VORWORT DES DICHTERS
Hans Effenberger translation
Der größte Teil der Liebes- und Lebenslyrik in diesem Bande ist vor der religiösen Gedichtsammlung „Gitanjali“ entstanden. Die englische Übersetzung ist nicht immer wörtlich — die Originale sind manchmal verkürzt und manchmal paraphrasiert wiedergegeben. *
DER GÄRTNER
Diener
Hab Erbarmen mit Deinem Diener, Königin!
Königin
Vorüber ist das Fest, und alle meine Diener sind gegangen. Warum kommst Du zu dieser späten Stunde?
Diener
Hast Du die andern fortgeschickt, ist meine Zeit.
Ich komme fragen, was Deinem letzten Diener noch zu tun bleibt.
Königin
Was kannst Du erwarten, da es zu spät ist?
Diener
Mach mich zum Gärtner Deines Blumengartens.
Königin
Welche Torheit!
Diener
Ich will meine alte Arbeit aufgeben.
Ich werfe Schwert und Lanze in den Staub. Schicke mich nicht mehr an ferne Höfe; heiß mich nicht zu neuen Siegen ausziehn. Mach mich zum Gärtner Deines Blumengartens.
Königin
Was würden Deine Pflichten sein?
Diener
Dir dienen in Deinen müßigen Tagen.
Ich will frisch halten den Rasenpfad, auf dem Du in den Morgen wandelst, wo Blumen, todessüchtig, bei jedem Schritte Deine Füße jubelnd grüßen.
Ich will Dich schwingen in einer Schaukel unter den Zweigen des Saptaparna, wo durch das Laub der frühe Abendmond sich mühen wird, Dir Deines Kleides Saum zu küssen.
Ich will anfüllen mit duftendem Öl die Lampe, die neben Deinem Bette brennt, und den Schemel Deiner Füße zieren mit Sandel- und Safranpaste in seltsamer Zeichnung.
Königin
Was soll Dein Lohn sein?
Diener
Deine kleinen Fäuste halten dürfen wie zarte Lotosknospen, und Blumenketten über Deine Gelenke streifen; und Deiner Füße Sohlen färben dürfen mit dem roten Saft der Ashokablüten und fortküssen das Fleckchen Staub, das dort vielleicht noch zögert.
Königin
Deine Bitten, mein Diener, sind gewährt, Du wirst der Gärtner meines Blumengartens sein.