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Handbuch der Pharmakognosie

I. Kohlehydratdrogen. (continued 12)

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Chemie. Die Blüten der Linde enthalten viel Schleim, dann Zucker — die mit Wasser gegorenen Blüten geben Weingeist (Marggraf) —, Wachs, etwas eisengrünenden Gerbstoff und ätherisches Öl. Der Schleim bläut sich nicht mit Chlorzinkjod, wohl aber mit Kupfersulfat und Kalilauge (A. MEYER). Sie enthalten auch eine Oxydase (CARLES, die Brakteen nur wenig davon) und in der Asche Spuren Mangan. Der Brei frischer Blüten bläut Guajaktinktur. ROUX fand einen gelben und einen roten Farbstoff, HERBERGER Malate, Tartrate, einen Bitterstoff, SILLER «ein Balsamharz von gewürzhaftem Geschmack». In den Brakteen ist mehr Gerbstoff und — wie es scheint — kein Riechstoff vorhanden. Das ätherische Öl ist in den Lindenblüten nur in geringer Menge vorhanden. Doch gibt WINCKLER (1837) an, daß er aus 25 Pfund frischen Blüten 80 g (d. h. 0,64 %) farbloses, dünnflüssiges, in Wasser relativ leicht lösliches Öl erhalten habe. Andere sprechen von 0,1, 0,05, 0,042, 0,038 % (MARGGRAF erhielt gar nichts). HAENSEL hat das Öl neuerdings fabrikmäßig dargestellt. Es ist — offenbar durch ausgeschiedene, mit übergehende Fettsäuren — bei gewöhnlicher Temperatur fest und eine sehr teure Substanz. Sein Wert ist zehnmal so hoch wie der des Rosenöls. Er übertrifft alle übrigen ätherischen Öle an Feinheit des Geruches (LANDERER). Der Unterschied in den Eigenschaften und der Ausbeute des Öles bei WINCKLER einerseits und bei HAENSEL andererseits dürfte darauf zurückzuführen sein, daß HAENSEL mit gespanntem Dampf arbeitete, WINCKLER, der frische Blüten verarbeitete, nicht. Gespannter Dampf scheint das Öl zu verändern und treibt feste Fettsäuren mit über. Es findet sich im Handel (HAENSEL 1902). Nur frische Blüten geben gutes Aqua tiliae. Die Blüten enthalten auch einen in farblosen Blättchen kristallisierenden Kohlenwasserstoff C28H58; F. 54–56° (KLOPP, GARNIER und EHRWEIN). Die schweißtreibende Substanz ist unbekannt. Das fette Öl der Samen wurde zuerst von MASSI durch Pressen gewonnen, dann von MARGGRAF (1772) untersucht und von GEIGER als Ersatz des Mandelöls warm empfohlen. Es ist in den lufttrockenen Samen zu 59 % enthalten (C. MÜLLER) und gehört zu den nichttrocknenden, schwer ranzig werdenden Ölen. Die Asche der Blüten beträgt 5,5–7% (HAUKE, VOGL gibt 8% als Grenzzahl an). Sie ist meist etwas grünlich.

Die Blätter enthalten das Glykosid Tiliacin, das in Glukose und Tiliaretin zerfällt. Letzteres liefert Anissäure (LATSCHINOW). Die Blätter der Tilia parvifolia enthalten auch Inosit (FICK). In der Rinde der Linde fand BRÄUTIGAM (1898) einen phytosterinartigen Körper (Tiliadin, C21H32O2), der aber kein echtes Phytosterin ist, sowie Vanillin. Beim Anbohren des Stammes im Frühling erhält man einen süßen Saft, der dem Ahornsafte ähnlich ist (GEIGER). Das bisweilen auf den Laubblättern auftretende (LANGLOIS) Manna enthält (nach BOUSSINGAULT) 20 bis 30% Dextrin (?), 25–29% Invertzucker, 49–55% Rohrzucker, sowie freie Säuren (Apfelsäure?), ähnelt also dem Tamarix-Manna (S. 135). Der Algenbelag der Rinde (Pleurococcus vulg.) enthält nadelförmige Kristalle (BRÄUTIGAM).

