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Niederländische Volkslieder

Heimliche Liebe.

Reading edition

1Wie wil horen een goet nieu liet?

ende dat sal ic ons singhen

al van der edeler minne

van een ridder ende joncfrouwe,

si droeghen verholen minne.

2Die vrouwe op hogher salen lach,

van also verre dat si sach,

si sach hem van so verre,

si sach hem comen ghereden

veel claerder dan een sterre.

3Hi stac sijn hant onder sijn cleet,

een vingherlinc was daer bereet,

dat worp hi in den Rine.

die vrouwe op haer sale lach,

seer node wou sijt verloren laten bliven.

4Ende si had een clein vondelhont,

dat conste wel duiken tot in den gront,

so diep in ghenen gronde.

dat haelde haer dat vingherlijn

in also corter stonden.

5Doen si dat vingherlinc ontfanghen had

ende si dat seer wel besach,

so stont daer in gheschreven:

‘och rijc heer god, hoe salich hi waer,

die lazarus mochte wesen!’

6Si ghinc voor haren vader staen,

voor haren liefsten vader:

‘siet, vader, ic moet u claghen,

ic ben besmet met lazarie,

ic moet uit alle minen maghen.’

7‘Och dochter, sprac hi, dochter mijn!

hoe soude dat moghen ghesijn?

want ghi sijt also schone

ende boven alle lantsvrouwen

so spant ghi die crone.’

8Die vader al totter dochter sprac:

‘och dochter, wel lieve dochter mijn!

hoe gaerne soude ic weten,

waer u die lelike lazarie

ten eersten uit sal breken?’

9Dat meisken dat niet laten en dorst,

si nam een mes, si cloofde haer borst:

‘siet, vader, ic salt u betonen!’

si en condese daer nae in seven jaer

ghesuiveren noch gheschonen.

10Men ghinc haer daer een huisken maken

besiden des weechs al van der straten,

men huerde haer enen gheselle,

die haer al door die minne van god

soude clinken die lazarische belle.

11Daer in so lach si seven jaer,

dat si noch sonne noch mane en sach

niet meer dan tot enen tide,

so liet si haer dore open staen,

si sach den ridder comen riden.

12Si wiesch haer handen, si waren schoon,

si leidese opten sadelboom,

si lieter die sonne op schinen.

doen kende hi dat vingherlijn

dat hi worp in den Rine.

13Hi settese voor hem op sijn paert,

hi voerdese tot sinen lande waert,

hi cledese al met gouwe:

ten einden van den seven jaer

so was si des ridders vrouwe.

Antw. LB. 1544. Nr. 163. (Hor. belg. 2, 122–124. Willems Nr. 79.)—Dr. 1, 3. edelder—2, 1. sach (lach)—3, 1. Si (Hi)—3, 3. rijn (Rine)—5, 1. hadde—8, 5. eerst (ten eersten).

¶ 3, 5. node, ungern—4, 2. conste, konnte—5, 5. lazarus, aussätzig, leprosus—6, 4. besmet, befleckt—6, 5. maghen, die Verwandten—7, 3. schoon, hier in seiner ursprünglichen Bedeutung rein, wie auch durch 12, 1. noch mehr bestätigt wird; daher schoon maken noch jetzt rein machen und schoon hemde, schoon laken, schoon papier nicht schön, sondern rein, ungebraucht. Sehr characteristisch, besonders für Holland, wo die Reinheit so hoch in Ehren steht, dass man sie Schönheit nennt!—7, 5. de crone spannen, eigentlich die Krone tragen, s. Clignett bijdr. 356. dann jem. übertreffen—8, 4. lelijc, hässlich, frz. laid—9, 2. cloven, clieven, zerritzen—9, 3. betonen, beweisen—9, 5. gheschonen, reinigen—10, 2. besiden, zur Seite, neben—10, 3. huren, miethen.—

10. Geschieden und gemieden von aller Welt, ohne Haus und Heerd, mussten die Aussätzigen in einer einsamen schlechten Hütte unweit der Straße wohnen; ärmlich war ihre Kleidung, sie hatten oft nur Hut und Mantel und einen Bettelsack darüber; mit einer Schelle oder Klapper suchten sie die Vorübergehenden aufmerksam zu machen und in einem Becher oder Napf, gewöhnlich an einem langen Stabe, pflegten sie die milden Gaben zu empfangen. Die lazerische belle war ein gewöhnliches ehernes Glöcklein. Wie die Klapper beschaffen war, erfahren wir aus einem alten Vocabularius (Hor. belg. 7, 18): Interfusum, clipspandere, dicitur instrumentum leprosorum cum duabus vel tribus tabulis, cuius sonitu excitantur homines ad beneficiendum eis.

Die gewöhnliche Benennung der Aussätzigen im Mittelniederl. war: lazerich, lazarus, und malaetsch, malaetsch, letzteres von dem roman. malato (s. Diez etymol. Wb. 213, ursprünglich male aptus), so wie das mhd. miselsuhtic von dem mlat. misellus (s. Paulus Cassel im Weimar. Jahrb. 1, 472).—12, 1. wiesch, wusch, pt. von waschen.

Während sich das alte Lied in Belgien verlor, erhielt es sich in Holland, aber in der Form völlig umgewandelt.

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