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Handbuch der Pharmakognosie

I. Kohlehydratdrogen. (continued 13)

Reading edition

Anwendung. In der Pharmazie spielen jetzt (1910) die besten syrischen und persischen Sorten die Hauptrolle. Die schlechteren anatolischen Sorten werden besonders für technische Zwecke benutzt (CAESAR und LORETZ). Traganth dient als Bindemittel bei Herstellung von Pillen, Stäbchen, Pastillen, Dragées, Räucherkerzen, Sprengkohle. (Mit Traganth angestoßene Pillen werden rasch steinhart, wenn nicht Glycerin zugesetzt wurde.) Dann als Stypticum (als Klystier), zu Ungt. glycerini, zu Emulsionen als Ersatz des Gummis. (1 Teil Traganth besitzt die Bindekraft von 12 bis 15 Teilen Gummi arabicum.) BÖHM empfahl (1850) für den Schleim ein Gemisch von Traganth und Zucker. Man kann unlösliche Pulver mit Traganth in Suspension halten. Traganth wird auch zur Appretur von Kattunen, Seidenwaren und Spitzen, zur Herstellung von Dampffarben im Zeugdruck und in der Zuckerbäckerei verwendet. Es klebt nicht, bindet aber, wenn eingetrocknet, stark. Es läßt sich schwer pulvern, am besten, nachdem es zuvor bei 40–60° getrocknet ist. Man bewahrt Traganth am besten in mit weißem Papier ausgeklebten Holzkästen mit dicht schließenden Deckeln auf. Es zieht leicht Staub an und wird dann grau.

Manna liefert außer den S. 136 genannten Astragalusarten auch A. chartostegius B. et H. Ob Kunjudy-Gummi, Ansarut, Gujar und Sarcocolla von Astragalusarten kommen, ist noch unsicher (Sarcocolla wird auch von Panaea mucronata abgeleitet). Die Samen einiger Astragalusarten (A. baeticus L. — schwedischer Kontinentalkaffee, Stragel-K., A. excapus im Kanton Wallis, HARTWICH) dienen als Kaffeesurrogate. Die Blätter und Samen von A. glycyphyllos L. (Herb. et semen Glycyrrhizae silvestris) sind als Diureticum und Purgans in Anwendung (PLANCHON). Weitere in DRAGENDORFF, Heilpflanzen.

Geschichte. Die τραγάκανθα des THEOPHRAST [nach SPRENGEL, SIBTHORP und FRAAS = Astragalus aristatus L’HÉRIT und A. creticus LMK. (A. echinoides WILLD.)] wird als nicht nur auf Kreta, sondern auch in Achaia, dem Peloponnes und in Asien (Medien) vorkommend beschrieben — «truncis ramisque inhaerent lacrimae». Der Austritt des Gummis soll spontan erfolgen. Astragalus ist bei THEOPHRAST und and. eine andere, (nach KOCH) nicht bestimmbare Pflanze. Der Astragalus des GALEN soll A. excapus oder Orobus sessilifolius gewesen sein. Bei DIOSKURIDES (III, 20), der ja in Kleinasien lebte, bedeutet τραγάκανθα sowohl die Wurzel der dornigen Astragalussträucher wie das Gummi-Traganth. Er vergleicht die klebende Kraft des letzteren mit dem Gummi und nennt einige Krankheiten, bei denen es benutzt wird (z. B. Husten). Er beschreibt die Pflanze korrekt. Unklar drückt sich PLINIUS (XIII, 36) über Tragion und Tragacanthe aus. Die Pflanze nennt er Spina alta. Bei CELSUS (I, S. 588) steht Tragacantha, ebenso bei ORIBASIUS, AËTIUS und PAULUS AEGINETA. Bei VEGETIUS RENATUS (c. 400 n. Chr.) steht dragantum. Auch ISTACHRI (I, S. 606) und CONSTANTINUS AFRIKANUS (I, S. 633) kennen T. Ebenso hat GALEN: tragacantha (die Pflanze: δάκρυον), SCRIBONIUS LARGUS unterscheidet die Präparate tragacanthum album (mit Alaun abgeriebener T.) und candidum. Tracantha steht im Kitâb aš-šaǧar (X. Jahrh.), bei MASIH, IBN SINA u. and. HAJI ZEIN (1368) beschreibt den Gebrauch des Katira, das Gummi des katád genannten Baumes. Der Perser BURHÁN nennt den arabischen Namen für den Baum: miswák el abbas. Der Autor des Makhzan el Adwija erwähnt den persischen Namen kon. Die Gelehrten der Schule von Salerno bereiteten ein Diatrugacanthum frigidum und ein D. calidum. «An einer Stelle der sog. Bible des GUIOT VON PROVINS, wo dieser Dichter seine Satyre ausgießt über die teuren Arzneien, welche die Ärzte von Montpellier verschreiben, ist auch ein Trank des Namens diadragum erwähnt» (HEYD), Diadragagantum wurde als kühlendes Mittel verwendet. Im Mittelalter wurde T. auch bei der Auftragung des Azurblaus und der Vergoldung benutzt (HEYD). 1305 war T. zollpflichtiger Einfuhrartikel in Pisa (FLÜCKIGER). Zur Zeit des PEGOLOTTI (I, S. 702) kam Draganti (chitirra) von Romania (Griechenland) und Turchia (Kleinasien). Hauptmarkt war Satalia (in Pisidien, das heutige Adalia an der Südküste Kleinasiens), dann auch Cypern und Alexandrien (HEYD). BELON (I, S. 771) erwähnt die gleichen Gegenden und Brussa als Markt. Er wurde verwendet «pour donner lustre à la soye». OLIVIER fügt noch Armenien, Kurdistan und Nordpersien als Produktionsländer hinzu. AITCHISON erwähnt dann noch Chorassan und Afghanistan. Persisches T. ging schon Ende des XVIII. Jahrh. nach Bagdad und Bassora und nach Rußland über Baku. In Deutschland begegnen wir 1340 draganti als Bestandteil einer Augensalbe (FLÜCKIGER nach PFEIFFER). Im Inventaire LEFORT (1439) steht Pouldre de Diadragan und Diadragant (Electuar. Diatragacanthum). Dann findet sich T. auch in der Taxe von Ferrara (1424) und der Frankfurter Liste (1450). BELON (I, S. 772) traf 1550 auf Kreta zwei Arten Traganthsträucher, erfuhr aber, daß T. in Nordwest-Kleinasien gesammelt und zur Appretur der Seide benutzt werde (vgl. bei FLÜCKIGER). Die Form Dragagantum steht bei OTHO CREMONENSIS (dragantum i. e. vitriolum!) Traganthum neben Dragagantum bei CORDUS (I, S. 803). The rates of marchandizes (1635, I, S. 921) führt Gum Tragagant auf und gum Tragacanthum steht bei BERLU 1724 (I, S. 950). Die erste Beschreibung des Austrittes des T. gab TOURNEFORT (I, S. 907, Fig. 411). Die erste Beschreibung einer Traganthpflanze LABILLARDIÈRE 1790 (oben S. 389). Bei POMET (I, S. 942), der in der 2. Aufl. auch Stalie (Satalia) als Ausfuhrhafen angibt, findet sich eine recht gute Abbildung eines Traganthstrauches. POMET erwähnt Einschnitte in Stamm und Wurzel und bemerkt, daß die Pflanze in Syrien (um Aleppo) wachse. Er erwähnt vom gomme adragan die drei noch heute üblichen, besonders durch ihre Farbe unterschiedenen Handelssorten. St. F. GEOFFROY (I, S. 947), der eine pyrochemische Analyse mitteilt, bemerkt: «ex Creta, Asia et Graecia affertur».

Die von BRIQUET behauptete Traganth- und Harz- und kombinierte Traganth-Harz-Leimung des alten Papiers, welcher der Leimung mit Tierleim vorangegangen sein sollte, konnte von WIESNER in keinem Falle konstatiert werden. Doch fand KOBERT Traganth in der Appretur frühmittelalterlicher Papiere aus Turfan und Khotan.

Lit. FLÜCKIGER, Pharmakogn. — FLÜCKIGER-HANBURY, Pharmacographia. — HEYD, Levantehandel II, 654. — WIESNER, Papyr. Rainer 1887. — KOBERT, Zeitschr. Angew. Chem. 1910, 1249. — TRISTAM, Nat. hist. of the bible 1898.

Falsche Traganthe.

Das sog. Bassoragummi (Bassoratraganth) hat seinen Namen von der Handelsstadt Bassora (Basra) am Schat el arab, nördlich vom persischen Golf (vgl. die Karte S. 429) erhalten. Es kommt aber nicht viel von dort. (Basra exportierte 1905: 7679 cwts «Gummi».) Jetzt heißen alle minderwertigen, meist stark gefärbten Traganthe in Indien Bassoragummi, Hog-gum, Hog-Traganth oder Caramaniagummi. Die Herkunft des Bassoragummi ist unbekannt. Einige (NIEMANN, MARTIUS) leiten es von Acacia leucophloea WILLD. ab, andere (HANBURY) betrachten es als ein Mandel- oder Pflaumengummi, andere als von A. gummifer stammend (GUIBOURT). Ein Bassoragum, das 1903 aus Südpersien in den Handel kam, stammte vom wilden Mandelbaum. Von einem Traganthstrauch stammt es nicht; jedenfalls zeigen die Muster meiner Sammlung keinerlei geschichtete Membranen oder Stärkekörner — zwei sichere Merkmale echter Traganthe. Das Bassora-Traganth meiner Sammlung bildet knollige oder traubige Stücke von rötlich-gelber Farbe, unter denen sich oft große eiförmige Stücke finden, die als Tropfen aus runder Öffnung hervorgequetscht wurden. GUIBOURT betrachtet das Bassoragummi als identisch mit dem Kuteera (Hist. d. drog. 7 ed. III, 453, Pharm. Journ. 15, 57), rechnet es also zu den Astragalus-Traganthen (s. oben S. 393). Da er darin Stärke fand, muß er ein anderes Produkt in Händen gehabt haben wie ich. Es gehen eben unter dem Namen Bassoragummi sehr verschiedene Produkte. Über ein Bassoragummi aus Cycadeen vgl. BLACKETT, Pharm. Journ. (3) 13, 104. In Indien werden als Substituentien für Traganth die zum Teil ähnlichen Sekrete von Cochlospermum Gossypium DC. = kúmbi, gaddi (in Amerika Gum-Hogg) und Sterculia urens ROXB. = guhu, gular, kurí, sowie von Prunus Amygdalus (sog. Hog Tragacanth) benutzt. Ferner nennt Diction. of econom. prod. of India folgende andere Hog-gums (India Bassora gums): Der Gummi von Saccopetalum tomentosum, Moringa pterygosperma, Bombax malabaricum, Ailanthus excelsa, Stereospermum suaveolens und als amerikanisches Gum-hog das von Symphonia globulifera. Vgl. auch M. C. COOKE, the gums, resins, oleo-resins and resinous prod. in the India museum. London 1874. LEMELAND fand im G. von Cochlospermum Gossyp. 97,3% Unlösliches, 22,7% Wasser, 5,9% Asche, 45,2% Galaktane, 33,3% Pentosane. Es lieferte Galaktose und drehte −77°, 152.

Besonders Sterculiagummis sind häufig mit dem Namen Traganth bezeichnet worden. Sie riechen oft sauer (Essigsäure?). Über diese von Sterculiaarten stammende traganthähnlichen Gummis aus Indien, Afrika und Australien und ihre Unterscheidung von echtem T. (s. S. 403) vgl. besonders MAIDEN, Sterculia gum its similarities and dissimilarities to Tragacanth (Pharm. Journ. 1889 Nov. p. 381 und Am. journ. pharm. 1890, 20). MAIDEN erwähnt von indischen Sterculiaarten, die Gummi liefern, St. urens ROXB., St. campanulata WALL., St. ornata WALL., St. foetida L., St. villosa ROXB., St. ramosa und piperifolia, von afrikanischen St. Barteri MAST., St. Tragacantha LINDL. — von australischen St. diversifolia G. DON., St. rupestris BENTH. Das Sierra-Leone Traganth von der in Westafrika (Senegambien bis zum Congo) heimischen Sterculia Tragacantha LINDL. (und wohl auch von St. Barteri MAST.) enthält keine Stärkekörner, und zeigt auch keine geschichteten Membranen, dagegen 20,5% Feuchtigkeit und 7,8% Asche (besonders Calciumkarbonat). Es gibt an Wasser keine durch Bleizucker oder Alkohol fällbare Substanz ab, liefert aber mit Salpetersäure reichlich Schleimsäure. Es löst sich nicht in Kupferoxydammon. (FLÜCKIGER, Über afrikan. Traganth. Pharm. Journ. 1869, 641 und Arch. Pharm. 1869, 81). Es entspricht der Formel C24H44O22.10 H2O (KRAUSHAAR). Das T. von Sterculia Tragacantha LINDL. meiner Sammlung (Leg. Barker, Nigerexpedition) bildet an Rindenstücken ansitzende spröde, glasige, hell-gelbliche oder weiße Massen, die sauer riechen. Ein anderes Muster (1872, auch aus Westafrika) schokoladenbraune feste Massen. MANGIN leitet auch das Kuteragummi (s. oben) von St. Tragac. ab (Compt. rend. 125 [1897], 725). Ein traganthähnliches Gummi aus Ostafrika beschreibt HARTWICH (Arch. Pharm. 1894, 43). Es war dem Kuteragummi ähnlich und stammte wohl von einer Sterculiacee, die ja große Schleimzellen mit Schleimmembran und durch Resorption der trennenden primären Membran Schleimkanäle und Schleimhöhlen besitzen. Ein traganthähnliches, im Senegal viel benutztes, dem Gummi von Cochlospermum ähnliches stärkefreies Gummi vom Spez. Gew. 1,416 kommt von Sterculia tomentosa HECKEL. Es heißt im Sudan und in Senegambien Gomme de M’beppe, kongosita, komikosita, M’boborg; in Port. Loanda chixé oder Ici io chixé (HECKEL, Rep. pharm. 1899). Gummis von Sterculia cinerea (tartar gum) und St. tomentosa (da or kandi gum) sind kürzlich im 3 Report of the Wellkome Research laboratories Khartoum (1908) beschrieben worden. Auch sie zeigten einen hohen Aschengehalt (5,48–7,05%) und eine hohe Säurezahl (13–14,59). Auch unter den Kuteeras (s. oben S. 393) scheinen sich bisweilen Sterculiagummis zu finden, denn BOULLAY (Bull. de pharm. 5, 166) und GUIBOURT (Hist. d. drog.) berichten von einem sauren Geruche. Ein traganthähnliches Gummi, Goma de oaxixa aus Brasilien, von Sterculia Chicha St. Hil. erwähnt PECKOLT (Ber. d. pharm. Ges. 1900). Bei den Sterculiaceen ist Gummibildung überhaupt häufig. Ich erinnere nur an die Schleimzellen in der Samenschale von Theobroma Cacao.

Eines Traganth von der im Trockenwald Ostafrikas vorkommenden Leguminose Berlinia Eminii TAUB. gedenkt BUSSE (Ber. d. pharm. Ges. 1904, 202).

Auch das Gummi von Acacia usambarensis ist traganthartig (MANNICH). Weitere unter Gummi arabic. Ein traganthähnliches Gummi aus Südamerika, «Goma de Tuna» von Opuntia Ficus indica MILL. beschrieb T. F. HANAUSEK (Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1877, 113). Es enthält Kristalle und Stärkekörner.

Gummi arabicum.

Syn. Gummi acaciae — arabisches Gummi — gomme arabique (franz.) — gum arabic, acacia gum (engl.), in Amerika: acacia — gomma arabica, gomma acacia (ital.) — arabische gom (hol.) — arabiskt gummi (schwed.) — arabian kumi (fin.) — arabmézga (ung.) — ἀραβικόν κόμμι (griech.).

