Note 147 — Anmerkungen.
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Fu(h)lkitt bedeutet (ebenso wie Schundkitt) wörtl etwa „Kothaus“, zu Kitt = Haus u. Fu(h)l = Dreck, Kot (Exkremente), Mist. Weitere Zusammensetzgn. damit sind noch: a) mit F. vorne: Fu(h)lnolle = Nachthafen; b) mit F. hinten: Flu(h)tefu(h)l = Schlamm. Ableitungen davon sind: das Subst. Fu(h)lete = „Abweichung“ (Diarrhöe) u. das Zeitw. fu(h)la = „austreten (schwer)“, d. h. cacare. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [214]: fūle[n] = cacare, Fūl-kitt = Abtritt, Fūl-nolle = Nachttopf). Zur Etymologie (vom zigeun. fūl = Kot, Dünger u. dgl. [vgl. Einleitg. S. 29]), s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Spalte 1821 (unter „fūle[n]“) vbd. mit Pott II, S. 391/92, Liebich, S. 135, 190, 216, Miklosich, Beiträge I/II, S. 10 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 238/239 (unter „khul“) u. Finck, S. 58. Bei Jühling, S. 220 (unter „Chen“) ist auch fuhlen (od fuhla) = „schwer austreten“ als zigeun. angeführt. — Kitt bedeutet Haus (Landhaus), ferner: Gebäude, Obdach, Wohnung, auch Käfig od. Stall (für Tiere). Das Dimin. Kittle ist angeführt für: Gartenhaus sowie für Arrest, Gefängnis, Haft oder Kerker; dazu: im Kittle = gefangen. Verbindungen mit Kitt sind: grandiche Kitt (d. h. „großes Haus“) = Hof u. dofe Kitt (d. h. „schönes Haus“ = Schloß (vgl. „Vorbemerkung“, S. 19, Anm. 49.) Sehr zahlreich sind die Zusammensetzungen, so a) mit Kitt voran: Kittkaffer = Hausherr, Kittpatris = Hausvater, Kittmoss = Hausfrau, Kittmamere = Hausmutter, Kittschenegler (fem. -ere) = Hausknecht (-magd), Kittkenluf od. -kib = Haushund, Kittglitschin = Hausschlüssel; b) mit Kitt hinten (außer den obigen drei Synon. für Abort) noch: Schenagelskitt = Arbeitshaus, Dercherkitt = Armenhaus, Bich- oder Lobekitt = Bank (d. h. Bankhaus; dazu: grandiche Lobekitt = „Münze“, d. h Münzwerkstätte, Syn.: Bichpflanzerskitt), Ruechekitt = Bauernhaus, Zschorkitt = Diebesherberge, Schlumerkitt = Herberge, Sinsekitt = Herren-(od. Herrschafts-)haus, Finkelkitt = Hexenhaus, Nille-, Ni(e)se- od. Nuschekitt od. Hegelkitt = Irrenhaus, Narrenhaus (vgl. auch „Tollhaus“), Kemererskitt = Kauf- od. Krämerladen, Nikel- od. Schnurrantekitt = Komödien- od. Schauspielhaus (Theater), Begerkitt = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital) od. Leichenhaus (vgl. grandich Begerkitt = Hospital, Lanenger-Begerkitt [eigtl. „Soldaten-Krankenhaus“] = Lazarett), Bommer- od. Keifkitt = Leihhaus, Kaflerkitt = Metzgerhaus (vgl. grandiche Kaflerkitt = Schlachthaus), Gallach- oder Kolbekitt = Pfarrhaus (vgl. grandich Kolbekitt = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.], Buzereikitt = Polizeiamt, Sturmkitt = Rathaus (s. Näh. unter dies. Wort), Klasskitt = Schießhaus, Plauderkitt = Schule (auch: Lehrerhaus), Blibelkitt = „Stundenhaus“ (d. h. „Versammlungshaus der Methodisten“), Patriskitt = Vaterhaus, Leilekitt = Wachthaus (wörtl. „Nachthaus“), Pfladerkitt = Waschhaus, Johlekitt = Weinhaus, Schofelkitt = Zuchthaus. Während in