← Table of contents
Deutsche Lyrik seit Liliencron

Cäsar Flaischlen.

Reading edition

Geboren am 12. Mai 1864 zu Stuttgart; lebte in Berlin, wo er am 16. Oktober 1920 starb. – Nachtschatten 1884. Vom Haselnußroi 1891. Von Alltag und Sonne 1898. Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens 1900.

So regnet es sich langsam ein …

So regnet es sich langsam ein und immer kürzer wird der Tag und immer seltener der Sonnenschein. Ich sah am Waldrand gestern ein paar Rosen stehn .. gib mir die Hand und komm … wir wollen sie uns pflücken gehn .. Es werden wohl die letzten sein!

Hab Sonne …

Hab Sonne im Herzen, Ob's stürmt oder schneit, Ob der Himmel voll Wolken, Die Erde voll Streit! Hab Sonne im Herzen, Dann komme was mag! Das leuchtet voll Licht dir Den dunkelsten Tag! Hab ein Lied auf den Lippen, Mit fröhlichem Klang, Und macht auch des Alltags Gedränge dich bang! Hab ein Lied auf den Lippen, Dann komme was mag! Das hilft dir verwinden Den einsamsten Tag! Hab ein Wort auch für andre In Sorg' und in Pein Und sag, was dich selber So frohgemut läßt sein: Hab ein Lied auf den Lippen, Verlier nie den Mut, Hab Sonne im Herzen, Und alles wird gut!

Ich habe Nächte …

Ich habe Nächte dafür geopfert, Ich habe Herzblut daran gegeben, Und feige Buben nun kommen und heben Die Hand auf gegen das fertige Werk. – – – Das schmerzt! Und doch: Glückt euch, es wirklich zu zertrümmern, … gut! Dann war's nicht echt! Dann glückte mir nicht, was ich wollte … Und .. ihr .. habt .. recht!

Einem Kinde.

Sei nicht traurig, Sei nicht traurig … Es ist heute nur So trübe, Es ist heute nur So schwer! Morgen blitzt die Sonne wieder, Rosen leuchten weiß und rot, Und mit lauter Lerchenliedern Jubelt's in den hellen Morgen, Jubelt's in den blauen Himmel Siegreich über Leid und Not … Quillt und schwillt mit jungen Kräften, Quillt und schwillt mit junger Lust Lebenswarm dir in die Brust; Weckt und wappnet deine Seele Glaubensfroh zu neuer Wehr … Sei nicht zag drum, Sei nicht traurig … Es ist heute nur So trübe, Es ist heute nur So schwer!

Februarschnee …

Februarschnee Tut nicht mehr weh, Denn der März ist in der Näh'! Aber im März Hüte das Herz, Daß es zu früh nicht knospen will! Warte, warte und sei still! Und wär' der sonnigste Sonnenschein, Und wär' es noch so grün auf Erden, Warte, warte und sei still: Es muß erst April gewesen sein, Bevor es Mai kann werden!

Ganz still zuweilen …

Ganz still zuweilen wie ein Traum Klingt in dir auf ein fernes Lied .. Du weißt nicht, wie es plötzlich kam, Du weißt nicht, was es von dir will … Und wie ein Traum ganz leis und still Verklingt es wieder, wie es kam … Wie plötzlich mitten im Gewühl Der Straße, mitten oft im Winter Ein Hauch von Rosen dich umweht, Oder wie dann und wann ein Bild Aus längstvergessenen Kindertagen Mit fragenden Augen vor dir steht … Ganz still und leise, wie ein Traum … Du weißt nicht, wie es plötzlich kam, Du weißt nicht, was es von dir will, Und wie ein Traum ganz leis und still Verblaßt es wieder, wie es kam.

Spruch.

Lieber auf eigene Rechnung Ein Lump sein, Als ein feiner Herr Auf Pump sein! Dieweil: Wer ein solcher auf Pump ist, Nicht 'mal ein ehrlicher Lump ist.

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings