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Die jenische Sprache

Note 419 — Anmerkungen.

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Diese merkwürdige Art der Steigerung, bei der grandicher als eine Art Komparativ erscheint (wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch „größer“ wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte — Grundstufe (der „Positiv“) als Superlativ fungiert, erinnert an einen in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden Sprachgebrauch, wonach etwa ein „besseres Kindermädchen“ nicht so hoch geschätzt wird wie ein „gutes“, ein „älterer Herr“ jünger zu sein pflegt als ein „alter“ usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B. durchgeführt (außer bei Kolb, grandicher Kolb, grandich Kolb) noch in folgenden Fällen: Sins = „Herr“ (Edelmann, Gebieter), grandicher Sins = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, grandich Sins, d. h. „der größte Herr“, = König (fem. grandich Sinse = Königin); Grünwedel = Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, grandicher Grünwedel (d. h. — wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. „der größere Forstmann“) = Förster, grandich Grünwedel (d. h. „der größte Forstmann“) = Oberförster; Schuker = Gendarm, grandicher Schuker = Wachtmeister (Obergendarm), grandich Schuker = Oberwachtmeister; Bu(t)z = Polizeidiener, grandicher Bu(t)z = Polizeiwachtmeister, grandich Bu(t)z = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu Lanenger = Soldat, grandicher Lanenger (Grandicher-Lanenger) = Offizier, insbes. Hauptmann ein Superlativ grandich L., den man etwa für den Oberst oder General erwarten dürfte; vielmehr hat grandich Lanenger im Vokab. die Bedeutg. von „Heer“, ist demnach als Plural und in dem Sinne von „(sehr) viele Soldaten“ auszulegen. In gleicher Weise ist grandich auch sonst noch verwendet worden, so z. B. in grandich Ulma = Menge (eigtl. „[sehr] viele Menschen“), grandich Schure od. Sore = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. „[sehr] viele Dinge“), u. in anderen Fällen ist es, weil ein (durch den Zusatz von grandicher gekennzeichnetes) Mittelglied fehlt, wohl einfach durch „groß“ oder „sehr groß“ wiederzugeben, so z. B. bei grandich Flu(h)te = Meer (eigtl. „[sehr] großes Wasser“), grandich Begerisch = Schwindsucht (eigtl. „[sehr] großes Siechtum“) oder grandich Babing od. Strohbutzer = Schwan (eigtl. „[sehr] große Gans“). Dagegen könnte man die Verbindg. grandich Flederling = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne nach wohl durch „größter Vogel“ (nämlich unter den bei uns in Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in grandicher Flederling = Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter „Adler“).

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