Arab.-Pers. und in Ägypten: samagh-i-arabi (bei IBN BAITHAR: samag). — Aar oder Czar von Arabien, Arabischer Zaher (bei MEGENBERG). — Gunde (gundi) heißt in Ostafrika jeder Klebstoff, also auch Gummi arab. DRAGENDORFF bemerkt bei Acacia vera (arabica): «Bei den pers. arabischen Autoren findet man für die Pflanze: Schankat-ul-misrija und Qaraz, für Gummi: Samgul (jetzt in Turkestan Samag arabi) und Agâqija, für Acacia überhaupt: Dschaschmîzadsch, für die Frucht von Ac. gummifera etc.: Omm Gilân, für die ganze Pflanze: Thalh, für die Frucht der Ac. nilotica: Chirnub kibthi und karats. In Indien wird das Gummi Mas-wai-gond und Maklai-gond genannt.»

Etym. Im alten Ägypten: qmyt (die hieroglyphischen Zeichen I, S. 470), komi (k[o]mi), q(o)mi, qmy (kmy) qema oder quemi — im Koptischen kome. Daraus dann κόμμι (zuerst bei HERODOT) und (lat.) commis, cummis, cummi und später gummis und gummi, im Deutschen zuerst: gumme — franz. gomme, engl. gum etc. Das ägyptische Wort soll nicht in Ägypten bodenständig, sondern der Sprache von Punt entlehnt sein (REINISCH). Die im Altertum gebräuchliche Bezeichnung Gummi acanthinum von ἄκανθα = Dorn, Dornbusch.

Stammpflanzen. Acacia Senegal WILLDENOW Spec. pl. IV, 1077 [A. VEREK Guill. et PERROT., A. rupestris STOCKS, Mimosa Senegal L., M. Senegalensis LAM. (AIT.)]. Trop. Afrika, in Cordofan, Sennaar, Khartoum, bei Kassala und Gedaref, im südlichen Nubien, am Atbara und Astaboran, in der Landschaft Gezireh; ferner im Westen in dem auf dem gleichen Breitengrade von Cordofan liegenden Senegambien und den Gebieten zwischen Cordofan und Senegambien (Bornu), sowie in Ostafrika, endlich auch in Arabien (Maskat, Aden, Dschidda) und Beludschistan, Indien (Sind, Ajmir). Die Flora von Sind hat große Ähnlichkeit mit der der afrikanischen Wüste. Der Baum heißt im Senegal: Verek, in Cordofan: Hashaba, plur. Hashab oder cheschâb, in Indien: Khor, Kúmta, in Bornu: Kol-Kol. Diese Pflanze liefert sowohl das beste Cordofangummi (SCHWEINFURTH, HEUGLIN, BEAM), das Hashab von Khartoum und Sennaar, wie das meiste gute Senegalgummi, besonders die Sorte bas du fleuve.

Weniger wichtig sind:

Acacia arabica WILLD. (Acacia vera WILLD., Mimosa nilotica L., M. arabica LAM.) in Indien: Kikar, Babúl und die von einigen dazugezogene, jedenfalls nahe verwandte Acacia nilotica DEL., der Sont- oder Ssantbaum. Trop. Asien und Afrika; im Sudan und oberen Senegal, Mosambique und Natal, Arabien und Indien (Sind). Liefert das Sunt-Gummi des Sudans, Marocco-, Mogador- und berberisches Gummi (MABEN) und einen Teil des Galam Senegambiens, sowie indisches Gummi. BENTHAM unterscheidet von A. arabica WILLD. die var. tomentosa (im Senegalgebiet), die var. nilotica (im Nilgebiet), die var. indica (in Indien) und die var. Kraussiana (in Port-Natal).

Acacia Seyal DEL., Sejal, Ssoffar, in Palästina: seijāl, ṭalḥ, mit der var. fistula (A. Fistula SCHWEINF.) im tropischen Afrika, in Nubien, Sennaar, in Kassala östlich von Khartoum und der italienischen Kolonie Erythraea, sowie in Deutsch-Ostafrika. Liefert Talh-Gummi (BEAM), Gedarefgummi (BUSSE) und Ssoffargummi (SCHWEINFURTH).

A. stenocarpa HOCHST., Talg, kitr, kakul oder suak, in den Nilländern, Abyssinien, Nubien und Deutsch-Ostafrika. Ebenfalls Talhgummi (talha) liefernd (SCHWEINFURTH), sowie Gedarefgummi (BUSSE) und Suakimgummi (MABEN).

A. Giraffae BURCH. (= A. erioloba WILLD.?), Camelthorn, in den Nilländern und in Deutsch-Südwestafrika, in den trockensten und heißesten Gegenden. Liefert Capgummi (weich) und deutsch-südwestafrikanisches Gummi.

A. horrida WILLD. (A. Karoo HAYNE, wohl auch = A. capensis BURCH). Extratrop. Südafrika, in Deutsch-Südwestafrika und am Cap (z. B. an den Ufern des Kariep). Liefert seit 100 Jahren viel Capgummi (hart) (BURCHELL) und deutsch-südwestafrikanisches Gummi.

A. abyssinica HOCHST. Tschéa und A. glaucophylla STEUD. (nahe mit A. Senegal verwandt), in Abyssinien und dem Somalilande, das Somali-Gummi (Karami) liefernd.

A. Neboued GUILL., in Senegambien, und A. albida DEL., Anabaum, in Deutsch-Südwestafrika und im Senegalgebiet, hier Galamgummi liefernd.

A. gummifera WILLD. in Marocco.

A. pycnantha BENTH. (golden wattle) in Neusüdwales, Victoria und Südaustralien. Liefert australisches Gummi (Wattlegum).

Ohne größere Bedeutung sind: Acacia Ehrenbergiana HAYNE und A. tortilis HAYNE (A. Raddiana C. SAVI, A. fasciculata G. P.) Haraz, in Palästina: seijāl, ṭalḥ, im Nilgebiet, Nubien, Abyssinien und in Arabien — A. Adansonii GUILL. et PERROTT. in Senegambien — A. verugea SCHWEINF. liefert das Kukgummi (BEAM) — A. Suma KURZ (A. campylacantha HOCHST.) liefert das Kakamut oder Sinlingummi. A. Farnesiana WILLD. (in Indien: vilayati kikar, guya babúla, in Palästina: ghilān, ảnbar, ḳarz) in Vorderindien (heimisch in Westindien) — A. spirocarpa HOCHST. und Stuhlmanni TAUB. in den Nilländern und in Deutsch-Ostafrika — A. usumbarensis TAUB. in Deutsch-Ostafrika — A. Catechu WILLD. (in Indien: khair, khair-babúl, katha) im Nilgebiet, z. B. in Faschoda, in Indien und Burma, im Himalaya — A. decurrens WILLD. (A. mollissima WILLD., A. dealbata, LINK), A. homalophylla CUNN., A. vestita, A. pendula, A. Sentis, A. binervata, A. elata, A. glaucescens, A. penninervis und A. retinoïdes. SCHWEINFURTH nennt im Nilgebiet 24, TAUBERT in Ostafrika 22, WATT (Dict.) in Indien 18 Arten.

A. Angico MART. liefert brasilian. G. (SYMES), A. micrantha BENTH. venezuelanisches (ERNST). A. paniculata WILLD. liefert die Goma de tiamo von Venezuela (s. weiter hinten).

DRAGENDORFF führt (in Heilpflanzen) 65 Acaciaarten als benutzt auf. Alle, jedenfalls alle afrikanischen Acaciaarten, sind imstande Gummi zu liefern.

Systemat. Stellung. Leguminosae — Mimosoideae — Acacieae.

Die gegen 450 Arten der Gattung Acacia WILLD. sind besonders zahlreich in Afrika und Australien vertreten, etwa 300 entfallen auf Australien. Die afrikanischen Arten gehören zu den Sekt. Gummiferae und Vulgares (A. Senegal zu letzterer Gruppe).

Beschreibung der Stammpflanze. Acacia Senegal ist ein niedriger Baum mit einem nicht über 6 m hohen, mehr oder weniger geneigten, 12–25 cm dicken Stamm, knorrigen, gewundenen, spreizenden Ästen und einer dünnen Schirmkrone («Schirmakazie»). In Bornu ist A. Senegal strauchartig. Das Holz ist sehr hart und weiß, die sehr faserige, daher zum Binden benutzte Rinde außen grau, innen rostfarbig, Die 2 (bis 3) kurzen Stacheln sind hakenförmig nach unten gekrümmt. Es sind metamorphosierte Nebenblätter. Sie sitzen daher an der Basis der Blattspindel (Taf. VII). Die doppelt und paarig gefiederten, an der Spindel gemessen, 2–3 cm langen Blätter besitzen 3–5 Paare Fiedern, die Fiederchen sind 10–15 jochig, schmal lineal, graugrün, kahl, bis 5 mm lang, gegenständig, sehr kurz gestielt. Die oberseits rinnige Spindel zeigt einige gelbe, fleischige Drüsen. Die Blätter zeigen die Erscheinung des Transversalheliotropismus, sie stellen bei starker Belichtung und Verdunstung die Fiederblättchen senkrecht und geben vom Januar an keinen Schatten (DAVID). (Die australischen Acacien besitzen oft durch Drehung des Blattstiels senkrecht gestellte Phyllodien.) Die in den Blattachseln entspringenden Blütenstände werden bis 10 cm lang. Es sind walzenrunde, mäßig dichte Ähren (Taf. VII). Die Blüten sind weiß (nicht gelb wie bei vielen anderen Arten). Der fünfzählige Kelch ist becherförmig, die ebenfalls kleinen 5 Blumenblätter lanzettlich, die zahlreichen, doppelt so langen Stamina am Grunde einbrüderig verbunden, in den Thekae nur wenige Pollinien. Der lineale Fruchtknoten wird zu einem bis 10 cm langen, flachen Legumen mit 5–6 braunen, glänzenden Samen, die einen langen Funiculus besitzen. (Beschreibung der anderen Arten in LUERSSEN, Mediz. pharm. Botan.)

Tafel VII.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Acacia Senegal Willd.

Nach Tafel 56 des Flor. Senegamb. Tentam. von Guillemin, Perrottet et Richard verkleinert.

⇒ GRÖSSERES BILD

Die Acacien verlangen ein heißes und trockenes Klima. Cordofan hat ein Jahresmittel von 28° C. (Maximum im Schatten 44° C. im Mai und September). «Dornen und immer wieder Dornen sind das Wahrzeichen von Cordofan. Ein dornenreicheres Geschäft als Gummisammeln läßt sich nicht wohl denken» (DAVID). Die Gummiacacien haben den Habitus von Erlen. In Cordofan bilden die Acacien lichte Haine, in Ostafrika eine besondere Vegetationsform, die ENGLER «Baumgrassteppe mit Vorherrschen der Acacien» nennt (Abbild. in ENGLER, Pflanzenwelt Ostafrikas, S. 59). Bei Bara fand DAVID neben A. Senegal auch A. stenocarpa, weiter nördlich bei Kagmar nicht A. Senegal, sondern nur A. Seyal, A. spirocarpa und stenocarpa. A. stenocarpa und fistula bilden ausgedehnte Wälder im Gebiete des Atbara und Bahr-el-Azrak.

Lit. G. SCHWEINFURTH, Aufzähl. u. Beschreib. d. Acacienarten des Nilgebiets. Linnaea 35. 1867/68 m. 19 Taf. und Im Herzen Afrikas 1874. — A. F. BROUN, Catal. of the flowering plants of the Sudan. — TAUBERT, Die Gummi liefernden Pflanzen Ostafrikas in ENGLER, Pflanzenwelt Ostafrikas 1895. — DELILE, Flore d’Egypte. — FORSCAL, Flor. aegypt. arab. — UNGER, D. Pfl. d. alt. Ägypt. — GERH. ROHLFS, Drei Monate in d. Libysch. Wüste. 1875. — HEUGLIN, Reise in d. Gebiet d. weißen Nil u. Reise nach Abyssinien. 1868. — HILDEBRANDT, Zeitschr. Ges. f. Erdkunde 1875, 279. — OLIVER, Flora of tropical Africa II, 338. — GUILLEMIN, PERROTTET ET RICHARD, Florae senegambensis tentamen. — BENTHAM, Transact. Linn. Soc. 30, 516. — C. MARTINS, Bull. Soc. Bot. France 1875, 20. — BURCHELL, Travels in the interior of south Africa 1822/24. — HAGGENMACHER, Reise im Somalilande. Peterm. geogr. Mitth. Ergänzungsh. 47 (1876). — SADEBECK, Kulturgewächse der deutschen Kolonien. 1899. — BRANDIS, Forest flora of North-West and Centr. India. — F. VON MÜLLER, Select plants for industrial culture in Victoria. 1876 und Iconographia of acacias. — LUERSSEN, Mediz. pharm. Bot.

Abbild. von A. Senegal WILLD.: GUILLEMIN et PERROTTET, Flor. Senegamb. tent. 1830, t. 56 (reproduziert in FLÜCKIGER, Gummi u. Bdellium, Schweiz. Wochenschr. 1869); BERG-SCHMIDT, Atlas II. Aufl.; BENTLEY and TRIMEN, Med. plants t. 94, SCHWEINFURTH a. a. O. t. 22, Reliquiae Kotschyan. t. 3; TAUBERT in ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam.; von A. nilotica: bei ROHLFS t. 13; A. arabica: ROXB. Pl. Coromand. H t. 149, kopiert bei NEES VON ESENBECK t. 333; A. Seyal: NEES t. 336, SCHWEINFURTH t. 11–14, BERG-SCHMIDT, I. Aufl. t. 6 d.; BUSSE in ENGLER-DRUDE, Vegetat. d. Erde IX, I, S. 274; A. horrida: HAYNE X t. 33; A. horrida und erioloba: WARBURG, Zeitschr. f. trop. Landwirtsch. 1898; A. stenocarpa: in BUSSES Bericht VI.; A. spirocarpa: BUSSE a. a. O.

Pathologie. Schädlinge scheint die Gummiacacie nicht zu haben. Beeinträchtigt wird gelegentlich der Gummiertrag durch Antilopen und Paviane, die das Gummi fressen, Elefanten, die die Bäume umreißen (BAKER) und Kameele, die die Dornen abnagen (DAVID).

Lit. BAKER, Die Nilzuflüsse in Abessinien. Braunschw. 1868.

Bildung des Gummis in der Pflanze (Gummosis). Das Gummi arab. entstammt der Rinde der Acacien. Eine mir vorliegende Probe von mit Gummi reichlich besetzter Rinde von Acacia Senegal, ausgelesen aus der Handelsware, zeigt folgenden Bau. Eine dicke Schicht typischen farblosen Korkes bedeckt das Ganze. Die sekundäre Rinde besteht aus miteinander abwechselnden tangentialen Streifen von Keratenchym (WIGAND), d. h. obliterierten Siebbündeln (MOELLER) nebst begleitendem Phloëmparenchym und Bastzellbündeln, oft in sehr regelmäßiger Alternanz. In radialer Richtung wird die Rinde von ein- bis dreireihigen Markstrahlen durchzogen. In den Phloëmparenchymzellen findet sich bisweilen eine die Zellen meist ausfüllende, lichtgelbliche-dunkelbräunliche Masse. Die Gummosis, welche zur Entstehung großer gummierfüllter lysigener Höhlen führt, geht, nach MOELLER, von den jungen Keratenchymbändern und dem Phloëmparenchym, oder, wie ich vermute, von Stellen, die diesen entsprechen würden, aus. An dem mir vorliegenden Material ließ sich sicher nicht feststellen in welchem von beiden sie zuerst eintritt, jedenfalls werden die Membranen des Keratenchymbandes und die der Phloëmparenchymgruppen in Gummi übergeführt. So findet man in der Rinde von Zweigen, die Gummidrusen reichlich tragen, gummierfüllte Höhlen (cavernes de résorption, TRÉCUL) ringsum von in Auflösung begriffenen Zellen umgeben. In den äußeren Rindenschichten der Acacia fand MOELLER ein kirschgummiartiges, unlösliches Gummi.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 141.

Gummibildung in der Acacienrinde nach

Moeller

.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 142.

Entstehung des

Pruneengummi

. Zwei Gummidrusen, die im Jungholz entstanden und durch sekundäres Dickenwachstum des Holzkörpers ins Innere gerückt sind. Die Gefäße mit Wundgummi gefüllt.

[

Tschirch.

]

Nach dem Sitze der Gummimassen zu urteilen muß die ergiebigste Gummibildung in den inneren Teilen der sekundären Rinde stattfinden. Und es bleibt noch durch Versuche an der lebenden Pflanze festzustellen, ob nicht infolge der Verwundung zur Gummose vorgebildete Zellgruppen, sei es nun ein besonderes Gewebe oder zur Gummose neigende Phloëmpartien, direkt in der äußeren Partie des Cambiums im Jungleptom erzeugt werden. Es erscheint mir dies deshalb wahrscheinlich, weil JADIN und BOUCHER bei Moringa nach Verwundungen das Auftreten von Gummiräumen im Jungleptom beobachteten. Auch MOELLER beobachtete die Anfänge der Gummibildung bei Acacia pterygocarpa «in einer sehr tiefen Schicht der sekundären Rinde nahe dem Holzkörper» und CORRE und LOUVET verlegen sie sogar «zwischen Holz und Rinde», also in das Cambium. Das deutet darauf, daß auch hier (wie beim Harzfluß) der Anstoß zur Gummibildung im Cambium und seinen jüngsten Produkten erfolgt. — Andere Beobachtungen machen es wahrscheinlich, daß (wie beim Harzfluß) ein Verwundungsreiz das erregende Moment ist. Während aber bei der Gummose der Amygdalaceen, wie MIKOSCH gezeigt hat, infolge der Verwundung im Neuholz (Junghadrom) Gruppen abnormen Parenchyms («Gummizellen») entstehen, die der Gummose anheimfallen, müßte sich hier der Effekt des Reizes im Jungleptom äußern. Nach den Beobachtungen von LUTZ besteht zwischen der Gummose der Acacien und der Amygdalaceen eine ziemlich weitgehende Übereinstimmung. Er sah übrigens Gummose bei den Acacien auch im Jungholz auftreten. Da WIGAND einmal auch eine Gummidruse im Holzkörper fand, scheint in der Tat bei den Acacien auch dort unter gewissen Umständen Gummibildung möglich. Nach LOUVET entstehen auch Lücken im Zuge der Markstrahlen. Bisweilen erreicht der Gummifluß riesige Dimensionen. NAUDIN fand 1889 ein Exemplar der Ac. dealbata ganz eingehüllt von Gummimassen. LUTZ, der (nach MANGIN) mit Färbemitteln die Gummose bei den Acacien verfolgte — er benutzte Doppelfärbung mit Neutralrot CASSELLA und Vert acide JEEE POIRRIER — verlegt den Beginn der Gummose direkt ins Cambium, in dessen Wänden er eine Umwandlung in Gummi konstatieren konnte. Auch TRÉCUL und COTTON verlegen den Beginn der Gummibildung dorthin, führen sie aber auf Saftstauung und Überernährung zurück. Aus den Beobachtungen von LUTZ möchte man den Schluß ziehen, daß Gummibildung auch ohne Verwundung möglich ist, da die Membranen des Cambiums gewisser Pflanzen Neigung zur Umbildung in Gummomembranine zeigen, Gummifluß aber nur infolge von Verwundungen entsteht. Auch DAVID, der die cordofanischen Gummidistrikte besuchte, beobachtete, «daß der Gummosis immer Veränderungen, Risse oder Spalten in den geplatzten Borken» zugrunde lag, und bemerkt, «gewiß ist das Gummi ein vortrefflicher Wundverschluß um das Ausdörren zu verhindern». BEAM berichtet (s. weiter hinten) sogar von der Anbringung großer Wunden (vgl. Taf. VIII u. IX). BUSSE sagt (III. Bericht über die Reise in die ostafrik. Steppen 1900) über die Gummiausscheidung bei Acacia stenocarpa, «daß das Gummi in keinem Falle freiwillig, d. h. ohne äußere Eingriffe, der Rinde entfließt». Alle Erfahrungen deuten darauf, daß eine Verwundung, sei sie nun künstlich von Menschenhand angebracht oder spontan durch Tiere oder Astbruch oder Bersten entstanden, für das Zustandekommen des Gummiflusses auch bei den Acacien notwendig ist, die Gummose also eine Reaktion auf die Verwundung darstellt, wobei unentschieden bleiben mag, ob die Verwundung nur als Reiz wirkt, oder ob durch sie fremde Substanzen wie Bakterien oder Pilzsporen und ihre Produkte oder Gase (Sauerstoff) den inneren Geweben der Rinde zugeführt werden. Es würde also die Gummibildung in den Acacien mit der bei den Amygdalaceen und indirekt mit der Resinosis in Parallele gestellt werden können. Halten wir diese Analogie aufrecht, so wird klar, daß das Gummi nicht nur durch Metamorphose der loco vorhandenen Membranen entstehen wird, sondern daß diese einen Herd der Gummibildung erzeugen werden, in dem auch das weiter zugeführte gelöste Kohlenhydratmaterial, ohne den Umweg über eine typische Membran zu machen, eine Umbildung in Gummi erfährt, ähnlich wie dies auch FRANK und KARSTEN annehmen. Dies macht den Prozeß auch von anderen Faktoren als nur der Verwundung abhängig. Und in der Tat lehrt die Erfahrung, daß die Gummiacacien nur zu einer bestimmten Zeit Gummose zeigen, zur Zeit der Blattbildung z. B. nicht, und daß auch gewisse Standortsverhältnisse, z. B. trockener Boden, für das Zustandekommen der Gummose nötig sind. Dieselbe Art bildet in der einen Gegend Gummi, in einer andern keins (HILDEBRANDT, SCHWEINFURTH, BEAM), sie kann in einer Gebirgsgegend reichlich Gummi liefern, in größerer Höhe aber gar nichts geben. Auch die Temperatur spielt eine Rolle. An einem heißen Tage wurden in Cordofan (1908) von drei Bäumen 1,3, an einem kalten nur 0,63 rotls geerntet (BEAM, vgl. auch unter Gewinnung). In Cordofan tritt die Gummose nicht während der Regenzeit ein, sondern erst wenn die fürchterliche Trockenheit einsetzt.

JOS. MOELLER hält die Gummibildung der Acacien für einen normalen, in seiner physiologischen Rolle der Borkenbildung vergleichbaren Prozeß; ich habe die Gummose schon 1888, ebenso wie FRANK und MAIDEN, für einen pathologischen angesprochen, da es viele Bäume und andere Teile des gleichen Baumes gibt, die keine Gummosis zeigen und bisher nur an Wunden wirklicher Gummifluß beobachtet wurde. Auch PLANCHON-COLLIN nennen das Gummi «une production morbide». Nach SAVAITANA ist nicht nur bei den Amygdalaceen, sondern auch bei den Aurantieen die Ergiebigkeit des Gummiflusses proportional der Stärke der Verletzungen. Bisweilen wurde allerdings bei den Gummiacacien auch sog. freiwilliger Gummiaustritt beobachtet, sowohl im Sudan (CHEVALLIER) wie in Senegambien (GUILLEMIN und PERROTTET), ja dies Gummi trägt im Sudan sogar den besonderen Namen hashab wady. Aber auch hier werden Wunden entstehen, denn der Gummiaustritt erfolgt, wenn unter dem Einfluß der trockenen Westwinde nach einer Regenperiode sich die Rinde zusammenzieht, also spontane Risse entstehen.

Daß auch Parasiten den Wundreiz auszuüben bzw. zu unterstützen vermögen, wird allgemein zugegeben. Man hat aber auch die Gummosis direkt auf Parasiten zurückgeführt. So nahm MARTINS an, daß der phanerogamische Parasit Loranthus senegalensis MART. den Gummifluß der Acacien verursache (von LOUVET und CORRE widerlegt) und BEIJERINCK meinte, daß ein Pyrenomycet Pleospora gummipara OUDEMANS bei den Gummiacacien (Coryneum Beijerinckii bei Pfirsich, Aprikose, Pflaume und Kirsche) Gummifluß hervorrufe. Neuerdings hat GREIG SMITH zu zeigen versucht, daß Bakterien die Ursache der Gummosis sind. Die bakteriologischen Untersuchungen dieses Autors wurden an Acacia penninervis und binervata in Australien gemacht. Von den Zweigen isolierte er zwei Bakterien, Bacterium acaciae, die vorherrschende Art, produzierte auf künstlichen Nährböden einen Schleim der Arabino-Galaktanklasse (d. h. Arabin), der also qualitativ mit dem Gummi von A. binervata übereinstimmte, Bacterium metarabinicum dagegen, eine Varietät des anderen, einen Metarabin haltigen Schleim. Das Gummi von A. penninervis ist denn auch ein Metarabin haltiges. G. SMITH kommt daher zu der Hypothese, daß die Differenzen zwischen den einzelnen Gummiarten auf der Verschiedenheit der produzierenden Bakterien beruhen. Als Bildungsmaterial nimmt er Lävulose und Maltose an. Festgestellt ist, daß im Punjabgummi und dem australischen Wattlegummi andere Mikroorganismen vorkommen wie im Sudangummi (EDIE, PREBBLE, Pharmac. ind.). SMITH bleibt aber den Beweis dafür schuldig, daß die von ihm gezüchteten Bakterien am Baume die ihnen zugeschriebene Wirkung ausüben und beachtet nicht, daß sein Wattlegum nur +0,9°, sein Bakterienschleim aber +43° drehte, beide also Araban und Galaktan offenbar in ganz verschiedenen Verhältnissen enthalten. Zudem ist Schleim- oder Gummibildung bei Bakterien eine weit verbreitete Erscheinung. Doch wissen wir über die Natur der gebildeten Produkte wenig. Das von Streptococcus mesenterioides produzierte Gummi ist Dextran (SCHEIBLER), wie das eines Spaltpilzes einer Zuckerfabrik (ANDRLIK). Ein anderer Spaltpilz produzierte Lävulan (MAASSEN), ein dritter Galaktan. Auch BRZEZINSKI hat die Identität seines Gummis mit dem entsprechenden Bakterienschleim nicht nachgewiesen. RUHLAND bezweifelt den bakteriellen Ursprung der Gummis. Er erhält mit aus Kirschbäumen isoliertem Bacillus spongius auf Nährböden einen Arabinoseschleim. Der gleiche Bacillus erzeugt an Kirschbäumen eine von starkem Gummifluß begleitete Krankheit. Das austretende Gummi ist aber ein Araban-Galaktangemisch. EDIE wiederholte die Versuche von SMITH. Er sterilisierte außen die Zweige der Gummiacacie in Khartoum, zerschnitt sie, impfte Gelatine damit und übertrug die Kultur auf Kartoffelagar. Er erhielt ein Bakterium, das auf mit Gerbsäure versetzte Lävulose übertragen, nicht gut wuchs, aber auf Lävulose allein Schleim bildete. Allerdings noch nicht abschließende Impfungsversuche von EDIE ergaben aber, daß mit Bakterien «geimpfte» Bäume weniger Gummi lieferten als «ungeimpfte» (aber verwundete). (Das «Impfen» wurde in der Weise ausgeführt, daß der Schnitt, um die Mikroben besser hineinzubringen, vorher mit Wasser eingerieben wurde). GARROS brachte einen hefeartigen Pilz, der die Fähigkeit besitzt, den unlöslichen Teil des Kirschgummis in Lösung überzuführen, mit der Gummibildung in Beziehung. Daß sog. «Schleimflüsse» an Laubbäumen (Eiche, Ahorn, Pappel) infolge von Pilzinfektionen entstehen können, zeigte LUDWIG, daß jedoch z. B. die sog. «gommose bacillaire» von PRILLIEUX an der Rebe keine Bakterienerkrankung ist, RATHAY.

Der von einigen angenommene, zum mindesten bisweilen förderliche Einfluß der Bakterien auf die Gummibildung kann sehr verschiedene Gründe haben. Ich erinnnere daran, daß die Bakterien sehr oft Enzyme produzieren. Diese können direkt oder indirekt die Gummibildung beeinflussen oder Prozesse einleiten, die zur Gummibildung führen. Auch BEIJERINCK denkt daran, daß die von ihm beobachteten Pilze ein Ferment bilden, da Gummibildung auch entfernt von der Wunde eintrete. Dann erinnere ich daran, daß der Bacillus spongiosus von ADERHOLD und RUHLAND auf den Nährböden auch reichlich organische Säuren (Essigsäure, Ameisensäure, Milchsäure, Buttersäure) bildete und GRÜSS und SORAUER eine günstige Beeinflussung der Gummose durch Säuren (spez. Oxalsäure) beobachtet haben. Vielleicht wirken die Oxydasen besonders energisch in saurer Lösung.

Auch Tiere sind als Erreger des Gummiflusses betrachtet worden. ZIMMERMANN, der an Acacia decurrens arbeitete, brachte die Gummibildung mit Verletzungen durch Käfer in Beziehung. Nach BUSSE entstammt das G. der Ac. stenocarpa in Deutsch-Ostafrika ausschließlich Verwundungen, die durch Ameisen hervorgebracht wurden. Jeder Gummitropfen entspricht einem Bohrloch. Doch beteiligen sich bisweilen auch größere Tiere (bes. Insekten). Auch DAVID spricht bei den Gummiwäldern Cordofans von «massenhaft zuwandernden Ameisen», und davon, daß diese beständigen Begleiter der Gummiacacien an den Gummiklumpen naschen. Ebenso sah MURIEL bei A. Seyal Insekten. GENTZ fand bei der Acacia horrida (nicht bei A. Giraffae) in Südwestafrika Bohrgänge einer Raupe und eines Käfers. GUIBOURT glaubte, da er im Innern der Marrons de gomme (gomme lignirode) eine große eiförmige «Zelle» fand, dies G. sei durch ein Insekt erzeugt und die Morrons seien die Behälter der Larven, was aber unrichtig ist. Auch bei der Bildung des Sonoragummi (s. d.) scheinen Tiere beteiligt und eine Begünstigung der Gummibildung durch Verwundung durch ein Tier nimmt ja auch WIESNER bei der Bildung des Chagualgummis an (Rohstoffe, S. 124), dessen Stammpflanze aber auch normalerweise Gummigänge bildet.

Die meisten Autoren betrachten also die Gummosis als eine Krankheit. GRÜSS und SORAUER dagegen, welche den Wundreiz für eine häufig vorhandene, keineswegs aber für die einzige Veranlassung der Gummosis der Amydalaceen ansehen, halten den Gummifluß für eine physiologische Störung, die auf einem Übermaß der abbauenden gegenüber den aufbauenden Enzymen beruhe. Die im Plasma gebildeten abbauenden Enzyme rufen sowohl die Umwandlung des Reservematerials (Stärke, Hemizellulosen) als die Schmelzung der Membran hervor. «Ein solches Übermaß kann sowohl durch absolute Vermehrung der lösenden Enzyme zustande kommen, als auch durch Gleichgewichtsstörungen entstehen, indem die koagulierenden Enzyme nicht rechtzeitig in genügender Menge zur Wirksamkeit gelangen» oder lahmgelegt werden und die hydrolysierenden die Oberhand gewinnen. SORAUER, der Gummiherde auch im unverletzten Gewebe sah (waren nicht doch vielleicht Wunden in der Nähe?), verlegt die Gummosis in die Membran und sieht, gestützt auf Versuche, einen erhöhten Gehalt der Gewebe an Säure (bes. Oxalsäure) als begünstigenden Umstand an. Es gelang ihm künstlich, durch Oxalsäure Gummifluß zu erzeugen. Er sieht den Gummifluß als einen speziellen extremen Fall einer allgemein verbreiteten Neigung gesunder Gewebe an, bei bestimmten Wachstumsverhältnissen, die eine Hemmung der Wirksamkeit der koagulierenden Enzyme veranlassen, Wandquellungen- und Lösungen einzugehen. GRÜSS nimmt an, daß die Gummisubstanz aus dem Zerfall von Zellwänden herrührt, die Hemizellulosen enthalten und zwar speziell aus dem Galaktan derselben hervorgeht unter dem Einfluß von Enzymen (Cytasen, Diastasen). Bei mangelhafter Ableitung des verflüssigten Gummis kann eine Gummilücke entstehen, da schließlich die Grundsubstanz der sekundären und weiterhin die primäre Membran angegriffen wird. GRÜSS denkt sich die Gummibildung in der Weise verlaufend, daß die Gruppe COH in dem Zucker- oder Saccharo-Colloid-Molekül durch Sauerstoffüberträger in die COOH-Gruppe verwandelt wird und so Arabin- resp. Galaktinsäuren entstehen. Als Sauerstoffüberträger würden die Oxydasen fungieren. GRÜSS zeigte, daß die Cytase des Kirschgummi Hemizellulosemembranen zu verschleimen und zu lösen vermag. Bei der Gummibildung im Kirschholz, der normalen und der pathologisch gesteigerten, ist die Cytase beteiligt. «Jeder Gummibildungsprozeß setzt die Anwesenheit von Hemizellulosen im Holzkörper voraus.» Sitz der Cytocoagulase sind die MIKOSCHschen Gummiparenchymzellen.

Nach BEIJERINK und RANT beruht der Gummifluß bei den Amygdalaceen auf einer durch Wundreiz verursachten anormalen Entwicklung des embryonalen Holzgewebes, die schließlich zur «Verflüssigung» desselben führt und die verursacht wird durch einen cytolytischen Körper. Cytolytische Substanzen werden von nekrobiotischen Zellen, wie man sie in der Nähe von Wunden findet, deren Plasma tot, deren Enzyme aber erhalten sind, vielleicht in besonders großer Menge abgeschieden. Die Autoren sind der Ansicht, daß alle Ursachen, welche zur Nekrobiose führen, Gummifluß veranlassen und zwar um so heftiger, je umfangreicher die nekrobiotischen Prozesse sind. Quecksilberchlorid erzeugt auch dort noch Gummifluß, wo er sonst ausbleibt (Aber HgCl2 tötet doch alle Enzyme!) Coryneum u. and. Parasiten führen zur Gummibildung, weil sie ein Gift ausscheiden, Saprophyten (Dematium pullulans, Phyllosticta Persicae) verstärken die Gummibildung, weil sie einzelne Zellen abtöten. Die genannten Autoren betonen, daß der Gummifluß bei den Amygdalaceen wirklich bedeutungsvoll nur im sekundären Jungholze auftritt, wo auch normalerweise die Cytolyse am ausgiebigsten auftritt.

Demgegenüber hält RUHLAND die Gummose für eine allgemeine Eigenschaft embryonaler Zellen, die aber im normalen Leben nicht zur Auslösung kommt, sondern erst infolge eines äußeren Anstoßes. Er leugnet das regelmäßige Auftreten von nekrobiotischen Zellen und die Diffusion von zellstofflösenden Körpern aus nekrobiotischen Zellen in das embryonale Gewebe und führt durch zahlreiche Versuche den Nachweis, daß, sobald der Sauerstoff bei der Verwundung abgeschlossen wird, die Gummose unterbleibt. In den embryonalen Zellen wird, wenn Sauerstoff hinzutritt, statt Protopektin (S. 277) Gummi gebildet, das normale Wandbildungsmaterial in die sauerstoffreichere Gummisubstanz übergeführt. Danach würde also weder der Wundreiz allein, noch die durch die Wunde in die Pflanze gelangenden Parasiten und ihre Produkte Primärerreger der Gummosis sein, sondern der zutretende Sauerstoff chemische Prozesse in der Pflanze einleiten oder auslösen, die zur Gummibildung führen. Wie diese Prozesse verlaufen, ist noch unklar. Aber das vorstehend Mitgeteilte weist doch wieder auf Oxydasen und Peroxydasen, die wir bekanntlich ja noch in den Gummis selbst antreffen, hin.

Daß Gummi arabic. Enzyme enthält, ist lange bekannt. Doch sprach erst WIESNER 1885 von einem «Gummiferment» und schrieb ihm die Eigenschaft zu Zellulose in Gummi verwandeln zu können. Aber schon REINITZER zeigte 1890, daß das Gummiferment wenigstens außerhalb der Pflanze nicht hierzu imstande ist, sondern nur aus Stärke Zucker bildet, also ein diastatisches Enzym enthält. Als solches erkannte diesen Teil des Enzymgemisches auch BÉCHAMP (1893), der ihm den Namen Gummizymase gab, und GRAFE (1907). Daß aber neben dem diastatischen Ferment auch eine Oxydase im Gummi vorkommen muß, zeigt ja schon der Versuch mit Guajaktinktur, zeigen dann die Beobachtungen von BOURQUELOT über die oxydierenden Wirkungen verschiedener Gummiarten, sowie meine eigenen über die «Gummasen» und sprach endlich REINITZER aus, der den Nachweis führte, daß im Gummi arab. neben einer Amylase sowohl eine Oxydase wie eine Peroxydase vorkommt. Mir erscheint nun nach allem die Frage sehr diskutabel, ob wir in diesem Enzymgemisch, dem ich, da ich der DUCLAUXschen Nomenklaturregel nicht folgen konnte, den Namen Gummase gab, nicht wirklich die Gummibildner vor uns haben, die in der gummogenen Schicht der lebenden Pflanze unter dem Einfluß von durch die Wunde zugeführten Sauerstoff (die Oxydasen wirken als Sauerstoffüberträger) aus den z. Z. unbekannten Gummibildnern, die wir aber wohl unter den Sacchariden und Polysacchariden zu suchen haben, das Gummi erzeugen. Ein Beweis ist dafür aber noch nicht erbracht. Für die Bildung des Kirschgummis nimmt MIKOSCH die Beteiligung von Enzymen an. Daß Gummifluß durch Reize hervorgerufen werden kann, bei denen Mikroorganismen nicht beteiligt sind, unterliegt jetzt aber keinem Zweifel mehr (ADERHOLD, RUHLAND, BEIJERINCK, RANT).

Über die Gummibildung bei den Amygdalaceen bemerkt MIKOSCH: «Das Gummi entsteht in der lebenden Substanz der Gummiparenchymzellen, wird von dem Plasma als Lösung zwischen Hautschicht und primärer Membran ausgeschieden und hier unter dem Einflusse des Plasmas zum Teil in Wasser unlösliches, aber darin quellendes Gummi umgewandelt. Der Prozeß geht in der Zelle zentripetal vor sich. Die primären Membranen bleiben lange erhalten und werden erst später gelöst.» «Die kambialen Gummiräume werden bei fortschreitender Gummosis auch noch dadurch erweitert, daß die angrenzenden Markstrahlen in den Umwandlungsprozeß mit einbezogen werden.» «Die Gummibildung beginnt in der Membran stets in den Verdickungsschichten, zuletzt werden die primären Membranen gelöst.» Zur Membran brachten die Gummibildung zuerst KARSTEN, TRÉCUL, WIGAND, FRANK und PRILLIEUX in Beziehung. Auch die Bildung des G. a. ist an Membranen geknüpft. Sie beginnt vielleicht schon in den Membranen der Cambiumzellen (LUTZ) und wird deutlich in einer Vergummung der Membranen der Siebröhren und Cambiformzellen (Hornbastprosenchym, Keratenchym WIGANDS) der sekundären Rinde (WIGAND, J. MOELLER), einem Vorgange, den WIGAND «rückschreitende Metamorphose der Zellmembran» nannte. Immerhin müssen sich — das nahm schon TRÉCUL an — an der Gummibildung auch noch zugeführte Inhaltsstoffe beteiligen, denn wie von HÖHNEL an einem bestimmten Falle zeigte, hatte der an einem Zweige von A. Senegal ansitzende Gummiknollen einen Inhalt von 41 000 cbmm, während der Spalt, aus dem er hervorgequollen war, nur 84 cbmm maß. HÖHNEL schließt daraus, daß die Beteiligung der Membranen auf die ersten Anfangsstadien beschränkt sein müsse und 99,8% ohne ihre Beteiligung entstehe. (Ähnlich hatte sich bereits 1866 FRANK ausgesprochen.) Es verhielte sich dann mit der Bildung des Gummi arabicum ganz ähnlich wie mit der des Kirschgummi und der Gummis bei Combretaceen, z. B. Terminalia Bellerica und Catappa paniculata (V. HÖHNEL) und Bromeliaceen (BORESCH). Denn wie neuerdings MIKOSCH zeigte, beginnt in der Regel die Kirschgummibildung durch Bildung von Kappen an den einen schizogenen Raum umgebenden Zellen (solche Kappen sah ich auch bei schizolysigenen Harzbehältern). Diese Randzellen, sowie ihre Umgebung gehen alsdann zu grunde, es entsteht ein «schizolysigener (TSCHIRCH) oder auch rein lysigener Raum», und in diesem kann nun eine enorme Gummibildung dadurch Platz greifen, daß alles zugeführte Kohlehydrat-Baumaterial (durch die reichlich auftretenden Enzyme) direkt in Gummi übergeführt wird: die aus den Membranen hervorgegangene Masse wird «gummogen». Ähnlich muß es beim G. a. sein. Es scheint, daß beim G. a. zunächst die Membranen einiger obliterierter Siebröhren und Geleitzellen (oder die Zellen einer «Gummizellen»-Gruppe?) vergummen und daß von diesem Herde aus die Vergummung fortschreitet. «Die Einwände, welche HÖHNEL gegen die Entstehung des Gummis aus Zellmembranen erhebt (s. oben), können übrigens leicht beseitigt werden, wenn man überlegt, daß es sich bei der Gummosis um pathologische Hyperplasie handelt» (CZAPEK).

Die Ansicht von VOGL und G. KRAUS, daß das G. a. aus dem Siebröhreninhalte stamme, ist durch nichts bewiesen. (KRAUS sah bei Acac. melanoxylon aus den Siebröhren eine gummöse Flüssigkeit austreten.)

MANGIN setzt die Gummibildung zur Pektinbildung in Beziehung. Er betrachtet sie als eine pathologische Mehrproduktion pektinartiger Substanzen. Da das G. durch Erhitzen in Metarabinsäure übergeht und diese zum Bassorin und der Pektinsäure Beziehungen zeigt, so werden wohl auch Beziehungen des Gummis zum Protopektin (S. 278) bestehen. In der Tat scheint die Gummibildung bei den Gummiacacien in der Interzellularsubstanz (d. h. dem Protopektin) ihren Anfang zu nehmen (JOS. MOELLER) und die an den Interzellularraum angrenzende Membranpartie bei den Pruneen gehört ja ebenfalls zum Protopektin («Auskleidungen der Interzellularen», S. 280). Endlich sieht man oft noch in vergummenden Geweben die mit der sekundären bzw. tertiären Membran umgebenen Lumina der Zellen, durch Gummi voneinander getrennt (Fig. 141 u. 142).

Eine ganz besondere Bildung ist das Gummi im Kernholz und das Gummi im Schutzholz (GAUNERSDORFER, FRANK, TEMME, PRAËL). Bei der Bildung des Kernholzgummi (Kerngummi) und Wundgummi beteiligt sich die Membran nicht (BÖHM, PRILLIEUX, GAUNERSDORFER, FRANK), es wird vielmehr eine bestimmte zarte Plasmaschicht «bassorinogen» (TSCHIRCH u. WILL). Diese Gummiverschlüsse der leitenden Organe des Holzkörpers scheiden die damit versehenen Gewebe aus dem Saftverkehr aus. Sie sind in Wasser unlöslich und verhalten sich wie Bassorin (TSCHIRCH u. WILL).

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 143.

Stamm von

Acacia Senegal

mit Gummiausscheidungen, aus der Baumgrassteppe von Ugogo

[

Busse

phot.]

Holzgummi erhielt FR. KOCH (Pharm. Zeit. f. Rußl. 1886) vorwiegend aus dem Holze der Laubbäume. Die Coniferen sowie ligninfreie Gewebe ließen kein Holzgummi gewinnen. Es lieferte bei der Hydrolyse Xylose und enthielt 82 bis 86% Xylan, hat mit dem eigentlichen Gummi also nichts zu tun.

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Gewinnung des Nilgummi. Die Bedingungen der Einsammlung des Sudangummi beschrieben der Director of forests of the Sudan C. E. MURIEL (1901), sowie DAVID (1901) und neuerdings (1908) BEAM in Khartoum. Der Sudan exportiert hauptsächlich das sog. Hashab-Gummi, das Gummi von Acacia Senegal, die besonders in Cordofan, westlich vom weißen Nil (z. B. bei Djédid, Bara und el Obeïd) gefunden wird, weniger in Gezireh und Gedaref, sowie in Sennaar zwischen blauem und weißem Nil und bei Kassala (BEAM). (Vgl. die Karte auf S. 429.) In dem Bezirke Bara Tajara el Obeïd in Cordofan besteht etwa ⅓ des lichten Buschwaldes aus Gummiacacien. MURIEL unterschied zwei Sorten: Gummi aus «Gärten» (hashab geneina oder genaineh) und wildes Gummi (hashab wady oder ouadi) — ersteres von angeschnittenen Bäumen, die einen Besitzer haben, letzteres von unangeschnittenen Bäumen, die keinen Besitzer haben. Von einer eigentlichen Pflege, Anpflanzung oder geregelten Besitzverhältnissen ist aber meist nicht die Rede (DAVID), so daß also die Bezeichnung «Garten» und «Besitzer» nicht wörtlich zu nehmen ist: die Genainas sind lichte Haine. Immerhin kommen, seit die Engländer sich in Khartoum festgesetzt haben (1900), die Gegenden in geregeltere Verhältnisse. Schon jetzt gibt es kaum noch Wady-Gummi. Alles Gummi stammt von angeschnittenen Bäumen, selten von solchen, wo es aus natürlichen Wunden austritt. Jetzt ist Wady der Name für dunklere Gummitränen. Die Gummigewinnung ist abhängig vom Vorhandensein von Brunnen, da die Sammler in den sehr zerstreuten, lichten Gummigärten sich ihr Wasser, ihre Nahrung und endlich auch das Gummi tragen müssen. (Fig. 144) Da die Einsammlung in der heißesten Zeit stattfindet, so gehen die Sammler nur so weit wie nötig.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

[Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Bericht der Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 144.

Gummisammler in Cordofan, ausgerüstet mit Wasserschlauch und Beutel für Gummi und Mundvorrat, sowie mit Speer zum Schutze gegen wilde Tiere.

Tafel VIII.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Anschneiden des Baumes zur Gummigewinnung.

(Genehmigter Abdruck aus dem dritten Bericht der Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.)

⇒ GRÖSSERES BILD

Tafel IX.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Ausschwitzen des Gummis neben der angeschnittenen Stelle.

(Genehmigter Abdruck aus dem dritten Bericht der Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.)

⇒ GRÖSSERES BILD

Die Bäume werden nach dem Aufhören der Regenperiode, also vom Oktober an angeschnitten und das Anschneiden (tapping, barking) fortgesetzt bis zum Februar. Das Anschneiden erfolgt mit einer kleinen Axt. (Taf. VIII.) Es werden zunächst transversale Einschnitte gemacht, dann reißt man einen dünnen Streifen Rinde ab. Dieser Streifen sollte nicht länger als 2–3 engl. Fuß lang und 1–3 engl. Zoll breit sein (MURIEL vgl. Taf. IX), je nach der Dicke des Stammes. Größere Wunden schädigen den Baum, auch tritt weniger Gummi aus, ebenso bei kleineren Wunden oder Einschnitten. Es wird Sorge getragen, daß der Schnitt nicht bis in den Holzkörper geht. Wenn die Einschnitte an einem kühlen Tage gemacht werden und mehrere kühle Tage folgen, so tritt beinahe kein Gummi aus. Die Einschnitte müssen an heißen Tagen gemacht werden. Nach 60 Tagen kann, wenn das Wetter kühl ist, das erste Gummi gesammelt werden, bei warmem Wetter geht es schneller. Man läßt das Gummi zwei Wochen am Baum zum Erhärten. Vor dieser Zeit ist die Träne im Innern noch flüssig, läuft beim Sammeln aus und man erhält dann hohle Schalen, die leicht zerbrechen. Jeden vierten Tag kann das Gummi abgesammelt werden, bis die neuen Blätter erscheinen und der Regen einsetzt. Man sammelt (Fig. 144) in einer Saison meist 7–8 Mal (BEAM). Besonders sammeln Frauen das Gummi. Verwundet werden 3 Jahre alte und ältere Bäume. Schon Bäume von 8–10 Fuß Höhe und 6–8 Zoll Umfang können Gummi produzieren. Ältere Bäume, wie solche von 15 Jahren, liefern kein Gummi, das beste solche von 8–12 Jahren. Dann beginnt die Kernholzbildung und sobald diese eingetreten, wird kein Gummi mehr erzeugt. Belaubte Bäume liefern kein Gummi, ebenso durch Feuer beschädigte. Während der Ernte muß trockenes heißes Wetter sein. Starke Bodenfeuchtigkeit und Schatten beeinträchtigen die Gummiproduktion; so ist z. B. in Agari, wo der Khor Agari im Sande verläuft, keine Gummiproduktion zu finden, trotzdem überall Hashab geneinas sich finden.

