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Deutsche Lyrik seit Liliencron

Ludwig Finckh.

Reading edition

Geboren am 21. März 1876 zu Reutlingen. – Fraue du, du Süße 1900. Rosen 1905.

Einer Frau.

Das dank' ich dir: Ein Lächeln auf dem Munde, Die Rosen da, und hier Die leise Wunde. Das dank' ich dir, Ein Glück im Todeshauche: Daß ich mich nicht vor mir Zu schämen brauche.

Abendhimmel.

Tiefdunkelroter Scharlachschein Versickerte an Wolkenreihn, Die klar von Silber flossen. Der Himmel war wie roter Wein. Was mochte dort zu feiern sein? Wer hat den Wein vergossen?

Geschenk.

Dies schick' ich dir, mein Liebling, zum Geburtstag. Zwei weiße Tauben, deren weich Gefieder In einem Tempel Indiens geleuchtet, Und deren Kropf mit edlem Hanf gefüllt war, Den braune Mädchen auf den Feldern pflückten. Sie sangen leise, dachten an den Liebsten. Sei diesen Tauben gut, sie sind wie Schneefall, Bevor er noch die weiße Erde küßte, Und ohne Makel, nimm sie auf die Schulter, Beglücke sie an deiner Wang' zu schlafen, Die weich und schneeig ist wie ihr Gefieder, Und sich im Nest zu träumen in der Heimat. Nimm Wischi und Schiwinda gütig auf. In Simla waren sie der Liebe Götter, Und alles Volk lag täglich auf den Knien Und betete. Sie schnäbelten sich zärtlich. Ich raubte sie, an deine Wange denkend. Dies schick' ich dir, mein Liebling, heute früh Durch einen braunen Boten, windbeflügelt Und stumm, mit einem Körbchen morgenfrischer Feuriger Küsse. Laß sie dir gut munden.

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