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Die schwarzen Brüder

Drittes Kapitel. Der Commendant.

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Duur war etwas ärgerlich über den Empfang in der Welt des drei und zwanzigsten Jahrhunderts. Er ward sich fremd mitten im Vaterlande, und schien sich in seinen eignen Augen, wie ein unwissender Knabe.

„Wein her?“ rief er. Ein niedliches, gefälliges Mädchen brachte Wein. „Befehlen Sie mehr?“ fragte die Zofe mit einem lockenden Lächeln.

„Matthias soll zu mir aufs Zimmer kommen.“

Das Mädchen ging. Matthias kam.

„Aber Matthias — — —“ seufzte Duur mit einem tragischen Lächeln.

„Aber mein Herr“ seufzte der Luftgondler: „ich bitte Sie, besinnen Sie sich doch, was haben Sie dort alles am Schlagbaum gesprochen? — Beinah möcht’ ich Ihnen Ihren Spas glauben, daß Sie fünfhundert Jahre geschlafen haben.“

„Ich sehe nur nicht ein, was ich Böses gesprochen?“

„He, he, he! Sie sagten zum Beispiel, Sie wären ein Graf von Geburt — wie in aller Welt kann man denn gräflich, oder auch nur edel geboren werden? Besinnen Sie sich doch! Freilich, vor alten Zeiten, da die Menschen noch kindisch genug waren, sich einzubilden, daß die Sünden erblich wären, glaubte man auch noch, die Tugend wäre so erblich, wie ein Geldkasten. Damals wurden noch die edeln Leute geboren! he, he, he! aber izt ist man kein Kind mehr.“

„Die Geburt von adlichen Eltern adelt also nicht mehr?“

„Sie wollen mich zum Besten haben. Verstellen Sie sich doch nicht. Ein Schulknabe kann ja das berechnen.“

„So, so!“ murmelte Florentin und ahndete, daß es in dieser Welt um seinen Adel gethan sey.

Die Bouteille war noch nicht leer, als er zum Commendanten gerufen wurde.

Er ging und fand einen liebenswürdigen Greis, dessen sanfte Miene ihm alles Liebe voraus versprach.

„Setzen Sie sich, mein Freund;“ sagte der gute Commendant, indem er ihm einen Stuhl zuschob.

„Gnädiger Herr, Sie müssen verzeihn — — —“

Der alte Herr lächelte, und winkte mit der Hand und dem Schütteln des Kopfs zum Stillschweigen.

„Wofür halten Sie mich, lieber Freund, daß Sie mich wie einen Fürsten des Landes anreden? Ich bin ja nur Commendant dieser Stadt. — Allein der wachthabende Offizier hat mir schon von Ihrem sonderbaren Betragen Nachricht gegeben. Gestehn Sie offenherzig. Sie kommen entweder aus der Krim, oder aus Portugal; denn ich kann Sie weder für blödsinnig noch boshaft nehmen.“

Duurs Bestürzung wurde immer größer. Er unterstand sich kein Wort von seinem langen Schlaf zu erzählen, um nicht für vollkommen verrückt gehalten zu werden. Und doch sah er auf der andern Seite keinen einzigen Weg, um sich aus den immer neu anwachsenden Verlegenheiten zu erretten.

„Sie schweigen?“

„Gnädger Herr — —“

„Still! ich bitte Sie! erholen Sie sich. Ich bin, wie gesagt, nur Commendant.“

„Herr Commendant — —“

„Nun?“

„Wie ich endlich wohl einsehe aus allen den seltsamen Verhältnissen, worin ich durch mein Betragen verstrickt werde: so hab’ ich von meinem Vater die albernste Erziehung erhalten. Ich bin in allen meinen Kenntnissen und Handlungen noch um ein paar Jahrhundert zurück.“

„Wer ist Ihr Vater.“

„Er lebte mit mir, ausser eingen Bedienten, abgesondert von der Welt auf seinem Landschlosse an den Alpen, studierte die ältere Geschichte und erzog mich so, als wär’ ich ein Bürger des achtzehnten Jahrhunderts. So brachte er mir von allen Dingen die absurdesten, schiefsten Vorstellungen bei, bis die Ausschweifungen seines kranken Verstandes sichtbarer wurden. Er starb unter den Händen der Aerzte und ich wurde von meiner Familie auf Reisen geschickt, um mich selbst auszubilden.“

Duur gab sich alle Mühe, seine Nothlüge noch mehr auszuschmücken und wahrscheinlicher zu machen. Der alte Commendant zweifelte so lange, bis ihn der Inquisit offenbare Beweise von der speciellsten Kenntniß des achtzehnten Jahrhunderts lieferte.

„Nun muß ichs endlich glauben, was Sie mir da sagten; aber ich gestehe auch, daß dies der wunderlichste Fall sey, der mir in meinem Leben vorgekommen ist. Seyn Sie ruhig, Sie sind frei. Aller hüten Sie sich in Zukunft, von Ihrer Grafenwürde zu reden.“

Der Ex-Graf gratulirte sich im Stillen, diesmal so entschlüpft zu seyn. Er unterhielt sich mit dem humanen Commendanten noch einige Zeit, und dieser, der den gewizten Bürger des achtzehnten Jahrhunderts Geschmack abzugewinnen schien, nöthigte ihn, zum Abendessen zu bleiben. Duur schlugs nicht ab.

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