)te = Zuckerwasser; über Biberischerflu(h)te (in einem Wort geschr.) s. schon oben unter a. Eine weitere Ableitung von Flu(h)te (außer abflu[h]ten) ist das Adj. flu(h)tich = feucht, wässerig, auch als Subst. (Flu(h)tich gebr. = Nässe. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Flude = Wasser); Pfulld. J.-W.-B. 337, 342, 346 (ebenso, Bedeutg. auch: Bach; grandig Flotte = Meer); Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (Flude oder Flute, auch Flôte = Wasser, Fludi = Kaffee [in Pfedelb. (210) dafür Schwarzflude od. -floße]; in Lütz. [215]: flude[n] = regnen). Der Etymologie nach gehört das (auch sonst im Rotwelsch bekannte) Wort (vgl. z. B. schon Basl. Gloss. 1733 [202: Flodi]) wohl zweifelsohne zu unserem deutschen „Flut“. Vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1597 vb. mit Weigand, W-B. I, Sp. 564/65.

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