Hugo Salus.
Reading edition
Geboren am 3. August 1866 zu Leipa in Böhmen, studierte Medizin in Prag und lebt daselbst als Frauenarzt. – Gedichte 1897. Neue Gedichte 1899. Ehefrühling 1899. Reigen 1900. Ernte 1903. Neue Garben 1904. Die Blumenschale 1907.
An blauen Frühlingstagen.
Vom stolzen Glück des eignen Werts getragen, Als brächt' ihr Blühn der Landschaft erst Gewinn, Gehn schöne Fraun an blauen Frühlingstagen Wie Königinnen durch die Menge hin; Als hätt' der Knabe Frühling nur im Sinn, Das Krönungsvließ um ihren Leib zu schlagen Und, wie ein Page, seiner Königin Mit stillem Dank die Schleppe nachzutragen …
Im stillen Hafen.
Dies ist mein Glück: in allen Bitternissen Des Seins daheim mein junges Weib zu wissen, Das mädchenhaft und hold und lieb und rein Nichts andres wünscht, als mein, nur mein zu sein; Das weich ihr Haar anschmiegt an meine Wange Und mir vertrauend, wie ein frommes Kind, Mit feuchten Augen, die voll Güte sind, Für Gaben dankt, die – ich empfange.
Erinnerung.
Zünd festlich im Salon die Kerzen an, Zieh aneinander erst des Vorhangs Spitzen, Ich schiebe zum Kamin die Sessel dann, Dort laß uns, uns umarmend, niedersitzen. Denn sieh, an solchem Winterabend oft Bin als Student ich durch die Stadt gegangen. Mein Auge, das Erfüllung nie gehofft, Ist oft an solchen Lichtes Schein gehangen. An Lampenschein, der mild ins Dunkel bricht, An Fenstern, draus ich frohe Stimmen hörte, An Schatten hinterm Vorhang, eng und dicht, Indes die Sehnsucht drunten mich verzehrte. Heut ist ein solcher Abend, kalt und rauh, Das Glück vertieft sich mir in diesen Räumen: Lehn fest dein Haupt an mich, geliebte Frau, Recht fest an mich – und laß mich träumen, träumen!
Frühlingsfeier.
Ein Blütenzweig, blaßrosa, weiß und grün, Die Welt hat tausend solcher Blütenäste, Da darf der eine auch für uns erblühn Und darf verblühn bei unserm Liebesfeste. Befrei das schwere Haar von Kamm und Band Und laß die schwarzen Fluten niederwallen Auf dieses blumenhelle Lenzgewand, Und laß die neidischen Achselspangen fallen! Nun nimm den Blütenzweig – wie wunderbar Die Blüten glühn von deines Pulses Schlägen! – Und rühre mir die Stirne und das Haar Und sprich dazu den heiligen Frühlingssegen: „Blick auf, der Lenz ist kommen über Nacht, Die Welt ist voll von Liebe und Erbarmen!“ Ich blicke auf; der Frühling ist erwacht; Ich halt' den ganzen Frühling in den Armen!