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Deutsche Lyrik seit Liliencron

Hermann Hesse.

Reading edition

Geboren am 2. Juli 1877 zu Calw im Schwarzwald. – Gedichte 1902. Musik des Einsamen 1915.

Der schwarze Ritter.

Ich reite stumm aus dem Turnier, Ich trage aller Siege Namen. Ich neige mich vor dem Balkon der Damen Tief. Aber keine winkt nach mir. Ich singe zu der Harfe Ton, Aus der die tiefen Laute steigen. Alle Harfner lauschen und schweigen, Aber die holden Frauen sind entflohn. In meines Wappens schwarzem Feld Sind hundert Kränze aufgehangen, Die gold von hundert Siegen prangen. Aber der Kranz der Liebe fehlt. An meinem Sarge werden sich bücken Ritter und Sänger und werden ihn Mit Lorbeer bedecken und bleichem Jasmin, Aber keine Rose wird ihn schmücken.

Nach Paul Verlaine.

Ich träume wieder von der Unbekannten, Die schon so oft im Traum vor mir gestanden. Wir lieben uns, sie streicht das wirre Haar Mir aus der Stirn mit Händen wunderbar. Und sie versteht mein rätselhaftes Wesen Und kann in meinem dunklen Herzen lesen. Du fragst mich: ist sie blond? Ich weiß es nicht. Doch wie ein Märchen ist ihr Angesicht. Und wie sie heißt? Ich weiß nicht. Doch es klingt Ihr Name süß, wie wenn die Ferne singt – Wie eines Name, den du Liebling heißt Und den du ferne und verloren weißt. Und ihrer Stimme Ton ist dunkelfarben Wie Stimmen von Geliebten, die uns starben.

Elisabeth.

Ich soll erzählen, Die Nacht ist schon spät – Willst du mich quälen, Schöne Elisabeth? Daran ich dichte Und du dazu, Meine Liebesgeschichte Ist dieser Abend und du. Du mußt nicht stören, Die Reime verwehn. Bald wirst du sie hören, Hören und nicht verstehn.

Die frühe Stunde.

Silbern überflogen Ruhet das Feld und schweigt, Ein Jäger hebt seinen Bogen, Der Wald rauscht und eine Lerche steigt. Der Wald rauscht und eine zweite Steigt auf und fällt. Ein Jäger hebt seine Beute, Und der Tag tritt in die Welt.

Lady Rosa.

Du mit der Stirne voller Licht, Du mit den wunderbaren Braunaugen und den seidnen Haaren, Ich kenne dich! Du aber kennst mich nicht. Du mit dem klaren Angesicht, Du Zarte mit deinen leisen, Fremdländischen, süßen Liederweisen, Ich liebe dich! Du aber kennst mich nicht.

Fiesole.

Über mir im Blauen reisen Wolken, die mich heimwärts weisen. Heimwärts in die namenlose Ferne, In das Land des Friedens und der Sterne. Heimat! Soll ich deine blauen Schönen Ufer niemals schauen? Dennoch ist mir, hier im Süden müßten Nah sein und erreichbar deine Küsten.

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