Lit. Ältere Literatur in SCHWARTZES Tabellen (1819) I, 198, und JOHNS Chem. Tab. d. Pfl. S. 15. — Erste Analyse von MARGGRAF, Mém. de l’ac. sc. Berlin 1772, 3 (auch in PFAFF, Mat. med.). — GEIGER, Handb. d. Pharm. 1830, 1017. — HERBERGER und SILLER in DIERBACH, Mat. med. 1841. — FICK, Jahresb. d. Pharm. 1887, 11.— C. MÜLLER, Über Lindenöl. Ber. d. pharm. Ges. I, 60. — CARLES, Rep. de pharm. 1904, 1. — TUNMANN, Schweiz. Wochenschr. 1909. — BRÄUTIGAM, Arch. Pharm. 1900, 555 u. Pharm. Zeit. 1898 Nr. 105. — LATSCHINOW, Chem. Zeit. 1890, 14, 126. — Äth. Öl: Ältere Arbeiten (BROSSAT, LANDERER, BUCHNER, HERBERGER) in GMELINS Handb. d. Org. Chem. IV (1862) 343. — WINCKLER, D. äth. Öl d. Lindenblüte. Pharm. Centralbl. 1837, 781. — HAENSEL, Berichte 1902. — KLOPP, GARNIER und EHRWEIN, Bull. soc. chim. (4) 7, 940. — ZELLER, Ausbeute u. Darst. äther. Öle aus offizin. Pfl. N. Jahrb. d. Pharm. I-III und separat Stuttg. 1855. — Lindenmanna: LANGLOIS Journ. pr. Chem. 29, 444 (Arch. Pharm, 89 [1844], 320). — BOUSSINGAULT, Journ. pharm. 15 (1872), 214.

Verfälschungen. Beobachtet sind (PERROT) die Infloreszenzen von Tilia argentea DESF. (T. alba W. et K., T. tomentosa MÖNCH), einem aus Ungarn, Kleinasien und Südsibirien stammenden, vielfach in Anlagen angepflanzten Zierbaum, der wenigblütige Blütenstände hat und dessen Staubfäden halb so lang als die Blumenblätter und wenig länger als der Fruchtknoten sind. T. argentea gehört zu der Abteilung der Dekapetalae, d. h. bei ihr sind 5 der innersten Glieder des Staubfadenkreises zu petaloiden, noch mit Antherenspur versehenen Staminodien umgebildet. Zu dieser Gruppe gehört auch die nordamerikanische T. americana. 1896/98 waren, von Italien importiert, Lindenblüten von Tilia americana L. (T. canadensis MICHX., T. glabra VENT., T. nigra BROCKH., Schwarzlinde) im Handel. Sowohl das Dekokt wie das destillierte Aqua tiliae weichen von dem aus T. europ. bereiteten stark ab (CAESAR & LORETZ). Die Verwendung von Lindenblüten aus der Reihe der Decapetalae, die ganz anders riechen als unsere Lindenblüten, ist unzulässig, dagegen dürfen die Blüten der Hybriden und Formen der beiden deutschen Linden gesammelt werden.

Lit. PERROT, Bull. sc. pharm. 1907, 346.

