I. Kohlehydratdrogen. (continued 4)
Reading edition
Lit. LANGENBACH, Pharm. Zeit. 17, 38, Jahresber. d. Pharm. 1872, 137. — CLEGHORN, Transact. Bot. Soc. Edinburgh. 1868/69, Jahresb. d. Pharm. 1870, 144. — STETTNER, Arch. Ph. 1848, 194. — FLÜCKIGER, Arch. Pharm. 1889, 1028 u. Pharmakognosie. — Über die Mannaproduktion in Calabrien: HANBURY, On calabrian Manna. Science papers, p. 362; in Sicilien: WARD, Pharm. Journ. 1893, 381 (Pharm. Zeit. 1894, 45). — MARIANI, Über d. Mannabaum u. s. Kultur in Die Ernähr. d. Pflanze 5 (1909) S. 25.
Handelssorten. Der italienische Handel unterscheidet Capaci cannolo, C. rottami, Geraci cannolo, G. rottami, G. lagrime, Castelbuono scelta. Der deutsche Handel unterscheidet jetzt Manna cannellata electa (in lacrimis, Tränenmanna) und in fragmentis (in granis, guttis, Tränenbruch), dann Gerace optima (feine rottami) und Gerace II (frassino). Die Gerace (richtiger Geraci) wird auch (fälschlich) als calabrina bezeichnet oder gar als Calabre Gerace (!). Die Cannellata ist oft doppelt so teuer als die Gerace. Die billigste ist die Castelbuono. Früher wurde cannellata, gerace, calabrina, communis, capace (diese weich wie Terpentin) unterschieden, später dann cannellata und pinguis (sordida). Die Händler unterscheiden die Handelssorten auch nach den Orten, wo sie gewonnen wurden. Das Manna kommt in Kisten zu 30, 50 und 90 kg in den Handel.
Allein aus Cefalù wurden in den letzten zehn Jahren 3000 dz Cannellata und 2000 dz Frassino exportiert. Italien exportierte Manna 1907: 2320, 1908: 1776, 1909: 2432 Quint. Deutschland führte 1909: 372 dz Manna aus Italien ein. Frankreich importierte 1908 41737 kg.
Eine künstliche M. cannellata wird in Italien in der Weise dargestellt, daß man M. calabrina im zehnfachen warmen Wassers löst, die Lösung koliert, mit Tierkohle digeriert, mit Eiweiß klärt, stark eindampft, mit der Masse Stäbchen begießt und das Übergießen nach dem Erhärten jeden Aufgusses solange fortsetzt, bis man die nötige Dicke erhalten (Nieuw Tijdschr. Pharm. 1885). Neuerdings kommt jetzt aus Italien auch eine «Manna pura» in den Handel, die in der Weise dargestellt wird, daß man das Manna löst, filtriert, eindampft und Brote zu 1 kg formt. Sie ist 15% teurer als Manna cannellata.
Schlecht schmeckendes Manna kann man durch Behandeln der wässerigen Lösung mit Tierkohle reinigen (HIRSCH-SCHNEIDER, Kommentar 1891).
Beschreibung der Droge. Gutes Eschenmanna bildet flache oder rinnenförmige oder stalaktitische, trockene, leicht zerreibliche, auf dem Querbruch bisweilen geschichtete Stücke von gelblich-weißer Farbe, honigartigem Geruche und süßem, schwach herbem Geschmacke. Die geringen Sorten bilden mehr oder wenig gelb-bräunliche, körnige, bisweilen ziemlich weiche oder gar schmierige Massen. Oft sind helle Körner durch eine bräunliche Masse verklebt. Die Arzneibücher verlangen meist nur die M. cannellata. Zerdrückt man ein Körnchen Manna in einem Tropfen Öl und betrachtet es unter dem Mikroskop, so sieht man zahlreiche, wohlausgebildete Kristalle und deren Fragmente, betrachtet man ein Körnchen Manna in Wasser, so findet man meist einige Gewebsfragmente, vorwiegend des Holzkörpers der Mannaesche und Pilzsporen (Pharm. helv. IV), bisweilen auch Calciumoxalatkristalle und Stärkekörner.
Man bewahrt Manna über Kalk auf (Ph. helv. IV). Gut getrocknetes Manna findet sich jetzt in Blechbüchsen im Handel (CAESAR und LORETZ).

Fig. 38.
Herstellung der Mannit-Coni bei F.
Giglio
e Co. in Cefalù (Sizilien).
Chemie. Der wichtigste Bestandteil des Eschenmanna ist der d-Mannit. Derselbe wurde von PROUST entdeckt (1806) und ist identisch mit dem Fraxinin, Granatin, Primulin, Syringin und Graswurzelzucker. Die Mengen, die davon in der Manna gefunden wurden, werden sehr verschieden angegeben. Ganz reines weißes Manna bester Qualität soll bis 90% enthalten (FLÜCKIGER), bei schlechter sinkt der Gehalt auf 30% und weniger. Alle diese Angaben bedürfen einer Revision, denn TANRET fand 1903 zwei neue krist. Zucker darin in beträchtlicher Menge: Manneotetrose (Mannatetrasaccharid C24H42O21, F. 167, wasserfrei αD = +150°, vgl. weiter unten) und Manninotriose (Mannatrisaccharid C18H32O16, αD = +167°, vgl. weiter unten). Das Manna in Tränen besteht zu c. ⅙, das Manna in Körnern zu ⅓ aus diesen Zuckern. Nach TANRET enthält gewöhnliches Manna 40, Manna in Tränen 55%, Mannit, 3 bzw. 2,2% Glukose, 3,4 bzw. 2,5% Lävulose, 16 bzw. 12% Manneotetrose, 16 bzw. 6% Manninotriose, 2 bzw. 1,5% Asche, 0,1 bzw. 0,05% Harz, 10% Feuchtigkeit und 10% noch zu untersuchender Körper. Früher (1890) wurde in Manna gefunden: 11,8–11,31% reduzierender Zucker (BUTLER); im allgemeinen schwankt der Gehalt daran zwischen 2 (bei gutem) und 20% (bei schlechtem Manna). BACKHAUSEN hält den Zucker für Traubenzucker, BUIGNET für Invertzucker. Dann in geringeren Sorten: Rohrzucker, viel Lävulose, Dextrin (BUIGNET 1868, FLÜCKIGER fand kein Dextrin), Schleim, der mit Salpetersäure Schleimsäure liefert (FLÜCKIGER), Spuren Zitronensäure und des aus der Rinde stammenden, fluoreszierende Lösungen gebenden Glykosids Fraxin, das bei der Hydrolyse in Fraxetin (ein Methyldioxycumarin) und Traubenzucker gespalten wird (fehlt in altem Manna, FLÜCKIGER). THÉNARD fand in schlechtem Manna einen ekelerregenden Körper bis 1%. Schon REBLING fand, daß, je besser das Manna ist, um so mehr Mannit und um so weniger Zucker in ihm enthalten ist. Er fand in Manna cannellata 82% Mannit und 2% Zucker; in M. Gerace 57 bzw. 8%, in M. commun. 50 bzw. 18%, in M. Capace 37,5 bzw. 30%. Vier italienische Fabriken (2 in Mailand, 1 in Genua, 1 in Cefalù) verarbeiten Manna auf Mannit, der in coni e pani und in tavoletti in den Handel kommt. Die Coni (= 200–400 g) sind in den Fig. 38 und 39 dargestellt. Die tavolleti sind Tafeln von 25, 50 und 100 g. Der Aschengehalt des Manna schwankt zwischen 0,07 und 5% (DIETERICH). Nur bei den schlechten Sorten steigt er über 3 (HAUKE). Den Feuchtigkeitsgehalt gibt Ph. helv. IV auf höchstens 10% an.
Lit. TANRET, Compt. rend. 134, 1586, Bull. soc. chim. (3) 27, 947. — REBLING, Jahresber. d. Ph. 1855, 44. — BUTLER in FLÜCKIGER, Pharmakognosie (III), 27. — BUIGNET, Journ. pharm. 7, 401 und 8, 5. — FLÜCKIGER, Arch. Pharm. 200 (1872) 159. — (Asche) HAUKE, Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 1902 und DIETERICH, Helfenb. Ann. 1905 u. 1906. — PROUST, Ann. chim. phys. 57, 143. — BOUILLON LA GRANGE, Journ. ph. 3 (1817), 10. (Erste Erwähnung kristallisierten Mannits «Manne pure»). — Ältere Analysen von FOURCROY und VAUQUELIN, BUCHOLZ, LEUCHTWEISS. — Mikroskop. Charakteristik auch bei KRAEMER, Proc. Am. Ph. Ass. 98, 334.

Fig. 39.
Trocknen der Mannit-Coni bei F.
Giglio
e Co. in Cefalù (Sizilien).
Bei der Mannaesche entsteht der d-Mannit in größerer Menge erst infolge der Verwundungen, ist also ein pathologisches Produkt. Doch scheint er in Organen, besonders der Rinde, der Oleaceen (Olea, Phyllirea, Fraxinus, Syringa) normal vorzukommen — das Fraxinin ist unreiner Mannit.
Mannit scheint weit verbreitet zu sein (CZAPEK). Er findet sich auch bei Evonymusarten, Platanus orientalis, im Kambialsafte der Fichte (KACHLER), der Cort. canellae (MEYER u. REICHE), der Rinde von Genipa brasiliensis (KWASNIK) und Basanacantha spinosa (GRÜTZNER), in den Früchten von Coffea arabica (2,2%, BOUSSINGAULT), von Prunus Laurocerasus (VINCENT und DELACHANAL), Hippophaë rhamnoides (ERDMANN), in Aconitumknollen (FLÜCKIGER), im Süßholz (TSCHIRCH), in Rhiz. graminis (VÖLCKER), Sellerie und Daucus Carota sowie in Laminaria- und Fucusarten (STENHOUSE). d-Mannit ist bei zahlreichen höheren Pilzen ein wichtiger Reservestoff, der bisweilen bis zu 20% der Trockensubstanz ausmacht. Das Bakterium der Mannitkrankheit des Weines bildet aus Fruktose Mannit. Über das Vorkommen von Mannit in verschiedenen Vegetationsperioden verdanken wir DE LUCA Untersuchungen. Daß bei den Oliven Mannit in Fett übergeht, zeigte GERBER durch genaues Studium des Respirationsquotienten.
Lit. CZAPEK, Biochemie. — W. MEYER u. VON REICHE, Lieb. Ann. 47 (1843), 234. — VÖLCKER, Über das Vorkommen von Mannit in den Wurzeln von Triticum repens. Ann. d. Chem. 59 (1846), S. 380. — STENHOUSE, Lieb. Ann. 51 (1844) und 91 (1854), 255. — PASCHKIS, Pharm. Centrh. 1884, 193. — KACHLER, Monatsh. d. Chem. 7 (1886), 410. — JANDRJER, Bot. Jahresb. 1893 II, 461. — KWASNIK, Chem. Zeit. 1892, 109. — GRÜTZNER, Arch. Pharm. 1895. — LUCA, Compt. rend. 55, 470 u. 506. — PECKOLT, Mannithaltige Pflanzen Brasiliens. Zeitschr. Österr. Apoth. Ver. 1896. — Zusammenstellung d. Vorkommens von Mannit in FEHLINGS Handwörterbuch IV, 265.
Prüfung. Die Bestimmung des in Alkohol unlöslichen Teiles («Rohmannit») kann nach DIETERICH erfolgen (Helfenb. Ann. 1893). Gutes Manna soll mindestens 70–75% Rohmannit enthalten. Werden 2 g Manna mit 2 g Wasser und 40 g Weingeist eine Stunde am Rückflußkühler gekocht, heiß durch gereinigte Baumwolle filtriert, Rückstand und Filter mit 10 g heißem Weingeist nachgewaschen, so soll nach dem Verdunsten der Flüssigkeit das Gewicht des bei 100° getrockneten Rückstandes mindestens 1,5 g betragen, was einem Minimalgehalt von 75% (Roh-) Mannit entspricht (Ph. helv. IV.).
Manna darf weder Stärke, noch Mehl, noch Honig enthalten. Der Ricettario fiorentino von 1498 (I, S. 794) erwähnt feingepulvertes Süßholz als Verfälschungsmittel des Manna, MEUNIEUR (1842) Stärkezucker, FRICKHINGER neuerdings Weizenbrotteig, JANDOUS Traubenzucker.
Anwendung. Manna ist ein gelindes Abführmittel, das oft mit Senna kombiniert wird.
Geschichte. Die Alten glaubten, daß Manna vom Himmel fällt: «Jupiter melle pluit» sagt GALENUS (Lib. 3 De alimentis). Über das Manna der Bibel vgl. weiter hinten. Was das mnn, das EBERS mannu liest, an den Wandungen des Laboratoriums im Tempel von Edfu war, wissen wir nicht. Es soll den Antakörnern (vom Nehabaume) gleichen, doch wissen wir nicht, was dies war (Weihrauch?), auch soll die Lesart anta (nach SPIEGELBERG) falsch sein und das Wort ᶜntjw (vokalisiert etwa: ᶜᵃntêjêw) lauten. Weihrauch wird meist sntr oder ʿntỉ geschrieben. BRUGSCH und LORET halten mnn für Erdpech, nicht für Manna. Es war wohl ein Harz. Die älteste sichere Erwähnung eines süßen Manna ist wohl in Suśrutas (I, S. 505) zu finden, wo süße Exsudate von Anethum Sowa, Cordia latifolia und «a foliis» erwähnt werden. (Solche Manna von den Blättern «di fronda» findet sich noch in einer Taxe von Rom 1558 I, S. 188.) Aber sowohl dieses Manna wie das bei den Arabern des Mittelalters, IBN BAITHAR (I, S. 608), AMRAN (I, S. 598) und SERAPION erwähnte, als auch die oftmals (Alphita, Frankfurter Liste, Braunschweiger Inventar, bei CORDUS, SCHRÖDER) genannten Mannas, besonders Manna granata, granulata oder mastichina sind sicher kein Eschenmanna, sondern persische oder syrische Produkte, vornehmlich das Alhagimanna (s. weiter hinten), dann Cedernmanna. Sie standen in hohem Ansehn als gelinde Abführmittel und wurden auch noch, als zuerst das calabrische, dann das sizilianische Eschenmanna in Aufnahme gekommen war, viel benutzt. Noch 1578 gibt ACOSTA an, daß das beste Manna aus dem Orient über Venedig komme. Aber weder er noch GARCIA DA ORTA, noch früher AVICENNA, unterschieden die Mannen gut. In dem Frankfurter Catalogus von 1582 ist die Calabrina als die schlechteste, die Brianzona als mittelmäßige, granulata, granata seu mastichina als die beste bezeichnet. Dagegen bezeichnet WECKER 1574 im Antidotarium (I, S. 807) die calabrische als die beste. SCHRÖDER führt in seiner Pharmakop. medic. phys. noch 1649 Tereniabin, Manna granata und mastichina neben der calabrischen auf. In der ersten brandenburgischen Taxe 1574 steht: Manna syriaca id est mastichina optima (M. de levant.) und M. calabrina non adulterata (gemein gut Manna). In der Reformatio von Worms 1609 steht M. granata sive granulata, M. mastichina (die best M., die sich den Mastixkörnlein vergleicht), M. calabrina (die allerschlechst und geringst M.). Der Ricettario fiorentino von 1567 (I, S. 794) erwähnt neben Manna di Soria solche von Cosenza di Calauria. Zuerst wurde also Eschenmanna in Calabrien gewonnen (HANBURY). WENRICH meint, daß die Mannaesche nebst dem Zuckerrohr durch die Araber nach Sizilien gebracht wurde (die Pflanze ist aber in Sizilien heimisch). Die früheste (aber zweifelhafte) Erwähnung des sizilianischen Manna stammt aus dem IX. Jahrh., wo es unter den Dingen genannt wird, die die Venetianer in Sizilien holten (MARIN). Nicht erwähnt wird sizilianisches Manna von PEGOLOTTI (c. 1340), ANTONIO DA UZZANO (c. 1442) u. and.
Auch bei SALADIN (Compendium aromatariorum 1488) und PONTANO wird nur calabrisches Eschenmanna erwähnt und bei ihnen wie bei MATTHIOLI (Comment. Venet. 1565 lib. I), wie es scheint, nur solche, die freiwillig an Blättern, Zweigen und am Stamme austrat. Ebensolches («di fronde» und «di corpo») findet sich auch in der römischen Taxe vom Jahre 1558. In SALADINS Compendium aromatariorum wird der Mai als Sammelmonat des Manna genannt: «Collige etiam in isto mense mannam tam in oriente quam in Calabria, quia tunc ros ille preciosus de celo cadit». Ein Zeitgenosse SALADINS, GIOVANNI GIOVIANO PONTANO, verherrlichte in dem Gedichte «de pruina et rore et manna» die Einsammlung des Manna durch die calabrischen Bauern. Der Brauch, die Rinde der Stämme durch Einschnitte zu verwunden, sog. «Manna forzata» zu erzeugen, kam Mitte des XVI. Jahrh. auf. 1691 betrug die bei Campana und Bocchiglioro in Calabrien gesammelte Menge 30000 Pfund (HANBURY). Im XVIII. Jahrh. mußte der gesamte Ertrag der Krone abgeliefert werden (FLÜCKIGER).
HANBURY resümiert: Eschenmanna wurde zuerst in der ersten Hälfte des XV. Jahrh. und zwar in Calabrien gesammelt («Manna nostra aetate coepit in Calabria provenire» sagt 1470 RAFFAELE MAFFEI VOLATERRANUS). Das Einkerben behufs Vergrößerung des Ertrages ist dort vor Mitte des XVI. Jahrh. nicht bekannt.
In Sicilien wurde Manna erst sehr viel später produziert. Es wird zuerst als Manna forzata bei BOCCONE 1697 erwähnt, der als Produktionsorte: Giachia, Jeraci, Castel Buono, S. Mauro, Mistretta, Carini und Capaci angibt, also ungefähr die gleichen Orte, wo noch heute Manna gesammelt wird (s. oben). ANNIBALE BRIGANTE zeigte, daß das freiwillig austretende mit dem durch Einschnitte erzeugten Manna identisch ist. POMET erwähnt 1694 Manna von Calabrien (Galliopoli au Mont Saint Ange) und Sizilien und bildet die Gewinnung mittelst der Canna ab (Hist. gen. d. Drog. p. 236). Auch GEOFFROY gedenkt des sicilianischen Manna. Ende des XVII. Jahrh. dominierte dieses Manna bereits. POMET erwähnt allerdings noch: Manne de la Tolfe (fälschlich = Manne de Briançon gesetzt), Manne liquide = Tereniabin (s. weiter unten). BOCCONE erwähnt 1697 von Calabrien: Manna di Corpo (das beste, aus kleinen Wunden freiwillig ausfließend), M. forzata («wie Eiszapfen», durch Einschnitte mit einem dreischneidigen Messer ≡ oder in Form von ̭̂), M. forzatella oder di foglio (freiwillig aus den Blättern der wilden Orni ausfließend).
Im XVIII. Jahrh. wurde in Calabria citra am Golfe von Taranto, besonders in dem Territorium von Rossano, dann bei Corigliano, Cariati und Cosenza (BOCCONE erwähnt noch Lucciro, Tarsia, Taverna, Castrovillari, Viesti, zwischen Bari und dem Monte S. Angelo) viel Manna gewonnen (RIEDESEL, CAPPEL CRAVEN). Die sicher bis in den Anfang des XIX. Jahrh. blühende Mannaindustrie Calabriens war, wie HANBURY 1872 an Ort und Stelle feststellte, damals schon so gut wie erloschen. Man sammelte von den «ornelli» nur noch ganz geringe Mengen für den eigenen Gebrauch im Gebiete von Rossano, ja die Regierung hatte sogar das Herstellen von Einschnitten verboten.
Auch die Mannaproduktion in den Maremmen von Toscana ist erloschen. Ebenso die im XVI. und XVII. Jahrh. blühende Mannagewinnung im Kirchenstaat (S. Lorenzo) und in Cività vecchia (Manna von Tolfa). Im XVIII. Jahrh. unterschied man Calabrina-, Tolfa- und Puglia-Manna. BOCCONE erwähnt 1697 als Produzenten von Manna noch: S. Felicita, Tolfa, Castro, Palombara, Vicovaro, Monte flavio, Cori, Albano, Montecelle, Montorio, Sassa und die Seeseite von Siena. BOCCONE beschreibt die Gewinnung des Manna von Tolfa, das mit dem Manna forzata Calabriens übereinstimmt, durch täglich zwei Einschnitte an der Ostseite des Stammes.
Daß Manna nicht vom Himmel fällt, sondern der Succus concretus fraxini ist, behaupteten schon ANGELUS PALEA und BARTHOLOMAEUS AB URBE VETERE, zwei Franziskaner, die 1543 einen Kommentar zu MESUË schrieben, und DONATUS ANTONIUS AB ALTOMARI, medicus et philosophus Neapolitanus, zeigte c. 1558 durch einen Versuch, indem er die Bäume mit Tüchern bedeckte und doch Manna darauf fand, daß dies richtig ist. Des ALTOMARI Beobachtungen bestätigten GOROPIUS, LOBELIUS, PENA, COSTAEUS u. and. Trotzdem wird noch 100 Jahre später im Antidotario romano das Manna immer noch als Tau bezeichnet, der vom Himmel fällt.
Der erste, der deutlich die abführende Wirkung des Manna erwähnt, ist ACTUARIUS (XIII. Jahrh., I, S. 792), doch bezieht sich die Angabe nicht auf Eschenmanna, ebensowenig wie die analogen Bemerkungen der Araber. Die purgierende Wirkung des Eschenmanna behandelt zuerst ausführlich ROLFINK (1667, De purgant. vegetabil.). Die Spagyriker destillierten das Manna (vgl. I, S. 869). GEOFFROY, der in seiner Materia med. das Manna sehr eingehend behandelt, teilt eine pyrochemische Analyse des Manna mit. Bei den Chemikern des XVI. Jahrh. galt die Bezeichnung «Manna» für eine besondere Form «Salz» oder «Gummi». PEDEMONTANUS nennt (I, S. 879) die Benzoësäure «mannaartig».
Lit. EBERS, Durch Gosen zum Sinai. Leipzig 1871. — BRUGSCH, Hieroglyph. Wörterbuch, — LORET, Rec. d. trav. relat. à la philolog. et archéol. égypt. 16. p. 158. — HANBURY (Pharm. Journ. 1869), Arch. Pharm. 1870, 80. — FLÜCKIGER, Pharmakognosie. — SYLVII BOCCONIS, Curiöse Anmerkungen über Ein unn ander natürliche Dinge 1697. I Anm. von der Italiänischen Manna. So in diesem Seculo zusammlen angefangen worden. — ST. F. GEOFFROY, Materia med. I, p. 498 (dort die Observationes des ALTOMARI).
2. Australisches Manna.
Dieses Manna (Outeman genannt) findet sich an einer Polygalacee, Myoporum platycarpum ROB. BROWN., dem sog. Sandelholzbaume Australiens und herabgeflossen am Fuße der Bäume am Boden. Es wird in der Nähe der südaustralischen Fowler Bay gesammelt. Frisch ist es weiß, im Handel aber rotbräunlich. Die Stücke sind handgroß und bilden bis ein Fuß lange, kerzengerade Zylinder. Unterm Mikroskop sieht man zahlreiche Mannitkristalle. Dieses australische Manna enthält 89,65% Mannit, 2,87% reduzierenden Zucker, 0,51% invertierbaren Zucker (Rohzucker?) und 2,37% Schleim (MAIDEN).
Lit. BENNETT, Wanderings in New South Wales. London 1834. — MAIDEN, Pharm. Journ. 1893, 608 (FLÜCKIGER, Apoth. Zeit. 1893, 39). — FLÜCKIGER, Arch. Pharm. 1894, 311.
3. Platanus-Manna.
Ein Manna mit 90% Mannit erwähnt JANDRIER. Es wird von Platanus orientalis gesammelt.
Lit. JANDRIER, Comp. rend. 117 (1892), 498.
4. Manna von den Capverdischen Inseln.
In diesem Manna fand BERTHELOT 1856 Mannit (Ann. chim. phys. 47, 86). Seine Provenienz ist unbekannt.
5. Harlálumanna.
In Indien durch Erhitzen der Wurzeln des Baumes Katrā erhalten. Es scheint Mannit zu enthalten (HOOPER).
6. Olivenhonig.
Olivenhonig (azzal zitoun) nennen die Eingeborenen von Bibans ein aus den Stämmen kranker Olivenbäume ausschwitzendes Ölbaummanna, das nach TRABUT und BATTANDIER (Journ. pharm. 1901 (13) 177, Zeitschr. Nahrungsm.-Unters. 1901, 991 u. Apoth. Zeit. 1901, 209) 52% Mannit, 7,8% reduzierenden Zucker, 9,3% durch Alkohol fällbare Substanzen enthält. Es soll infolge einer Bakterienerkrankung austreten.
Die mannitfreien Mannasorten s. unter Disaccharide und Trisaccharide.
e) Drogen, welche Dulcit enthalten.
Der Dulcit ist dem Mannit stereoisomer, wie aus dem Vergleich der Formeln hervorgeht:
Dulcit:

Mannit:

Er steht aber auch zur d-Galaktose (vgl. S. 6) in Beziehung, deren Reduktionsprodukt er ist. Dulcit bildet derbe, asparaginartige Kristalle, F. 186, optisch inaktiv, nicht gärungsfähig, nicht reduzierend.
Dulcit ist in einem Manna von Madagascar, im Kraute von Melampyrum nemorosum (HÜNEFELD, EICHLER, ERLENMEYER) und im Cambialsafte von Evonymus europaeus, in der Rinde von Evonymus atropurpureus (VON HOEHNEL), überhaupt im japanischen und europäischen Pfaffenhütchen, auch im Honigtau von Evonymus japonicus (MARQUENNE), in Celastrus und Schaefferia, wie überhaupt in Celastraceen (KUBEL, V. GILMER, BORODIN) und Scrophularineen (EICHLER, MONTEVERDE, V. GILMER, BORODIN) gefunden worden. Vorkommen oder Fehlen von Mannit und Dulcit kann als Gattungs- und Gruppenmerkmal bei Scrophulariaceen verwertet werden (MONTEVERDE).
Madagascar-Manna.
Dieses Manna unbekannter Provenienz, das kristallinische helle Knollen bildet, besteht fast aus reinem Dulcit. Um Dulcit daraus darzustellen, braucht man es nur aus Alkohol oder heißem Wasser umzukristallisieren. GILMER zeigte, daß der Melampyrit von HÜNEFELD und EICHLER, sowie der Evonymit von KOBEL mit Dulcit identisch sind.
Lit. LAURENT, Compt. rend. 30, 41, 339 und 31, 694. Lieb. Ann. 76, 358; 80, 345. — JAQUELAIN, Ebenda. — GILMER, Lieb. Ann. 123, 375. — CZAPEK, Biochemie I, 212.
B. Drogen, welche Disaccharide von Hexosen enthalten.
Die Disaccharide oder Hexobiosen sind als durch Kondensation zweier Moleküle eines Monosaccharids, und zwar einer Hexose, unter Wasseraustritt entstanden zu denken, sind also ätherartige Anhydride der Hexosen. Hierher gehört die Saccharose (Rohrzucker, Rübenzucker), die ein d-Glukose—d-Fruktose-Äther ist, die Laktose (Milchzucker), die als d-Galaktose—d-Glukose-Äther und die damit wohl stereoisomere Maltose (Malzzucker oder Maltobiose), die als d-Glukose—d-Glukose-Äther zu betrachten ist. Zu der Gruppe der Disaccharide gehört auch die dem Rohrzucker ähnlich gebaute Trehalose oder Mykose (C12H22O11.2 H2O), die in dem Trehalamanna, im Mutterkorn und anderen Pilzen (Fung. sambuci, Agaricus Muscarius) vorkommt.
Untenstehende Formeln zeigen die Beziehungen der drei wichtigsten Disaccharide von Hexosen zueinander.
Durch Säuren oder Enzyme werden sie in ihre Komponenten aufgespalten. Invertase spaltet Rohrzucker in Glukose und Fruktose; Laktase spaltet Milchzucker in Glukose und Galaktose.
Bereits LAVOISIER machte von einem Disaccharid, dem Rohrzucker, eine Elementaranalyse.
Rohrzucker, Saccharose (Anhydridzucker) Milchzucker, Laktose (Aldehydzucker)



Maltose.
1. Rohrzuckergruppe.
Saccharose scheint bei den Tieren zu fehlen, ist aber bei den Pflanzen viel weiter verbreitet als man früher annahm. Das haben neuere Untersuchungen besonders von E. SCHULZE, ANDERSEN, HARLAY und BOURQUELOT dargetan, welch letzterer mit Hilfe seiner Invertinmethode, die eine Reindarstellung der Zucker nicht benötigt, gute eindeutige Resultate erhielt. Nachgewiesen ist sie z. B. in Zuckerrohr, Zuckerrüben, Zuckerahorn, Zuckerhirse, vielen Palmsäften, Krappwurzel, Kaffeebohnen, Gerste, Wallnüssen, Haselnüssen, Mandeln, Johannisbrot, in den Nektarien vieler Blüten (vgl. BEILSTEIN, Handbuch). Sehr viel Rohrzucker fanden wir in einer Rad. rhei monachorum. HARLAY fand (1905) viel auch in Umbelliferenwurzeln. BUIGNET gab ihn 1861 für viele Früchte an. Doch sind alle älteren Angaben mit Vorsicht aufzunehmen.
Physiologisch betrachtet ist Rohrzucker dort, wo er in so großen Mengen auftritt, daß seine Gewinnung lohnt, als Reservestoff aufzufassen. In den Stämmen der Palmen und dem Zuckerrohr, wo er im ganzen Grundgewebe sich findet, ersetzt er die Stärke und ist in erster Linie zur Ernährung des austreibenden Blütenstandes bestimmt oder war doch hierfür in erster Linie gebildet. Bei der Zuckerrübe ersetzt er ebenfalls andere Reservestoffe, die sonst in unterirdischen Reservebehältern vorkommen. Durch Kultur und Auslese läßt sich die Menge des Zuckers auch hier steigern, und die Kultur hat bereits eine starke Steigerung erzielt. Bei der Zuckerrübe z. B. von 3 auf 26%! Rohrzucker findet sich besonders in Pflanzenteilen, die kein Chlorophyll enthalten (JODIN).
Über die Verbreitung von Saccharose im Pflanzenreich vgl. CZAPEK, Biochemie, und von LIPPMANN, Chemie der Zuckerarten. Die Identität von Palmenzucker, Sorghumzucker, Ahornzucker und Johannisbrotzucker mit Rohrzucker stellte schon BERTHELOT fest (Jahresber. d. Chem. 1858, 486; dort die Lit.).
Daß Rohrzucker ein vortreffliches Nahrungsmittel ist, wußten schon die alten indischen, persischen und arabischen Ärzte (LIPPMANN), daß er dies sein muß, geht schon aus seiner hohen Verbrennungswärme hervor. Dieselbe beträgt (nach RUBNER) cal. für 1 g: 4001, cal. für 1 g-Mol: 1368,3. Bei großen Muskelanstrengungen eignet er sich daher außerordentlich zum Ersatze des Blutzuckers und des Glykogens und ist in bezug auf Eiweißersparnis dem Fette überlegen. 1 g Sauerstoff liefert bei der Oxydation von Rohrzucker 1511 Meter-Kilogramm Arbeit (ZUNTZ). Die Kreuzfahrer kauten nach den Berichten des Mönches ALBERTUS AQUENSIS bei Nahrungsmangel Zuckerrohr.
Über die aus Zucker hergestellten gegorenen Getränke vgl. I, S. 1016. Vergärbar sind nur die Zuckerarten mit drei, sechs oder neun Kohlenstoffatomen. Über Zuckervergärung ohne Enzyme vgl. die Zusammenstellung in Pharm. Praxis 1908, 266 (SCHADE).
CAMILL HOFFMEISTER beschreibt folgende mikro-histochemische Methode zum Nachweis von Rohrzucker neben Glukosen: die Schnitte aus dem zu untersuchenden Gewebe, 3–4 Zelllagen dick, werden direkt in Schälchen mit konzentrierter, siedendheißer Kupfersulfat-Seignettesalz-Natronlauge gebracht, so daß das Oxydationsmittel möglichst rasch und in großem Überschuß einwirken kann. Nach 1–2 Minuten ist die Glukose quantitativ oxydiert. Man nimmt die Schnitte heraus, spült dieselben durch Herumschwenken in einer Porzellanschale mit stark verdünnter Weinsäurelösung rasch ab und bringt sie auf dem Objektträger in einen Tropfen einer konzentrierten Lösung von Magnesiumchlorid. Das Magnesiumchlorid löst, besonders bei kurzem Erwärmen, den Niederschlag von Kupferoxydul in 1–2 Minuten glatt auf. Man spült nun das Magnesiumchlorid mit weinsäurehaltigem Wasser ab und bringt den Schnitt in einen Tropfen konzentrierter Invertinlösung auf den Objektträger. Man läßt mehrere Stunden die Zimmertemperatur einwirken. Ist der Tropfen nahe am Eintrocknen, so wird von neuem befeuchtet. Die genügende Zeit zur Inversion des Rohrzuckers war stets erreicht, sobald das Eintrocknen 2–3 mal vor sich gegangen war. Nun wird der Schnitt mit einem Tropfen Kupfersulfat-Seignettesalz-Natronlauge bedeckt, das Deckglas darüber gelegt und vorsichtig bis eben zur Siedetemperatur erhitzt. Ist Rohrzucker vorhanden, so scheidet sich rotgelbes Kupferoxydul ab. Beim mikrochemischen Zuckernachweis nach der Methode von SACHS (s. oben S. 7) werden die rohrzuckerhaltigen Zellen hellblau gefärbt.
Die regelmäßige Gestalt der Rohrzuckerkristalle erwähnt zuerst CÄSALPINI (daß OLIVIER DE SERRES gegen 1600 Rübenzucker gekannt und dessen Kristallgestalt beschrieben habe, ist ein in französischen Werken weitverbreiteter, aber völlig haltloser Irrtum, LIPPMANN). Der Tribolumineszenz gedenkt schon BACON VON VERULAM als etwas Wohlbekannten. Das Drehungsvermögen erkannte SEEBECK (1816) und BIOT gründete (1819) darauf die optische Saccharimetrie. Die Inversion des Rohrzuckers erkannte DUBRUNFAUT 1847. Alkalische Kupferoxydlösung zur Erkennung von Invertzucker und Traubenzucker empfahl 1841 TROMMER, der in MITSCHERLICHS Laboratorium arbeitete und 1848 veröffentlichte FEHLING die Vorschrift zu seiner alkalischen Kupfertartratlösung und beschrieb die Methode der quantitativen Zuckerbestimmung.
Lit. VON LIPPMANN, Chem. der Zuckerarten. — C. HOFFMEISTER, Über d. mikrochem. Nachweis von Rohrzucker in pflanzlichen Gew. Jahrb. f. wiss. Bot. 31 (1898). — E. SCHULZE, Nachweis d. Rohrzuckers in Pflanzensamen. Zeitschr. f. phys. Chem. 52 (1907), 404. — BUIGNET, Ann. chim. phys. 3 ser. 61, p. 233. — E. SCHULZE und FRANKFURT, Über die Verbreit. d. Rohrz. in den Pflanzen, Zeitschr. phys. Chem. 20 (1895) und 27 (1899). — NYGÅRD, Om rörsockrets förekomst och kvantitet i droger. Farm. Notisbl. Helsingfors 1909. — ANDERSEN, Zeitschr. phys. Chem. 29, S. 423. — BOURQUELOT, Le sucre de canne dans les véget. Bull. soc. d’hist. nat. des Ardennes 1901 (dort die Listen der Rohrzucker enthaltenden Pflanz.) und Journ. pharm. 1903. — HARLAY, Le Saccharose dans les organes végétaux souterrains. Thèse Paris 1905 (dort d. Lit.) und Journ. pharm. chim. 1905. — CH. LEFEBVRE, Application des procédés biochimiques à la recherche et au dosage des sucres et des glucosides dans les plantes etc. Thèse Paris 1907. — JODIN, Bull. soc. chim. 31. — Vgl. auch Bot. Jahresber. 1905, 815 (Kultur von Rohrzuckerpflanzen). — BRUNNO LINNÉ, Hydrolyse von Bi-, Tri- und Polysacchariden. Diss. Basel 1905. — FONCES-DIACON, Polysaccharides. Thèse Montpellier 1899.
Tafel IV.