allen diesen Fällen Kitt mehr oder weniger die Bedeutg. von „Haus“ im gewöhnl. Sinne des Wortes hat, erscheint es etwas spezieller gebraucht in den Ausdrücken Gachne-, Stenzel- od. Stiererkitt = Hühnerhaus, Keiluf- od. Kibekitt, Hundehütte, Fläderlingskitt = Vogelbauer u. Luberkitt = Uhrgehäuse. Mit dem Dimin. Kittle sind gebildet: a) im Sinne von „kleines Haus, Häuschen“: α) am Anfang: Kittlekies = Backstein od. Dachziegel; β) am Ende: Ruchekittle = Bauernhäuschen(Spr.), Begerkittle (d. h.„Totenhäuschen“) = Sarg (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun., vgl. schon „Vorbmrkg.“, S. 18); b) im Sinne von „Gefängnis“ u. dergl.: Kittlebuz = Gefangenwärter. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89-93, 97, 98, 101 (Kitt = Haus u. kittlen = schlafen; ferner schon mehrere Zus. mit Kitt [Kitte], näml.: Sefle- od. Schund-Kitte = Abtritt, Prinzen Kitt = Amtshaus, Ruochen Kitt = Bauernhaus, Kocheme-Kitt = Diebesherberge, Sturmkitt = Rathaus u. Baiskitt = Wirtshaus; mit engerer Bedeutg. von K. noch: Flotschen-Kitt = Fischkasten); W.-B. des Konst. Hans 253-255, 257, 258 (Zus.: Ruoche-Kitt = Bauernhaus, T’schorr-Kitt = Diebesherberge, Gallacha-Kitt = Pfarrhaus, Sturm-Kitt = Rathaus, Baiserkitt = Wirtshaus, Schofelkitt = Zuchthaus); Schöll 272, 274 (die Kitteren = die Häuser u. Kitts = Herbergen [der „Stappler“]); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 340, 342, 343, 345, 346 (Kitt = Aufenhaltsort, Haus [Bauernhaus]; Zus.: a) mit Kitt: Bäkerischkitt od. Bollerskitt = Krankenhaus, Kollachekitt = Pfarrhaus, Rauschkitt = Strohhaus, Baiserkitt = Wirtshaus, Schofelkitt = Zuchthaus; b) mit Kit[t]le: Schmelzkittle = Abtritt, Gleiskittle = Milchhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 69 (Kittchen = Arrest, Gefängnis, Kittchenbos = Arrestaufseher); Schwäb. Händlerspr. 479, 482, 488 (Kitt = Haus, Arrest, Kittle = Arrest, Drîfekitt = Arrest od. Zuchthaus, in U. [213]: Schmelzkitt [in Pfedelb. (213): Schmelzkittle] = Abtritt u. Derches- od. Mangkitt = Bettelhaus; in Lütz. [214]: Fūl-Kitt od. Schofel-Kitt = Abtritt [hier letzteres also in anderem Sinne gebraucht als sonst üblich!]). S. noch Pfälz. Händlerspr. 438 u. Metzer Jenisch 216 (Kittche = Gefängnis bezw. Arrest). Die Etymologie des Wortes (das schon im Rotwelsch des 17. Jahrh. auftritt [vgl. Schütze, S. 74, unter „Kittchen“]) ist noch nicht sicher festgestellt (vgl. Stumme, S. 19 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 426), jedoch erscheint es wohl immer noch besser, deutschen Ursprung zu vermuten (s. Näh. darüber bei Günther, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit O. Weise in d. Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins, Jahrg. XVI [1901], Sp. 328; vgl. auch Weber-Günther, S. 177, unter „Kittche“) als (wie neuerdings z. B. wieder Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Anm. 1 in Übereinstimmg. mit A.-L. 558 befürwortet hat) es herzuleiten von dem jüdischen kissê = „Sitz, Sessel“, dessen Form und engere Bedeutung dagegen Bedenken erregen müssen.