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Schattenbilder

Letzter Segen

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Die alten Linien ging ich wieder nach Und prüfte sie und stärkte, was verblichen Und was die Zeit verzehrt, Tag frißt den Tag. Und als ich so die Schatten nachgestrichen, So gut es meine warme Hand vermag, Hat eine große Furcht mich angeschlichen: Vertust du nicht dein helles kurzes Leben Im Totendienst, dem du dich hingegeben? Denn herrischer ist keiner mehr als sie, Die gleich den Göttern ganz den Mann verlangen, Und seinen Geist und sein gebeugtes Knie Und in der Hut um sie verhärmte Wangen. Ruf keinen Toten wach, er läßt dich nie, Endlosen Handel hast du angefangen, Und seine Hände halten dich wie Krallen, Du mußt ihn zwingen oder ihm verfallen. Da floh ich aus dem kalten Tempel fort, Drin rings in Nischen meine Heiligen standen. Viel Tropfen Bluts ließ ich wie Blumen dort, Die sie im wilden Streiten mir entwanden, Und alle riefen noch ein Zauberwort, Auf das sie mich auf ewig sich verbanden. Doch stärker noch als sie sang jetzt die Sonne, Und lebend fühlt’ ich dieses Lebens Wonne.

Zwei Jahre später. Im Herbst 1912.

H. E.

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