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Heimat und Fremde

An Franz Keim.

Reading edition

(Zu seinem 75. Geburtstage.)

Die Zeiten sind ernst und voll Not und Tod, Sie reden jetzt eisern und bleiern — Wie tief mußt du da ins Herz hinein Gewachsen dem Volk als Dichter sein, Wenn es trotzdem nicht läßt, dich zu feiern! Und wenn es dich feiert, wir feiern dich mit Als ein Sandkorn im deutschen Volke; Und was wir dir wünschen, wir wünschen ’s dir gern: Nie welke dein Kranz, nie sinke dein Stern, Dein Weg sei voll rosiger Wolke! Dein Singen war immer ein heiliger Sang, Er rauschte aus Herzensgründen. Durch jedes Lied deine Seele sich schwang Wie Geigenjubel und Glockenklang Und seliges Heimwärtsfinden. Und Liebe zur Heimat, zu deinem Volk Ließ deine Saiten erklingen, Durchwehte dein Singen, bergwasserklar, Wie noch kein Sang je frömmer war, Seit deutsche Dichter singen. Wer pries wie du den deutschen Wald? Des Frühlings Weben und Wehen? Wer deutscher Treue Eichenkranz Und Frauenminne und Waffentanz Wie du so voll Verstehen? Wer sang wie du von Sturm und Kampf In lauten, flammenden Liedern? Und wer wie du so warm zugleich Von der Liebe zum Bruder draußen im Reich Und seines Grußes Erwidern? Wer schaute mit gleichem Seherblick Voraus den Gang der Zeiten? Und wem erschloß sich der Töne Schacht Wie dir? Wer meisterte so mit Macht Das spröde Gold der Saiten? Dein Lebensbekenntnis liegt in dem Wort: »Für Andere kämpfen und leiden Und (muß es sein) auch untergehn!« Gibts noch ein höheres Wunschlosstehn Und ein tiefres Sichselbstbescheiden? Mag’s Dichter geben von andrer Art, Du bist ein deutscher Dichter! Stolz kannst du’s weisen und ohne Hehl — Wer’s zweifelt, les deinen »Mephistophel« Oder deinen »Königsrichter«! Der les, wenn sein Herz nicht schönheitstaub, Deine »Lieder aus Fernen und Weiten«, Dann wird er segnend dir küssen die Hand Und König dich nennen im Dichterland, Einen Großen in großen Zeiten! Und so segnen auch wir dich mit Liebe heiß, Wie sie Männerherzen empfinden Und geben dir treu alle Liebe zurück, Die du für deines Volkes Glück Und Größe gewußt zu entzünden.

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