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Der Gärtner

66

Hans Effenberger translation

Ein wandernder Narr suchte den Stein der Weisen. Sein Haar war zerzaust, von der Sonne gebleicht und mit Staub bedeckt, sein Leib zum Schatten abgemagert, seine Lippen fest aufeinander gepreßt wie die verschlossenen Türen seines Herzens, seine brennenden Augen wie das Licht eines Glühwurms, der seinen Gespielen sucht.

Vor ihm brüllte der endlose Ozean.

Die geschwätzigen Wellen plauderten unaufhörlich von verborgenen Schätzen, den Unverstand verspottend, der nicht wußte, was sie meinten.

Mag sein, daß ihm jetzt keine Hoffnung mehr geblieben war, und doch wollte er nicht ruhn, denn das Suchen war sein Leben geworden, —

Wie der Ozean immer seine Arme zum Himmel hebt nach dem Unerreichbaren —

Wie die Sterne im Kreise wandeln und doch ein Ziel suchen, das unerreichbar ist —

So wanderte auch der Narr mit bestaubtem und gebleichtem Haar am einsamen Gestade, auf der Suche nach dem Stein der Weisen.

Eines Tages kam ein Dorfjunge auf ihn zu und fragte: „Sag mir, wo hast Du die goldne Kette her um Deinen Leib?“

Der Narr stutzte — die Kette, die einst eisern war, war wirklich Gold; es war kein Traum, aber er wußte nicht, wann sie sich verwandelt hatte.

Er schlug sich wild an die Stirn — wo, ach wo, hatte er, ohne es zu wissen, endlich Erfolg gehabt?

Es war ihm zur Gewohnheit geworden, Kiesel aufzulesen, die Kette damit zu berühren und die Steine wegzuwerfen, ohne darauf zu achten, ob sie sich verwandelt hätte; so fand und verlor der Narr den Stein der Weisen.

Die Sonne sank tief im Westen, und der Himmel war golden.

Der Narr ging auf seiner eigenen Spur zurück, um von neuem den verlorenen Schatz zu suchen, mit erschöpfter Kraft, den Leib gebeugt, und das Herz im Staube wie ein entwurzelter Baum.

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