Zuckerrohr in Blüte (Java).
(Kolonial-Museum, Haarlem.)
⇒ GRÖSSERES BILD
Rohrzuckerdrogen.
I. Drogen, welche aus Rohrzucker bestehen.
Saccharum.
Syn. Zucker, Rohrzucker, Saccharose, Saccharobiose — sucre (franz.) — sugar (engl.) — zucchero (ital.) — açucar (span.) — suiker (holl.) — socker (schwed.) — sokuri (finn.) — cukor (ung.) — sachar (russ.).
Die Bezeichnungen für Zucker leiten sich alle von dem indischen Worte Çarkarâ (sansk. = Sand) oder Sakkarâ (prakr.) ab. σάκχαρον (DIOSKURIDES, war wohl Bambumanna, s. Tabaschir), σάκχαρι (Periplus), saccharum (PLINIUS), al sukkar (arab.), schakara (tibet.), schakar, scheker (pers.), scheker (türk.). Mit den Arabern kam das Wort nach dem Westen.
I. Rohrzucker aus Zuckerrohr.
Stammpflanze und systemat. Stellung. Saccharum officinarum L. (LINNÉ, Spec. pl. I, 54), Kasab elsukker bei IBN BAITHAR. Nach Einigen eine durch Kultur entstandene Form von S. spontaneum, das jetzt in Südasien, z. B. auf Java, ein sehr gefürchtetes Unkraut ist (Alang-Alang).
Gramineae — Andropogoneae. Sacchareae, Sect. Eusaccharum.
Beschreibung. Die Heimat des Zuckerrohrs, einer Pflanze des feuchtwarmen tropischen Klimas, ist Indien. Die wilde Stammform ist nicht mehr sicher bekannt. Es wurde durch Kultur zunächst nach dem übrigen Südasien, dann nach Vorderasien und Europa gebracht (s. weiter unten) und wird jetzt in den meisten warmen Ländern kultiviert (s. weiter unten), auch in ganz Zentralafrika (Congo, Njansa, Aequatoria). Kälte und Trockenheit sind die größten Feinde des Zuckerrohrs.
Im Habitus ist das Zuckerrohr dem Mais ähnlich, wird aber viel höher, bis 6 m und bis über 5 cm dick. Es wird fast ausschließlich durch Stecklinge vermehrt und kommt in den Kulturen selten zur Blüte (Taf. IV) und fast nie zur Fruchtbildung. Der Saft des ausgereiften Zuckerrohrs enthält im Mittel 12–15%, zuweilen 15–17%, vereinzelt 18–20% Rohrzucker neben nur 0,6% unkristallisierbaren Zucker.
Pathologie. Prof. ED. FISCHER berichtet über die pflanzlichen Schädlinge:
Das Zuckerrohr wird von zahlreichen Krankheiten befallen (siehe LINDAUS Bearbeitung in SORAUERS Handbuch der Pflanzenkrankheiten, 3. Aufl., WAKKER und WENT: De Ziekten van het Suikerriet op Java I, 1898, COBB, Fungus maladies of the sugar cane. Honolulu 1906). Eine Übersicht der in Java beobachteten Zuckerrohrkrankheiten gab ZEHNTNER, Oversicht van de Ziekten van het Suikerriet op Java. Mededeel. Proefstat. Oost Java. Soerabaia 1897. Vgl. dann auch den Katalog des Koloniaal-Museums. Haarlem 1900, vgl. auch I, S. 376. Wir greifen aus den Krankheiten nur die wichtigsten heraus:
Zunächst sind in neuerer Zeit mehrere Bakterienkrankheiten nachgewiesen worden, eine derselben ist die Spitzenfäule (Top-rot). — Blattfleckenkrankheiten werden von Leptosphaeria Sacchari BREDA DE HAAN, Coleroa Sacchari (Sacc.) BREDA DE HAAN und mehreren Cercospora-Arten hervorgerufen. — Eine gefährliche Erkrankung des Stengels (Rotfäule, red rot, red smut), bei der auch der Zuckergehalt sich vermindert (während die Glukose zunimmt), bewirkt Colletotrichum falcatum WENT. Ebenfalls an den Stengeln tritt die Ananasziekte auf, hervorgerufen durch Thielaviopsis Aethaceticus, die freilich kein obligater Parasit ist, sondern deren Eindringen Verwundungen voraussetzt. — Auch ein Brandpilz, Ustilago Sacchari RABENH., tritt auf den Zuckerrohrstengeln auf. Endlich kommen Hymenomyceten und Gastromyceten in Betracht, deren Mycel Krankheiten der Stecklinge oder Wurzelerkrankungen bedingen: Marasmius Sacchari WAKKER, ein Hymenomycet, der Erreger der sog. Dongkellankrankheit und die beiden Phalloideen Phallus celebicus und Ph. coralloides.
Die gefährlichste Krankheit ist die Seréh genannte, über die eine ganze Literatur existiert. WAKKER bezweifelt ihren parasitischen Charakter.
Gewinnung. Frisches Zuckerrohr enthält 12–18% Rohrzucker und bis 0,7% reduzierenden Zucker (VANDESMET). Der Zucker ist nicht gleichmäßig verteilt. Während z. B. die Spitze nur 1,914% enthält, steigt der Gehalt im oberem Stengelteil auf 7,79%, im mittleren auf 14% und beträgt im unteren 14,7%. Umgekehrt sinkt in den gleichen Organabschnitten der Glukosegehalt von 2,367 auf 0,945, 0,207 und 0,175. Doch sind diese Verhältnisse sehr variabel. Unter verschiedenen organischen Nichtzuckerstoffen ist auch Aconitsäure im Zuckerrohr gefunden worden (A. BEHR).

Fig. 40.
Ernte des Zuckerrohrs.
Die Gewinnung des Rohrzuckers aus dem Zuckerrohr geschieht in folgender Weise. Sobald das Rohr eine gewisse Höhe erreicht hat, wird es etwas über dem Boden geschnitten (Fig. 40). Dann werden die Blätter entfernt (I, Fig. 72 u. 73) und die knotig gegliederten dicken Stengel auf Kähnen (I, Fig. 219) oder Karren (I, Fig. 74 u. 215) oder Feldbahnen in die Mühle (I, Fig. 75) gebracht und dort zerquetscht (I, Fig. 144), worauf man den Rohsaft klärt, eindickt und kristallisieren läßt. Dies geschah früher in den Produktionsländern in sehr primitiver Weise und der Kolonialzucker mußte daher in Europa raffiniert werden.
Jetzt sind unter Benutzung der bei der Rübenzuckerindustrie (s. d.) gemachten Erfahrungen zahlreiche modern eingerichtete Rohrzuckerfabriken in den Produktionsländern entstanden, die nunmehr auch in den Tropen reinen Rohzucker und selbst Konsumzucker fabrizieren. Die javanischen Zuckerfabriken z. B. sind mit allen nur erdenklichen modernen maschinellen Einrichtungen versehen (Taf. V).
Tafel V.

Zuckerfabrik in Java (Zucker aus Zuckerrohr).
(Aus les grandes cultures.)
⇒ GRÖSSERES BILD
In Vorderindien ist (nach Pharmacogr. indic.) das durchschnittliche Erträgnis von 100 canes 18 guda (d. i. unraffinierter Zucker) oder 17,5 shakar (jaggery, d. i. trockener unraffinierter Zucker), oder 19,5 râb (d. i. Sirup).
Raffination. Die Zuckersiederei, d. h. die Kunst aus dem Rohrzucker, der unter dem Namen Moscovade (Mascovade, Muscuat) und Kassonade nach Europa gebracht wurde, reinen Zucker herzustellen, der Prozeß der Raffination (Reafinatio), war in den Ländern Europas im XVI. und XVII. Jahrh. schon weit verbreitet (vgl. z. B. ANGELUS SALA, Saccharologia 1650). Die erste Beschreibung lieferte aber erst DUHAMEL DU MONCEAU (L’art de raffiner le sucre 1764 mit 10 Taf., vgl. I, S. 975). Amsterdam, später Hamburg und Berlin, waren Hauptsitze der nordischen Zuckerraffinerie im XVIII. Jahrh. (vgl. darüber LIPPMANN). Die erste Zuckerraffinerie in Amsterdam entstand um 1600. Die erste deutsche Zuckerraffinerie wurde 1573 durch ROTH in Augsburg errichtet, eine zweite folgte 1597 in Dresden, dann folgten Hamburg, Orleans, Rouen. Der dreißigjährige Krieg vernichtete in Deutschland auch diese Industrie.
Handelssorten (s. auch Rübenzucker). In dem Frankfurter Catalogus von 1582 (I, S. 817) findet sich Saccharum canariense, candum (nicht von Candia, das Wort stammt vom persischen qand = Zucker), s. crystallinum, madeirense (von Madeira, wo seit 1420 Zucker gewonnen wurde), melitense, penidium (die indische Bezeichnung [fânîdh, fênîdh] schon bei arabischen und persischen [pânîdh] Schriftstellern des Mittelalters, dann in allen deutschen Taxen — vielleicht sog. Gerstenzucker), tabarzeth (pers. tabarzadh = axtgehauen, auch für Steinsalz — in vielen Taxen des XVI. bis XVIII. Jahrh.), Thomasinum (von St. Thomé im Busen von Guinea, wo Zuckerrohr seit 1485 gebaut wurde), s. rubrum und miscellaneum. In der Braunschweiger Liste 1521 (I, S. 814) figuriert: Hout sucker, Melzucker, Zucker penid und Zucker kand (s. auch unter Geschichte).
Eigenschaften. Der Rohrzucker (Formel vgl. S. 114) kristallisiert in großen monoklinen Kristallen (der Zuckerkand besteht aus solchen). Er zeigt Tribolumineszenz, leitet strömende Elektrizität sogut wie gar nicht, Wärme sehr schlecht. Er schmilzt bei 160° und erstarrt glasartig amorph (Gerstenzucker), die Masse wird aber allmählich wieder kristallinisch und trübe («Absterben»), bei stärkerem Erhitzen karamelisiert er. Sein spez. Gewicht ist bei 17,5° = 1,580. In absolutem Alkohol löst sich Rohrzucker schwer (1 : 80), in verdünntem leichter; leicht löst er sich in Invertzuckerlösungen und in ⅓ seines Gewichtes Wasser. Konzentrierte Schwefelsäure verkohlt ihn (Unterschied von d-Glukose). Sein spezifisches Rotationsvermögen ist: [α]20D = +66,5°, oder allgemein für jede Konzentration: [α]D = 66,386 + 0,015035. P − 0,0003986. P² (P = Prozentgehalt der Lösung an Rohrzucker). Er reduziert FEHLINGsche Lösung erst nach der z. B. beim Kochen eintretenden Inversion. Die gewöhnlichen Bier- und Weinhefen vergären Rohrzucker erst nach Inversion durch die Hefeenzyme (Invertase usw.). Über den Rum vgl. I, S. 1019.
Die Pharm. helvet. IV läßt den Zucker aus Zuckerrohr neben Rübenzucker zu.
Produktion. Zucker aus Rohrzucker produzieren jetzt: die Vereinigten Staaten (Louisiana), Porto Rico, Hawai, Cuba, Britisch Westindien (Trinidad, Jamaica, Antigua und St. Kitts, Barbados), Französ.-Westindien (Martinique, Guadeloupe), Dänisch-Westindien (St. Croix), Haiti und San Domingo, die kleinen Antillen, Mexiko, Zentralamerika (Guatemala, San Salvador, Nicaragua, Costa Rica), Brit. Guyana (Demerara), Holländ. Guyana (Surinam), Peru, Argentinien, Brasilien, Britisch Indien, Siam, Java, die Philippinen, Australien (Queensland, Neu-Süd-Wales), Fidschiinseln, Mauritius, Réunion, Ägypten, Spanien. Mauritius hieß früher die «Zuckerinsel».
In Java spielt die Fabrikation von Rohrzucker eine große Rolle.
Der Ertrag betrug 1907 in Java pro acre: Rohr 38 t 15 cwt, Zucker 4 t 3 cwt. Der Gesamtertrag an Rohr: 1210200 t. 1908 waren 115458 ha unter Zuckerrohrkultur. Java exportierte 1908: Hauptzucker 1075935516 kg, Sackzucker 80950282 kg, Stroopzucker 98278768 kg, Javan. Z. 5896000 kg.
Die Philippinen exportierten 1909 110604 t. Brasilien exportierte Zucker 1906: 84948346 kg, 1907: 12857899 kg.
Beträchtlich ist die Produktion in Cuba. Cuba produzierte 1907/08: 961958 t, 1908/09 1513582 t Rohrzucker.
Von rohem Zucker wurden 1908 in Hamburg seewärts eingeführt: 26982 dz, davon aus Ostafrika: 19516, geringere Mengen aus Peru, Brit. Ostindien, San Salvador, Nicaragua, Guatemala, Ägypten, Trinidad, St. Croix.
Frankreich importierte 1908 aus seinen Kolonien Réunion, Martinique, Guadeloupe und Mayotte 119561084 kg Rohrzucker (sucres en poudre), ziemlich viel (669357 kg) auch aus Engl. Afrika
Die Rohrzuckerproduktion der Erde betrug 1907/08: 5161900 t. Davon entfallen auf Java, das schon seit dem XVII. Jahrh. besonders im Osten Zucker produziert, 1156400 t, auf die Vereinigten Staaten (Louisiana, Texas, Portorico) 985000 t, auf Cuba 950000 t (1908/09: 1350000 t), auf Hawai 450000 t. Über 100000 t produzieren dann noch: die Antillen und Zentralamerika, Brasilien, Queensland, Mauritius, Peru, Philippinen, Argentinien, Demerara, der Rest fällt auf die Fidschiinseln, Ägypten, Réunion, Neu Südwales und Spanien. (Siehe auch unter Rübenzucker.)
Verbreitung über die Erde. Das Zuckerrohr ist in Indien heimisch und hat sich von dort aus über die Erde verbreitet. Schon 327 n. Chr. fand sich Zuckerrohr jenseits des Ganges (NEARCHOS), 250 n. Chr. in China, um Christi Geburt in Java, 400 n. Chr. finden wir es in Tibet und Kaschmir, um 600 in Ceylon, um 700 in Cambodja und auf Socotra. Auch nach Vorderasien gelangte es frühzeitig. Schon 643 finden wir es in Ägypten, 680 in Syrien, um 700 in Cypern, um 818 in Kreta. Nach Spanien kam die Zuckerrohrkultur 714. [Im arabischen Kalender des HARIB aus dem Jahre 961 (I, S. 612) wird der Anpflanzung des Zuckerrohrs gedacht.] Nach Sicilien 827 (nicht erst im XII. Jahrh. wie I, S. 33 steht), nach der Provence 750. In Marokko finden wir sie 709, in Tripolis um 900, in Madeira 1420, auf den Canaren und auf St. Thomé um 1480 (LIPPMANN) ISTACHRÎ (I, S. 616) berichtet c. 920 über Zuckerrohrkulturen in Tripolis, Chusistan, Meserkan, Asker Mokrem, wo auch Zuckerfabriken bestanden.
Während der Kreuzzüge war Syrien mit der größte Zuckerlieferant Europas. Im XII. Jahrh. blühte die Zuckerindustrie in Sicilien, aber schon im XI. Jahrh. finden wir sicilianischen Zucker auf dem Markte in Venedig. Die Rohrzuckerkultur hat sich noch in Ägypten und Spanien (Elche) erhalten, sonst ist sie im Westen erloschen. 1448 nahm die Zuckerrohrkultur die besten und ausgedehntesten Küstenstriche Siciliens in Anspruch (LIPPMANN). Bereits Ende des XIII. Jahrh. lieferte Cypern viel Zucker an den europäischen Markt, im XIV., XV. und XVI. Jahrh. blühte dort, wie auch in Ägypten, eine großartige Zuckerindustrie.
Nach Amerika kam das Zuckerrohr schon durch COLUMBUS (I, S. 745) 1493, der es auf seiner zweiten Reise nach Domingo brachte, wo es sich rasch akklimatisierte, OVIEDO (I, S. 755) folgte 1514. Nach Mexiko kam es um 1520, nach Brasilien 1532, nach Peru 1533, nach Paraguay 1580, nach Argentinien 1620, nach Guadeloupe und Martinique 1630, nach Barbados 1641, nach Louisiana 1673, nach Pennsylvanien 1785 (LIPPMANN). Das Zuckerrohr kam um 1797 auch nach Kalifornien. 1869 hatte Nieder-Kalifornien weite Zuckerfelder (ROSS BROWNE). Daß sich die Zuckerrohrkultur in Amerika so gut entwickelte, ist namentlich der Einführung der Sklaverei zu danken.
Mit der Zuckerfabrikation wurde in Mexiko schon bald nach der Eroberung begonnen. Schon 1553 hören wir von einem Zuckerexport aus Mexiko.

