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Niederländische Volkslieder

Todtenamt.

Reading edition

1‘Het daghet in den oosten,

het lichtet overal;

hoe luttel weet mijn liefken

och waer ic henen sal,

hoe luttel weet mijn liefken!

2Och warent al mijn vrienden

dat mijn vianden sijn,

ic voerdu uiten lande,

mijn lief, mijn minnekijn!

ic voerdu uiten lande.’

3‘Dats waer soudi mi voeren,

stout ridder wel ghemeit?

ic ligghe in mijns liefs armkens

met groter waerdicheit,

ic ligghe in mijns liefs armkens.’

4‘Lichdi in uws liefs armen?

bilo! ghi en secht niet waer:

gaet henen ter linden groene,

versleghen so leit hi daer,

gaet henen ter linden groene!’

5Tmeisken nam haren mantel

ende si ghinc enen ganc

al totter linde groene,

daer si den doden vant,

al totter linde groene.

6‘Och lichdi hier verslaghen,

versmoort al in uw bloet!

dat heeft ghedaen uw roemen

ende uwen hoghen moet,

dat heeft ghedaen uw roemen.

7Och lichdi hier verslaghen

die mi te troosten plach!

wat hebdi mi ghelaten?

so menighen droeven dach;

wat hebdi mi ghelaten?’

8Tmeisken nam haren mantel

ende si ghinc enen ganc

al voor haers vaders poorte

die si ontsloten vant,

al voor haers vaders poorte.

9‘Och is hier enich here

oft enich edel man,

die mi nu minen doden

begraven helpen can?

die mi nu minen doden—’

10Die heren sweghen stille,

si en maecten gheen gheluit;

dat meisken keerde haer omme,

si ghinc al wenende uit,

ende si ghinc wederomme.

11Si nam hem in haren armen,

si custe hem voor den mont

in eender corter wilen

tot also menegher stont,

in eender corter wilen.

12Met sinen blanken swaerde

dat si die aerde op groef,

met haer sneewitten armen

ten grave dat si hem droech,

met haer sneewitten armen.

13‘Nu wil ic mi gaen begheven

in een clein cloosterkijn

ende draghen swarte wilen

ende worden een nonnekijn,

ende draghen swarte wilen.’

14Met hare claerder stemme

die misse dat si sanc,

met haer sneewitten handen

dat si dat belleken clanc,

met haer sneewitten handen.

Antw. LB. 1544. Nr. 73. (Uhland Nr. 95. B.)—Dr. 9, 3. 5. fehlt nu—14, 1. met haer claer stemme.

Oudt Amst. LB. 61. 70. (Hor. belg. 2, 101.) Str. 3.

‘werwaert wondt ghi mi voeren,

stout ruiter wel ghemoet?’

‘al onder de lindeboom groene,

mijn troost, mijn waerde goet.’

Das wel ghemeit war später schon unverständlich geworden, sonst würde wol daselbst in der nächsten Strophe eerwaerdicheit nicht auf wel ghemoet gereimt sein, wo Willems ändert: met weerdicheden groot.

Nach Str. 10. dieser Schluss:

Met haren ghelen haren

dat sijder tbloet afwreef,

met haer sneewitte handen

dat si sijn wonden verbont.

(Spätere Lesart dafür:

Met hare blonde haren

wreef zij hem af het bloed,

met hare zachte handen

sloot zij zijne oogen toe.)

Met sinen blanken swaerde

dat sijder dat grafje groef,

met haren blanken armen

dat si hem ter aerden droech.

Met haren blanken handen

dat sijder dat belleken clonc,

met hare heldere kele

dat si de vigilie sonc.

‘Nu wil ic mi begheven

in een clein cloosterkijn

en draghen de swarte wilen

ter eren des liefsten mijn.’

