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Die schwarzen Brüder

Viertes Kapitel. Der Bräutigam erscheint.

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Die Natur feierte einen Festtag; duftiger, erquickender strahlte das mannigfache Grün herab von Bäumen, Gebüschen und Hügeln; schöner sangen die kleinen Sänger in den düstern Hecken und unter des Frühhimmels azurnem Gewölbe; majestätischer erschien der Sonne Aufgang am flammenden Horizont, in jeder Sekunde mit verwandeltem Farbenspiele an dem schwebenden Gewölk. —

Florentin verließ das Bett; er eilte dem Fenster zu, um sich zu laben an dem erquickenden Anblick der aufwachenden Landschaft. Der emporsteigende Duft von Blumen und Kräutern, die im Morgenschimmer verklärten Gestatten einer anmutigen Gegend, alles machte einen wundersamen, wohlthätigen Eindruck auf sein Herz.

Er fühlte sein ganzes Wesen leichter, ruhiger sein Herz und abgeschieden von aller Leidenschaft. Er sah die Bilder der gestrigen Nacht, des gestrigen Tages, der ganzen stürmischen Vergangenheit, wie einen zurückgelegten Traum in nebelhafter Ferne noch schweben vor seinem Geist.

Ihm wars so wohl in dieser Verwandlung; sein lebendigster Wunsch wars izt, daß diese liebliche Wiedergeburt nicht das vergängliche Spiel einer angenehmen Morgenlaune seyn möchte. — Er war so zufrieden mit sich, er hätte — beten mögen.

Was hätt’ er darum geben mögen, wenn er diese feierliche Stille in seiner Natur mehr einem philosophischen Siege seines Geistes über die rebellische Sinnlichkeit, als der einstweiligen Disposition seines Körpers zu danken gehabt hätte!

Bald darauf wards neben ihm in den Zimmern lebendiger. Er hörte das Flüstern und verstohlne Gelächter der Damen. Es dauerte nicht lange, so öffneten sich von beiden Seiten die Thüren.

Umringt von blühenden Jungfrauen erschien Imada, in einem einfachen Morgenkleide, einen lebendigen Blumenkranz durch das freischwebende Haar geschlungen.

Sie war nicht mehr Imada, sie war eine Göttin in allen ihren Bewegungen. Mit Seligkeit und Liebe umkleidet schienen die übrigen Mädchen und Weiber nur Reize von ihrer Nähe zu erborgen — eine Sonne unter leuchtenden Gestirnen, wandelte sie.

Florentin bebte ihr näher. Der süßeste Morgengruß ward gegeben und genommen. Florentin war entzückt, aber er ahndte es, wie bald dies Entzücken Verzweiflung werden würde.

„Im Namen meines Oheims und der übrigen lieben Gesellschaft befehle ich Ihnen, als meinem Gefangnen, mir zu folgen, um für Ihre gestrige Flucht Red’ und Antwort zu geben, und Urthel und Recht zu empfahen, als es billig ist!“ sagte Imada lächelnd.

Florentin wollte der Holdseligen eine Antwort geben, aber Imada winkte; Idalla und Rosalia ketteten sich an seine Arme und führten ihn, als einen Staatsverbrecher, mit muthwilligem Ernste davon.

Sie führten ihn hinab zum Verhör; eine hohe Thür sprang vor ihnen auf; Florentin stand in einem großen Säulensaal, voll königlicher Pracht. In der Ferne ein Altar, mit brennenden Kerzen; von beiden Seiten eine zahlreiche Versammlung.

Freundlich begrüßte sich unter einander die Menge, aber bald trat die vorige, feierliche Stille wieder ein.

Der Graf von Gabonne trat lächelnd in die Mitte der Versammlung, kündigte nochmals die Vermählung Rosaliens und Imada’s an, sprach darauf von Florentins frevelhaften Beginnen, in der Nacht zu entfliehn, und kündigte ihm im Namen der Gesellschaft, im Fall er Besserung geloben wolle, Erlassung der schweren, wohlverdienten Strafe an.

„Aber,“ fuhr der liebe Greis in seinem feierlichen Sermon fort: „aber da wir, die wir hier um Dich, Flüchtling, versammelt stehn, wir Gabonne, Gobby und Silberot, Josselin und Rosalia, Holder und Idalla beschlossen haben, in dem romantischen Reviere Mont-Rousseaus fernerhin zu wohnen, gemeinsam uns einträchtig, bis der Tod das Band unsrer Gesellschaft auflösen wird, — da wir befürchten müssen, daß Du Deine Versuche zur Flucht erneuern möchtest; so diktiren wir Dir hiemit eine ewige Gefangenschaft!“

„Um selbst sichrer zu seyn, vertrauen wir Dich ganz besonders der Wachsamkeit unsrer Imada an, und binde ich Dich durch dieses Wort auf ewig an sie!“

Florentin horchte, und traute seinen Sinnen nicht. Er war am Ziele, mit welchem man ihn überraschte, da er sich am fernsten von ihm glaubte. Er hörte nichts, er fühlte nichts mehr. Sprachlos sank er in Gabonnens und Imadas Arm; träumend stand er mit Imada, an Josselins und Rosaliens Seite vor dem Altar, und empfing er den Segen des Greises Gabonne.

„So, Vinzenz!“ rief Gobby lächelnd: „lohnen Dich die schwarzen Brüder!“

Betäubt, entnervt vom gewaltsamen Gefühl seines unaussprechlichen Glücks sank er in Holders offnen Arm. Imada küßte ihn als Weib, und Josselin rief: „Segen über diesen Augenblick! so wollen wir gründen die Colonie der Glücklichen!“

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