Die Bildung des Gummis wird begünstigt durch einen leichten sandigen, eisenschüssigen Boden und gute Drainage. Während der trockenen Jahreszeit darf A. Senegal nicht befeuchtet werden (A. arabica dagegen verträgt Wasser gut). Die größte Gummiproduktion erfolgt, wenn auf eine gute Regenperiode eine ungewöhnlich heiße und trockene folgt. Bodenfeuer sistiert die Produktion in der Geneina für eine Saison. Man kann bei der jetzt üblichen Verwundungsart jeden Baum nur alle zwei Jahr verwunden. Ein großer Baum liefert ungefähr 1,9 rotl (2,166 rotl = 1 kg), ein mittlerer 1,33 und ein kleiner 0,75 (BEAM). Gummi von Bäumen, die angeschnitten wurden, ist heller als aus natürlichen Wunden austretendes. Das Gummi des ersten Gummiausflusses nach dem Anschnitt ist gewöhnlich weniger löslich, besonders bei älteren Bäumen, doch wird es beim längeren Liegen löslicher. Gegen das Ende der Sammelzeit wird das Gummi allmählich härter und glasiger, und die Lösung zeigt eine immer geringere Viskosität. Im allgemeinen fand BEAM, daß, entgegen der Meinung der Sammler, eine Lösung des Gummis älterer Bäume eine etwas größere Viskosität besitzt als das aus jüngeren. Das Gummisammeln wird sehr schlecht bezahlt. Es wird von den Bauern nur als Nebenbeschäftigung betrieben, und nur wenn sie Sesam und Dura geerntet haben. Sie kommen daher oft erst im Januar und Februar dazu die Bäume anzuschneiden. Die Gummiausscheidung ist dann im Mai beendigt.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

[Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Bericht der Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 145.

Verlesen des Gummis

in Omdurman.

Als der Khalif gefallen (1900), bereiste DAVID aus wissenschaftlichem Interesse und um Gummi aufzukaufen Cordofan von Dongola aus. Er besuchte Bara, Khursi, Tajara im Osten von el Obeïd, Khor Hable, Schekkan und Kattero im Süden und Nehoud im Westen, wo die Bewohner ihre freie Zeit mit Gummisammeln ausfüllen. Sein Bericht ergänzt das Obige. Das Anschneiden im Dezember und Januar geschieht meist in den oberen Regionen des Stammes, die mindestens 4–5jährig sind. «Die eingeborenen Jungen und Mädchen bringen durch Anritzen der Rinde mit Lanzenklingen und Messern das Gewebe zu stärkerem Ausscheiden», doch wird in den von DAVID (1900) besuchten Gegenden die Prozedur nur beiläufig vorgenommen. Die Bäume schwitzen vom Dezember bis Februar, also 2–5 Monate, nach der auf die Regenzeit folgenden Vegetationsaufflackerung bei Beginn der Trockenzeit Gummi aus. Niemals findet man an den Bäumen altes Gummi, nur diesjähriges. Je weiter ab der Baum vom Flusse liegt, um so besser ist das Gummi. Die Gummiausscheidungen sitzen meist an 10–20 cm dicken Ästen, spärlicher an dünnen Zweigen (DAVID). Das Gummi ist anfangs weich und schmeckt dann recht erfrischend. Es erhärtet am Baume und erhält dann die charakteristischen Risse. Das Gummi von A. Senegal bildet kleine runde oder wurmförmige Klümpchen von höchstens 3 cm Durchmesser. Als Instrument zum Ablösen des Gummis wurde in den von DAVID besuchten Gegenden das breite Blatt der Lanze benutzt. DAVID schlägt vor, Brunnen zu graben und Gummi als Abgabe für Benutzung derselben zu erheben, sowie Acacienhaine anzulegen. Die Geneinas müssen als lichte Haine gehalten werden (18–100 Bäume per acre). Nach BEAM lieferte eine 10 acre große Geneina bei Sher geila bei der ersten Sammlung 75–100 lbs, bei der zweiten und dritten 60, dann mehrmals 50 und am Ende der Saison 10 lbs. Die jährliche Produktion dieses Gartens betrug 12–15 Kantar (d. h. 1200–1500 lbs). Unzeitiger Regen, der aber in der heißen Zeit kaum vorkommt, schädigt die Ernte sehr. Ein niedriger Preisstand vertreibt die Lust zum Sammeln, alsdann geht die Produktion rasch zurück. Von März bis Mai kann Gummi gesammelt werden. In dieser Zeit, ja bis zum Juli, bringen die Sammler das Gummi in kleinen Portionen (5–7 lbs) den Händlern, die bei den Brunnen ihr Zelt aufgeschlagen haben. Die Chefs lassen ihre Sklaven und Weiber sammeln (DAVID). Dies rohe Sammelprodukt enthält stets das Gummi mehrerer Acacien, doch scheidet schon der Händler beim Ankauf die dunklen Knollen von Seyal- und Kitrsorten aus. [Kitr (A. stenocarpa) bildet bis 150 g schwere braune Knollen.] Einige Sammler bringen das Gummi nach Mandjura, el Duem oder Fakischowa am weißen Nil, andere nach Dabbe am Nil in Dongola. Dort erwarten sie die arabischen Händler (gellabas). Die Nubier transportieren das Gummi in Ziegenfellsäcken. Die Händler bringen es dann in oben verengte Bastkörbe (llahâwi), die c. 125 kg fassen und auf Kamelen transportiert werden. [Im Durchschnitt ladet man 3–4 Cantar (à 100 Rottoli) auf ein Kamel (PALLME).] In Khartoum werden sie dann bis zu 200 kg aufgefüllt. In den Nilstationen wird das Gummi von der anglo-ägyptischen Regierung mit der Regaltaxe von 20% ad valorem belegt. (Schlechte Sorten zahlen weniger.) Während früher das Rohgummi des Sudan zunächst auf dem Rücken der Kamele, dann auf dem Nil über Berber, Dongola, Mokrat und Wadi Halfa nach Kairo und Alexandrien oder von Berber über Land nach Suakim bzw. von Kassala nach Massaua an das Rote Meer gebracht wurde, strömt es jetzt fast ganz in Khartoum resp. dem gegenüber gelegenen Omdurman (am Zusammenfluß des weißen und blauen Nil) zusammen. (Fig. 146.) Auch die Ghezireh-, Gedaref- und Talhasorten werden jetzt dorthin gebracht und während früher das Gummi unsortiert nach Europa kam und sich z. B. in Triest die Gummiauslese zu einem besonderen Beschäftigungszweige entwickelt hatte, wird jetzt viel Gummi schon in Omdurman vorläufig ausgelesen (Fig. 146), sortiert und bisweilen auch, wenn nötig, in der Sonne gebleicht — in Omdurman befinden sich große Bleichanlagen. Immerhin ging noch 1908 die Hauptmenge des Gummi unsortiert nach dem Norden. In Hamburg hat sich seit Ende des XIX. Jahrh. die Triage entwickelt.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

[Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Bericht der Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 146.

Gummihändler in Omdurman.

Als beste Sorten gelten: Picket turkey gum und white sennaar gum. Die Haupthandelssorten werden im Sudan und Ägypten nach der Größe der Tränen unterschieden: bold, large, medium und granular, dann nach der Qualität: hard gum (in Triest: Khartumgummi), hart, glasig von hoher Viskosität, meist im bold und large Gummi prävalierend, bleached gum, d. h. in der Sonne gebleichtes Gummi, brüchig und heller infolge der zahlreichen Risse, von geringerer Viskosität. Glasige Sorten werden nicht gebleicht. Das Bleichen verändert die Farbe übrigens nur wenig; sorts ist unsortiertes Gummi. — Die Viskosität hängt nicht von der Grösse der Körner ab (BEAM).

Das weniger wichtige Talh gum wird von zwei Varietäten von Acacia Seyal in Kassala am blauen Nil, bei Karkoj mamuria im südlichen Teile des Wad-el-abbas-mamuria und im Roserires Distrikt gesammelt, nämlich von der Talha hamra (= roter talh) und von der Talha beïda (= weißer talh) oder soffar, A. Seyal var. fistula. Bei diesen handelt es sich um natürlich austretendes geringeres Gummi. MURIEL berichtet von Insekten die diese Bäume bewohnen.

Das Gummi von A. vera WILLD. (Acacia arabica), im Sudan santa (plur. sant oder sunt) genannt, ist weniger benutzt. Das Verwunden wird hier durch Herausschneiden von 2–3 Zoll großen Stücken aus der Rinde bewirkt und die Wunde geschlagen.

Es vergehen für gewöhnlich 6 Monate bis die ganze Ernte des Sudangummi nach den ägyptischen Ausfuhrhäfen und dort zur Verschiffung gelangt (GEHE).

Auch im Somalilande werden die Acacien angeschnitten (VAUGHAN, MILES) und unterhalb der Schnittwunde eine Bastbinde angelegt. Dies erfolgt Anfang März, die Ernte beginnt einen Monat später und dauert bis zum September (PAULITSCHKE). In Abyssinien wurde auch noch 1905 Gummi ganz vernachlässigt, obwohl dort die gleichen Arten wie im Somalilande vorkommen.

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[Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Bericht der Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 147.

Verladen des Nilgummis auf Leichter.

Lit. C. E. MURIEL, Rep. on the forests of the Sudan. 1901. — DAVID, Kordofang. Apoth. Zeit. 1901, Nr. 97. — BEAM, in III Rep. Wellcome Research Laborat. Khartoum 1908. — HARTMANN, Reise d. Freih. v. Barnim. Berlin 1863. — PALLME, Beschreib. von Cordofan (Jahresber. 1842, 339). — VAUGHAN, Jahresb. d. Pharm. 1852, 86. — MILES, Journ. R. geogr. Soc. 22 (1872) 64. — PAULITSCHKE, Ethnographie Nordostafrikas. 1893. — HAGGENMACHER, Reise im Somaliland. Peterm. geogr. Mitt. 1876.

Daß Cordofan- und Senegalgummi identisch sind und daher von derselben Acaciaart stammen müssen, bemerkte zuerst FLÜCKIGER (1869), nachdem CIENKOWSKY (1848) festgestellt hatte, daß A. Senegal, die GUILLEMIN und PERROTTET (1824 bis 1829) am Senegal gefunden, auch im Stromgebiete des Nil vorkommt und SCHWEINFURTH (1867) gezeigt hatte, daß das beste Cordofangummi in der Tat von A. Senegal stammt. Aber wie auch beim Sudangummi einige Sorten nicht von A. Senegal stammen, so stammt auch nicht alles Senegalgummi von dieser Pflanze. Nur das gomme du bas du fleuve wird hiervon abgeleitet, das Galamgummi dagegen von anderen Arten (A. vera, A. albida, A. Neboued).

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Fig. 148.

Die Distrikte des Senegalgummi.

[T

SCHIRCH

gez.]

Über die Gewinnung des Senegalgummi sind wir durch zahlreiche französische Forscher orientiert worden. Acacia Senegal bildet im Senegalgebiete lichte Bestände. Sie geht bis an die Grenze der großen Wüste, in die Oasen derselben und nach Bornu (ROHLFS). Die bedeutendsten Gummiwälder (Krabbas) finden sich in Sahel im Gebiete des maurischen Stammes der Trarsa, (Fig. 148) der sich von der Küstenlandschaft am rechten Ufer des Senegal aufwärts bis Dagana und tief ins Innere erstreckt. Dann liegen Krabbas bei Alfatak zwischen dem See von Chomak (Kayak) und der Stadt Podor am Senegal und im Lande des Braknastammes. «Diese nördlich vom Strome liegenden Gehölze liefern das vorzüglichste Gummi in reichlichsten Mengen, doch sind eigentlich auch die den Franzosen unterworfenen linksuferigen Gebiete Walo (Ualo) und Cayor (15° n. B.), welche vom Negervolke der Dhioloffen (Djoloi) bewohnt sind, nur ein ungeheuerer Gummiwald» (FLÜCKIGER). Ferner sind zu nennen die Wälder von Dimar, Toro (am linken Ufer des Senegal), Chamana (am rechten), Diubuldu, Djeuleuss, Ndombo, Sanente, Bokol, Ndiaïen, Lérabé, Diambur (LOUVET). Das Einsammeln betreiben im Unterlande (bas du fleuve) besonders die maurischen Nomadenstämme der Trarsa, Brakna und Duaisch am rechten Senegalufer bis Bakel (15° n. B.), dann die Negerstämme im Galam- oder Gadingalande und oberhalb Galam (Kadschaga, en haut du fleuve) am Falemefluß die Bewohner der Landschaften Bondu und Bambuk, sowie die der Fulah- und Guidimakhadistrikte. Die Gegenden am Gambia (Rivières du Sud), am Cazamonce, Rio Grande, Rio Pongo und Mélacorée, welche Flüsse alle in den Ferlobergen entspringen, liefern kein Acaciengummi (COTTON).

Die Franzosen, die den ganzen senegalensischen Gummihandel in Händen haben, unterscheiden die gommes du bas du fleuve, vom Unterlauf des Senegal (Dagana, Podor, Wüste von Bunun, Gebiet der Brakna) und die gommes du haut du fleuve oder Galam, vom Oberlauf (Galam, Bakel, Medine). Der Unterlauf des Senegal, das Unterland, reicht ungefähr bis Mafu, bis wohin der Strom auch bei niederem Wasserstande schiffbar ist. Das weiter aufwärts liegende Gebiet ist das Oberland. Für reichliche Gummiproduktion scheint ein vorhergehender regelmäßiger Regenfall von mindestens 40–50 cm im Juli, August und September und dann im Dezember und Januar (nach GUILLEMIN und DUVEYRIER im Oktober und November) folgende anhaltende, starke und heiße Ostwinde (mbohio, harmattan) aus der Wüste unerläßlich («Wenn der Scirocco fehlt, kommt es auch nicht zu einer Gummibildung», COTTON). Die letzteren trocknen die Rinde aus und bringen sie zum bersten (LOUVET, PERGOLOTTE). Je stärker und anhaltender der Wind, um so stärker ist auch der Gummifluß (GUILLEMIN). Einschnitte scheinen nirgends gemacht zu werden. Das Gummi tritt aus den natürlichen Wunden aus. Nach dem im Sudan gemachten Erfahrungen (s. S. 417) würde das Senegalgummi wesentlich verbessert werden, wenn man die Eingeborenen veranlassen könnte, Einschnitte zu machen, denn das natürlich austretende Hashab wady ist ja auch in Cordofan minderwertig (s. oben).

