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Die schwarzen Brüder

Zehntes Kapitel. Der Winter.

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Es brach der Winter ein; die Silberflocken des Schnees gaukelten lustig um die kleinen Scheiben der Hüttenfenster, und die blätterlosen Gesträuche und Bäume strahlten im funkelnden Reif. Der See erstarrte im kalten Hauch des Dezembers; das Wild brüllte durch den Forst und vor der Hütte schwärmten vertraulich kleine Schaaren von Sperlingen und Meisen, Idalla’s Wohlthätigkeit in Versuchung zu führen.

Duur wurde in seinem Innern ruhiger; er durchstreifte, mit seinem Pudel, fleissig die Waldung und versorgte Idalla’s Heerd mit Wild. — Imada-Louise stand freilich noch immer in einsamen Stunden vor seinem Geiste, umgeben mit aller Pracht, zu deren Erfindung eine schwärmerische Phantasie fähig ist. Allein er betrachtete dies schöne Bild mit immer kältern Blute, und überließ es dem gütigen Zufall, ob je noch seine Lieblingswünsche erfüllt werden sollten.

Auch hatt’ er sich allmählig für die Zukunft schon sein Plänchen entworfen, einfach und nützlich. Er wollte mit dem Frühlinge auswandern in die Welt, um die Verwandlungen der Welt zu studieren, seiner Neugier zu gnügen und zu erfahren, ob der Favorittraum seines guten Oheims von der glücklichen Nachwelt realisirt wäre. — Nebenbei wollt’ er dann umhersuchen unter den Töchtern des Landes — Imada-Louise! um eine Theilnehmerin seiner Leiden und Freuden mit sich in Idalla’s Insel zu führen, seinem Abgott, seinem Karlchen, eine Mutter zu geben, und der lieben Idalla eine schwesterliche Gesellschaft.

Denn fest hatte ers beschlossen, sich nimmer wieder verwickeln zu lassen in die quälenden Verhältnisse der großen Welt, sondern die Seligkeiten des häuslichen Lebens und der Einsamkeit jenem leeren Geräusch vorzuziehn, welches nur den Unwissenden entzücken, und die Thoren beschäftigen kann.

Holder war von seiner Seite ebenfalls nicht müssig, sich den traurigen Winter zu verschönern. Er nannte Idalla Weib, Idalla war glücklich durch ihn und ahndete Mutterfreuden.

Jeder, vom ersten bis zum lezten in dieser kleinen Republik, sann, wünschte, empfand nicht für sich, sondern nur für die andern. Jeder Tag war ein kleines Fest. Man liebte und wurde geliebt. Man war erfinderisch in neuen überraschenden Freuden für die übrigen, und sah den schönsten Theil der Lust auf sich selbst wieder zurück strömen.

Und versammelte sich Abends die liebenswürdige Familie um das lodernde Feuer des Camins; schien die Unterhaltung stocken zu wollen, und die Fröhlichkeit zu schweigen: so rief Holder zur Aufmerksamkeit, und erzählte die seltsam verwickelten Begebenheiten seines frühern Lebens, die ihn zu dem herrlichen Manne machten, der er war.

Dann schmiegte sich schauderndfroh Idalla an den Arm ihres Gattens; dann drückte Duur sein schlummerndes Kind fester an seine Brust und Matthias der Luftgondler starrte mit Verwundrung und Entsetzen den Mann an, welcher als Jüngling Thaten vollendete, woneben seine Bataille in den Wolken wie Kinderspielerei aussah.

Es thut mir viel zu leid, hier den Faden der Geschichte abzureissen und die Begebenheiten des wilden, großen Holders in einer Episode dürr zu skizziren — sie verdienen wohl, eigen behandelt zu werden.

Vielleicht erzähl ich sie meinen Lesern zu einer andern Zeit — vielleicht bald!

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