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Deutsche Lyrik seit Liliencron

Rudolf Alexander Schröder.

Reading edition

Geboren am 26. Januar 1878 zu Bremen. – Unmut 1899. Lieder an eine Geliebte 1900. Sprüche in Reimen 1900. An Belinde 1902. Sonette an eine Verstorbene 1905. Elysium 1906.

Aus den „Liedern an eine Geliebte“.

Nun kam der Abend. Die Sonne geht ins Meer, Der Wind ruht im Laub, Den sanften Weg entlang Ziehen die Herden heimwärts. Sieh, wie die milden Berge In Dunkelheit verhüllt sind – Im Tal Blinken Lichter auf. Wanderer, wohin eilst du? „Nach Hause.“ Wohin eilst du?

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„Die Lüge“ sagst du Und „Die Wahrheit“ Und redest wie ein Narr. Sage „Die Liebe“ Und du redest wie ein Weiser.

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Ich habe keine Schmerzen: Aber die Sehnsucht verzehrt mich. Ich habe keine Sehnsucht: Aber mein Verlangen macht mich unruhig. Ich habe kein Verlangen: Aber meine Schmerzen quälen mich!

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Ach, noch immer glaube ich, Wenn ein Klang die Luft aufweckt, Daß deine Stimme Im Zweiggewirr der Bäume, In Blumen, Gebüsch und Gräsern Nachzitternd sich gefangenhält. Ach, noch immer glaube ich, Wenn ein Duft Von ungefähr Auf Windflügeln Zu mir kommt, Daß es dein Atem sei. Ach, noch immer glaube ich, Daß ich nicht ganz verlassen sei.

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Das Glück ist ein leerer Schall; Und der Schmerz ist ein Name. Was uns von allem bleibt, Ist: allein zu sein. Und ist uns allen ein Los, Daß wir viele Güter haben Und darben müssen.

Sonett an eine Verstorbene.

An jedem Tage gibt's ein Abschiednehmen; Und irgend etwas, das uns angehört, Wird jeden Augenblick für uns zerstört Und wandelt hin zu den vergessenen Schemen. Wohl, über dieses soll sich keiner grämen, Weil immer auch ein Neues uns betört; Und kein Verlassen ist so unerhört, Dem wir uns nicht zu guter Letzt bequemen. So gehn auch wir, und lassen alle Welt Und sind nicht mehr; und jenes Wort: Gewesen Erklingt von uns, wie wir's von vielem sagen. Doch daß auch du dich denen zugesellt, Von denen wir nur noch den Namen lesen, Mein Herze will das nicht, und will's nicht tragen!

Aus dem Buch „Elysium“.

Sie lassen sich am Ufer nieder, Sie legen ihre reinen Glieder Auf leichten Sand. Entschlummern sie, so ist ihr Träumen Wie das von Wellen oder Bäumen Voll Unbestand. Sie sind so schön, weil sie im Fächeln Der reinen Lüfte immer lächeln, Wie ausgesöhnt. Sie singen auch. – Wer möchte hören, Was diesen Nachtigallen-Chören Ganz klar enttönt? Sie wandeln über sanfte Matten Ins grüne Dunkel kühler Schatten, Sie schwinden hin. – Oh holde Seelen, voll Beglückte, Ihr nicht Geplagte, nicht Entzückte, Ihr ohne Sinn!

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Wenn sie wandeln, drückt dem Wiesenrain Sich der schattenhafte Fuß nicht ein. Wenn sie ruhn, so ist der leichte Gast Seiner Lagerstätte keine Last. Wenn sie wünschen, das ist flüchtig auch, Kaum ein Traum, ein Atemzug, ein Hauch. Wenn sie lieben, das ist kaum ein Blick, Kaum ein Gruß. – So leicht ist dort das Glück. Alles ist ja leicht im untern Reich. – Leichte Schatten, wir begrüßen euch!

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Leise laß sie ihren Reigen führen, Ohne ihre Schwermut anzurühren. Laß sie träumend dir vorüber hasten, Ohne ihre Leere zu belasten. Sorge nicht, sie heute zu verstehen, Denn dir wird wie ihnen bald geschehen. Freue dich, daß sie dich nicht erreichen, Morgen, morgen bist du ihresgleichen.

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