Die Pflanze blüht im Unterland im Januar bis März, im Oberland im November bis Februar. Das Gummi tritt vornehmlich zur Blütezeit des Baumes oder unmittelbar nachher aus. Der Gummifluß erreicht seinen Höhepunkt zwischen Mitte März und Mitte April kurz vor Eintritt der Belaubung. Die Einsammlung (Traite) erfolgt vom Dezember oder Januar an. Die Bäume liefern Gummi vom 6. bis 7. Jahre. Wenn sie 3–4 Jahre Gummi lieferten, tritt eine Ruhepause ein. Im Januar und Februar treten bisweilen Seewinde, die reichliche Taubildung oder gar Regen bedingen, ein. Sie erzeugen eine zweite Saftfülle und (im März) unter Umständen eine zweite geringere Sekretion, können aber auch die ganze Ernte schädigen oder vernichten. Auch COTTON berichtet (1893) von einer zweimaligen Einsammlung: die beste Sorte im April bis Juni (grande traite), eine geringwertige im Dezember bis Februar (petite traite). Die leicht erreichbaren Gummitropfen werden mit der Hand, die schwer zu erreichenden an den oberen Teilen des Stammes mit an Stangen befestigten scheren- oder löffelartigen Werkzeugen abgebrochen (GUILLEMIN). Die Einsammlung soll besonders durch Sklaven oder durch Kriegsgefangene der nomadisierenden Stämme am rechten Ufer des Senegal erfolgen. Die Sammler ernähren sich, sobald ihnen die mitgenommenen Nahrungsmittel ausgehen, von dem Gummi. Der Ertrag wird oft durch Epidemien unter den Eingeborenen und durch Feuer vermindert. Das gesammelte, meist in ganze Ochsenhäute (zu 70–120 kg) verpackte Gummi wird auf Kamelen, Ochsen und Eseln nach den Stationen gebracht. Die Kamele tragen c. 300 kg, die Ochsen 120–150 kg, die Esel c. 80 kg. Das Gummi wird von den Franzosen an bestimmten, nach gegenseitigem Einverständnis gewählten Uferstellen (Escales) gegen Tauschartikel wie Getreide, Zucker, Reis, Quincaillerie, Waffen, Schmuck, Pulver, Gewebe und besonders einen blauen Baumwollstoff, genannt «la guinée», eingetauscht. Diese Escales oder Handelsstationen am Senegal, bei denen die Kamelkarawanen oft erst nach 50–60 tägigem Marsch eintreffen und auf denen man oft hunderte von Kamelen sieht, sind (Fig. 148) für Gomme du bas du fleuve: Dagana (167 km von der Küste), Podor (267 km), Salde (461 km) und Matam (601 km). Zwischen Matam und Bakel wird ein Gemisch von gutem Gummi mit Galam an den Fluß gebracht und bei Bakel (850 km) beginnt die Region des Galam. Sie reicht bis Medine (1150 km), wo der Fluß einen großen Wasserfall bildet, der der Schiffahrt eine Grenze setzt (COTTON 1893). Das Gummi geht dann auf dem Senegal nach der Hafenstadt St. Louis an der Mündung des Senegal, wo jetzt eine vorläufige Sortierung durch die Société des Importateurs-Trieurs erfolgt (weniger nach Rufisque und Freetown), und von dort (in Jutesäcken à 80–90 kg) nach Bordeaux. Dort erfolgt die eigentliche Triage, die Sortierung. Es wird das viele Rindenreste enthaltende Trümmergummi (baquaques ou marrons rôtis), sowie etwa beigemengtes Harz (z. B. Bdellium) entfernt und der Rest durch die Trieurs in die üblichen Handelsorten (s. unten S. 431) sortiert. Der Aufschwung des Senegalgummihandels datiert von der Einführung der Triage in Bordeaux. 1905 war die Produktion des Senegalgummi bedeutend zurückgegangen, da sie sich durch den niedrigen Preisstand des Sudangummi als nicht mehr lohnend erwieß. Auch hinderte die Besetzung der nördlichen Landstriche am rechten Ufer des Senegal, Podor und Kaëdi, durch französische Truppen die Eingeborenen von den Stämmen der Trarsa und Brakna an der Einsammlung und in manchen Gegenden wurde sie ganz aufgegeben. Das über Timbuctu ausgeführte deckte nicht einmal die Transportkosten (GEHE).

Lit. GUILLEMIN, PERROTTET et RICHARD, Flor. Seneg. tent. I, 246. — DUVEYRIER, Les Touareg du Nord I (Paris 1864) 164. — SOUBEIRAN, Des gommes du Sénégal. Journ. pharm. 1856, 53. — LOUVET, Voy. d. 1. forêts de gommiers. Journ. pharm. 24 (1876), 405. — CORRE, Journ. pharm. 24 (1876), 318. — FLÜCKIGER, Gummi u. Bdellium. Schweiz. Wochenschr. 1869. — BERENGER-FERAUD, Les peuplades de la Senegambie. 1879 (Einsammlung). — COTTON, La traite des gommes au Senegal. Journ. ph. 1893, 598. — (D. Gummihandel am Senegal). Bull. Soc. ph. Sud-Ouest (Pharm. Post 1896). — GEHE, Handelsberichte.

Handelssorten. Im Folgenden werden die Sorten in zwei getrennten Gruppen behandelt: Acaciengummi und Gummi von anderen Pflanzen. Das Rohgummi ist ein Gemisch sehr verschiedener Qualitäten, stammt auch bisweilen von verschiedenen Stammpflanzen. Schon EHRENBERG bemerkt, daß ein und derselbe Baum oft durchscheinendes, mattes, helles und gefärbtes Gummi liefert. Wie beim Traganth (s. d.) werden die verschiedenen Handelssorten durch Auslesen (triage, picking, scelta) des Rohgummi hergestellt. Diese Auslese geschah bei Sudangummi früher fast ausschließlich in Triest, jetzt zum Teil schon in Khartoum (Fig. 145), beim Senegalgummi besonders in Bordeaux (s. oben), bei den anderen Gummis in London, Hamburg u. and. Häfen. Prof. MORPURGO-Triest schreibt mir (1911): «Die alten, patriarchalischen Geschäftsverbindungen der Triestiner mit den ägyptischen Händlern haben aufgehört, so daß jetzt die Vermittlung des Triester Marktes im Gummihandel nur noch wenig Bedeutung hat. Das Geschäft entwickelt sich entweder direkt zwischen den ägyptischen Häusern und den Konsumenten, oder die Ware wird von deutschen, französischen und speziell englischen Spekulanten eingekauft, und infolgedessen konzentriert sich das Geschäft mit ägyptischen Gummi immer mehr in Hamburg, Bordeaux und London. Auch nach New York wird direkt viel Gummi arabicum exportiert. Was die Gummiauslese betrifft, so hat noch immer Triest dafür ein Renommee, es gibt nämlich noch eine Menge von Arbeiterinnen (Sessolote genannt), welche in der «Scelta della gomma» eine außerordentliche Praxis besitzen.»

Für pharmazeutische Zwecke eignen sich nur die besten Sorten Cordofan- und Senegalgummi.

I. Acaciengummi.

Acaciengummi kommt aus Afrika, Indien, Australien und Amerika. Doch liefern die einzelnen Arten ein sehr verschiedenwertiges Produkt. Unter den afrikanischen Sorten befinden sich die besten Gummis und das vorwiegend für pharmazeutische Zwecke brauchbare von Acacia Senegal.

A. Afrikanisches Gummi.

a) Nilgummi aus dem Stromgebiete des oberen Nil südlich vom 20° n. B.

1. Westliches Gummi, Cordofan- oder Sudangummi, das Hashab geneina G. (S. 417). Die beste Sorte: Picked Turkey oder Picked Cordofan, diese nur von Ac. Senegal [der Name turkey oder türkisches Gummi ist vielleicht aus torg-Gummi (gomme turique), einem alten Namen für Sudangummi korrumpiert, Torg soll ein Hafen bei Suez gewesen sein, ein Tor liegt auf der Sinaihalbinsel]. Cordofan liegt westlich vom weißen Nil zwischen dem 10. und 15.° n. B. (s. die Karte S. 429). Gewinnung oben (S. 417) beschrieben. Bestes Gummi des Handels, zum pharmazeutischen Gebrauch geeignet (Gummi arabicum officinale), klar löslich, linksdrehend (S. 427), Lösung farb-, geruch- und geschmacklos. Weiches helles Gummi, wird am höchsten geschätzt, hartes, besonders gefärbtes weniger. Die besten Sorten sind fast farblos. Die rundlichen oder wurmförmigen Stücke haben selten mehr wie 2,5 cm Durchmesser, sie sind innen mehr oder weniger glasig, außen stark rissig und trübe. Das Cordofangummi kam früher nach verschiedenen Stationen am Nil (vgl. S. 420), jetzt fast ganz nach Khartoum bzw. Omdurman am Zusammenfluß des weißen und blauen Nil und geht entweder auf dem Nil oder zum Teil auf Karawanenstraßen unter Umgehung der Nilkatarakte nach nördlicheren Nilstationen, wenig erst auf der Eisenbahn Khartoum–Kairo nach Alexandrien. Cordofangummi findet sich in Schilfmatten von pyramidenförmiger Gestalt, die außerdem mit Sackleinen umnäht sind und im Handel deshalb die Bezeichnung Ballen führen (WEIGEL 1905). Man unterscheidet beim Sortieren (nicht in Cordofan) hartes (hard) und weiches (soft) Gummi. Das harte wird in der Färberei und Seidenfabrikation, das weiche in der Confiserie und Pharmazie benutzt.

Die Commercial grades des Kordofan Gummi Hashab sind (nach BEAM in Khartoum): Grossgum as it is gathered (Natural Turkey sorts), — Sifted and cleaned sorts — sifted and cleaned sorts. Medium — partly cleaned and sifted sorts — bleached gum Selected Bold, — bleached gum. Selected Medium — Half bleached gum, — Selected sorts. Bold, — Selected sorts, Large, — Hard selected sorts, — Granular sorts cleaned, — Pickings, partly cleaned, — Pickings, uncleaned, — Siftings. Die ersten 8 geben helle Lösungen, die 3 folgenden gelbliche, die 3 letzten dunkle.

In Triest wird sortiert in: Chartum und Cordofan, das erstere hell, hart wie Senegal und eine viskose Lösung gebend, das zweite, das höher bezahlt wird, (bianca scelta, bionda scelta, rossa scelta) ist weicher, zeigt Risse und verliert in der Sonne die Transparenz, eine blasse Lösung gebend von geringerer Viskosität. Weitere Sorten sind: granis crivellato, bianca friabile naturale, mezzo friabile nat., dura nat. und granello naturale. Der österreichische Drogenhandel unterscheidet daher: Natur. Cordofan weich; Natur. Khartoum hart; Natur. Granis grob; elect. albiss.; alb.; flav.; granello. Der deutsche Großhandel unterscheidet (1910) (nach dem Preise geordnet): Cordofan electum: mittelstückig, albissimum — blondweiß, weich, groß- und mittelstückig — weiß, mittel- und kleinstückig — blond, großstückig — granello, weiß-fein-grob — granis, hochfein-fein-grob — naturell. — Kolli à 100 kg. Die beste Sorte (albissimum) ist etwa viermal teuerer als granis und naturell.

FROMM fand bei Cordofangummi:

Lösung, spezifisches Gewicht 1,035 Schäumt ccm Schleim aus 50 g Viskosität bei 20° Säuregrad, ccm Zehntel- Normal Natronlauge Drehungsver- mögen αD Alkalische Kupferlösung wird Dehnung % Klebfähigkeit

hell u. klar wenig 15 2,21 2,5 −2°28′ etwas reduziert 2,29 14,1

hell mäßig 20 2,0 2,4 −2°23′ kaum reduziert 2,20 14,6

„ „ 15 2,17 4,45 −2°29′ etwas „ 2,10 15,2

„ wenig 52 2,23 2,35 −2°47′ kaum „ 2,13 15,3

sehr hell mäßig 11 1,59 2,3 −2°36′ deutlich „ 2,10 11,3

LEMELAND fand in Cordofang. 15% Wasser, 2,5% Asche, 35,7% Galaktane, 41,1% Pentosane. Es lieferte Arabinose. Die Analysen von BEAM s. unten (S. 444), die von MARTINA S. 437. Weitere in Bullet. Imper. Instit. London. 1908.

Das Sudangummi scheint im Altertum und Mittelalter unbekannt gewesen zu sein. Es ging früher meist auf der Karawanenstraße von Berber (am oberen Nil) nach Suakim am Roten Meer und nach Kairo (Berber und Suakim sind jetzt durch eine Eisenbahn verbunden). Auch damals schon war Khartoum ein wichtiger Gummiplatz. Dort strömten z. B. 1876 10000 cwts Gummi zusammen. Der blühende Sudangummihandel wurde aber zunächst gelähmt — die Zufuhren von Triest z. B. sanken von 20637 Kolli (1880) auf 10383 Kolli (1883) —, dann fast ganz zerstört, als 1882 die sudanischen Wirren begannen und der Sudan 16 Jahre in Aufruhr sich befand, der jeden regulären Verkehr, namentlich auf der Route Khartoum–Kairo, unmöglich machte. NEUFELD, der 1887 nach Cordofan reiste, um Gummi zu erwerben, büßte sein Unternehmen mit zwölfjähriger Gefangenschaft. Bis zum September 1898 befand sich Khartoum, bis November 1899 ganz Cordofan in den Händen der Mahdi (Kalif ABDULLAHI). Der Kalif hatte den Export von Gummi bei hohen Strafen verboten, da er es zur Verproviantierung seiner Truppen brauchte, auch der Abgang von Kamelen von Berber und Suakim nach Cordofan war untersagt. Gummi gelangte daher nur auf Schleichwegen aus dem Sudan nach Europa. 1888/89 war kein Cordofangummi im Handel. 1888–1890 erschien zunächst Ghezireh als Ersatz und nun machten die anderen Gummi produzierenden Länder (Indien, Australien, Kap, deutsche Kolonien) Anstrengungen, ihr Gummi einzuführen, was besonders dem Senegalgummi überraschend schnell gelang, so daß es bald den Platz des Cordofangummi einnahm. 1890 wurde der Sudanhandel zwar wieder freigegeben, aber es erschien auch 1891 noch kein Gummi und 1892 nur schlechtes sog. Chartumi. Die Verhältnisse blieben bis 1899 schwierig. Der 1896 einsetzende Feldzug der Engländer, der GORDON das Leben kostete, endete mit dem Falle des Mahdi (1899) und nun kamen allmählich die großen aufgespeicherten, zum Teil vergrabenen Gummivorräte in den Handel. Während Alexandrien, das nun Gummiexporthafen wurde, 1898 nur 257149 lbs Gummi (jeder Provenienz) ausführte, betrug der Export von Cordofangummi 1899 schon: 4160100, 1900: 6042050, 1901: 16937550, 1902: 21791000, 1903: 18939747, 1908: 17 Mill. lbs und erreichte 1909 die enorme Höhe von 26 Mill. lbs, trotzdem seit 1. September 1904 laut Verfügung des Generalgouverneurs des Sudan der Ausfuhrzoll 20% des Wertes beträgt. Aber die Handelsverhältnisse haben sich verschoben. Von der Ausfuhr von Cordofangummi 1902 gingen nunmehr nach Hamburg c. 1 Mill. kg, nach Frankreich c. 3 Mill. kg, nach England c. 1½ Mill. kg, nach New York 1¼ Mill. kg, nach Triest aber nur 787050 kg. Deutschland, das sich in der kritischen Zeit mit Senegalgummi beholfen, importierte 1902 Cordofangummi c. 2 Mill. kg, ostindisches Gummi c. 1⅓ Mill. und anderes Gummi c. 1¼ Mill. kg. Seit 1906 verdrängt nun wieder das Cordofangummi, das heute ein beliebtes Spekulationsobjekt geworden ist, das Senegalgummi. Ein Teil des arabischen Gummi geht auch nach Bombay und kommt von dort mit den indischen Gummis nach Europa (s. unten).

2. Östliches Gummi. Unter diesem Namen werden von mir hier G. verschiedener Gegenden östlich vom weißen Nil zusammengefaßt.

Sennaargummi. Die Landschaft Sennaar (Sennâr) liegt in dem Dreieck zwischen dem weißen Nil (Bahr el Abjad) und blauen Nil (Bahr el asrak), südlich vom Zusammenfluß beider (s. die Karte S. 429). Die Sennaarg. gelangen jetzt gleichfalls nach Khartoum, früher vielfach über Land via Berber und Kassala nach Suakim und Massaua, besonders von Ghezireh und Gedaref (östlich von Khartoum, südwestlich von Kassala, 14° n. B.) und von Distrikten zwischen Sennaar und dem roten Meer. Obwohl sie im Aussehn dem Cordofanischen G. gleichen, müssen sie von anderen Arten stammen, denn sie drehen meist rechts. Die linksdrehenden stammen wohl von A. Senegal. Gute Sorten heißen meist Gedaref (auch hashab geneina gedaref).

