42
Hans Effenberger translation
Du Toller, herrlich Trunkener!
Wenn Du Deine Türen aufstößt und den Narren vor der Menge spielst;
Wenn Du Deinen Beutel in einer Nacht leerst und der Besonnenheit ein Schnippchen schlägst;
Wenn Du auf seltsamen Wegen wandelst und mit nutzlosen Dingen spielst;
Kümmre Dich nicht um Reim und Recht!
Wenn Du Deine Segel vor dem Sturme spannst und das Ruder entzwei brichst,
Dann will ich Dir folgen, Kamerad, und will trunken in den Abgrund fahren.
Ich habe meine Tage und Nächte vergeudet in der Gesellschaft nüchtern weiser Nachbarn.
Viel-Wissen hat mein Haar grau gemacht und Viel-Wachen meine Augen trüb.
Jahrelang hab ich Brocken und Fetzen von Dingen gesammelt und gehäuft:
Zermalme sie und tanze auf ihnen und streue sie alle in die Winde.
Denn ich weiß, das ist die höchste Weisheit, trunken in den Abgrund zu fahren.
Laß alle krummen Zweifel schwinden, laß mich hoffnungslos meinen Weg verlieren.
Laß einen wildwirbelnden Sturm kommen und mich wegfegen von meinen Ankern.
Die Welt ist bevölkert mit Würdenträgern und Arbeitern, nützlichen und gescheiten.
Da sind Menschen, die leicht die Ersten sind, und solche, die bescheiden hinterdreinkommen.
Laß sie glücklich und erfolgreich sein und laß mich närrisch unnütz sein.
Denn ich weiß, es ist das Ende allen Wirkens, trunken in den Abgrund zu fahren.
Ich schwöre diese Minute alle Anrechte ab, zu den Ehrbaren und Anständigen zu zählen.
Meinen Stolz auf Wissen und Urteil über Gut und Böse laß ich fahren.
Ich will das Gefäß der Erinnerung zerbrechen, die letzten Tränentropfen verschütten.
Im Schaum des rotperlenden Weins will ich mein Lachen baden und wieder jung machen.
Den Schild des gesetzten Bürgers will ich in Stücke zerbrechen.
Ich will das heilige Gelübde tun, alle Würde wegzuwerfen und trunken in den Abgrund zu fahren.