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Die schwarzen Brüder

Zweites Kapitel. Das Abentheuer am Schlagbaum.

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„Wer sind Sie?“ fragte ein wohlgekleideter Mann, der mit vieler Bescheidenheit zum Wagen trat, als sie eben vor einer ansehnlichen Stadt ankamen.

Matthias hielt die Pferde an.

„Ich bin der Graf von Duur.“

Florentin hatte kaum seinen Namen genannt, als sich der Examinator ehrfurchtsvoll verbeugte, und eine Schildwacht den Schlagbaum niederzog, auf welches Signal die ganze Thorwache heraus unter Gewehr trat.

Der Graf, welcher sich nicht einbildete, daß diese Achtungsbezeugungen seinetwillen geschahn, würdigte sie kaum eines Blicks, sondern sah nur auf den Examinator, welcher in ehrfurchtsvoller Stellung fragte:

„Aus Deutschland?“

„Allerdings.“

„In Diensten welches Fürsten?“

„Keines einzigen.“

„Oder gewesen?“

„Keines einzigen.“

Der Thorschreiber schüttelte den Kopf lächelnd und ging zum wachthabenden Offizier.

„Ich muß gestehn, Matthias,“ sagte der Graf: „daß die Thorschreiber dieses Jahrhunderts in der Cultur richtige fünfhundert Jahre voraus haben vor den Thorschreibern meiner Zeit. Vom Thorschreiber auf die Obern dieser Stadt, und von dieser Stadt auf das ganze Reich zu schliessen, muß unterdessen eine gewaltige Revolution der Sitten vorgegangen seyn.“

„Ei!“ rief Matthias: „und ich muß gestehn, daß ich mir nicht geträumt habe, einen Grafen von Duur zu fahren!“

Der Offizier kam an den Wagen. „Mein Herr, Sie geben sich für einen Grafen aus, ohne weder in Diensten zu seyn, noch gewesen zu seyn. Erlauben Sie, wie hängt das zusammen? Womit legitimiren Sie sich?“

Florentin ward bestürzt.

„Sie verzeihn,“ fuhr der Offizier fort: „der Krieg im Lande hat das strengste Examen nothwendig gemacht. Also?“ —

„Ich kann doch unmöglich meine Diplomen bei mir führen, oder meinen Stammbaum.“

„Stammbaum? Was wollen Sie damit sagen?“

„Um Ihnen meine Herkunft zu beweisen.“

„Herkunft? reden Sie deutlicher. Was intressirt uns Ihr Stammbaum und Ihre Herkunft?“

Duur fand sich in einer häßlichen Verlegenheit; er sah leicht ein, daß hier ein Mißverständniß herrsche, nur wußte er nicht, auf welcher Seite. Der Thorschreiber blinzelte den Offizier seitwärts an, mit einem bedeutenden Blick, der so viel sagen sollte, als: bei dem Herrn ists nicht richtig im Kopf, oder im Herzen.

„Sie wollen wissen, woher ich Graf sey?“

„Richtig, und durch wen?“

„Durch wen? ei durch meine Geburt. Mein Vater und Großvater waren im Grafenstand.“

„Sie sind doch aus Deutschland?“

„Ganz gewiß.“

„Mein Herr, Grafen werden hier zu Lande nicht geboren.“ —

„Nicht geboren?“ stotterte Duur verwirrt.

Der Offizier lachte laut auf, winkte einem Soldaten, und befahl diesem, den Wagen zu folgen. „Mögen Sie seyn, wer Sie wollen, so muß ich Sie dem Commendanten melden. Wo treten Sie ab?“

„Im ersten besten Gasthof.“

„Zur goldnen Hoffnung!“ tief der Offizier und Matthias fuhr bin zur goldnen Hoffnung, wo der Soldat den Grafen bewachte.

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