Jedenfalls ein Teil des gelblichen Gedarefgummi kommt von A. fistula, einem Baume, der z. B. im Lande Schilluk (10° n. Br.) ganz außerordentlich verbreitet ist und dort so kolossale Gummimengen produziert, daß ein Einzelner leicht 1 cwt täglich sammeln könnte. A. fistula und A. stenocarpa finden sich am linken Ufer des Atbara bei Gedaref und weiter südlich im Distrikt Kalabat und im oberen Stromgebiete des blauen Nil (SCHWEINFURTH 1874). In Faschoda wird das G. von A. verugera SCHWF. gesammelt. Gedaref gum Hashab (1908) sifted and cleaned sorts enthielt 8,52% Wasser und 1,12 Unlösliches. Die Acidität war = 2,95. Die Viskosität betrug 34° Retardation entsprechend einer 60% Rohrzuckerlösung. Die Lösung war braun (BEAM).

Auch das hierher gehörige Ghezirehgummi, das auch heute noch (1911) im Handel ist und gute Preise erzielt — es bildet relativ kleine, fast glashelle, hell-gelblich-weiße Körner — muß von einer anderen Acacia als A. Senegal abstammen. Sein ganz anderes Drehungsvermögen deutet darauf (FROMM fand es zu + 3°). In den Distrikten südlich von Djesirat fand DAVID A. Seyal, A. spirocarpa und stenocarpa. In Khartoum gilt «gezira» jetzt als Sekundasorte, da sein Schleim weniger konsistent ist als der des Cordofang. Gezirah (Ghezireh, Gezira, Jerise, Djesire, Djesirat, Dschesire) liegt gegenüber der Mündung des Atbara, 17–18° n. Br., also ziemlich weit nördlich. Etwas Ghezirehg. des Handels stammt aber auch von der Hochsteppe der Bischari zwischen Nil und rotem Meer. LEMELAND fand in vollständig löslichem Gezirehg., das αD +45° drehte, 9% Wasser, 4,1% Asche, 27,8% Galaktane, 47,6% Pentosane. Das G. lieferte Arabinose. Als während des Mahdiaufstandes die Ausfuhr von Cordofang. ganz sistiert war, gelangte Ghezirehg. auf dem Landwege zum roten Meer und bildete z. B. 1888/89 die Ersatzsorte für das Cordofang. Jetzt steht es im Preise den schlechteren Cordofansorten gleich. Das samagh savakumi ist eine schlechte Sorte des Ghesirehg. Das minderwertige G. aus der Landschaft zwischen Sennaar und dem roten Meer wird von A. fistula und stenocarpa abgeleitet (HEUGLIN). In Triest wurde 1911 von Gheziri unterschieden: in sorte, granello und granis.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 149.

Die Distrikte des Nilgummi.

[T

SCHIRCH

gez.]

Talhgummi (Talha, Talch, Talka) von A. Seyal (oder A. stenocarpa und fistula abgeleitet, vgl. S. 407), geht zum Teil nach Suakim, bildet kleine, zerbrechliche, verschieden von weiß bis rotbraun gefärbte Stücke oder ein Pulver und hat eine hohe Säurezahl, ja ist manchmal sogar relativ stark sauer. Die Lösung ist gefärbt und wird an Luft und Licht dunkler. Angeschnittene Bäume liefern ein besseres Gummi, dessen Lösung nicht nachdunkelt, wie Versuche in Khartoum zeigten. Talhg. gilt in Khartoum, wohin es jetzt ebenfalls gebracht wird, als Tertiasorte. Bei Talhg. von Kassala schwankte die Acidität zwischen 2,75 und 6,29, die Asche zwischen 2,42 und 4,42%, die Viskosität (im Torsionsviskosimeter) zwischen 29,2° und 43° Retardation entsprechend einer 61,3–63,8% Rohrzuckerlösung. Talh-Gum sorts enthielt 7,77% Wasser, 2,87% Unlösliches. Acidität = 4,50, Viskosität: 34° Retardation entsprechend einer 62,2% Rohrzuckerlösung (BEAM).

Das wenig benutzte Santa- oder Sunt-Gummi wird von A. arabica in Sennaar gesammelt. Es ist von guter Beschaffenheit und löst sich zu einem hellen geschmacklosen Schleim (BEAM). Ein Gummi von Acacia arabica von Sennaar enthielt 11,65% Wasser, 2,02% Asche, die Acidität betrug 2,09. Ferner fanden sich 1908 in Khartoum: Das Kuk-Gummi von Acacia verugea SCHWFTH., dunkler, löst sich nicht ganz. Es bleibt eine Gelatine zurück. Und das Gummi von Acacia Suma KURZ (A. campylacantha HOCHST.), das Kakamut oder Sinein der Eingeborenen, ist dunkler, aber vollständig löslich. Die Lösung schmeckt widerlich, etwas nach Terpentin. Kadab heißt in Khartoum ein schmutziges wertloses G. (MURIEL).

Auch das als Mittelsorte geltende, aber oft recht schlechte Suakimgummi (Savakim, Savakumi, Sauakim, Hafen am Roten Meer) zum Teil von der Hochebene von Taka und angeblich von A. stenocarpa und fistula, gesammelt, ist hierher zu ziehen. Es ist sehr brüchig, im Handel fast pulverig, hell oder gefärbt, oft rötlich, bisweilen rissig. Das Muster meiner Sammlung ist sehr unrein. Von allen Acacieng. fand WIESNER das von A. fistula am schlechtesten. Es bildet meist ziemlich stark gefärbte Körner und dreht rechts. In Ägypten heißt das schlechteste G. Samagh Savakumi (= G. von Suakim, FLÜCKIGER). Es ist nicht regelmäßig als Sorte im Handel und wird vielfach mit dem Talkag. (s. oben) zusammengeworfen.

Somaligummi. Im Somalilande wird ziemlich viel und gutes G. gesammelt, z. B. in der Gegend von Mieh im Innern (REVOIL), im Jahre 2–3000 t (PAULITSCHKE), besonders von A. abyssinica und glaucophylla. Es geht wohl hauptsächlich nach Berbera, das 1904 viel G. exportierte und Bender Felek, und von dort nach Aden oder Dschidda (Gedda) und hierher gehört also wohl ein Teil des Adengummi und des Geddag. (s. unten). Das Rohg. wird von den Somalis sortiert (safi = Auslese). Gute Sorten sind wordi (= feinkörnig) und adad (= grobkörnig), dunklere heißen djerjun, schlechte lerler (HAGGENMACHER). Ich habe in meiner Sammlung zwei Muster Somalig., das eine, Karamg. (Karam ist ein Hafen in der Nähe von Berbera), bildet große hellgelbe Knollen, die nicht ganz löslich sind, das andere, Jairieg., ist ein buntes Gemisch farbloser, gelber und dunkelbrauner, rundlicher Stücke. Das Somaligummi ist wohl das G., das die Ägypter vor 4000 Jahren aus dem Lande Punt holten. Das G. des in Ägypten heimischen Sontbaumes (s. oben S. 407) scheinen sie weniger benutzt zu haben.

Auch das erythräische Gummi, das unter diesem Namen kaum noch nach Europa kommt, von der erythräischen Kolonie stammt und südlich von Arkiko (bei Massaua) längs der Samharaküste gesammelt wird (die ganze Samharaküste ist voller Gummibäume, MUNZIGER), geht oft nach Dschidda und kommt dann als Geddag. (s. d.) zu uns. Es stammt von A. Senegal und A. Seyal (SCHWEINFURTH). In Triest wurde 1911 eine Sorte als Massauagummi unterschieden.

Adengummi. Nach Aden gelangt außer Somalig. auch Zeylag. Unter dem Namen Adeng. geht wohl vorwiegend ersteres. Ein Teil stammt aus Arabien. Das Adeng. meiner Sammlung besteht aus ungewöhnlich großen, bis 5,5 cm breiten, innen glasigen, außen grobrissigen Stücken, die oft im Innern eine Höhlung haben. Adeng. lieferte 3,7% Asche und enthielt nur 3,92% Unlösliches. Aden exportierte 1905/06: c. 10000 cwts G., das meiste nach Indien.

Das nach dem Hafen von Mekka Djidda (Djedda) oder Gedda (Jidda, Jedda) genannte Geddagummi, das bisweilen auch nach der Landschaft Hedschas (Hidschaz), in der Mekka und Djidda liegt, Hedschas-Gummi (samagh hidschazi oder hejazi) benannt wird, findet sich noch jetzt bisweilen im Handel. Es war wohl das Gummi des Mittelalters. Es ist sehr verschiedenen Ursprungs. Nach MUNZINGER stammt die Hauptmenge von der Samharaküste zwischen Bab el Mandeb und Massaua, und gelangt über Massaua (und Suakim) nach Djidda. Djidda ist also nur Durchgangshafen. Dann kommt auch aus Berbera (Somali) G. nach Djidda, so daß sich für Geddag. auch der Name berberisches findet. Neben dem Namen Geddag. finden sich auch andere Namen für arabisches G., wie Mekkag., El wisch-Gummi u. and. In Triest wurde 1911 Gedda eletta, bianca, rosa und rossa unterschieden. Alle sind großstückig. Im Geddag. fand O’SULLIVAN eine andere Gummisäure, wie im Cordofang., die Geddinsäure (s. unten S. 445). Es stammt also jedenfalls nicht von A. Senegal.

Die Herkunft des neuerdings aus dem Innern von Arabien, wo verschiedene Acacien wachsen, nach Makalla, Aden, Djidda oder über Land nach Damaskus gebrachten Gummis ist unbekannt, Südarabien sammelt wenig (HANBURY). Doch traf GLASER 1887 im Innern von Yemen vorzügliches G. Die in Triest 1911 gehandelten, früher über Gedda, jetzt über Aden exportierten Sorten Litty, Sarki (Schiarky), Fachmi und Mecca Fachmi stammen aus Arabien (MORPURGO). Auch im Altertum scheint Arabien Gummi erzeugt zu haben (DIODORUS SICULUS, zur Zeit des Kaisers AUGUSTUS), oder doch wenigstens Gummi über arabische Häfen ins Mittelmeergebiet gekommen zu sein. Der uralte Name Gummi arabicum deutet aber keineswegs mit Sicherheit darauf, daß Arabien das Produktionsland war.

b) Senegalgummi. Das Senegalgummi des Unterlandes (bas du fleuve), d. h. das nach dem Unterlauf des Senegal gebrachte Gummi, stammt von A. Senegal, das des Oberlandes auch von anderen Arten (A. Noboued, A. vera, A. albida, A. Adansonii, A. Seyal u. and.). Die Gewinnung des Senegalgummi ist oben (S. 423), die chemischen Eigenschaften S. 437 geschildert. Hauptausfuhrhafen ist St. Louis an der Senegalmündung. Das meiste Gummi geht nach Bordeaux, wo die zweite Sortierung (triage) durch die trieurs erfolgt (s. oben). Der Gummihandel am Senegal ist Monopol französischer Firmen. Auch die Royal-Niger-Compagnie exportiert Gummi. (1906: 6080 cwts) Die Verpackung geschieht in Säcken aus Ochsenhaut à 70–120 kg. Das Senegalgummi nimmt nach dem von Jahr zu Jahr steigenden Export an Erdnüssen (Arachis hypogaea) unter den Produkten Senegambiens meist den ersten Rang ein. Es geht frei nach Frankreich. Auch beim Senegalgummi unterscheidet man harte (dures) und weiche (molles, friables) Sorten. Rohes Senegalgummi wird in drei Hauptklassen eingeteilt:

1. Hartgummi. Gomme du bas du fleuve (Pudor). Besteht aus ziemlich großen, runden, wurmförmigen oder unregelmäßig geformten Tränen, variierend von fast farblos bis dunkelgelb.

2. Gomme du haut du fleuve (Galam). Kommt vom oberen Senegal. Die Tränen sind kleiner als die von «Bas du fleuve» und im ganzen dunkler.

Der Ausdruck Galam wird übrigens sehr verschieden benutzt, meist bezeichnet er schlechtere Qualitäten und nicht nur solche vom Oberland. Galam (oder Kadschaga) ist der Name der Landschaft bei Bakel (s. die Karte S. 423) am linken Ufer des Senegal.

Beide, besonders aber 2., werden oft mit glasigen Stücken von rötlicher Farbe und bitterem Geschmack vermischt gefunden, die wohl von dem Gummi von A. arabica und anderen Acacienarten herrühren.

3. Gomme friable (Salabreda). Dies ist besonders das Produkt von A. albida (weißer Baum = Cedra beida oder korrumpiert Sadra-beida, Sadra-brada und Sala-breda). Das Gummi ähnelt rohem Salz. Es ist sehr bröcklich und seine Lösung hat weniger Viskosität als die der oben erwähnten Gummis. Gewöhnlich besteht es aus kleinen Fragmenten oder wurmförmigen Tränen. Letztere sind oft fast farblos, aber die Fragmente sind gewöhnlich dunkel gefärbt. Die Varietät korrespondiert in der Qualität mit dem Talhgummi vom Sudan.

4. Ein Gummi vom mittleren Laufe des Senegal trägt bisweilen den Namen Gomme Mediné.

Nach der in Bordeaux vorgenommenen Sortierung unterscheidet man:

1. Gomme blanche. Bildet farblose bis schwach gefärbte, aber nie so schön weiße Stücke wie Cordofang., von sehr verschiedener Größe (1–4 cm). Die meisten derselben haben 1 cm im Durchmesser und sind kugelig bis ellipsoidisch geformt, innen glasig und oft hohl und weisen bisweilen eine netzförmig von Rißlinien durchzogene Oberfläche auf, welche, mit der Lupe betrachtet, eine feine Parallelstreifung erkennen läßt. Die einzelnen Stücke haben auch im Gegensatz zu den besten Sorten des arabischen Gummis geringen Glanz, was die Unterscheidung von letzterem leicht macht. Eine zweite, dem Gomme blanche fast in allen erwähnten Eigenschaften analoge Sorte bildet das:

2. Gomme petite blanche. Die einzelnen Stücke sind viel kleiner und haben nur einen Durchmesser von 0,5–1,5 cm, wurmförmige, sind häufig.

3. Gomme blonde. Weingelbe Stücke mit einem Stich ins Rötliche, in der Größe jenen der Sorte Gomme blanche ähnlich, die Oberfläche ist rauh; mit der Lupe betrachtet zeigen sich viele Runzeln und Streifen, hingegen wenige Sprunglinien. Innen glasig, bernsteinartig.

4. Gomme petite blonde. Diese Sorte hat kleinere Körner als die frühere, ist aber in bezug auf die Eigenschaften mit derselben identisch. Der Durchmesser der einzelnen Körner ist 0,5–1,5 cm.

5. Gomme vermicellée blanche. Weißlich bis blaßgelb gefärbte, stalaktiten- oder wurmförmige Stücke.

6. Gomme forte à fabrique ist eine mit dem Gomme blonde im allgemeinen übereinstimmende Sorte, welche jedoch dunkler gefärbt ist und aus ungleichen Stücken besteht, daher ebenso wie die folgenden Sorten den bereits erwähnten als minderwertig nachsteht.

7. Gomme boules wird aus Stücken bis zur Größe einer Orange gebildet, ist blaßgelb gefärbt und dürfte wohl künstlich geformt sein (für Reklameauslagen in Schaufenstern in Frankreich benutzt).

8. Galam en sorte besteht aus sehr ungleich, von hellgelblich bis rotbraun gefärbten Stücken von sehr verschiedener Größe; es finden sich neben runden auch wurmförmige Körner vor, sowie öfters Rindenstückchen, welche die Ware verunreinigen.

9. Gomme du bas du fleuve en sorte. Weingelb oder dunkler gefärbte, dicke, wurmförmige, gestreifte oder gerunzelte Stücke, meist 1–3 cm lang, 0,5–0,8 cm stark. Oft ist die Oberfläche mit dünnen Rindenstückchen bedeckt.

