Note 188 — Anmerkungen.
Reading edition
Das Adj. dof (weit seltener: duft [das in der modern. Gaun.- u. Kundensprache überwiegt]) mit der Grundbedtg. „gut“ (dazu Komparat.: döfer = besser) wird in überaus weitem Sinne gebraucht, wie folgende Übersicht der verschiedenen einzelnen Begriffe (bei denen das [gleichzeitige od. alleinige] Vorkommen der Form duft in Klammern angemerkt ist) dartut. Es bedeutet nämlich noch: anständig, anwendbar (auch duft), artig, aufrichtig, beliebt, bequem, bieder, brav, brauchbar (nur duft; s. d. Verbdgn. unter dies. Worte), dienstfertig, dienstwillig, echt, edel, ehrbar, ehrenhaft, ehrenwert, ehrlich, fein, folgsam, freundlich, friedfertig, frisch (Spr.); geeignet, zufällig, gefühlvoll, geheilt, gemütlich, gemütvoll, genesen, geschmeidig, gesund, getreu, gerecht, geziemend, gnädig, günstig (auch duft), gütig, gutmütig, heil, heilsam, herzlich, hochherzig, höflich, hold (auch duft), hübsch (auch duft), keusch, kostbar, leutselig, lieb, liebenswürdig, lieblich (auch duft), liebreich (auch duft), nobel (auch duft), nützlich, prächtig, sanft, sauber, schamhaft, schön, sittsam, tauglich (auch duft), treu, tüchtig (auch duft), tugendhaft, unschuldig, verschämt, vortrefflich, vorzüglich, wahrhaft, wohlwollend, willig, züchtig; dazu weiter die Verneinung nobis dof (eigtl. „nicht gut“) = garstig, nichtswürdig, treulos, unecht, unkeusch, unnütz, unrichtig, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos. Sowohl dof wie nobis dof sind dann auch zu Hauptwörtern erhoben worden, und zwar ersteres für „Glück“ od. „Pracht“, letzteres für „Trübsal“ oder (flektiert: nobis Dofs) für „Übel“ (vgl. „Vorbemerkg.“, S. 15, Anm. 38). Die Umschreibung dof diberen od. schmusen (d. h. „gut reden“, [von jmd.]), bedeutet „(jmd.) loben“. Ferner sind dof u. nobis dof in Verbindg. mit Substantiven zur Umschreibung zahlreicher Begriffe verwendet worden, für die es im Jenischen an besonderen (selbständigen) Bezeichnungen fehlt (vgl. dazu „Vorbemkg.“, S. 17, 18, Anm. 47 u. S. 19, Anm. 48). So: a) Verbindgn. mit dof: dofer Schmunk (d. h. etwa „gutes Fett, Schmalz“) = Butter, dofer Kies (d. h. „schöner Stein“) = Diamant, Edelstein, dofer Schwimmerling (d. h. „schöner Fisch“) = Forelle, dofer Benges od. Benk (d. h. etwa „lieber Bursche“) = Geliebter, Liebhaber u. dofe Model (d. h. „liebes Mädchen“) = Geliebte, Liebhaberin (wogegen bei dofer Benk, Freier od. Fiesel im Sinne von „Junker“ nach Wittich dofer als Komparativ aufgefaßt werden soll, so daß die Umschreibung soviel wie „besserer Jüngling“ od. „besserer junger Mann“ bedeute), dofer Rädling (d. h. „schöner Wagen“) = Kutsche, dofer Lanenger (d. h. etwa „schöner [feiner] Soldat“) = Offizier, dofe Kitt (d. h. „schönes Haus“) = Schloß. Durch die Zusammenziehung in ein Wort sind noch enger verbunden worden: Dofefläderling (d. h. „schöner Vogel“) = Pfau (s. dazu schon oben S. 18, Anm. 47) u. Dofelehm (d. h. „gutes [feines] Brot“) = Weißbrot (Gegens. Schoflelehm [d. h. „schlechtes Brot“] = Schwarzbrot); b) Verbdgn. mit nobis (-es) dof od. duft: nobes dofer Glitschin (d. h. „kein guter Schlüssel“) = Dietrich (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr., vgl. auch schon „Vorbemerkung“, S. 18), nobis dufter Bich-, Kies- od. Lobepflanzer = Falschmünzer (s. dazu schon oben S. 105, Anm. 172) u. nobis dofs Jahne = Mißjahr (s. dazu schon oben S. 104, Anm. 170). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (tof = gut); W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (dof = gut); Schöll 271 (tov = gut); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 344 (tofe = gut, töfer = besser, dov = schön, Tofe = Biedermann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (duft [dov] = gut); Schwäb. Händlerspr. 481, 484 (dof [in Pfedelb. (212): dov] = gut, schön; in Pfedelb. [209]: auch döver = besser). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (dôf od. tôf = gut. Zur Etymologie (vom hebr. Tôb[h] [tōf] = „gut“) s. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 156; vgl. auch Weber-Günther, S. 155, Seiler, Lehnwort IV, S. 490, u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 246 (unter „tof“) u. 445 (unter „duft“).