Prinz Emil von Schönaich-Carolath.
Reading edition
Geboren am 8. April 1852 zu Breslau, wurde Dragoneroffizier, nahm den Abschied, war viel auf Reisen und lebte zuletzt auf Schloß Haseldorf in Holstein, wo er am 30. April 1908 verstarb. – Lieder an eine Verlorne 1878. Dichtungen 1883. Gedichte 1903.
Albumblatt.
Hab nicht zu lieb die knospende Rose; Es flöge gar bald Ohn' Heimat, ohn' Halt Ihr Duft dir vorüber ins Uferlose. Unsterblich ist der Schmerz allein. Was nie du besessen, Ersehnt, nie vergessen, Wird deines Himmels Grundbau sein.
Der betrübte Landsknecht.
Das Land durchströmt der Regen, Singschwäne südwärts ziehn, Nun will aufs Herz ich legen Ein Sträußchen Rosmarin. Das haben zwei Hände, zwei schmale, Durchflochten mit schwarzem Band, Drauf haben zum letzten Male Zwei Mädchenlippen gebrannt. Hoch braust ein Krieg durch Flandern, Dort muß gewürfelt sein, Die Werbetrommeln wandern Um Jülich und Bei-Rhein. Nach Spanien über die Schelde Zieht gleißender Heerestrab; Herr Christ, hilf allen zu Gelde, Uns beiden gib ein Grab. Drauf sollen zwei Linden wiegen Die Wipfel glückbesonnt, Draus sollen zwei Herzen fliegen, Die nimmer sich trennen gekonnt.
Genrebild.
Herr Holger am Kamine sitzt, Sein Brackhund bei ihm wacht, Nacht ist's, die Flamme springt und blitzt Und der Klotz in der Lohe kracht. Herr Holger in Sinnen versunken ist, Er wirrt des Bartes Flaum. Es streckt die Bracke den Widerrist, Und beide sinken in Traum. Es denkt der Hund an einen Tag, Da die Heide hilfefern, Da der Keiler über Herrn Holger lag Und er befreit' den Herrn. – Herr Holger martert seine Stirn In Sinnen schwer und stumm: Wie er zu Willen einer Dirn Den Blutsfreund brächte um.
Altes Bild.
Der Markusdom, der bunte, klangumtönte, Hat seine Pforten gähnend aufgeschlagen, Am Hochaltar, wo Priester Kerzen tragen, Thront stolz der Doge, der vom Volk gekrönte. Es lehnt an ihm in mädchenhaftem Zagen Sein junges Weib, das holde, glückverschönte. Ein Page, der an Schleppendienst gewöhnte, Kniet stumm dabei in Puffenwams und Kragen. Der Weihrauch dampft, zu Ende geht die Messe, Es blickt verklärt die schöne Dogaresse … Doch sehen könnt ihr, wenn ihr näher tretet, Daß tief im Samt, dem dunkelvioletten, Des Pagen Hand und ihre sich verketten – Der alte Doge kniet im Stuhl und betet.
Künstlerroman.
Als tot auf schlechtem Gasthofbette lag Sein junges Weib bei Unschlittkerzenflammen, Da schob Papier, verstreutes, er zusammen, Und schrieb darauf bis an den grauen Tag. Es ward an Inhalt und an süßem Schalle Ein also großes, ewiges Gedicht, Daß die Genossen es verstanden nicht, Und schweigend wichen, tiefergriffen alle. Er aber blieb allein mit einem Sarg, Darin begrub er seine Jugendliebe – Und jenes Buch, das ew'gen Ruhm verbarg, Und das kein Denker leichthin nach ihm schriebe, Er schob es unters fahle Goldgelock Als Ruhekissen für die schöne Tote, Und riß sich aus den Hecken einen Stock Und schritt hinaus ins Morgenlicht, das rote.