10. Salabréda en sorte (Sadrabeida). Dünne, ast- bis wurmförmige Körner, welche eine weiße bis gelbe Farbe zeigen und von kleinen, sehr verschieden gefärbten Bruchstücken und Rindenteilchen durchsetzt sind. Die Sorte ist sehr ungleich und stammt vielleicht von verschiedenen Stammpflanzen.

11. Baquaques et marons. Diese Sorte ist von sehr geringem Werte, stark verunreinigt; es finden sich Rindenstückchen und andere nicht gummöse Substanzen vor, so daß der Gehalt an Gummi gewöhnlich 73% nicht überschreitet. Die Lösungen zeigen geringe Klebkraft und die einzelnen Stücke sind ungemein verschieden gefärbt (licht weingelb bis rötlichbraun, graulich, sogar schwarz), oft vakuolig. Der Geschmack der Lösung ist ein rein süßlicher und erinnert an Karamel.

Die sogenannte Bruchware wird ebenfalls sortiert, und kommen im französischen Handel folgende Sorten vor:

12. Gomme gros grabeaux. Körner bis 8 mm Durchmesser, auch astförmige Stückchen, welche etwas länger sind.

13. Gomme moyen grabeaux. Körner bis 8 mm Durchmesser, kommt im österreichischen Handel unter dem Namen Granisgummi vor.

14. Gomme menus grabeaux. Körner 2–3 mm im Durchmesser; enthält keine wurmförmigen Stücke.

15. Gomme poussière grabeaux. Diese Sorte stellt ein ziemlich homogenes grau-gelbliches Pulver dar, dessen Körner weniger als 1 mm Durchmesser zeigen.

Oft findet man auch die Namen: Gomme grosse blanche — Grosse blonde, — Petite blanche — Petite blonde — Blonde larmeuse — Damienne blonde ou rouge — En sorte en bas du fleuve — Galam — Salabréda, Sadrabeida (unrein) — Baquaques ou marrons rôtis = Trümmergummi (mit Bastfasern und Rindenstücken verunreinigte verklebte Massen [G. lignirode]) — Außer Gros, Moyens und Menus grabeaux auch Fabrique grabeaux — Poussière de gomme. — Gomme pelliculée (GUIBOURT) ist ein Senegalg., dessen Stücke an einer Stelle von einem gelblichen undurchsichtigen Häutchen bedeckt sind.

Der deutsche Großhandel unterscheidet: Senegal elect., weiß, mittelgroß — naturblond, großstückig, hell — Granen und Granellen hell — naturell. Der österreichische Handel: Grosse blanche, Grosse rouge und Granello. Auch die besten Sorten erreichen nicht die Preise der besten Sorten Cordofan.

FROMM fand bei Senegalgummi:

Lösung, spezifisches Gewicht 1,035 Schäumt ccm Schleim aus 50 g Viskosität bei 20° Säuregrad, ccm Zehntel- Normal Natronlauge Drehungsver- mögen αD Alkalische Kupferlösung wird Dehnung % Klebfähigkeit

hell mäßig 3 1,94 2,1 −2°26′ etwas reduziert 2,16 13,0

gelblich „ 9 2,0 2,1 −2°20′ „ „ 2,06 14,1

gelblich „ 10 1,64 2,0 −1°25′ „ „ 1,99 12,6

hell stark 10 1,7 1,95 −1°19′ „ „ 1,93 12,9

gelblich mäßig 12 2,0 1,95 −2°16′ „ „ 2,23 14,0

sehr hell „ 30 2,13 2,4 −2°28′ „ „ 2,17 14,4

sehr hell „ 35 2,41 2,3 −2°47′ kaum „ 2,13 14,8

hell stark 8 1,87 2,15 −2°51′ deutlich „ 2,19 13,0

hell „ 10 1,69 2,1 −1°44′ etwas „ 2,12 11,2

gelblich mäßig 35 1,9 2,0 −2°27′ „ „ 2,15 12,7

hellbraun „ 18 1,58 2,25 c. 1° kaum „ 1,99 11,0

Möglicherweise brachten schon 1365 Kaufleute von Dieppe und Rouen, die «Pfeffer» holten, Gummi von der westafrikanischen Küste, St. Louis wurde schon zu dieser Zeit gegründet, aber erst 1449 tritt Gummi wirklich als Handelsartikel der portugiesischen Insel Arguim am Cap Blanco auf (KUNSTMANN), welche Insel von 1638 an Stützpunkt des Gummihandels der Holländer wurde, die die Insel eroberten, aber 1678 an die Franzosen, die schon vor 1664 sich am Senegal festgesetzt hatten, abtreten mußten, von welcher Zeit an die Franzosen mit geringen Unterbrechungen Herren des Gummihandels wurden. 1555 erwähnt SEBASTIAN MÜNSTER Senegalgummi in seiner Cosmographie. Der Gummihandel war Sache der Compagnie des Indes occidentales (I, S. 919), dann seit 1674 der Compagnie d’Afrique u. and. Gesellschaften. 1758 bis 1779 war England im Besitze der Kolonie, die aber 1785 wieder an die Franzosen überging. Damals wurde eine Compagnie de la Gomme gegründet, der 1786 die Comp. du Sénégal folgte (DURAND). Bereits 1760 erschienen 18000 cwt Senegalgummi am Markt. Der Aufschwung datiert von der Einführung der Triage in Bordeaux durch A. DORIS père 1832. 1865 erreichte die Ausfuhr von Senegalgummi den Wert von fast 4½ Mill. frs., der Export betrug 2,4 Mill. kg, 1880: 3013624 kg. 1884 wurde, als wegen der Erfolge des Mahdi im Sudan das Cordofangummi ausblieb, das Senegal-Konsortium gegründet. 1893 betrug die Produktion bereits c. 8 Mill. kg (COTTON). 1894 betrug die Ernte: 40000 Ballen, 1895: Bas du fleuve 35000 Ballen, Galam 10000 Ballen. Das Senegalgummi war das herrschende Gummi des Weltmarktes geworden. 1896 importierte Bordeaux 38600 Säcke. 1897 betrug die Ernte: 29000 Ballen Bas du fleuve und 21000 Ballen Galam, 1898: 20000 Ballen Bas du fleuve und 18 000 Ballen Galam. 1902 wurden 3 Mill. kg exportiert (20000 Ballen Bas du fleuve, 12000 Ballen Galam). Die Preise für Senegal gingen aber stark zurück, seit Cordofan in bester Qualität wieder erschien (1902) und die Einsammlung wurde, da weniger lohnend, eingeschränkt. 1903 erscheinen nur 6000 Ballen Galam im Handel und 1904 exportierte St. Louis nur 2370031 kg, davon 1842610 kg Hartgummi von den nördlichen Distrikten des Senegal, 484095 kg vom Sudan und Senegambien, 37396 kg Bruch und 5930 kg Staub; 1905: 49482 cwts. 1905 betrug der Export: 49482 cwts. Marseille empfing 1908 noch 6522 dz Senegalg., 1909 nur 4565, 1910 nur 2250 dz gegenüber 10094, 12204 und 10781 G. anderer Provenienz (bes. Nilgummi). Neben Bordeaux kommen auch Hâvre und Paris als Stapelplätze in Betracht.

Das Senegalgummi scheint allmählich seine Bedeutung zu verlieren. Die Produktion schwankt jetzt zwischen 2 und 4 Mill. kg. Es findet in der Hauptsache nur technische Verwendung (CAESAR-LORETZ).

c. Maroccogummi (Mogador, Barbarisches, braunes Barbary) aus Mogador, Saffi und Mazagan verschifft, wird von A. gummifera WILLD. (nach JACKSON = altalch) abgeleitet (HOOKER), spielt jetzt aber keine große Rolle mehr. Marocco verschiffte nach England 1905: 1731, 1906: 2073 cwts. Von dem Maroccogummi wurde (1891) die bessere Sorte als Mogador, die schlechtere als Amrad unterschieden (MABEN). Es kam früher besonders aus den Provinzen Sûs und Abda, weniger aus Shedma und Duguella, jetzt auch aus Fessan. Es ist nicht immer ganz in Wasser löslich (PEREIRA, GUIBOURT). Neben diesem fanden sich auch unter dem Namen weißer Mogador helle, vollkommen wasserlösliche Tränen, die wohl aus dem Sudan und von A. Senegal stammten. A. gummifera wächst in den Provinzen Blad Hamar, Rahamma und Sûs. 1888, zur Zeit der Gumminot, lieferte Mogador bessere Sorten. Bisweilen bilden Marocco, Mogador und Brown Barbary drei unterschiedene Sorten. Maroccogummi dreht rechts und soll von allen Gummis die geringste Menge Schleimsäure liefern (doch fand MARTINA 1894 c. 18%, vgl. S. 437). Vom Sudan wurde 1878 auch das Gummi von A. arabica nach Marocco gebracht (HOOKER). Es löst sich. gut zu einer hellen geschmacklosen Lösung.

d. Tunisgummi ist meist besser als das Maroccogummi. Es stammt von A. horrida (DOUMET-ADANSON). Die Ausfuhr ist gering. Die Ausfuhr von Tripolis erreichte 1890–1900 nur den Wert von £ 150–250 pro Jahr.

e. Capgummi und Orange River Gummi wird besonders von der im Hererolande weit verbreiteten Ac. horrida WILLD. (Dornbaum) gesammelt, dann auch von A. Karoo HAYNE (Karoobaum), die wohl mit A. capensis BURCHELL identisch oder nahe verwandt ist (dies Gummi stammt vorwiegend vom Orangefluß) und von A. Giraffae, die in Groß-Namaqua und Damaraland häufig ist. Capgummi kommt auch als hartes und weiches Gummi im Handel vor. Sein Aufschwung datiert von der Zeit der Gummimisere. Es ist gefärbt und viele Stücke lösen sich nicht klar in Wasser zu einem dicken Schleim (VÉE).

f. Gummi aus den deutsch-afrikanischen Kolonien. Neuerdings — besonders als die Gumminot Ende des XIX. Jahrh. am höchsten gestiegen war — hat man versucht, Gummi sowohl aus Deutsch-Ostafrika (Usambara), wie aus Deutsch-Südwestafrika (Angra Pequena, Namaqualand) in den Handel zu bringen. Deutsch-Ostafrika liefert noch wenig (kaum für M. 1000 jährlich), Deutsch-Südwestafrika aber (nach dem Cap und direkt) viel (für M. 10000 und mehr. 1897: 5000 kg, WORLÉE). Das Gummi der deutschen Kolonien ist von sehr ungleichem Werte. Zum Teil mag dies darauf zurück zu führen sein, daß man die guten Gummilieferanten noch nicht kennt oder doch von den schlechten nicht genügend unterscheidet, zum Teil darauf, daß die Auslese (Triage) noch in den Kinderschuhen steckt. — Man findet oft in dem gleichen Handelsmuster helle und dunkle, lösliche und unlösliche Stücke. Für pharmazeutische Zwecke ist es unverwendbar. A. horrida vermag jedenfalls ein gutes Gummi zu liefern, das von A. usambarensis und Giraffae scheint jedoch minderwertig zu sein.

In Deutsch-Ostafrika sind besonders A. stenocarpa, A. usambarensis und A. spirocarpa, vielleicht auch A. arabica, A. Seyal, A. verugera, A. Stuhlmanni, A. Kirkii gummiliefernd. Die gummiliefernden Acacien Ostafrikas hat TAUBERT zusammengestellt (in ENGLER, Pflanzenwelt Ostafrikas und Notizbl. d. Bot. Gart. Berlin Nr. 14, 1898).

Das Gummi aus Deutsch-Südwestafrika ist, da die gleiche Stammpflanze und zum Teil wohl auch die gleichen Provenienzen in Betracht kommen, mit einem Teile des Capgummi identisch. Jedenfalls stammt der größte Teil des südwestafrikanischen Gummi von A. horrida (WARBURG, MARLOTH) und nur ein kleiner Teil von A. erioloba, A. Giraffae, A. albida und A. dulcis. GESSERT empfahl daher die Anpflanzung der A. horrida, des Dornbaums. Die Vegetationsbedingungen in Deutsch-Südwestafrika, das sonst fast nichts hervorbringt, eignen sich in der Tat ganz außerordentlich für die Kultur von Gummiacacien und außer A. horrida möchte ich auch A. Senegal und A. arabica zur Kultur empfehlen.

Das Gummi von Angra Pequena, das HARTWICH (1898) untersuchte, stammte wohl von A. horrida WILLD. Es besitzt eine starke Viskosität, dreht rechts, hat eine geringe Aschenzahl (1,997–2,722%) und löst sich in Wasser. Gummi aus dem Hinterlande von Angra Pequena drehte bald rechts: G. Tlach (= braun), bald links: G. Amrad (DIETERICH). Eine dritte Sorte war als Auruar bezeichnet. HEFELMANN bestimmte in sog. Heiragummi von A. horrida den Pentosangehalt zu 20,65–51,21% (bestes Cordofan 29,4%), das Wasser zu 8,5–17%. Neuerdings untersuchtes Gummi von A. horrida WILLD. aus Südwestafrika (Angra Pequena) erwies sich als bestem G. arabicum gleichwertig (MEININGER 1908). Ein Gummi von A. detinens BURCH. vom nördlichen Hererolande (Watersberg) löste sich in Wasser und besaß starke Klebkraft, war aber gelbbraun gefärbt (MANNICH).

Das Gummi aus Deutsch-Adamaua, das 1909: 274110 kg exportierte, wird in 3 Sorten: Falli und Marrua von A. Senegal (und xanthophloea?) und Mumuye (von einem Combretum) gehandelt (DALZIEL, Bull. Kew Gard. 1910).

Auch die deutsche Kolonie Togo liefert etwas Gummi. Das Gummi von der Station Sansanne Manga in Togo, von einer mit A. arabica verwandten Art, untersuchte FENDLER.

g. Das Gummi von Angola, der an Deutsch-Südwestafrika im Norden angrenzenden Kolonie, stammt nach MOLLER von A. horrida WILLD., A. etbaica SCHWF., A. erubescens WELW., A. albida DEL. (Cócótó, Capollo, Espinheira).

h. Das Gummi von Nord-Nigeria (aus den Provinzen Bornu und Yola) stammt besonders von Acacia Senegal (Kol-Kol), A. Seyal (Karumga), A. Suma (kara kaia) und A. Sieberiana (Katalabu u. Farin kaia). Die Ausfuhr betrug 1905: 4140, 1906: 6080 cwts. (Beschreibung und Analyse in Bullet. Imper. Instit. 1910).

i. Auf Réunion wird von A. dealbata und A. Lebbeck G. gesammelt (BOCQUILLON 1899).

B. Indisches Acaciengummi.

Die Pharmacographia indica bemerkt 1890, daß das aus Ostindien, besonders Bombay, exportierte G. arabicum ausschließlich «vom Roten Meer» stammt, also ostafrikanisches Gummi ist. «No part of it being the produce of India.» Von dem arabischen Gummi unterscheidet der indische Markt zwei Sorten: maklai (große runde oder wurmförmige Stücke, ähnlich dem Senegalgummi) — nach dem Hafen Makala genannt — und maswai (eckige oder wurmförmige Stücke) — nach dem Hafen Massaua genannt — (DYMOCK). Auch die Namen Bombay pink und Aden pink sind für Sudangummi in Indien in Gebrauch (PREBBLE).

Es wird aber seit 1893 auch Acaciengummi, das aus Indien selbst, und zwar den Wüsten im Nordwesten, stammt, exportiert. Das Gummi von Sind (Karachigummi) liefert besonders A. Senegal, dann auch A. arabica, die beide in der Wüste wachsen. Das Oomarkoteggummi stammt jedenfalls von A. Senegal (PREBBLE 1893). Die besten Qualitäten ostindisches oder Bombaygummi sind blaßbräunlich oder rötlich und vollkommen in Wasser löslich. Das Pondicherygummi ist weniger gut. Das Gummi von Acacia arabica aus Ostindien ist das Amrad-, Amraoti-, oder Oomrawatti-gummi (von hamra = rot). Es bildet ziemlich große, zum Teil stark gefärbte Tränen und gibt einen schwachen reduzierenden Schleim. Die dunkleren Stücke enthalten Gerbstoff. FROMM fand die Drehung −1° 12′.

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