Fig. 41.
Zuckerfabrikation in Sizilien um 1570.
[Nach der Bildersammlung «Nova reperta» des
Joann. Stradanus
.]
Geschichte. Das Zuckerrohr wurde lange bevor man es lernte Zucker daraus darzustellen benutzt, wohl hauptsächlich gekaut. Die Darstellung festen Zuckers erfolgte zuerst in Indien, aber nicht vor dem III. oder gar VII. Jahrh. (VON LIPPMANN). Immerhin ist es also möglich, daß die Saccharum-Sorten in Suśrutas (I, S. 505) Zucker waren. PAULUS VON AEGINA und AVICENNA nannten daher den Zucker Sal indus — die Araber auch Tabarzeth. In der Alphita, bei BARTHOLOMAEUS und in Circa instans (I, S. 661) steht: zuccara, zaccara, zuccarum, zaccarum de canna mellis fit per decoctionem, auch zuchar, zucharum, zuccaria, zuccare. Die Perser und Araber nahmen die Zuckerfabrikation dann auf und brachten das Rohr und die Zuckerbereitung nach dem Westen. Bei den Hochzeitsfeierlichkeiten des Khalifen MESKADI-BENRITTALE (807 n. Chr.) in Bagdad wurden ungeheuere Zuckermengen verbraucht. Der Zuckerhut gilt als eine persische Erfindung, ebenso die Kunst zu raffinieren. Zuerst wurde der Zucker in Europa als Arzneimittel benutzt. Dann war er lange Luxusgegenstand. Noch Ende des XVII. Jahrh. war Zucker in Deutschland sehr teuer. In den Apotheken des Mittelalters findet sich Saccharum melitense (nicht von Malta, sondern wohl wegen der gelblichen Farbe — wie Melasse, LIPPMANN), S. madeirense und canariense, sowie S. thomasinum (von der Insel St. Thomé, s. oben S. 120). Der großkristallisierte hieß schon damals S. candum (Kandis). PEGOLOTTI (I, S. 702) teilt c. 1335 folgende Zuckersorten mit: 1. Hutzucker: Mucchera, Caffetino, Bambillonia, Musciatto, Donmaschino. 2. Kandiszucker. 3. Kristallzucker (polvere di zucchero), Farin von Cypern, Rhodus, Syrien, Cranco di Monreale u. Alexandria. 4. Sirup und Melasse (Mele di Canna-melei). Er fand sich in Hüten, Broten und in Pulver. Die Hüte wurden in Palmblätter eingehüllt, zu zwei aneinandergelegt ◁▷ und so in Leinwand gewickelt (una coppia di zucchero). In den Droits et Courtage etablis à Paris au XV siècle (herausg. von DORVEAUX) wird Sucre en bales et hors bales, Quassons (s. en morceaux) Pouldre de Cypre et d’Alexandrie und Sucre candy erwähnt. Im Nördlinger Register von 1480 (I, S. 813) steht: farina zuckari, zuccarum candie, zuccarum tabarset und zuckarum penidiarum. Das Braunschweiger Register von 1521 (I, S. 814) führt hout zucker, Melzucker, zucker penid und zucker kand. Penidiumzucker war wohl Gerstenzucker, der durch Schmelzen mit Weinstein infolge teilweiser Inversion dauernd in amorphen Zustand gebracht worden war (FLÜCKIGER). Tabarzed (s. oben S. 121) war ein reiner kristallisierter Stückzucker (bei CORDUS ist Sacch. Tabarzeth = album gesetzt, I, S. 802), wie das Sal indum (siehe oben), welcher Name auch noch 1604 und 1658 in den Braunschweiger Inventarien der Ratsapotheke zu finden ist (FLÜCKIGER). Die Fabrikation des Rohrzuckers bildet schon PISO (I, S. 893) 1658 und POMET (I, S. 942) 1694 ab, PISO eine brasilianische Zuckerrohrmühle und eine Zuckersiederei. Dann findet sich auch eine noch ältere Abbildung in der Bildersammlung der Nova reperta des J. STRADANUS (c. 1570 abgedr. vor LIPPMANNS Gesch. d. Zuckers, vgl. Fig. 41).
Lit. LIPPMANN, Geschichte des Zuckers und Chemie der Zuckerarten. — Abbild.: BENTLEY-TRIMEN, Medicinal plants t. 298, PABST-KÖHLER, Medizinalpfl. t. 169, NEES VON ESENBECK, Pl. med. t. 33–35, TUSSAC, Flore d. Antilles t. 23–25 und ENGLER-PRANTL, Pflanzenf. II, 2, 23. — SCHÄR, Das Zuckerrohr, seine Heimat, Kultur und Geschichte. Neujahrsbl. d. Zürich. Naturf.-Ges. 1890. Auch dort eine Abbild. des Zuckerrohres. Eine solche auch in den Afbeeldingen des Koloniaal Museums Haarlem. — PAASCHE, Zuckerindustrie und Zuckerhandel d. Welt 1891. — W. KRÜGER, Das Zuckerrohr und seine Kultur. Wien 1899. — TIEMANN, Zuckerrohr, Kultur, Fabrikation usw. 1899. — VAN GORKOM, Oostindische Cultures. — SEMLER, Trop. Agrikultur. 2. Aufl. 1903 (dort die Kultur beschrieben). — Lit. der Javanischen Zuckerfabrikation in Catalogus der Boekverzameling. Koloniaal Museum Haarlem. Ferner: Proefstation Midden Java, Mededeel. — Proefstat. West-Java Kagok-Pekalongan, Mededeel. — Proefstat. Oost Java, Mededeel. — Archief voor de Java-Suikerindustrie, Archief. — Jaarboek voor suikerfabrikanten op Java. — Karten in LANGHANS, Kleiner Handelsatlas 1895 und SCOBEL, Handelsatlas 1902.
II. Rübenzucker.
Stammpflanze. Beta vulgaris L. var. Rapa Dumort. (B. vulg. var. rapacea KOCH), var. maritima, var. altissima und andere Varietäten und Sorten. Besonders beliebt sind: Imperial-, Electoral-, Mangold-, weiße schlesische, Quedlinburger Rüben, sowie die sog. Klein-Wanzlebener Rübe. SCHINDLER (Bot. Zentrlbl. 46) leitet alle Kulturvarietäten von der an den Küsten Europas noch jetzt wild vorkommenden Beta vulgaris L. var. maritima KOCH ab. Beta vulgaris L. (wohl der τευτλός des THEOPHRAST) wird jetzt meist in die beiden Varietäten: Cicla L. (Gartenmangold) und Rapa Dum. zerlegt und letztere wieder in die zwei Untervarietäten: B. vulg. var. rapacea rubra (rote Rübe) und B. v. var. rapacea altissima (Zuckerrübe).
Systemat. Stellung. Chenopodiaceae, Cyclolobeae — Beteae.
Syn. Beißkohl, Chrut, Dickrübe, Mangold, Manichel, Rabetwörtel, Raude, Römische Kolle, Rungelrüben oder Runkelrübe, Speis, Zwickeln, Namen, die zum Teil sowohl für Beta vulgaris var. Cicla wie für B. v. var. Rapa benutzt werden.
Im ahd. finden sich die Namen: beizcol, bieza, bioza, stur, sturbete, manegolt, im mhd.: biese, bietekohl, mänglet, piesse, plateysske, romeskol, steyr, stir. — Im Ortus sanitat. Römisch Köl — bei BRUNSCHWIG: Mangolt — bei GESNER: bayrische Rübe.
Etym. Beta (so schon bei PLINIUS) vielleicht von kelt. bette = rot (wegen der Farbe der roten Rübe) oder, was wahrscheinlicher, von meta, «das jede spindelförmige Figur, in diesem Falle die Rübe bezeichnet» (KANNGIESSER) — beete heißt die Rübe auch noch jetzt in Norddeutschland; im Gothaer Arzneibuch (I, S. 679): bethe und betewort. Betas stehen im Capitulare KARLS (I, S. 620) und im St. Galler Klosterplan (I, S. 622). Runkelrübe = dicke Rübe. — Im Mittelalter: blitus (Tabula Mag. Salerni I, S. 638) und peta. — Bette (franz.) — beet (engl.) — biet (holl.). — Runkel von altnord. hruga = zusammenballen, wegen der dicken Wurzeln.
Beta vulgaris ist eine krautige Pflanze mit großer basaler Blattrosette und einem meist nicht zur Ausbildung gelangenden oder unterdrückten ährenartigen Blütenstande. Die unscheinbaren fünfzähligen Blüten besitzen einen fast dreieckigen Fruchtknoten. Die Staubblätter sind am Grunde zu einem fleischigen, ringförmigen Polster (Discus) vereinigt. Der Embryo des Samens ist, ringförmig gekrümmt. (Abbild. bei VOLKENS in ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam. III, 1a, 57.)
Die Wurzel ist eine mehr oder weniger hypertrophische Rübe, die oft ein sehr beträchtliches Gewicht erreicht und vorwiegend aus zuckerhaltigem Speicherparenchym besteht (s. oben).
Kultur. Die Zuckerrübe, Runkelrübe oder Mangold ist am Mittelmeer, am Kaspischen Meer, auf den Canarischen Inseln, in Mesopotamien und Ostindien heimisch und wird wohl seit den IV-VI vorchristlichen Jahrh. kultiviert (V. LIPPMANN). Sie findet sich auf alten ägyptischen Tempelgemälden (WÖNIG). Pen Tsʿao Kang Mu (I, S. 519) kennt Beta vulgaris. PLINIUS beschreibt ihren Anbau, ebenso die römischen Agronomen (I, S. 571). DIOSKURIDES empfiehlt sie als Heilmittel, ebenso die arabischen Ärzte (bei RASES: sicula, sicla, nach Sicilien). Sie steht im Capitulare KARLS (I, S. 619) und bei MEGENBERG (I, S. 693) als piezenkraut. Den Rohrzucker fand in ihr MARGGRAF (I, S. 964).
Die Rübenkultur kam schon bald nach 1700 von den Niederlanden nach Deutschland. Die heutige Zuckerrübe gelangte nämlich (nach RÖSSIG) als Burgunderrübe aus den burgundischen Niederlanden zuerst in die Pfalz und verbreitete sich von hier über Deutschland, besonders Franken, Sachsen und Schlesien. Das Problem, zuckerreiche Rüben zu züchten, löste ACHARD durch seine 1786 begonnenen Anbauversuche. Der erste Aufschwung der Rübenzuckerindustrie datiert von der Kontinentalsperre. Nach Frankreich brachte die Zuckerrübe u. a. der ältere VILMORIN. Sie wird jetzt in Deutschland, Österreich, Frankreich, Rußland, Belgien und Nordamerika gebaut.
Die Zuckerrübe ist auch ein Kaffeesurrogat (s. Cichorium).
Pathologie. Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof. ED. FISCHER:
Die Zuckerrübe wird von mehreren Bakterienkrankheiten heimgesucht. Eine auffällige ist die sog. Rübenschwanzfäule; sie besteht darin, daß die Rübe, beim Schwanzende beginnend, abstirbt, wobei eine Inversion des Rohrzuckers stattfindet.
In Algier beobachtete L. TRABUT eine Krankheit der Rübenwurzeln, die im Auftreten von fleischigen, traubigen Auswüchsen besteht, in welchen in stark vergrößerten Zellen ein Pilz auftritt, den TRABUT für eine Ustilaginee hielt, der aber nach Untersuchung von MAGNUS zu dem Chytridineengenus Urophlyctis gehört (U. leproides [TRAB.] MAGN.). — Peronospora Schachtii wird als Erreger der sog. Kräuselkrankheit der Herzblättchen der Rübe angesehen, welche mitunter einen nicht unbeträchtlichen Schaden stiftet. — Bei der sog. Wurzel- oder Herzfäule der Rüben tritt u. a. Phoma Betae B. FRANK auf, welche nach PRILLIEUX und DELACROIX die Pyknidenform des Pyrenomyceten Mycosphaerella tabifica ist; doch ist das ursächliche Verhältnis dieses Pilzes zu der Krankheit nicht in jeder Hinsicht klargestellt. Derselbe Pilz in Gemeinschaft mit Pythium de Baryanum und Aphanomyces laevis soll auch bei der gefährlichsten bei uns vorkommenden Rübenkrankheit, dem Wurzelbrand, beteiligt sein. — Das Mycel von Sclerotinia Libertiana und ein Mycel unbekannter Zugehörigkeit (Rhizoctonia) befallen die Rübenwurzeln, ersteres speziell auch die eingekellerten Rüben. Nicht völlig aufgeklärt ist in bezug auf ihren Urheber auch die sog. Schorfkrankheit der Rüben.
Über die Krankheiten der Zuckerrübe berichtet fortlaufend der Jahresber. über d. Untersuch. u. Fortschritte auf d. Gesamtgebiete der Zuckerfabrikation (herausg. v. JOH. BOCK) Braunschweig, VIEWEG.
Gewinnung. In der Zuckerrübe bezw. in dem Safte derselben sind (bes. durch V. LIPPMANN) sehr zahlreiche Substanzen nachgewiesen; neben Rohrzucker, der etwa 15–18% ausmacht, wenig Raffinose und Invertzucker, dann Zitronensäure, Oxalsäure, l-Apfelsäure, r-Weinsäure, Aconitsäure, Adipinsäure, Bernsteinsäure, Glutarsäure, Glykolsäure, Glyoxylsäure, Malonsäure, Oxyzitronensäure, Tricarballylsäure, ferner Glutamin, Asparagin, Leucin, Tyrosin, dann Lecithin, Cholin, Betain, Citrazinsäure, bisweilen auch Coniferin, Vanillin, Brenzcatechin, ferner Phytosterin und eine Rübenharzsäure, — Arabinsäure, Metapektinsäure, Metarabin, Pararabin, γ-Galaktan, endlich Xanthin, Guanin, Hypoxanthin, Adenin, Carnin, Arginin, Guanidin, Allantoin, Vernin und Vicin, von Enzymen Tyrosinase und ein Farbstoff.
Aufgabe der Rübenzuckerfabrikation ist es, den Rohrzucker von dem «Nichtzucker» zu trennen und zur Reinkristallisation zu bringen. Es geschieht dies jetzt meist in der Weise — im einzelnen werden Abweichungen beobachtet —, daß die gut gewaschenen Rüben in Schnitzel geschnitten und in den zu Batterien vereinigten Diffuseuren der Diffusion unterworfen werden. Der von den Diffuseuren kommende, etwa 12–15% Rohrzucker enthaltende Saft wird in der Hitze mit Kalkhydrat behandelt, nahezu mit Kohlensäure saturiert und zum Sieden erhitzt, durch Filterpressen geleitet, dann nochmals mit Kohlensäure oder schwefliger Säure saturiert und schließlich wieder durch die Filterpresse geleitet. Der so erhaltene Dünnsaft, der 10–12% Zucker enthält, wird in Vakuumapparaten eingedickt und dann auf verschiedene Weise zur Kristallisation gebracht. Durch Zentrifugieren der erkalteten Masse gewinnt man den «Rohzucker», was von diesem abgeschleudert wird ist der Sirup, der bei weiterem Verkochen noch ein oder zwei «Nachprodukte» liefert, und die letzte, nicht mehr kristallisierbare Mutterlauge ist die Melasse. Sie wird jetzt oft noch mittelst Strontian chemisch entzuckert, oder durch Vergärung auf Alkohol und die Melasseschlempe auf Kaliumcarbonat verarbeitet. Der Rohzucker wird meist in eigenen Raffinerien raffiniert (Konsumzucker) und gelangt dann als ganz reiner weißer Kristallzucker (und Raffinade) meist in den charakteristischen Hüten oder in Würfeln in den Handel.
Die Herstellung der bekannten Zuckerhüte (Zuckerstöcke) erfolgt in der Weise, daß man den Kristallbrei in konische, mit der Spitze nach unten aufgestellte Formen füllt, die Mutterlauge abfließen läßt und dann oben eine gesättigte reine Zuckerlösung aufgießt («deckt»). Diese verdrängt die Mutterlauge und wird schließlich abgesaugt, worauf man die Hüte in Trockenstuben trocknet.
Produktion. Die Rübenzuckerproduktion Europas betrug 1907/08: 6527800 t, davon entfallen auf Deutschland 2135000 t, auf Österreich-Ungarn und Rußland je etwa 1400000 t, der Rest auf Frankreich, Belgien, Holland u. and.
Es wird zurzeit (1910) wieder mehr Rohrzucker wie Rübenzucker produziert. (1907/08 mehr Rübenzucker.) Beide liegen in einem steten Kampfe.
Die Rübenanbaufläche betrug 1908/09 allein in Deutschland 432400 ha, in Rußland, das jetzt mit Deutschland in Konkurrenz tritt, sogar 561300 ha, in ganz Europa 1680700 ha. In Deutschland waren 1909 361 Rübenzuckerfabriken in Betrieb. Der meiste Zucker wird in Preußen gewonnen.
Deutschland exportierte 1909 von Rübenzucker in Doppelzentner: Kristallzucker 3303364; Platten-, Stangen-, Würfelzucker 440225; gemahlenen Melis 300992; Stücken- und Krümelzucker 141253 (bes. nach der Schweiz); gemahlene Raffinade 160694; Brotzucker 128994; Farin 69335; Kandis 30827; rohen Zucker (festen und flüssigen) 4037927 dz.
Die Rübenzuckerproduktion ist ein kompliziertes Problem, das auf das innigste ebenso mit einem rationellen Zuckerrübenbau (Erzielung hochprozentiger Rüben), mit den Bodenpreisen und Arbeitslöhnen, sowie den Besteuerungsverhältnissen, wie auch den maschinellen Einrichtungen der Fabriken, der chemischen Kontrolle des Betriebes und der Verwertung der Abfälle und Nebenprodukte zusammenhängt.
Ein gutes Bild über die Zuckerproduktion der Erde gibt uns die Ein- und Ausfuhr von Nordamerika. Es führte ein an versteuerbarem Zucker:
1906 1907 1908 1909
Melasse (vorwiegend aus Cuba) 16021076 24630935 18882756 22092696 Gallons
Rübenzucker not above Nr. 16 Dutch standard in color (vorwiegend aus Deutschland) 48548919 397745046 221036900 98625908 Pounds
Rohrzucker dito (vorwiegend aus Cuba und den westind. Inseln, aus holländ. Indien und den Philippinen) 3921605729 3986510021 3144022433 4084921078 „
Zucker , above Nr. 16 Dutch standard in color (vorwiegend aus Deutschland, Österreich und Canada) 9176782 7584908 6937789 5874032 „
Dem steht eine Ausfuhr gegenüber von:
1906 1907 1908 1909
Melasse (vorwiegend nach Großbritannien und Canada) 10205885 3193322 3320419 3973908 Gallons
Sirup (vorwiegend nach Großbritannien, Dänemark und Canada) 12335645 14115819 13181095 13865756 „
Brown Sugar (vorwiegend nach dänisch Westindien) 276556 58587 13285 60882 Pounds
Raffinierter Zucker (vorwiegend nach Großbritannien und Südafrika, dann nach Zentralamerika und Labrador) 21899290 21179016 25497358 79885415 „
Handelssorten. Der Handel unterscheidet: Raffinade (Abarten: Würfelzucker, und Pilé, Cubes, Granulated (Sandzucker), Kastorzucker, Kristallzucker), Melis, Farinzucker (Bastardzucker). (Vgl. auch unter Produktion.) Für die pharmazeutischen Präparate darf nur beste Raffinade oder Kristallzucker benutzt werden. Pharm. helv. IV verlangt z. B. Abwesenheit von Metallen und Traubenzucker, läßt nur Spuren von Kalk und Sulfaten zu und schreibt vor, daß 0,5 g ohne wägbaren Rückstand verbrennen sollen.
Prüfung. Ein für medizinische Zwecke brauchbares Saccharum muß weiß sein. 1 ccm der Lösung (2=3) mit 1 ccm Kobaltnitrat und 2 ccm Natronlauge versetzt muß eine beständige violette Färbung annehmen. 2 Teile Zucker geben mit 1 Teil Wasser einen farblosen, geruchlosen, neutralen Sirup von 1,330 spez. Gewicht, der beim Stehen nichts absetzen darf und sich mit Alkohol klar mischen muß. 10 ccm des Sirups dürfen nach Zusatz von 1 ccm Natronlauge und 1 ccm Kupfersulfat innerhalb 5 Minuten bei gewöhnlicher Temperatur höchstens eine grünliche Trübung, dagegen keine Abscheidung von rotem Kupferoxydul zeigen (Traubenzucker). Die verdünnte Lösung muß gegen Schwefelwasserstoff und Ammoniumoxalat indifferent sich verhalten und durch Barytnitrat und Silbernitrat höchstens opalisierende Trübung geben.
Medizinalzucker muß ultramarinfrei sein. Das blaue Ultramarin wird zugesetzt, um die gelbe Farbe unreinen Zuckers zu verdecken. Während nämlich unser Auge sehr empfindlich ist für Gelb und schon eine schwach gelbe Färbung deutlich wahrnimmt, ist es für Blau wenig empfindlich.
Geschichte. MARGGRAF ist der wissenschaftliche, ACHARD der technische Begründer der Rübenzuckerindustrie (I, S. 964). Der erste von ACHARD in etwas größerem Maßstabe dargestellte Rübenzucker wurde 1798 von der Berliner Zuckersiederei-Kompagnie auf Kandis, Farin und Syrup raffiniert (V. LIPPMANN). Auch NÖLDECHEN, HERMBSTÄDT und GÖTTLING fabrizierten bereits im XVIII. Jahrb. Rübenzucker. Die erste wirkliche Rübenzuckerfabrik setzte ACHARD 1802 in Betrieb.
Lit. V. LIPPMANN, Gesch. d. Zuckers (dort weitere Literatur). — Les grandes cultures. — ROESSIG, Vers. einer bot. Bestimm. d. Runkel- oder Zuckerrübe. Leipz. 1800. — SCHEIBLER, Aktenstücke zur Rübenzuckerfabrikation in Deutschland. Berlin 1875. — RÜMPLER, Ausführl. Handbuch der Zuckerfabrikation 1909 (vervollständ. Sonderabdruck des Artikels Zucker in MUSPRATTS Chemie). — RÜMPLER, Die Nichtzuckerstoffe der Rüben. — WILEY, Exper. with Sugar beets U. S. Dep. of Agric. 1894 und Progress of the Beet-Sugar Industry in the United States. House of representatives Doc. 699. 1900. — Jahresbericht über die Untersuchungen und Fortschritte auf dem Gesamtgebiete der Zuckerfabrikation. Begr. v. STAMMER, herausg. v. BOCK; der 48 Jahrg. (1908) erschien 1909. — Abbild. der Pflanze bei PABST-KÖHLER, Medizinalpflanzen t. 55 und in Les grandes cultures.
Auf einer anderen Chenopodiacee, Salsola foetida, beobachtete AITCHISON 1887 in Afghanistan ein aromatisch schmeckendes Manna.
III. Ahornzucker.
Syn. Maple sugar.
Stammpflanzen und Systemat. Stellung. Acer saccharum (Sugar maple) und dessen Varietät A. saccharum nigrum (black maple) in erster Linie, dann auch: Acer rubrum (red maple), Ac. saccharinum (silver maple), Ac. macrophyllum (Oregon maple), Ac. Negundo (box elder). Acer saccharinum WANGENH. ist abgebildet bei PAX in ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam. III, S. 271.
Aceraceae.
Gewinnung. Der Saft des Zuckerahorn enthält im Liter 240–270 g Rohrzucker. (Auch der Saft unseres Ahorn enthält im Frühjahr c. 3% Zucker.) Reiner frischer Ahornsaft enthält keine Spur reduzierenden Zucker (WILEY). Der Ertrag hängt vom Standorte ab. Ahornbäume auf Höhenzügen und südlichen Abdachungen haben den zuckerreichsten Saft. Je frischer das Klima, um so feiner ist der Geschmack des Saftes. Die Indianer der nördlichen Staaten Nordamerikas benutzten seit undenklichen Zeiten den Ahornzucker. Sie schnitten in ganz geregeltem, aber ziemlich rohem Betriebe mit einer Axt den Baum horizontal an und leiteten den Saft mit einem Stück Rinde in Gefäße, wo er dann konzentriert wurde, im Winter durch Ausfrierenlassen. Sie kannten festen Zucker. Die ersten Ansiedler ahmten die Methoden der Indianer nach und verbesserten sie langsam. Das Einkochen und Kristallisierenlassen fand im Walde selbst statt (Fig. 42). Eine eigentliche Ahornzuckerindustrie entwickelte sich um die Mitte des XIX. Jahrh. Sie führte zu einer Verbesserung der Art des Anschneidens und besonders der Konzentrationsarbeit. Die Verwundung wurde nun nicht mehr mit einer Axt gemacht, sondern ein ⅜ Zoll großes Bohrloch angelegt, in dasselbe eine Metallröhre, meist verkupfertes Eisenrohr, eingesetzt und ein Eimer angehängt (Taf. VI). Das Eindicken erfolgt jetzt in langen flachen, schräggestellten Pfannen (Cooks Evaporator), über deren fragmentierten, mit Dampf oder durch direkte Heizung erwärmten Boden der Saft aus den Tanks in Zickzackbahn langsam von einem Ende zum anderen fließt (Fig. 43). In entlegenen Gegenden werden auch die alten Methoden noch geübt.
Tafel VI.

