← Table of contents
Niederländische Volkslieder

Brennenberg.

Reading edition

1Het is gheleden jaer ende dach

dat Brandenborch ghevanghen lach,

gheworpen in enen toren,

van stenen waren die muren.

2Daer lach hi meer dan seven jaer,

sijn haer was wit, sijn baert was grau,

sinen roden mont verbleken,

van der liefste was hi gheweken.

3Si leiden hem op enen disch,

si sneden hem uit sijn herte vrisch,

si gavent der liefste teten

tot ene morghen onbiten.

4‘Nu hebbe ic gheten dat herte sijn,

daer op wil ghedronken sijn,

nu schenct mi eens te drinken!

mijn herte wil mi ontsinken.’

5Den eersten dranc mer die si dranc,

haer herte in duisent stucken spranc:

‘nu helpt, Maria, maghet reine,

met uwen kindeken cleine!’

Antw. LB. 1544. Nr. 81. ohne Str. 6. (Uhland Nr. 75. B.)

¶ 3, 4. onbiten, mhd. enbîʒen, essen, Hor. belg. 5, 106.

Willems sagt zwar bl. 137. ‘Ich habe die zerstreuten Strophen dieses schönen alten Liedes, wobei man an Gabrielle de Vergy erinnert wird, zusammen gebracht und den Text kritisch hergestellt, theils mittelst der mir mitgetheilten Abschriften (denn das Stück wird noch heute in Flandern gesungen), theils nach den davon bestehenden Abdrücken.’ Wenn man jedoch den Willemsschen Text Nr. 53 (24 vierzeilige Strophen) mit den vorhandenen drei Texten vergleicht, so gelangt man zu der Überzeugung, dass wenn wirklich das Lied jetzt noch gesungen wird, es nur in dürftigen Bruchstücken besteht oder so ganz verschieden von den alten Texten ist, dass Willems nichts davon aufnehmen konnte, denn sein Text stellt sich als ein Zusammenflicken aller drei Texte heraus, wozu der niederdeutsche gerade das Meiste liefern musste.

1Ik hebbe gewaket eine winterlange nacht,

dârto heft my ein schoͤn junkfröulyn gebracht

mit eren snewitten brüsten,

dat möchte dem helden gelüsten.

2Êr brüste weren wit unde suͤverlyk,

daran so lȩde de helt synen vlyt

unde alle syne sinne:

mit der schoͤnsten wolde he van hinne.—

3Ik quam in einen bômgârden gân,

dâr vant ik dre schoͤ]ne junkfröulyn stân,

se breken alle dre rosen to einem krans,

to einem aventdans.

4De eine de my dat krenzelyn bôt,

van bleker varwe so was it rôt,

van golt so was it ryke,

van perlen suͤverlyke.—

5De valschen kleffer sloten einen rât

dat Brunenberch gevangen wart,

gevangen up vryer straten,

in einen tôrn wart he gelaten.

6Darin sat he wol soͤven jâr,

syn kop wart wit, syn bârt wart grau,

syn môt begund em to brȩken,

nên wôrt konde he mêr sprȩken.

7Se lȩden Brunenberch up den disch,

se reten ên recht wo einen visch,

se nemen êm ût syn herte,

dat dede dem helde grôt smerte.

8Se nemen êm ût syn junge herte fyn

recht so einem wilden swyn,

vorweldent in einem peper,

se gevent der schoͤnsten to ȩten.

9‘Wat isset dat ik gegetten heb,

dat my so wol gesmecket heft?’

‘dat is Brunenberges herte,

dat dede dem helde grôt smerte.’

10‘Is dat Brunenberges junge herte fyn,

so schenket my den kolen wyn,

schenket in unde gevet my drinken!

myn herte wil my vorsinken.

11So neme ik dit up myne leste henvârt

dat ik Brunenberges syn nicht schüldich wart

denn reine kuͤsche leve,

dat konde uns nemant vorbeden.’

12Den êrsten drapen dȩn se drank

êr herte in dusent stücke sprank;

berât, here Christ, de reine

mit dyner gnâd alleine!

Uhland Nr. 75. A. aus einem niederdeutschen LB. Nr. 44, Anf. des 17. Jahrh. (s. Uhland S. 977.)

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings