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Deutsche Lyrik seit Liliencron

Peter Baum.

Reading edition

Geboren am 30. September 1869 zu Elberfeld, lebte als Schriftsteller in Berlin, fiel in Frankreich im Sommer 1916. – Gott und die Träume 1901.

Grauen.

Das ist das Furchtbare, Daß ich oft glaube, Ich trüge deine Augen und deine Haare. Daß meine Hände dann hilflos suchen Ganz wie die deinen Und meine Lippen mich so verfluchen Und weinen. Jeden Abend überkommst du mich so. Zwei ganz gleiche Totenvögel Fliegen dann über den Kirchhof.

Liebespsalmen.

I.

Deine Nächte klagen in meine Tage, Durch mein Träumen rieselt das Blut deiner Füße. O ich will dir forttrinken alle Tränen, Ich will dich tragen unter meine Wipfel. Meine Wipfel sind kühl und voll Frieden Und baden sich hoch in tiefen Wassern. Himmelstiefen tropfen zu uns hernieder, Aus ewigen Meeren, durch heilige Wipfel. Schlummre du tief in meinen Armen! Meine Augen sind stahlharte Engel; die wachen Über deinen Frieden.

II.

Deine Augen leuchten vor Dunkel, Und ein spinnendes Weinen Deiner schwarzen Haare Über das Leinen. O dein blasses Gesicht, Und wie deine schmalen Hände Über die Kissen suchen –: Rührendes Stammeln Eines sprießenden Liedes, Das blühen möchte. Meine Seele sucht mit dir.

III.

Wenn die Rosen des Morgens aufstaunen, Möchte ich zu dir kommen! Ich brächte deiner Stirne kühlen Tau Und deinen Lippen Lachen. In meinen Nächten schreckt mich deine Einsamkeit; Schmiege dich tief in die Flügel meiner Seele; Dunkel rauschten sie über die Meere, Bis sie zu dir sich fanden.

IV.

Wenn die Nacht von dannen geht, Wollen wir uns aus dunkeln Schalen Unser Blut reichen. Ein Auge wollen wir sein und eine Seele, Schauernd über der Täler Brennend klaren Kelchen. Siehst du den Morgenwind? Er trägt Schwebendes Leben von Büschen zu Büschen, Halm zu Halm. Sei du mein! –

Nun schweig.

Nun schweig und fühle, wie die Schatten wehn; Aus tiefen Himmeln bunte Flammen sinken, Und schwarze Wolken felsenzackig stehn Um blanke Dächer, die wie Seen blinken. Und suche meine Seele nicht; die liegt In jenem Baum, weit hinterm Sonnenfeuer, Der sich im Weltall zwischen Sternen wiegt.

Der Greis.

Länder und Seen durchschwommen Brünstig allen Fernen. Wittre nun in den Nächten Nach Ländern über Sternen. Als ich ein Kind war, Glänzte so weit mein Teich, Hinter jedem Wipfel Grünte ein Zukunftsreich. Stützt zu Berg mich, Söhne, Dicht in meine Nähe, Daß ich noch einmal Die kleine Erde sehe.

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