Ahornsaftgewinnung in Amerika. Die Eimer am Baume befestigt während der Saison.
[Nach Fox und Hubbard.]
⇒ GRÖSSERES BILD

Fig. 42.
Eindampfen des Ahornsaftes im Walde in Nordamerika.
[Nach
Fox
und
Hubbard
.]

Fig. 43.
Moderne Verdampfungseinrichtung für den Ahornsaft in Nordamerika.
[Nach
Fox
und
Hubbard
.]
Jeder Baum liefert jährlich 50–150 Liter Saft, woraus 12–35 kg Zucker gewonnen werden können. Der mir vorliegende Ahornzucker ist etwas gefärbt.
Die Ahornzuckerindustrie hat sich namentlich in den nördlichen Staaten der Union ausgebreitet. Von der fast 12 Mill. Pfund betragenden Menge Ahornzucker, die die Vereinigten Staaten 1900 produzierten, entfallen auf die New England States (Maine, New Hampshire, Vermont, Massachusetts, Connecticut) fast 5½ Mill., etwa ebenso viel lieferten die Middle Atlantic States (New York, New Jersey, Pennsylvania, Maryland, Virginia, West Virginia), etwa 1 Mill. die Centralstates und nur wenig North Carolina. Der meiste Ahornzucker kommt aus den Staaten Vermont, New York und Pennsylvania. Auch Ahornsyrup wird viel gewonnen, 1900 etwa 2 Mill. Gallonen, davon kam mehr als die Hälfte aus den Zentralstaaten, besonders Ohio. 1909 soll die Produktion an Ahornzucker auf 22½ Mill. Pfund gestiegen sein. 15 Mill. Eisenröhren mußten neu verkupfert werden. 1901 belief sich die Gewinnung an Ahornzucker und Sirup in Kanada auf 17804825 lbs im Werte von 1780482$. Hiervon fallen auf die Provinz Quebec 13,56 Mill. lbs, auf die Provinz Ontario 3,91 Mill. lbs. Die Produktion soll seither noch gestiegen sein. Auch sind eigens Ahornbäume in letzter Zeit angepflanzt worden (TUNMANN).
HERMBSTÄDT fand 1809 Rohrzucker in folgenden Acer-Arten: Acer saccharinum, A. pseudoplatanus, A. campestre, A. platanoides, A. dasycarpum, A. tataricum, A. Negundo, A. monspessulanum.
Eine lohnende Zuckerbereitung ist auch bei den japanischen Zuckerahornarten Acer argutum und A. japonicum möglich.
Lit. FOX AND HUBBARD, The maple Sugar industry U. S. Dep. of agricult. Bur. of forestr. 1905. — WILL. F. HUBBARD, Maple Sugar and Sirop. U. S. Dep. of agricult. Farmers Bull. Nr. 252, 1906.
IV. Palmzucker.
Die Gewinnung des Palmzucker (jaggery) ist in B. I, S. 1017 geschildert. Dort sind auch die Palmzucker liefernden Palmen genannt.
In ziemlich beträchtlicher Menge wird Palmzucker auf dem malaiischen Archipel, z. B. in Java, aus dem Safte der Zuckerpalme, Arenga saccharifera LABILL. (Gommutus saccharifera SPR., Saguerus Rumphii ROXB.), gewonnen. Diese in Malacca Gumúti, in Java Aren oder Anau, in Menado Akol (weitere Namen bei CLERQ) genannte, ziemlich struppige (Abbild. in TSCHIRCH, Ind. Heil. u. Nutzpfl.) Gomuti- oder Arenpalme, wächst im Innern der Malaiischen Inseln, fern von der Küste. Sie enthält im Stamm ziemlich viel Stärke, die ihr den Namen Sagopalme von Malacca verschafft hat und die z. B. auf Celebes gewonnen wird. Sobald die Palme sich aber anschickt ihren Blütenstand zu bilden wird diese Stärke in Zucker umgewandelt. Sobald die weiblichen Infloreszenzen sich entwickelt haben und die erste männliche erscheint, wird der Kolben geklopft bis bei Einschnitten reichlich Saft austritt, dann abgeschnitten und die durch Blätter gegen Bienen geschützte Schnittfläche mehrfach erneuert. «Nunmehr wird an der Schnittfläche ein aus mehreren Internodien bestehendes, unten geschlossenes, im Innern aber durch Durchlochen der trennenden Querwände in eine Röhre von oft 2 m Länge verwandeltes Stück Bambusrohr derartig befestigt, daß der aus der Schnittfläche ausfließende Saft in die durch Räuchern innen «sterilisierte» Röhre fließt. Diese Röhre hängt der Länge nach am Baum herab und ist mittelst Rotang- (oder Eju, d. h. Aren-) Schnüren am Stamm befestigt. Sobald ein zweiter Blütenstand erscheint, wird in der gleichen Weise verfahren. Ich sah oftmals an einem Baume 3–4 solcher Bambusröhren hängen. Täglich fließen etwa 2–3 Monate hindurch 2–4 Liter des Zuckersaftes aus. Derselbe wird, nachdem die Röhre alle paar Tage herabgenommen und entleert worden ist über freiem Feuer eingedampft, bis ein Tropfen, auf einen Stein gebracht, erhärtet. Aus der infolge der unsorgfältigen Bereitung braunen Zuckermasse werden alsdann runde Scheiben oder rechteckige Blöcke geformt, die in die Blätter des Aren oder der Zalacca edulis geschlagen als Gula-aren (d. h. Arenzucker) auf den Markt gebracht werden» (TSCHIRCH). Die Abgabe des Zuckersaftes dauert ziemlich lange, so daß ein Baum viel Zucker zu liefern im stande ist. Ein Hektar Arenpalmen könnte c. 8000 Pfund liefern, doch ist die Arenpalme nirgends in Plantagenkultur. Ich sah nur einzelne Exemplare. Zu JUNGHUHNS Zeit (Mitte des XIX. Jahrh.) gab es in der Residentschaft Bandong noch 159 Kochplätze für Arenzucker mit 334 eisernen Pfannen. Jetzt verdrängt der Rohrzucker allmählich den Arenzucker. Immerhin traf ich 1889 noch viel davon in den Warongs (Garküchen) und auf dem Pasar (Markt). Der Zucker der Arenga saccharifera besteht zu 87,97% aus Rohrzucker und enthält nur 1,53% Dextrose und 0,18% Fruktose (DÉON). Ursprünglich ist er wohl reine Saccharose.
Die chilenische Cocos- oder Coquito-Palme (I, S. 1018) liefert in Chile große Mengen Palmenhonig, eine Hacienda bei Valparaiso mit 150000 Bäumen z. B. jährlich 200000 Liter (SEMLER).
Der zum Export gelangende Palmenzucker der Dattelzuckerpalme, der sog. wilden indischen Dattelpalme (Phoenix silvestris), wird hauptsächlich in Bengalen gewonnen. Seine Bereitung, durch Anzapfen der Stämme, Einführen eines Bambusröhrchens und Eindicken des Saftes, schildert SEMLER (Tropische Agrikultur, 2. Aufl. 1897, 686; vgl. auch WATT, Dict. econom. prod. of India).
Die Gewinnung des Zuckers wird in Indien auf dem Lande noch ziemlich primitiv nach alten Methoden betrieben. Schon JOSEPH, ein Indianer von Calechut (I, S. 743), beschreibt die Palmzuckergewinnung.
Lohnend erwies sich auch die Zuckergewinnung aus der Dattelpalme und der Cocospalme. In Malabar setzt man dem abgezogenen Safte der Cocospalme (vgl. I, S. 1017) etwas Muschelkalk hinzu, um ihn am Gären zu hindern. Der zum dicken Sirup eingedickte Palmsaft wird auf Palmblätter aufgestrichen und erhärtet hier. Dieser Cocospalmzucker ist in Malabar ein namhaftes Handelsprodukt (SCHRÖTER). In Malacca wird übrigens Zucker auch aus der Arenpalme, die dort auch Kabong heißt und in Kultur sich befindet, bereitet. Die Blütenkolben heißen dort «mayams».
Über Palmweingewinnung vgl. I, S. 1017. Schon ODORICO DI PORTO MAGGIORE (I, S. 726) berichtet von «Bäumen, die Wein tragen». In Ceylon (Moratuwa) und Vorderindien (Tolligunj, Konnagar) wird sehr viel Cocospalmsaft, sowie Dattelzuckermelasse auf Arak (Toddy) verarbeitet, der in Deutschostafrika Tembo heißt.
Lit. TSCHIRCH, Ind. Heil- u. Nutzpfl. — BENTLEY-TRIMEN, Medicinal plants. — SIMMONDS, Tropical Agricult. — WATT, Diction. econ. prod. — SCHRÖTER, Die Palmen (I, S. 1020). — CLERCQ, Nieuw Plantkund. Woordenboek voor Nederl. Ind. 1909.
V. Sorghumzucker.
Stammpflanze. Sorghum saccharatum PERS. (Andropogon Sorghum var. saccharatus, Holcus saccharatus L.) und einige Sorten von Sorghum vulgare PERS. (Andropogon Sorghum var. vulgaris). — Gramineae — Andropogoneae, Andropogon. Untergattung: Sorghum.
Herkunft und Gewinnung. Die Zuckerhirse oder das chinesische Zuckerrohr (Sorgho) und das wohl kaum davon verschiedene, bisweilen aber als Sorghum kaffrarium davon unterschiedene afrikanische Zuckerrohr (Imphee), sind ursprünglich an der Ostküste von Afrika heimisch, aber jetzt über die Erde verbreitet. Die Zuckerhirse wurde zunächst nach China gebracht. Von dort aus kam sie über Europa nach Amerika.
Die Stengel enthalten in den Zellen des Grundgewebes Rohrzucker. Die Menge an Gesamtzucker beträgt oft bis 16% (WACHTEL), weil sie aber zum großen Teile aus Invertzucker besteht, ist die Ausbeute an kristallisiertem Zucker nur klein, meist nur wenige Prozente, während die Zuckerrüben schon bis 18%, das Zuckerrohr (z. B. in Cuba) schon 13% ihres Gewichtes krist. Zucker lieferten. Am meisten macht die Tatsache, daß der Saft der Zuckerhirse neben Rohrzucker und unkristallisierbarem Zucker (Glukose), viel Eiweiß und Aschenbestandteile enthält und sauer reagiert, die Darstellung von krist. Sorghumzucker schwierig und wenig lohnend. Dagegen kann mit Erfolg Sorghumsirup dargestellt werden. Es geschieht dies in Amerika, wo sich eine ziemlich große Sorghumzuckerindustrie — meist jedoch in Kleinbetrieben — entwickelt hat, in dem oben (S. 127) erwähnten Cooks Evaporator. Die großen Hoffnungen, die man in Nordamerika auf die Sorghumzuckerbereitung setzte, haben sich nicht oder doch nicht in dem Maße als man zur Zeit des «Sorghumfiebers» dachte, erfüllt. Immerhin wurden dort angeblich 1885 (vorübergehend) 600000 Pfund, aber ziemlich unreiner, Sorghumzucker gewonnen. Auch in Frankreich, in Indien und Australien sind mehrmals wenig erfolgreiche Versuche mit Sorghumzuckerbereitung gemacht worden. Der gereinigte Sorghumzucker enthält 92% Saccharose und 4,5% Glukose.
Einen Sirup bereiten die Mexikaner übrigens auch aus den Stengeln von Zea Mais L. (TAYLER), doch ist wohl, besonders aus der Süßmais genannten Varietät, deren frisch ausgepreßter Saft 15–16% Rohrzucker enthält, von jeher, schon in der präkolumbischen Zeit, auch fester Zucker dargestellt worden (Berichte des CORTEZ). In Europa wurde schon im XVIII. Jahrh. Maiszucker gewonnen. Daß der Maisstengel Rohrzucker enthält, zeigte 1836 PALLAS.
Aus Zuckermaissaft wird in Mexiko, aus Zuckerhirsesaft in China ein berauschendes Getränk bereitet. In Mexiko heißt dies Pulque de Mahiz.
Lit. SEMLER, Tropische Agrikultur III, 301. — H. W. WILEY, Rec. of experim. conduct. by the Commissioner of agriculture in the manufacture of Sugar from Sorghum at Rio Grande, New Jersey, Kenner, Louisiana, Conway springs, Douglass and Sterling, Kansas 1888, sowie Record of experiments with Sorghum 1890–1893 U. S. Dep. of Agriculture. Div. of Chem. Bulletin 20, 29, 34 u. 40. — Rep. of the secretary of agriculture 1892. — WACHTEL, Centralbl. f. Agrik. Chem. 1880.
VI. Andere Rohrzucker liefernde Materialien.
Es ist auch vorgeschlagen worden, die Ananas auf Rohrzucker zu verarbeiten, da deren Fruchtstand 11,5% kristallisierenden Zucker enthält. Er wird aber von 2% nicht kristallisierenden Zuckers begleitet. Der Saft eignet sich also nicht zur Rohrzuckergewinnung, ganz abgesehen davon, daß das Ausgangsmaterial zu teuer ist.
Das gleiche gilt von den Aprikosen, die neben 6% kristallisierendem Zucker, 2,75% unkristallisierbaren enthalten (SEMLER).
Auch die Zuckerwurzel (Sium Sisarum), die man in Südeuropa und Nordafrika kultiviert, wird nicht auf Zucker ausgebeutet, obwohl MARGGRAF in ihr Rohrzucker fand.
Aus dem Safte der Agave (vgl. I, S. 1018) bereiteten die alten Mexikaner und Peruvianer Zucker. Jetzt geschieht dies nicht mehr. Im Safte der Agave americana finden sich 6% Saccharose und 2,6% Fruktose.
Der Saft der Birke wurde in Schottland und Irland, und wird noch jetzt da und dort in Nordamerika auf Zucker verarbeitet. (Näheres in W. LENZ, Über Birkensaft in Arb. d. pharm. Instit. Berlin VII [1910], 228.)
Früher diente auch Heracleum sphondylium und sibiricum in Nordasien zur Zuckerbereitung. Man trocknete die Stengel und klopfte die Zuckereffloreszenz ab.
Den Zucker aus Asclepias syriaca kannte bereits AVICENNA.
Die süß schmeckenden Früchte von Glyceria fluitans (Mannagras, Mannahirse), von denen man bis ins XVIII. Jahrh. glaubte, daß sie wie der Tau vom Himmel fielen, sind zur Zuckerbereitung, wie es scheint, nie benutzt worden.
Zucker aus Cocosmilch dargestellt enthielt 74,95% Saccharose. Zucker aus dem Safte von Borassus flabelliformis 79,12% Saccharose (BOURQUELOT).
In von Ahornblättern abgespültem Honigtau fand KREIS 19,7% der Trockensubstanz Invertzucker, 9,7% Rohrzucker und 40,1% Dextrin.
Weitere Angaben bei LIPPMANN, Gesch. d. Zuckers.
II. Rohrzucker enthaltende Mannaarten.
(Sämtlich frei von Mannit.)
a) Alhagi Manna oder Terendschabin.
Khorosani, Alhagi-Manna, persische Manna, Terendschabin, Taranjabin, Taryngiabin, — Terengebin (pers. = Fruchthonig, engebin = Honig, AITCHISON übersetzt: Honig vom Grünen, d. h. vom grünen Strauch), yavása-sarkara (ind.); — bei RHAZES und AVICENNA: Terengiabin, bei IBN BAITHAR: Tarandschubin, arab. Elbâdsch; bei SIMON JANUENSIS: Tereheniabin; bei SERAPION (I, S. 606) Tereniabin, bei GARCIA DA ORTA: Tirimiabin, Trungibim; bei ALPINI und CORDUS (I, S. 800): Tereniabin (oder Manna orientalis s. Drosomeli). Die Manna granata, z. B. in der Frankfurter Liste (I, S. 812) und bei CORDUS, war vielleicht auch Alhagi-Manna (FLÜCKIGER). Die im Mittelalter über Aleppo in den Handel gebrachte sog. syrische Manna war diese, die wohl auch MEGENBERG sah.
Die Stammpflanze, Alhagi Maurorum TOURNEF. (Dc.) (Hedysarum Alhagi L., Alhagi manniferum DESV., Alhagi camelorum FISCHER), eine Papilionacee, wird überall in Persien, besonders in Khorâsan, als Kamelfutter benutzt, daher Kamelsdorn. Das Manna schwitzt, wie es scheint, nur unter besonderen Bedingungen (nach größerer Hitze? auf besonderen Standorten?) als ein süßes Exsudat in Tröpfchen aus. Denn trotz der weiten Verbreitung der Pflanze, die auch in Afghanistan, Belutschistan und Hindostan gefunden wird, kommt dieses Manna nur aus Nord-Persien (Taebris) und vom persischen Golf (Bender-Buschir), übrigens meist stark mit Früchten und Stielen vermischt, in den Handel (SCHLIMMER). Die Gegend von Ruikhaut in Persien ist durch dieses Manna berühmt (AITCHISON). IBN BAITHAR zitiert nach Ishak Ben Amrân: «Tarandschubin ist ein Tau, der vom Himmel fällt, der dem festen körnichten Honig gleicht und Honigtau genannt wird. Der chorasanische ist der häufigste, welcher auf den Baum Elhâdsch, welcher der Aakul Hedysarum Albagi ist, fällt. Er wächst in Syrien und Chorasân und trägt grüne Blätter und rote Blumen, die keine Früchte tragen. Der beste Honigtau ist der weiße von Chorasân kommende.» L. RAUWOLFF (I, S. 771) beschreibt das Manna, das er 1573 auf dem Bazar in Aleppo sah und den Baum, der es erzeugt.
MIR MUHAMMED HUSAIN gibt an, daß es in Khorasan, Mawarunnahi, Kurjistan und Hamadan gesammelt werde. Es bildet braune, trockene Klümpchen von unregelmäßiger Gestalt, die mit Pflanzenresten untermischt sind. Einige sind durchscheinend körnig, spröde, kristallinisch, andere zäh, weich, amorph (EBERT). Sie riechen bisweilen schwach sennaartig.
Dies Manna bildete das hauptsächlichste süße Abführmittel der alten persischen Ärzte und wurde wohl schon in Suśrutas als Hedysarum und von THEOPHRAST (Hist. plant. IV, cap. 4) erwähnt. Es dient noch jetzt in Persien als Abführmittel und kommt dort in grünlich-gelben Broten in den Handel. DYMOCK fand es 1891 in indischen Bazaren. LUDWIG fand in ihm c. 35,5%, EBERT 42% Rohrzucker und c. 20% Schleim. Daneben fand sich etwas Chlorophyll. Der unlösliche Rückstand betrug c. 32%. Er bestand aus Pflanzenresten (Dornen, Blättern, Blüten), Sand und (zugesetzter) fremder Stärke (EBERT). Die kristallinischen Stücke sind nahezu reiner Rohrzucker. Der Feuchtigkeitsgehalt schwankt (1,5–5,5%). VILLIERS fand darin Melezitose (C18H32O16.2 H2O), deren Darstellung daraus ALECHIN beschrieb. EBERT fand den Körper nicht.
Lit. Die Pflanze (zuerst?) im Botan. Lexikon Kîtab as-šaǧar (um 980). — EBERT, Beitr. z. Kenntn. einig. selt. Mannasorten. Diss. Basel 1908 (dort die Literat.). Derselbe auch in Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 46 und Apoth. Zeit. 1909. — POLAK, Persien 1865. — SCHLIMMER, Terminol. medico pharmac. Franc.-Pers. Teheran 1874. — LUDWIG, Bestandt. einig. Mannasort. d. Orient. Arch. d. Pharm. 1870. — VILLIERS, Bull. soc. chim. 27, p. 98. — FLÜCKIGER, Pharmakognosie (dort S. 31 weitere Lit.) — HEYD, Levantehandel. — HAUSSKNECHT, Arch. d. Pharm. 1870. — ALECHIN, Zeitschr. d. russ. chem. Ges. 21, p. 420.
Nach COLLIN (Journ. pharm. chim. 1890) werden in Persien zwei purgierende und fünf pektorale Mannen unterschieden. Eine Übersicht über persische und indische Mannen auch bei HOOPER, Pharm. Journ. 1890.
BOCCONE erwähnt in seinen Curiösen Anmerckungen 1697: Terengiebin (Alhagi), Chirchest (Xirquest, Xircest, Scirquest, Siracest), Guczangkemin, Men essemà (Men essalüa) und ein Manna aus der Feige, sowie das Mannagras und die Manna caccia Ungarns (Hermata chassa). — Vgl. ferner: VIREY, Sur la manne des Hébreux et les mannes divers de l’Orient. Journ. ph. 4 (1818), 120 (dort ältere Lit.). — MAIDEN, Vegetable exudationes. Scient. res. of the Elder Exploring Expedit. 1892.
b) Tabaschir.
Tabâshîr, Tabaxir, aus Tvak-Kshira (sansc. = Rindenmilch) korrumpiert, bei Suśrutas: tugâkshîrî — Vaṁça rocana, Báns lochan (hind.), Bambusmanna, Vanśa śarkarā = Bambuszucker (Saccharum bambusae), Vanśa karpura = Bambuscampher (Manna bombacina bei ALPINI?).
I. Tabaschir (I) findet sich an der Oberfläche der Halme einiger indischer Bambusarten, bes. Bambusa stricta ROXB. (Dendrocalamus strictus NEES), die in Zentral- und Südindien heimisch ist, in Form von stalaktitenähnlichen, gegen den Halm hin abgeplatteten weißen oder hellbräunlichen Stücken, die sich leicht und vollständig im gleichen Gewichte Wasser lösen und fast vollständig aus Rohrzucker bestehen (HOOPER), jedenfalls nur wenig reduzierenden Zucker enthalten. Die Asche beträgt 0,96%. Nur 0,77% einer FEHLINGsche Lösung reduzierenden Substanz ließen sich nachweisen.
Dies Tabaschir ist wohl (auch nach LIPPMANN) das σάκχαρον des DIOSKURIDES, das er «Honig des Zuckerrohrs» nennt und als durch Ausscheidung entstanden und dem Salze ähnlich beschreibt. Es war ein Handelsartikel der Westküste Indiens, besonders von Thana, wo es EDRISI (1135) traf. Ebenso kennt es IBN SINA, die Zollliste von Aden (I, S. 699) und GARCIA DA ORTA (I, S. 736). Es wird noch jetzt in der orientalischen Medizin benutzt, ist aber selten geworden. Auch die Pharmac. persica von 1681 (I, S. 808) führt dies Tabaschir auf.
II. Ein anderes Tabaschir (II) kommt im Innern der Halme der Bambusen vor. Es wird schon von IBN BAITHAR bestimmt von dem oben beschriebenen unterschieden. Es besteht fast ganz oder zum größten Teil aus Kieselsäure und Silikaten. FOURCROY und VAUQUELIN fanden darin 70%, INCE 86,39–91,69%, ROST VAN TONNINGEN 86,38%, THOMSON 90,5%, GUIBOURT 97,39% Kieselsäure, daneben Kalk, Kali, Natrium. Es enthält aber auch 4,25% Rohrzucker neben 2,6% Schleim (EBERT).
Die Beziehungen der beiden Tabaschire können wir uns so denken, daß ursprünglich in das Innere der Halme ein Gemisch von Silikaten und Zucker abgeschieden wurde, die zunächst in wässriger Lösung sich befanden. (Ich habe beim Anschneiden von Bambushalmen in Java oft im Innern eine beträchtliche Menge einer wässrigen Flüssigkeit gefunden.) Dann dialysierte besonders an den Knoten der kristallinische Zucker durch die Halmwand nach außen, wo er nur in der Trockenzeit sich erhielt und auskristallisierte, in der Regenzeit aber abgewaschen wurde und in der Höhle der Internodien blieb eine zuckerarme Lösung zurück, die die amorphen, kolloidalen Substanzen (Schleim und Silikate) enthielt (EBERT). Diese gab dann beim Eintrocknen das Tabaschir II. Das würde erklären, daß Tabaschir I seltener ist. (KOBUS, der auf LIPPMANNS Ersuchen vor einigen Jahren den Sachverhalt untersuchte, fand obige Theorie in Java nicht bestätigt.) Auch das Tabaschir II wird noch jetzt arzneilich benutzt. Aus der Literatur, mit Ausnahme der analytischen, ist selten klar ersichtlich, welches der beiden gemeint ist.
So würden denn SALMASIUS und HUMBOLDT Recht haben, die (entgegen der Meinung PEREIRAS) meinten, daß das σάκχαρον der Griechen der «Saft des Bambusrohres» gewesen sei (vgl. auch PEREIRAS Handbuch II, S. 26).
Lit. FOURCROY u. VAUQUELIN, Ann. du Museum VI, 1806 (amerikan. Tabaschir). — GUIBOURT, Hist. des drog. simpl. — THOMSON, Rec. of Gen. Science 1836. — ROST VAN TONNINGEN, Jahresb. d. Chem. 1860. — Pharmacographia indica. — WATT, Dictionary of the economic prod. of India. — HOOPER, Pharm. Journ. 1891 und 1900, 640. — INCE, Ebenda. 1896 (dort Analysen). — POLECK, Bambusa arundinacea, Pharm. Centrh. 1886 u. Zeitschr. d. Österr. Ap. Ver. 1887. — HUTH, Der Tabaschir in sein. Bedeut. für d. Bot. Mineral. u. Phys. Berlin 1887. — KURZ, Indian Forester I. — BRANDIS, Ebenda XIII. — EBERT, Beitr. z. Kenntn. selten. Mannasort. Diss. Zürich. 1908. — FLÜCKIGER, Zur Geschichte d. Tabaschir. Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1887 u. Schweiz. Zeitschr. f. Pharm. 1859.
c) Californisches Manna.
Auch an einem anderen Grase, Phragmites communis, ist ein wohl durch Aphiden (WATSON) erzeugtes süßes Exsudat beobachtet worden (Pater PICOLO und ROSS BROWNE bei LLOYD), das als Californisches Manna bekannt ist. Es wird noch jetzt von Indianern gesammelt (LLOYD, Californian Manna. Amer. journ. pharm. 1897 (deutsch in Ber. d. pharm. Ges. 1897).
d) Blue Grass Manna.
Ebenfalls von einem Grase, und zwar von dem in Neusüdwales heimischen Andropogon annulatus FORSK., stammt das Blue grass Manna (BAKER and SMITH, Pharm. Journ. 1897).
e) Weidenmanna oder Bide Khecht.
Das Weidenmanna (Bide khecht, Bid chischt) wird im Spätsommer von den Blättern von Salix fragilis L. in Persien ausgeschwitzt und nördlich von Teheran in den Dörfern am Fuße des Elbrus (POLAK) oder dem Distrikt Cheriar (SCHLIMMER) gesammelt. Ein ähnliches Manna scheint auf Apfelbäumen, auf Pirus glabra und Salsola foetida vorzukommen.
Es bildet unregelmäßige weiße oder rote Stücke. Den EBERT 1908 vorgelegenen Stücken waren Rosenblätter und eine Ferulaceenfrucht beigemengt. HAUSSKNECHT sagt, es werde mit Mehl vermischt.
Es enthält in den reinsten Stücken 50% Rohrzucker. Daneben findet sich darin 17,5% Dextrose, 13,26% andere wasserlösliche Bestandteile. Der unlösliche Rückstand (Gips, Weizenmehl, Pflanzenreste) betrug 19,2%.
Ein ähnliches Manna liefert Salix tetrasperma in Indien. Dies enthielt 10% eines reduzierenden Zuckers (Pharm. Zeit. 1893, 548). Aus einem Bidenguébine wurde neben 12% Glukose ein der Saccharose ähnlicher Zucker (Bidenguebinose) isoliert. Über das andere Weidenmanna siehe weiter unten.
Lit. EBERT a. a. O. — FLÜCKIGER, Pharmakognosie. — LUDWIG, Arch. Pharm. 1870 (dort die ältere Lit.). — HAUSSKNECHT a. a. O. — HOOPER, Pharm. Journ. 1890.
f) Eichenmanna oder Gueze-elefi.
Das Eichenmanna, Vallonenmanna, Manna quercina oder quercea, Gueze-elefi (gezza, bei den Türken küdret halwa = Himmelssüßigkeit, daraus vielleicht Trehala korrumpiert) erwähnt schon THEOPHRAST (hist. plant. lib. 3). Es entsteht in Persien auf den Blättern und Fruchtbechern von Quercus Vallonea KOTSCHY und Quercus persica JAUB. ET SPACH (IBN BAITHAR nennt Q. coccifera = dschidár), angeblich durch die Blattlaus Coccus manniparus (?). Im August werden die Eichenwälder von diesen Blattläusen befallen, die Blätter bedecken sich mit einem feinen Mehltau, der zu sehr süßen wasserhellen Tropfen zusammenfließt, die abtropfend oft den ganzen Boden ringsum bedecken (HAUSSKNECHT). Dies auf die Erde fallende Manna scheint nicht gesammelt zu werden. Die Bewohner der Bergdistrikte sammeln vielmehr die von der Manna befallenen Blätter, wiegen sie fein und stellen aus der klebrigen Masse graugrüne, zähe, gut haltbare Klumpen dar. Andererseits tauchen sie die klebrigen Blätter auch in heißes Wasser, dampfen zum Sirup ein und verwenden diesen direkt oder dicken weiter ein, vermischen das Extrakt mit Mehl, streichen auf Leinwandstreifen und trocknen an der Sonne. Dies Produkt heißt Pekmes (HAUSSKNECHT). Es scheint auch vorzukommen, daß man die Blätter trocknet und das eingetrocknete, pulverig gewordene Manna abklopft (BERTHELOT, SCHLIMMER).
Die mit der Blattmasse vermischten Klumpen, wie es scheint die einzige in den Handel gebrachte Sorte dieses Manna, enthält (nach EBERT) 52,2% Rohrzucker (BERTHELOT fand in der von der Blattmasse befreiten Masse 61%), 19% Traubenzucker, 10,3% Schleim, 7,45% Feuchtigkeit und 10% Rückstand. (Darunter nur wenige Tierreste.) LUDWIG und FLÜCKIGER geben 48 resp. 90% Traubenzucker und keinen Rohrzucker an, doch sagt FLÜCKIGER nur, daß er rechtsdrehenden Zucker gefunden habe, den er nicht zum Kristallisieren bringen konnte. Dextrin, das BERTHELOT angibt, konnte er nicht finden. LUDWIG hat nur die Drehung des Auszuges bestimmt.
Lit. POLAK, Persien, das Land und seine Bewohner. 1865. — SCHLIMMER a. a. O. — EBERT a. a. O. — FLÜCKIGER, Pharmakognosie u. Arch. Pharm. 1872. — LUDWIG, Bestandt. einiger Mannasort. des Orient. Arch. Pharm. 1870 (dort die ältere Literat.). — HAUSSKNECHT, Mannasorten d. Orient. Ebenda 1870. — BERTHELOT, Ann. chim. phys. 3 ser. t. 67.
g) Schîr-Khist.
Bei AVICENNA: Szirchosta. Die Bezeichnung Schîr-Khist, Schir-Khisht, Shîrkhisht (= erhärtete Milch) ist ein persisch-indischer Kollektivbegriff für Manna überhaupt (Dict. econom. prod. Ind.), wird aber auch für eine besondere Sorte, nämlich das schon von IBN BAITHAR unter dem Namen Schîrschaschak als Husten- und Abführmittel erwähnte Manna benutzt, das in Herat, dem Elbrus und in Khorasan gesammelt wird (SCHLIMMER) und von der Amygdalacee Cotoneaster nummularia FISCHER ET MEYER (und von der Polygonacee Atraphaxis spinosa L.) stammt (HAUSSKNECHT).
Das von EBERT 1908 untersuchte Manna, das bestimmt von Cotoneaster stammte (HARTWICH), bildete grauweiße, bröcklige, von Kristallen durchsetzte Stücke von Erbsengröße und süßem, schwach mehligem Geschmack. Die beigemengten Pflanzenreste (Stücke der Stengel, Rinde, Kelche und Blättchen) waren von einem mehligem Überzuge bedeckt. Dieses Manna enthielt 12,9% Rohrzucker, 37,5% Glukose, 24,2% Schleim, 15,9% Feuchtigkeit. Es wird noch heute in Persien benutzt (POLAK). In dem in Indien viel benutzten Manna von Cotoneaster nummularia FISCH. ET MEYER, einem bis 14 Fuß hohen Strauche der Paropamisuskette und Khorasans, das im Juni durch Abschütteln der Zweige gesammelt und massenweise nach Persien und Indien exportiert wird (AITCHISON), fand HOOPER 8,3% Glykose, 4,1% Rohrzucker, gegen 50% Chirkhestit (C6H14O6 «dem Mannit und Sorbit verwandt», wahrscheinlich Sorbit, RABY). Da Schîr-Khist ein Sammelname ist (siehe oben) — bei IBN BAITHAR lautet der Sammelname Mann — ist es begreiflich, daß auch andere Mannaarten unter diesem Namen gelegentlich in den Handel kamen und kommen. So ist das Schîr-Khist von RABY, in dem er einen neuen, angeblich dem Sorbit ähnlichen Zucker, den Chirkhestit, sowie das Bidenguebin-(Bid-engebin?-) Manna, in dem derselbe die Bidenguebinose auffand, sicher von der obigen verschieden und wohl den Weidenmannas (s. oben S. 133) anzugliedern. Und auch das Schîr-Khist von LUDWIG, in dem dieser 17,8% linksdrehenden Zucker und 22,5% Stärke fand, muß ein anderes Produkt gewesen sein (Atraphaxis-Manna?). Atraphaxis-Manna erwähnt GARCIA DA ORTA unter dem Namen Xirquest, Xircast. Die Manna mastichina des PROSPER ALPIN war vielleicht Schîr-Khist.
Lit. POLAK a. a. O. — SCHLIMMER a. a. O. — HAUSSKNECHT a. a. O. — EBERT, Dissert. Zürich 1908. — RABY, Chirkhest and Bidenguebin. Ph. Journ. Transact. 19 (1889) p. 993. — LUDWIG a. a. O. — HOOPER, Pharm. Journ. 1890, 421.
Weitere Mannaarten siehe unter den Trisacchariden, unter Mannit und Dulcit. Eine Liste der indischen Mannaarten in WATTS Dictionary. Eine Zusammenstellung der Pflanzen, die ein Manna liefern, auch in Chem. Drugg. 1890, 863. Eine ältere Monographie der Mannen gab CLAUDIUS SALMASIUS (Plinian. exercitation. Ultraject. 1689).
h) Tamarixmanna.
Das Tamariskenmanna (arab. Gazánjabín, pers. gazangabín — Ges-engebin, Gesendschebin, Gäzändjebîn, — in der Pharmacop. persica 1681 (vgl. I, S. 808): Guezengebin, umfaßte hier wohl mehrere Mannaarten; — bei ALPINI: Terengebil) wird von Tamarix gallica var. mannifera EHRENBERG (arab. asl, tarfá [so auch bei SERAPION], athel [bei AMRAN, I, S. 598], — pers. gaz — gaz angabin [oder ges-engebin] also = Tamariskenhonig; Tamariscus steht in der Alphita «arbor genestae s. miricae», I, S. 660) gesammelt und soll angeblich durch die Schildlaus Coccus manniparus EHRENB. erzeugt werden. Diese bis 7 m hohe Tamariske findet sich fast in ganz Persien (besonders häufig im Süden), dann in Afghanistan, Arabien, in der sinaitischen Wüste, Ober-Ägypten und Nubien. «Die glänzend weißen, honigdicken Tropfen dieser eigentümlich angenehm riechenden, wohlschmeckenden Tamariskenmanna träufeln in der Sonnenwärme des Juni und Juli von den obersten Zweigen herunter, werden in der Umgebung des St. Katharinenklosters am Sinai in lederne Schläuche gesammelt und seit Jahrhunderten (bereits ANTONIUS MARTYR, c. 570 n. Chr., berichtet davon) teils genossen, teils den Pilgern teuer verkauft, da die ganze Ernte im günstigsten Jahr nur 700 Pfund beträgt» (WELLSTED, FLÜCKIGER). BURKHART traf den Baum im Tale Scheikh und nur in diesem einen Tale Arabiens, durch das die Juden seinerzeit zogen, kommt er in größerer Menge vor. Das Manna wird vor Sonnenaufgang gesammelt, wenn es erhärtet ist, in der Sonne schmilzt es. Die Araber kochen es und seihen es durch ein Stück Zeug. Es ist schmutzig gelb, schmeckt süß und etwas gewürzhaft, hart wird es nie. In Persien scheint, jetzt wenigstens, Tamarixmanna nicht gesammelt zu werden. Tamarixmanna enthält 55% Rohrzucker, 25% Lävulose und 20% Dextrin (BERTHELOT).
Nach der gewöhnlichen Annahme, die sich auf die Ausführungen von RITTER, TISCHENDORF und EBERS stützt, soll dies das Manna der Bibel sein. Auch FLÜCKIGER nimmt dies an. Ich lasse die Frage offen (I, S. 490) und führe (a. a. O.) als möglich an, daß es sich um eine Flechte (vielleicht um die Mannaflechte Sphaerothallia esculenta) gehandelt haben könne. Ich stütze mich auf HAUSSKNECHTS Ausführungen, der bemerkt:
«Was nun die biblische Manna anlangt (d. h. Chlorangium Jussuffii LINK [Lecanora esculenta EVERSMANN, Lecanora desertorum KREMPELHUBER]), so kann ich mir darunter nur eine solche oder eine ihr doch ähnliche Flechte vorstellen, die auch das scheinbar Wunderbare in der biblischen Darstellung sehr gut erklärt. Etwas Übertreibung muß man den Orientalen zugute halten, behaupten sie ja doch noch heute, daß diese Manna vom Himmel falle. Daß die Juden ihre Manna nur am Morgen, wenn der Nebel verschwunden war, sammelten, ist klar, weil dann die durch die Feuchtigkeit angeschwollenen Flechten leicht sichtbar waren; nach längerer Einwirkung der Sonnenstrahlen aber (2. Mos. 16, 21) schmolz sie, was wohl eine falsche Übersetzung ist, es hätte heißen müssen: «verschwand sie», indem die austrocknende Flechte sich zusammenkrümmt und sich mechanisch mit Erde umhüllt (resp. nun zwischen den Steinen nicht mehr sichtbar ist. TSCHIRCH). Aus 4. Mos. II, 7–9 ersieht man, daß die Manna eine trockene, feste Substanz sein mußte, da sie in Mühlen gestoßen wurde. Daß die Manna sich nur in stets unkultiviert gewesenen Wüsten fand, wo sich Flechten in großer Menge bilden konnten, geht aus Josua 5, 12 hervor, weil dieselbe bei Annäherung an kultivierte Gegenden aufhörte. Daß die Flechte unausgetrocknet in großen Massen aufgehäuft, sofort sich erhitzen und verderben mußte, ist selbstverständlich. Auch die Geschmacksangabe der Bibel paßt nur hierher «wie Semmel mit Honig», obgleich es richtiger gewesen wäre, wenn diese Stelle mit «wie süßes Mehl» oder «wie süßes Brot» übersetzt worden wäre, denn die Semmeln kannten sie ja damals ebensowenig als heute. Da EHRENBERG Manna-Ausschwitzungen auf Tamarix in den Schluchten des Sinai beobachtet hat, so hat man seitdem allgemein und mit ziemlicher Bestimmtheit angenommen, daß diese auch die Manna der Juden gewesen sei. Allein die Eigenschaften dieser Manna widersprechen den Angaben der Bibel vollständig. Auch ist es gar nicht denkbar, daß die verhältnismäßig so geringe Ausschwitzung einem ganzen Heere zur Nahrung hätte dienen können. Bezieht man aber die Angaben auf diese Flechte, so kann man nicht umhin, nur in ihr die wahre Manna der Juden zu erblicken.»
Auch HENRY CASTREY (La Nature 1898) teilt die Ansicht, daß es sich um eine Flechte handle. Er nennt das «Manna der Juden» Sphaerothallia esculenta N. ab Es. und berichtet, daß noch heute die Araber, welche die Sandwüsten Arabiens durchqueren, diese Flechte, welche sich dort sehr häufig findet und nach jedem Regen große Haufen auf dem Sande bildet, zur eigenen Ernährung wie zum Futter der Kamele benutzen. Die erbsengroßen, auf dem Bruche mehligen Körner von ziemlich angenehmem, schwach süßem Geschmacke enthalten 14% Stickstoffsubstanz, 32% Kohlehydrate, 4% Fett, sind also wohl imstande eine Zeitlang als Nahrung zu dienen. Über einen neuerlich erfolgten «Mannaregen» bei Diabakr, bei dem die Flechte zu Brot von guter Beschaffenheit verbacken werden konnte, erhalten wir Nachrichten durch La Nature 1891.
Das oben erwähnte Chlorangium wird von den Persern gemahlen und zu Brot verbacken und ist auf den Bazaren in Isphahan unter dem Namen schirsad bekannt.
Die Auffassung, daß das Manna mit dem Tau vom Himmel falle, finden wir auch bei MESUE.
Mit der Tamarixmanna vielfach verwechselt wurde ein den gleichen Namen: ges-engebin (d. h. Tamarixmanna) tragendes Manna, das in Persien von Astragalus florulentus BOISS. ET HAUSSK., Astr. adscendens BOISS. ET HAUSSK. besonders im Westen von Ispahan gesammelt und viel benutzt wird. Es bedeckt wie ein Mehltau die Zweige und läßt sich abklopfen. Die beste Sorte trägt den Namen Ges Alefi oder Ges Chonsari. Es wird mit Mandeln, Pistazien, Gewürzen und Mehl zu eigenartigen, sehr beliebten Gebäcken verarbeitet (HAUSSKNECHT).
Dies Manna enthält 30,95% Dextrin, 17,93% Invertzucker mit überschüssigem Fruchtzucker, 10,71% Gemenge von Dextrin und Invertzucker (LUDWIG).
Lit. II. Mose 16 und IV. Mose 11. — Tamarix mannifera im Botan. Lexicon Kitâb aš-šaǧar (um 980). — ANTONIUS MARTYR, De locis sanctis cap. 39. — RITTER, Erdkunde von Asien XIV, 1846, 665–695. — TISCHENDORF, Aus dem heiligen Lande 1862. — EBERS, Durch Gosen zum Sinai 1872, S. 223–243. — FLÜCKIGER, Pharmakogn. — WELLSTEDT, London and Edinb. Phil. Mag. X 1837, p. 226. — BERTHELOT, Arch. Ph. 115 (1861) u. Jahresber. d. Chem. 1861, S. 751. — SCHWEIGG, Journ. 29. — DIERBACH, Magazin d. Pharm. 1826. — HAUSSKNECHT, Mannasorten des Orient. Arch. Pharm. 1870. — LUDWIG, Über d. Bestandt. einig. Mannasort. d. Orient. Ebenda. — STOLZE und ANDREAS, Handelsverhältnisse Persiens, Petermanns Mitt. Ergänzungsh. 77 (1885).
Über andere persische Mannaarten vgl. HAUSSKNECHT a. a. O. — POLAK, Persien 1865. — VAMBERY, Reise in Mittelasien 1865. — Ausland 1867, — Jahresber. d. Pharm. 1869, — Pharmacographia p. 415.
Eine chem. Unters. der Mannaflechte bei CASTREY (Bull. gén. de Thérap. 138, 942, Pharm. Zeit. 1899, 238). — H. W. REICHARDT, Über die Mannaflechte Sphaerothallia esculenta NEES. Verh. Zool. Bot. Ges. 1864.
III. Rohrzuckerfrüchte.
Fructus Ceratoniae.
Syn. Johannisbrot, Sodbrot, Soodschote, Bockshörndl, — Siliqua dulcis — Caroube, Carrouge (franz.) — Locust been, Carob, St. Johns Bean or bread, Algaroba of Spain (engl.) — caroba, frutto del carubbio (ital.) — johannisbrood (holl.) — johanneksen leipä (finn.) — szentjánoskenyér (ung.) — κεράτιον (n.-griech.). — Kharnûb nûbti (ind.).
Der Name Carobe wird auch für andere Dinge benutzt, z. B. für die von Pemphigus cornicularius auf Pistacia Terebinthus erzeugten Gallen. Carobenblätter sind die Blätter einer Anzahl von Bignoniaceen (Jacaranda-, Bignonia-, Sparattosperma-, Kordelestris-Arten).
Etym. Die hieroglyphischen Inschriften nennen die Frucht der Ceratonia darouga, ouâh und djari. Die beiden ersten Worte bedeuten ursprünglich (nach LORET) einen gekrümmten Gegenstand mit spitz zulaufenden Enden (wie das Mondhorn = κρέας), besonders eine Schote (κεράτιον); der dritte bezeichnete die süße Pulpa der Frucht darouga hat die gleiche Wurzel wie die semitischen Worte quarouga und garouta (BUSCHAN).
Johannisbrotbaum, weil sich nach der Legende Johannes der Täufer von den Früchten in der Wüste ernährte. (Man zeigt in Palästina sogar den Baum!) Der Ausdruck Johannisbrot findet sich (zuerst?) im Inventar der Ratsapotheke Braunschweig 1522.
Ceratonia (so bei GALEN) von κερωνία, ion., sonst auch κερατεία, die Frucht in der Bibel: κεράτιον; auch DIOSKURIDES schreibt: κεράτια, vielleicht von κέρας Horn, wegen der Form der Frucht, neugriech. ξυλοκερατέα, — pers.: charnûb, arab.: charrûb (bei IBN BAITHAR: chirnub), davon ital. carrobo, carruba, span. garrobo, algarobbo, port. alfarroba, franz. caroube, carouge. Im Albanes.: tšotšobanuze (= Ziegenhorn). Bei PLINIUS (XIII, 8): Siliqua, quam Jones cerauniam vocant; bei COLUMELLA: Siliqua graeca; bei SCRIBONIUS LARGUS: S. syriaca — Siliqua vielleicht aus λόβος (Wickenfrucht) umgebildet und übertragen (KOCH) —; Siliqua dulcis zuerst bei PROSPER ALPIN (De plant. aegypt. 1591); bei CORDUS findet sich: Fructus ceratoniae, Xyloceratia, Xylocaracta. Auch im Nördlinger Register steht Xilo caracta (Siliqua dulcis).