Anwendung. Lindenblüten sind ein viel verwendetes Diaphoreticum, das meistangewendete Schweißtreibemittel des Volkes. Sie wurden schon von MURRAY (wie noch jetzt von KNEIPP) auch als schmerzstillendes und krampflinderndes Mittel empfohlen. Flos tiliae ist Bestandteil der Spec. laxant. St. Germain. Daneben bedient man sich (wie im Altertum) auch der schleimreichen Rinde, besonders äußerlich, z. B. bei Brandschäden, Schußwunden, Augenentzündungen u. dgl., was noch heute in Rußland beim Volke üblich ist (HENRICI). Das Lindenblütenwasser wird vom Volke gegen Sommersprossen und als Haarwuchsmittel benutzt. Die eigenartig aromatischen Blüten der T. argentea liefern ein Champagnerarom (LANDERER). MÉRAT und LENS sagen im Dictionnaire (I, S. 217) von der Lindenblüte: «C’est l’antispasmodique le plus universellement mis en usage par toutes les classes des malades.» Das übrigens ziemlich weiche Holz dient zur Herstellung der Carbo Tiliae. Die Bastfasern der Rinde dienten schon im Altertum als Fasermaterial zu Stricken, Sattelzeug usw. Die bekannten Bastschuhe (lapti) der Russen und Polen werden noch heute aus Lindenbast (liko) gemacht, ebenso Decken und Flechtwerk. Auch der nahe verwandte Corchorus (Jute, vgl. S. 255) ist eine Tiliacee. Lindenbaststreifen dienten in Rom als Papier (S. 256).

Lit. Ältere Lit. in MURRAY, App. medic. — HENRICI, Volksheilm. Rußlands in KOBERTS Studien IV. — LANDERER, Amer. journ. pharm. 1883.

Geschichte. Den alten Deutschen war die Linde ein heiliger Baum. Sie war der FRIGGA, der nordischen VENUS geweiht und fehlte in keinem heiligen Haine, keinem Dorf- und Marktplatze, keinem Friedhofe. (Sie ist auch der russischen Liebesgöttin KRASOGANI und der slavischen OSTARA heilig.) Sie schützte gegen Blitzgefahr und ihre Teile wurden gegen zahlreiche Leiden angewendet. Sie war der Frühlings-, Freuden- und Liebesbaum, aber auch der alte Rechts- und Dingbaum, unter dem sich die Gemeinde versammelte und Recht gesprochen wurde. Sie ist der deutsche Baum par excellence und noch heute der Lieblingsbaum des deutschen Volkes, den zahllose Dichter besangen, von WALTHER VON DER VOGELWEIDE bis auf HEINRICH HEINE, und der auch in den Volkssitten eine große Rolle spielte. Lindenblüten und Lindenblütenwasser gelten noch heute als Schönheitsmittel. In den Schweizer Pfahlbauten fanden sich Reste beider Linden. Des THEOPHRAST (hist. pl. III, 10; V, 4) φίλυρα ist wohl eine Tilia (SPRENGEL), denn die Linde heißt auch heute noch in Griechenland so (s. oben S. 366). Vielleicht war es T. ulmifolia, vielleicht auch (FRAAS) T. argentea. Des THEOPHRAST κλέθρη ist aber wohl eine Alnus- oder Acerart (DRAGENDORFF). PLINIUS, dessen Tilia wohl T. argentea DESF. ist (er unterscheidet merkwürdigerweise eine männliche und eine weibliche) erwähnt nur die Verwendung der Blätter und des Bastes. Auch VIRGIL gedenkt einer Tilia. Die Blüten scheinen aber erst seit dem Mittelalter in Gebrauch zu sein. Tilia steht bei der HILDEGARD (I, S. 671) und ALBERTUS MAGNUS (I, S. 675), die Lind bei MEGENBERG (I, S. 693), CORDUS (I, S. 803) verwendete Flos tiliae. Aqua Tiliae findet sich bei BRUNSCHWYG (1500) und FUCHS rühmte seine antiepileptische Wirkung. Flor. tiliae finden sich in der Taxe von Eßlingen 1571 (I, S. 816). In MURRAYS Apparatus medicaminum (I, S. 218) stehen außer den Flores noch Semen, Cortex und Folia. Die Angabe des französischen Arztes MASSI, daß man aus Blüten und Samen der Linde ein Getränk bereiten könne, «das der besten Schokolade nichts nachgebe» (!), veranlaßte FRIEDRICH DEN GROSSEN, der alle Surrogate der Purindrogen begünstigte, MARGGRAF aufzufordern, die Bedingungen für die Herstellung eines solchen Surrogates zu studieren, dieser Aufforderung resp. diesem Befehl verdankt die Untersuchung MARGGRAFS (s. oben) ihre Entstehung.