Mit diesem Texte des Amst. LB. stimmt ganz überein der aus Brederoo’s Werken entlehnte in Le Jeune Volkszangen Nr. 5.—Brederoo, der weiland beliebte Amsterdammer Volksdichter († 1618), hat aus diesem Liede ein Trauerspiel gemacht. Es erschien erst lange nach seinem Tode unter dem Titel: “G. A. Brederoods Spel, op’t oudt Liedt Het daget uyt den Oosten. Op de Regel: Die quaedt doet, quaedt ontmoet. By hem in sijn overlijden onvolmaeckt ghevonden, en voort gemaeckt door een Liefhebber der Poësye. t’Amsterdam 1644.” 8o.

Wie prosaisch Brederoo das schöne Lied aufgefasst hat, lehrt schon das Sprichwort: wer Böses begeht Böses empfäht, um welches er die ganze Geschichte sich drehen lässt. Der unglückliche, Geliebte wird als ein leichtsinniger und liederlicher Mensch geschildert, der also ganz von Rechtswegen im Zweikampfe unterliegt. Brederoo lässt ihn sterbend noch sagen von seiner Geliebten:

—wat sal’t u droefheit baren,

dat ghy uw Roemer sult ghenieten nu niet meer,

die u benomen heeft uw kuischheit en uw eer!

Zwei ebenfalls verschiedene Texte in Scheltema Mengelwerk 1, 199–202 und L. G. Visscher Bloemlezing 1, 48–50.

Willems (Nr. 48) hat unter allen diesen Texten eine kritische Auswahl (eene kritische keuze) gemacht, aber mit wenig Glück: so hat er z. B. die dritte Zeile jeder Strophe der Melodie zu Liebe um einen ganzen Fuß verlängert, wozu doch wol schwerlich eine rechtfertigende Quelle nachzuweisen wäre. Gleich in der ersten Strophe ändert er: hoe weinich wetet mine liefste, in der zweiten: ic voerdu verre uten lande; gegen das Ende hin hilft er sich durch Hinzufügung von Beiwörtern: met hare clene schone handen, met hare suete heldere stemme.

Das Lied ist alt, schon im 15. Jahrh. wurde sein Anfang zur Bezeichnung der Melodie geistlichen Liedern hinzugefügt (s. Hor. belg. 2, 83). Willems weiß ihm noch ein höheres Alter zuzueignen.

‘Dies Lied war bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bekannt, als die heil. Gertrud, Begine von Delft und geboren zu Voorburg in Holland, dasselbe täglich zu singen pflegte “referendo carmen ad dilectum suum Jesum Christum”; weshalb sie dadurch den Namen Gertrud von Osten erlangte. Diese Begine war eine niederdeutsche Dichterin. S Acta Sanct. Bolland. Januar. 1, 348.’

Ein niederdeutscher Text (bei Uhland Nr. 95. A.) aus Uhland’s niederd. LB. (Auf. des 17. Jahrh.) stimmt ganz mit dem Antw. LB.

Das deutsche Lied hat sich nicht bis auf die spätere Zeit erhalten. Im 15. Jahrh. sangen es noch die Bauern, es ist deshalb in einer Handschrift “Purengesang” überschrieben. So abweichend es in der Mitte vom niederländischen Liede ist, so stimmt es zu Anfange und zu Ende mit ihm überein. Es steht zuerst gedruckt in Mone’s Anzeiger 4, 455, danach bei Willems blz. 115 u. Mittler Nr. 21.

¶ 3, 2. wel ghemeit, stattlich—4, 2. bilo! ach!—6, 2. versmoren, ersticken, überhaupt umkommen—13, 3. wile, wiele, lat. velum, frz. voile, Schleier. Willems erklärt swarte wilen durch zwarte doeken, falsch: den schwarzen Weil trugen die Professschwestern, er lag über dem weißen leinenen Schleier oder Beffen und ging bis über die Schultern, s. Schmeller baier. Wb. 4, 55.—14, 4. belleken, Glöcklein.

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