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Die jenische Sprache

Note 224 — Anmerkungen.

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Das Adj. schofel (auch schoffel) hat im wes. die gleichen Bedeutgn. wie lenk. Es fehlt nur unter „gemütlos“ u. „wüst“ (wohl bloß versehentlich), während anderseits nur schofel (nicht aber lenk) angeführt ist unter den Ausdrücken: arm, entzwei, gemein, kümmerlich, lasterhaft, niederträchtig, schamlos, schlecht (wofür lenk gewiß nur versehentl. fortgelassen), traurig, treulos, unanständig, verrucht; als Subst. gebraucht ist es = Gefahr, Schmach (wie Lenk) u. außerd. noch = Not. Der Komparat. schofler ist durch „böser“ wiedergegeben. Viel häufiger als mit lenk sind mit schofel Verbindgn. od. Zusammensetzgn. für selbständige Begriffe gebildet worden, nämlich: a) Verbindgn. schofle Model = Beischläferin, Dirne (Freudenmädchen, Hure [für letzteren Ausdr. Syn. auch: schofle Schüx]), schofle Moss = Ehebrecherin, Kebsweib (für letzt. auch: schofle Goi), schofler Kaffer (auch — Benk, — Fiesel od. — Freier) = Heuchler (alles [außer sch. Benk] auch unter „Hurenkerl“ angeführt; sch. Benk [Benges] oder Fiesel auch = Krüppel); schofler Begersins = Quacksalber, schofler Kritzler (wie lenker Kr. [s. oben Anm. 223] = Steckbrief; vgl. auch noch die Redensart schofle Falle (-la) pflanzen = „huren“; b) Zusammensetzungen (d. h. in einem Wort geschr.): Schoflelehm = Schwarzbrot (vgl. als Gegenst. Dofelehm = Weißbrot [oben S. 111, Anm. 188]), Schoflergalm = Stiefkind, Schoflemamere = Stiefmutter, Schoflerpatris = Stiefvater, Schofelkitt = Zuchthaus. Ableitungen: Schofelei = Unglück (s. dazu Schofeleifläderling = Rabe [vgl. oben S. 100, Anm. 165]), Schoflerei = Gericht, Amtsgericht (vgl. dazu grandige Schoflerei = Land- [Kreis-, Kriminal-] Gericht u. Schoflereisitzling = Richterstuhl, dagegen Schoffeleischure = Gerichtsvollzieher). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 92, 97, 99, 101 (schofel = falsch, streng, Schofel-fleppe = falscher Paß, schofel Marum, Lehm [od. Lechem] = schwarzes Brot, Schofel Kitt = Zuchthaus); W.-B. des Konst. Hans 256, 257, 259 (schofel = bös, schofler Kaffer = böser Mann, Schofelkitt = Zuchthaus); Schöll 272, 273 (schovel = schlimm, schovel Gasche = schlimme Leute); Pfulld. J.-W.-B. 344, 346 (schofel = schlimm, Schofelkitt = Zuchthaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (schofel = schlecht); Schwäb. Händlerspr. 486 (ebenso, abweichend vom sonst. Sprachgebr. in Lütz. [214]: Schofel-Kitt = Abtritt [vgl. oben S. 44, Anm. 147]). Etymologie: Die Vokabel, die etwa seit Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. u. dann auch in unserer Schriftsprache auftritt, ist jüdisch-deutscher Herkunft (von „einem nicht gerade üblichen“ schōfēl (statt: schāfāl), dem Partizip des hebr.-rabb. schāfēl = „niedrig gemacht, gedemütigt werden, sinken“). S. Weigand, W.-B. II, Sp. 776 vbd. mit A.-L. 603 u. 475, Günther, Rotwelsch, S. 94, Stumme, S. 19 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 495.

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