Lit. RELING und BOHNHORST, Unsere Pflanzen. 4. Aufl. — PERGER, Deutsche Pflanzensagen 1864.

c) Schleimzellen in Knollen.

Während bei den Dikotylen die typische Ausbildung der Schleimmembranen die Regel ist, zeigen die Monocotylen ein abweichendes Verhalten und es kommt hier in der Regel nicht zur Bildung einer deutlich geschichteten Schleimmembran. Der Grund, weshalb ich auch die monocotylischen Schleimdrogen, speziell Orchis, bei den Membraninen abhandle, ist der, daß nach meiner Auffassung hier ein Übergangsgebilde vorliegt, welches sich chemisch an die typischen Membranine anschließt, morphologisch allerdings noch nicht jene normale Ausbildung erlangt hat, die wir z. B. bei der Gruppe der Malvales (Tiliaceen, Malvaceen, Sterculiaceen) antreffen. Nur selten findet sich bei Orchis ein deutliches zentrales Lumen, das ringsum von Schleim umgeben ist (Fig. 133). Dagegen treffen wir bei der benachbarten Herminium monorchis (L.) R. BR. eine typische Schleimmembran (BIRGER). Es macht bisweilen den Eindruck, daß eine peripherische, parietal gelagerte Plasmaschicht die normale Auflagerung des Schleims in Form von normalen Schleimmembranschichten hindert.

Tuber Salep.

Syn. Rad. Salep, Salepknollen — Knabenkraut (weitere deutsche Namen unter Synom. und bei PRITZEL-JESSEN) — saleb (holl.) — saleprot (schwed.) — Salep (franz. und engl.) — saalāb, salap (arab. pers.). — Orchis militaris heißt auch in den Volkssprachen: Soldaten-O., O. guerrrier ou militaire, military-O., Soldaat-O. — wegen der helmförmigen Blüte; wie Orchis Morio (von μωρός = Narr): O. bouffon, harlekijns — wegen der bunten Blume. — Der handförmige: Rad. palmae Christi, Rad. palmata.

Bei THEOPHRAST ὄρχις und bei DIOSKURIDES ὄρχις und σατύριον, so auch bei PLINIUS (s. Geschichte). BONNET deutet des DIOSKURIDES ὄρχις als O. papilionacea und mascula, das σατύριον als Ophrys anthropophora (s. hinten). Bei ALHERVI (pers.): bûzeidan, bei IBN BAITHAR (arab.): būzīdān. — Satyrion bei CONSTANTINUS AFRICANUS (XI. Jahrh.) und in Circa instans (XII. Jahrh. I, S. 637). — In der Alphita oxoniens. steht: saturion (iarus, priapiscus, leporina — Kukkowspitte), Satirion (stondengousse); und in den Sinonoma Bartholomei: satyrion = herba leporina und ISIDOR bemerkt in seinem Etymologicon: Satyrion vulgus vocant stingum. Item et Orchis item et Leporina. — Bei ALBERTUS MAGNUS: satiria (Orch. mil.) testiculus vulpis, t. canis (O. mascula), so auch (— neben Rad. satyrionis —) bei CRESCENZI (I, S. 677), SERAPION (I, S. 605). — Im Liber Dynamidorum sind als Synonyma von Satyrion angegeben: priapiscum, tentaticon, mazinium, extingum, gartcolon. — Bei CORDUS (I, S. 802) steht: Satyrion (Rad. orchios, testiculi vulpis). Es waren dies vielleicht die Knollen von Platanthera bifolia. Doch bezogen sich wohl, darin stimme ich DRAGENDORFF bei, die arabischen und anderen allen und mittelalterlichen Namen nicht auf spezielle Arten (Orchis Morio und undulatifolia [LECLERC], O. anthropophora [FRAAS], O. papilionacea [SIBTHORP, SONTHEIMER]), sondern bezeichneten alle Arten der Gattung Orchis und verwandter Gattungen, deren Systematik ja noch heute eine sehr künstliche ist (ASCHERSON).