Fig. 44.
Ceratonia Siliqua.
A blühender Zweig, B männliche Blüte, C hermaphrodite Blüte, D Längsschnitt durch dieselbe mit dem hutförmigen Discus, E Hülse, F Längsschnitt durch die Basis derselben, G Längsschnitt und H Querschnitt durch den Samen.
[Nach
Taubert
in
Engler-Prantl
, Pflanzenfam.]
Stammpflanze. Ceratonia Siliqua L. (LINNÉ, Syst. veget. ed. XIV, 1167, 1), Johannisbrotbaum, Johannsbrodbaum und Judasboom (mhd.) — Caroubier.
Systemat. Stellung. Leguminosae, Caesalpinioideae — Cassieae.
Beschreibung. Der Johannisbrotbaum besitzt paarig-gefiederte Blätter mit lederartigen, wenigjochigen Blättchen und sehr kleinen Nebenblättern. Er ist polygam diöcisch. Die Blüten stehen in seitlichen kurzen, gebüschelten Trauben (PLINIUS sagt, die Ceratonia trägt ihre Früchte am Stamm). Sie besitzen keine Corolle, sondern nur 5 kurze unscheinbare Kelchblätter, die männlichen Blüten fünf große epipetale Stamina und einen rudimentären Fruchtknoten, die hermaphroditen 5 kleine Stamina (Staminodien?) und einen großen gestreckten, kurzgestielten, in der Mitte eines hutförmigen, drüsigen Diskus inserierten behaarten Fruchtknoten mit kurzem Griffel, schildförmiger Narbe und zahlreichen Ovulis (Fig. 44).
Die Frucht ist eine Hülse, ein Legumen. Daher ist die Bezeichnung Siliqua (d. h. Schote) dulcis falsch und irreführend. Sie stammt aber aus dem Altertum, wo man nicht zwischen Hülse und Schote unterschied, überhaupt nicht differenzierte. Übrigens spricht man auch heute noch fälschlich von Vanilleschoten, Hülsenfrüchten und unsere «Schote» (Pisum) ist bekanntlich auch eine Hülse.

