Note 171 — Anmerkungen.
Reading edition
Auch diese Umschreibung ist bei den Zigeunern gebräuchlich (s. Liebich, S. 139 u. 174: hakko diwes [d. h. „jeden Tag“] = alltäglich). — Das jenische Schei (od. Schein) = Tag (wofür früher Jamm gebräuchlich gewesen [vgl. oben „Einltg.“, S. 26, Anm. 70]), hat noch verschiedene Nebenbedeutungen, so: Helle (auch als Adj. gebr. = hell), Licht (Wachslicht, Kerze), Fackel (Wachsfackel), Ampel, Lampe, Laterne u. endlich Fenster. Mehrere dieser Bedeutungen begegnen auch in den Zusammensetzungen mit dem Worte, so: a) = Tag (nur ans Ende gestellt) in: Nilliche-(Ni[e]siche- od. Nuschiche-)schei = Fastnacht (vgl. oben S. 39, Anm. 132), Ja(h)neschei = Jahrestag (vgl. oben Anmerkg. 170), Bäzemeschei (eigtl. „Eiertag“) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr., vgl. auch „Vorbemerkung“, S. 18), Brandlengschei (eigtl. „Kuchentag“) = Kirchweihe, Flössleschei = Regentag, Bossertschei (eigtl. „Fleischtag“) = Sonntag (vgl. schon oben S. 31, Anm. 119); b) = Licht (od. Lampe): α) vorangestellt: in Scheischure (eigtl. „Licht- [od. Lampen-] Ding“) = Docht u. Scheinpflanzer = Lichtzieher; β) ans Ende gestellt: in Schuberleschein (d. h. „Gespensterlicht“) = Irrlicht (s. d. betr. die Zigeunerspr.), Leileschei(n) = Nachtlicht, dann aber auch Mond u. Stern (vgl. dazu schon oben S. 37, Anm. 127); c) = Fenster: in Scheiglansert = Fensterglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255, (Schaispringer = „Diebe, die bei Tag stehlen“); übereinstimmend damit in der Bedeutg.: Scheinspringer bei Schöll 269, 270 u. im Pfulld. J.-W.-B. 345 (vgl. hier [339] auch noch Prenzenschein = Feiertag, während Schein — ohne Zusatz — [337] so viel wie „Auge“ bedeutet); Schwäb. Händlerspr. 487 vbd. mit 479, 480, 483 (Schein = Tag, Nebenbedtgn.: Auge, Fenster, Licht; vgl. in Pfedelb. [214]: Bichschein = Zahltag). In den übrigen rotw. Quellen findet sich Schein für „Tag“ (abges. von der oben erwähnten Zus.) m. Wiss. zuerst bei Schintermicherl 1807 (288), für „Auge“ zuerst bei Pfister bei Christensen 1814 (328), dagegen schon im Basl. Glossar v. 1733 (201) für „Glas“. Aus den Krämerspr. vgl. noch: Pfälz. Händlerspr. 438 (Schainche = Auge, Fenster, Lampe), Metzer Jenisch 216 (Scheinche = Augen), u. Winterfeld. Hausierspr. 441 (Scheincher = Fenster). Der Etymologie nach gehört das Wort wohl zweifelsohne zu unserem gemeinsprachl. Schein (in dem ursprünglichsten Sinne von „ins Auge fallende Helle“, mhd. schîn, ahd. scîn = „Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit“ usw. (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 690/91); vgl. auch A.-L. 597. Über das stammverwandte Scheinling = Auge s. das Näh. unter „Augapfel“.