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Deutsche Lyrik seit Liliencron

Emanuel von Bodman.

Reading edition

Geboren am 23. Januar 1874 zu Friedrichshafen am Bodensee. – Erde 1896. Neue Lieder 1902. Der Wanderer und der Weg 1908.

Der Garten.

Das rote Weinlaub hängt von Sonne voll, Ich trete ohne Schmerz in deinen Garten, Nach langer Zeit. Auf dieser Holzbank schwoll Einst unser junges Sehnen, und wir starrten In manche blaue Nacht. Nun bist du tot Drei bunte Jahre. Die Kastanien fallen. Nun ist mir, fühle ich ihr braunes Rot, Es müßten deine leichten Tritte hallen. Noch fließt der alte Tropfsteinquell so klar, Und mächtig drückt mich eine süße Schwere, Als ob der irre Duft von deinem Haar Noch irgendwo in diesen Büschen wäre.

Meine Mutter …

Meine Mutter sang Über meine Wiege, Bis zu Flur und Stiege Flog der süße Klang. Meine Mutter wand Garn im Sonnenscheine, Und sie hatte eine Zarte weiße Hand. Mutter war sehr schön, Hör' ich alle sagen, Und ich will nicht klagen, Daß ich's nicht gesehn.

Flocken.

Leise, leise fallen weiße Flocken, Fall'n wie einstens, als dein Fuß mit Beben In mein Haus trat, als ich hell erschrocken Ahnte, daß ein Wunder sich begeben … Als der Nachthauch unsre Pulse kühlte, Droben lichte Kinderstimmen klangen … Als ich deine schauernden Arme fühlte, Die so einzig meinen Hals umschlangen … Als ein trunkner Schrei aus meiner Kehle Fuhr, der lang' in meinem Haus gewaltet … Als zum ersten Male deine Seele Ihre Zitterflügel froh entfaltet …

Wandlung.

Das Leben, glaubte ich, sei rot von Rosen, Man brauche nur in sein Gestrüpp zu greifen, Um hunderte an einem Tag zu streifen … Wohl griff ich Rosen, mehr noch Herbstzeitlosen. Die Wünsche warf ich weg; sie narrn mich nimmer. Ist so mein Herz um manche Hoffnung leerer, Ist es dafür um eine Weisheit schwerer, Und mich belebt ein heller, harter Schimmer. Ich blicke kälter. Doch: schenkt mir im Wandern Das Leben plötzlich eine Rose wieder, Dann blicke ich wie trunken auf sie nieder: Sie glänzt ja röter als die hundert andern.

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