Fig. 45.
Ceratonia Siliqua
mit Früchten.
[Nach
Hamilton
.]
Die Früchte hängen in großen Büscheln an den Zweigen. Ein alter Baum (Fig. 45) vermag Tausende von Kilogramm Caroben zu liefern.
Der Baum ist in Syrien und Palästina heimisch, nicht in Ägypten und Griechenland, auch nicht in Arabien (SCHWEINFURTH), kam aber frühzeitig nach Ionien, Knidos, dem südwestlichen Kleinasien und Rhodus (THEOPHRAST, PLINIUS). Seine nördliche Grenze fällt jetzt etwa mit der der Citronen und Orangen zusammen (HEHN). Er ist empfindlicher als die Olive. Das südlichste Vorkommen ist Yemen. Jetzt ist er vielfach verwildert (in der Kyrenaica, Algier, Sicilien usw.).
Lit. BONZOM, DELAMOTTE et RIVIÈRE, Du Caroubier et de la caroube. Paris 1878. — TAUBERT in ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam. III (Abbild.). — G. BIANCA, Il carrubo, Monogr. storico-botan-agrar. L’Agricoltura italian. VII 1881. — HAMILTON, Botanique de la bible 1871. — Abbild. eines Caroubier auch in La Nature 1902, 316.
Pathologie. Auf den Blättern von Ceratonia Siliqua kommen mehrere Pilzarten aus den Gruppen der Pyrenomyceten und Imperfekten vor, es ist auch nicht ausgeschlossen, daß dieselben auch auf die jungen Früchte übergehen, doch sind Angaben hierüber nicht bekannt geworden (ED. FISCHER).
Kultur. Der Johannisbrotbaum, der in das Mittelmeerdrogenreich gehört, ist ein ziemlich hoher, weit ausgebreiteter, reichlich schattenspendender, immergrüner Baum (Fig. 45), der die Meeresnähe liebt. Er wird sehr oft Jahrhunderte alt, wächst langsam und trägt meist erst mit 20 Jahren Früchte. Behufs reichlicher Fruchtbildung muß er (wie Ölbaum und Weinstock) beschnitten und am besten auch künstlich befruchtet werden. Meist besorgt jetzt der Wind die Befruchtung und es ist bekannt, daß aus gewissen Gegenden (offenbar solchen, wo männliche Bäume reichlich wachsen) wehende Winde den Fruchtertrag steigern. Erst neuerdings erhält man die männlichen Bäume, die von den Bauern Siciliens früher vernichtet oder nur zum Pfropfen benutzt wurden. Sein Anbau reicht nicht sehr weit zurück. Erst PALLADIUS (I, S. 574) beschreibt Anbau und Fortpflanzung in Italien (späteres Einschiebsel? HEHN). Die Araber gaben der Kultur ihre heutige Verbreitung über Spanien, Süditalien, Apulien, Sicilien, Sardinien, Griechenland und die Inseln. Er wird jetzt auch in Indien (Panjab, Madras) kultiviert (O’CONOR 1876). Er wurde dort 1840 durch ROYLE eingeführt.
Die Kultur hat zahlreiche Varietäten ausgebildet, die sich durch ihre Süßigkeit, die Größe der Früchte, das Aroma, die Haltbarkeit unterscheiden. Durch Pfropfen wurde in Cypern, Chios und Candia eine große, fleischige, sehr süße Sorte erzielt (FLÜCKIGER).
Produktion und Handelssorten. Hauptsächlicher Lieferant der Caroben ist seit mindestens 6 Jahrhunderten Cypern, das jährlich viele Millionen kg verschifft, teils vom Cap Karrubieh, unweit Larnaka an der Südküste, teils von Limasol im Westen und Cerigna im Norden, dann auch aus Mazota und Lefkara.
Als beste gelten die ebenfalls in beträchtlicher Menge versandten italienischen, speziell die von Sicilien (Avola), von Bari (Puglia), Mola und die sog. Honig-Caroben. Auch die Levante, Kleinasien, Candia und Spanien liefern viel. Als die zuckerreichsten gelten die aus dem Küstengebirge von Algarve.
In Bari heißen die schlechten Sorten Caballo.
Die Gesamtproduktion wurde 1895 auf jährlich c. 10 Mill. kg geschätzt. 1910 war sie höher. Haupthandelsplatz für Caroben ist wohl Triest.
Handel. Deutschland importierte 1909: 37393 dz Johannisbrot, vorwiegend aus Cypern, Malta, Gibraltar, etwas auch aus Italien. Hamburg importierte 1908 24689 dz Johannisbrot; davon aus Cypern 18878, Italien 2130, Griechenland und den Jon. Inseln 1690, der europäischen Türkei 921. Italien exportierte 1907: 109269, 1908: 77645, 1909: 73331 Quint. Carrube. Von Bari, einem großen Carobenhandelsplatz, gehen ganze Schiffsladungen nach Rußland. Frankreich importierte 1908 232147 Quintal. Carrobe (carouge), besonders aus der Türkei, aber auch aus Algier und Tunis.
Fig. 46. Ceratonia Siliqua. Querschnitt durch die Frucht. MC. Mesokarp, EC. Endokarp, End. Endosperm, Cot. Cotyledonen, R. Radicula. [Tschirch] Fig. 47. Ceratonia Siliqua. Längsschnitt (parallel der Fläche der Frucht) durch die Lücken in den Randwülsten der Frucht. [Tschirch.]


Beschreibung der Droge. Die zur Reifezeit tief braunvioletten Früchte sind besonders in jungen Stadien etwas hornartig gekrümmt (wohl darnach κεράτια s. oben auch in Bockshörndl und dem albanesischen Worte (s. oben) wird auf Horn angespielt). Sie reifen nicht immer. Sie sitzen einem kurzen Stiele auf und erreichen bisweilen eine Länge von 25 cm und eine Breite von 4 cm, variieren übrigens in der Größe sehr, je nach den Kulturvarietäten. Die Spitze, als kleines Zäpfchen erscheinend, ist etwas seitlich gegen die Bauchnaht herabgedrückt. Die Mitte ist beiderseits vertieft und zeigt zierliche, in gegen den Rand konvergierenden Fächerstrahlen (Fig. 44 E und 47) vom Stiele her aufsteigende Linien. Der Rand ist beiderseits wulstig verdickt und jeder der Wülste durch eine Mittelfurche geteilt, so daß der Querschnitt hantelförmig erscheint (Fig. 46). Der einen Furche entspricht die Bauchnaht, der andern die Rückennaht. In diesen Randwülsten liegen vier Reihen von Höhlungen. Schneidet man daher die Wülste parallel der Breitseite der Frucht an, so sieht man in jedem Wulst eine Reihe von ovalen, übereinander angeordneten Höhlungen mit ziemlich glatten Wänden (Fig. 47). Dort, wo die Samen liegen, ist die Mittelfläche etwas, aber meist nicht stark aufgetrieben. Dies tritt an jungen unentwickelten Früchten noch deutlicher hervor. Die Samen sind zahlreich, bis 15; sie liegen in ovalen, glatten, vom Endocarp ausgekleideten Höhlungen ziemlich dicht übereinander. Die Brücken zwischen ihnen sind nur schmal. Nicht immer sind alle gut entwickelt. Sie sind glatt, rotbraun, glänzend und mit einem ziemlich langen Funiculus an der Bauchnaht inseriert (Fig. 44 F). Sie enthalten, in ein helles Schleimendosperm eingebettet, den gelblichen Keimling, der zwei netzaderige Cotyledonen besitzt (Fig. 44 F, G, H u. 46).
Die Frucht bricht glatt, trotzdem sie sehr faserig ist. Der Querbruch erscheint infolge des Zuckerreichtums glänzend.
Schädlinge. In den Früchten findet sich bisweilen die Larve von Myelois Ceratoniae.

Fig. 48.
Ceratonia Siliqua.
Querschnitt durch die Randschicht der Fruchtwand.
[K. H. Hällström gez.]
Anatomie (Fig. 48 u. 49). Das Epicarp ist eine einreihige Epidermis, deren Zellen außen stark verdickt und cuticularisiert sind. Von der Fläche gesehen sind sie gradwandig polyedrisch, 12–30 mik. breit. Sie enthalten einen braunen Inhaltskörper. Einige Spaltöffnungen sind über die Epidermis regellos verteilt, ebenso einige wenige Haare oder, da diese oft abgebrochen sind, deren Fußteile (VOGL). Die Behaarung wechselt sehr. Bisweilen fand ich gar keine, dann wieder viele und lange. Dann folgt das Mesocarp. Unter der Epidermis liegen zunächst etwa 6–8 Reihen parenchymatischer, mit braunem, phlobaphenartigem Inhalte vollständig erfüllter Zellen (Fig. 48, 2). Dann folgt ein unvollständiger gemischter Ring. Derselbe besteht vorwiegend aus reichgliederigen Bastzellgruppen, denen da und dort Brachysklereïden angelagert sind. Die Bastzellen sind ziemlich lang (nach MÖLLER fast 1 mm, nach VOGL sogar bisweilen über 1,5 mm, und c. 18 [10–30] mik. breit), stark verdickt, mit meist stumpfen oder knorrigen Enden und nur wenig schiefgestellten Spaltentüpfeln versehen. Die Bastzellgruppen sind von Kristallkammerfasern begleitet. Die Kristalle stecken in einer Tasche. Dann folgt ein lockerer Kreis kleiner, im Längsverlauf bogig hin und her gekrümmter Bündel mit nicht sehr weiten, meist zu einer radialen Platte vereinigten Spiral-, Netzleisten- oder Tüpfelgefäßen.

Fig. 49.
Ceratonia Siliqua.
Querschnitt durch den innersten Teil der Fruchtwand, dort wo ein Same liegt.
[K. H.
Hällström
gez.]
Soweit diese Bündel reichen, ist das Grundparenchym engzellig. Innerhalb des Gefäßbündelkreises wird es aber ziemlich unvermittelt weitzellig und die großen Zellen strecken sich sehr entschieden radial. In dieser Ausbildung reicht das Gewebe bis zum Endocarp. Die Zellen dieser Mittelschicht (Fruchtmus, Fig. 48, 5) enthalten (unter Alkohol betrachtet) entweder deutliche Kristalle oder unregelmäßig eckige Massen (von Zucker?). Diese Inhaltsbestandteile lösen sich daher meist in Wasser und es bleibt körniges Plasma zurück. Eingestreut in dies zuckerführende Gewebe finden sich sowohl in den äußeren kleinzelligeren als auch den inneren großzelligen Schichten zahlreiche Gerbstoffzellen, einzeln oder zu vielgliedrigen Gruppen vereinigt, in Form und Größe dem Zuckerparenchym gleichend. Sie enthalten neben anderen Substanzen vornehmlich Gerbstoff — man kann sie daher als Gerbstoffschläuche betrachten. In der frischen Frucht erfüllt die Masse die ganze Zelle. Beim Trocknen löst sich der solide Gerbstoffkörper als faltiger Sack von der Zellwand ab. Dadurch kommt dann ein sehr eigentümliches mikroskopisches Bild zustande. Die Inklusen fallen leicht aus den Zellen heraus und sind isotrop und nicht hohl, sondern solide (TICHOMIROW), aber nicht gleichartig in der Masse: in eine dunklere, gelatineartige Grundmasse ragen vom Rande her hellere, kugelige Gebilde (Fig. 50). Diese «Inhaltskörper», «Inklusen», sind von gelber, kupferroter oder violettroter Farbe, oft quergestreift. Sie werden durch Kali graublau bis violettblau, beim Erwärmen sofort tiefblau (die Färbung mit Kali ist abhängig von der Konzentration, Lauge von 25% und mehr färbt reinblau, schwache [bis 5%] rötlich-violett; dazwischen entstehen Mischfarben, HÄLLSTRÖM), durch Eisenchlorid violettblau bis tiefblau, fast schwarz, durch Jod und Jodschwefelsäure gelb, durch Vanillinsalzsäure rot (WINCKEL), durch Eau de Labaraque gelblich-rot (TICHOMIROW), durch Millons Reagens blaugrün, durch Orceïn rubinrot, durch Ammonmolybdat und Schwefelsäure tiefblau, mit Osmiumsäure blauschwarz (HARTWICH und WINCKEL). Sie sind unlöslich in Wasser, Alkohol, Glycerin, Äther, verdünnten Säuren, fetten und äther. Ölen. Ammoniak färbt sie nicht. Starke Lauge bewirkt ein Hervorquellen blauer Tropfen (FLÜCKIGER). Der blaue Farbstoff ist in Alkohol und Äther unlöslich. Woraus die Masse besteht ist unbekannt. Sie scheint ein Phloroglukotannid zu enthalten. Die Inklusen werden sehr frühzeitig angelegt, schon 1 cm lange Früchte enthalten einige fertig ausgebildet, viele in Bildung begriffen. Schon in ganz frühen Stadien färben sich die Zellen mit Eisenchlorid, Osmiumsäure und Vanillinsalzsäure. Die Entwicklung des Inhaltes scheint zentripetal vor sich zu gehen. In jungen Inklusenzellen findet sich ein feines, gegen Kali resistentes Gerüst. Doch gibt dieses nicht die Kali- und Eisenreaktion, auch Jod und Millons Reagens färben es nicht, wohl aber Methylenblau (HÄLLSTRÖM). In den äußeren Schichten sind die Gerbstoffsäcke klein, in den inneren groß, wie das Parenchym.
Ähnliche Inklusen finden sich bei der Dattel (s. d.) in den Kakifrüchten u. and. Diospyrosarten, bei Anona reticulata, Zizyphus vulg., Elaeagnus angustifol. (TICHOMIROW), in den Fruct. Rhamni cathartic. und den blauen Trauben, sowie in der Fruchtschale von Glycyrrhiza glabra (STSCHERBATSCHEFF). Sie wurden von FLÜCKIGER bei Ceratonia aufgefunden (Pharmakogn. I. Aufl.) und sind hier so charakteristisch, daß man an ihnen eine Beimengung von Caroben oder Carobenkaffee überall, besonders nach Zusatz von Vanillinsalzsäure, leicht erkennen kann.