An den Frühling.
Reading edition
(1919.)
Wieder blühts in Busch und Bäumen Und auf Wiesen gelb und blau — Aber ach wie viele liegen Tot auf ferner, fremder Au! Durch die Aecker gehn die Pflüge Und das Korn liegt ausgesät — Bitter ist es sterben müssen, Wenn die Welt in Blüten steht! Laut der Kuckuck schreit im Walde, Lauer Wind geht düfteschwer — Wie tut weh da der Gedanke: Den du liebst, der kommt nicht mehr! Und der Lenz bringt Rosen wieder, Junge Sonne, neues Glück — Warum bringt er aus den Gräbern Uns die Toten nicht zurück? Unsre Söhne, die gefallen, Die verströmt ihr Herzblut rot? Unsre Besten, die gegangen Für die Heimat in den Tod? Jetzt, da Eisentritt der Schlachten Stampft durchs maiengrüne Land, Willst du, Frühling, Rosen zaubern Aus der Gärten Qualm und Brand? Geh und wasch dein Sonntagslächeln Lieber dir vom Angesicht Mit den Tränen, die wir weinen, Doch mit Rosen schmück dich nicht! Nimm den Bäumen ihre Knospen, Scheuch die Lerchen aus der Höh’ Und den Himmel hüll in Wolken, Denn dein Blühen tut uns weh!