Etym. GRIMM (Deutsch. Wörterb. V [1873] 1465) sagt: Knolle (masc.) ungenau: Knollen. KLUGE (Etymolog. Wörterb.): Knollen (m) aus mhd., Knolle (m). Ich schließe mich der Schreibweise «der Knollen» an (FLÜCKIGER schreibt: der Knolle; die meisten Autoren: die Knolle).

An die Hoden erinnern die Ausdrücke: Bocks- oder Fuchshödlein, Hasen-, Narren-, Pfaffenhoden, Bällchenwurz (angels.), sowie ὄρχις (= Hoden, bei THEOPHRAST — ὀ. κυνός, bei DIOSKURIDES — von ὀρέχειν begehren), testiculus vulpis, leporis, canis, sacerdotis etc., — dog-, fox-, hare-, goat-stones. An die Verwendung als Aphrodisiacum erinnert: Bocksgeil, Erdgeile und Geilwurz (so z. B. bei CORDUS), Heiratsblume oder -wurzel, Kinder- oder Knabenkraut (so im Ort. sanit.), Raynwurz, Stendelwurz, Höswurz, Venusblume; Kuckucksblume (der Kuckuck ist der Vogel der Liebe), sowie die alten Bezeichnungen: priapismus (priaspiscus), satyrion. (Weitere erotische Beziehungen bei AIGREMONT, Volkserotik). An die handförmige Teilung der Knollen einiger Arten (s. weiter hinten) erinnern Ausdrücke wie Palmachristi, Pentadactilus, Marien-, Christi- oder Gotteshand (im Gothaer Arzneibuch [I, S. 680]: godeshant), Glücks- oder Teufelshand, Händechen. Im Arabischen heißt testiculi canis: ḫuṣa ʾl-kalb (das ḫ ist ein hartes ch) und testiculi vulpis: ḫuṣa ʾṯ-ṯaʿlab (das t in ta wie das englische th zu sprechen), der Singular testiculus vulpis lautet: ḫuṣjat at-ṯaʿlab (MARTI). Aus diesem ṯaʿlab wurde das noch jetzt im Osten gebräuchliche salap und unser salep. — Die Bezeichnung für Salep kâtil ahîhi bedeutet «Mörder seines Bruders» und bezieht sich wohl darauf, daß der alte Knollen zu Grunde geht, während der neue «Bruder»-Knollen heranwächst. Die Ausdrücke busidân, bûzeidan, būzīdan stammen aus dem Indischen.

Stammpflanzen. Salep wird vorwiegend von Orchidaceen der Ophrydeenabteilung, besonders von Orchisarten gesammelt. In Mitteleuropa kommen vor und liefern Salep:

Orchis militaris (L. ex parte) HUDS. (O. militaris JACQ., O. galeata POIR., O. Rivini GOUAN.), O. purpurea HUDS. (O. fusca JACQ.), O. ustulata L., O. Morio L., O. mascula L., O. latifolia L., O. incarnata L. (O. angustifolia WIMM. et GRAB.), O. maculata L., Anacamptis pyramidalis RICH. [Aceras pyramidalis (L.) RCHB. fil.], Gymnadenia conopéa [die Form conopsea ist grammatisch nicht zu erklären, ASCHERSON] (L.) R. BR. Auch Aceras anthropophora und Ophrys arachnites werden genannt.

In Thessalien, Macedonien und Epirus liefern (außer O. Morio und mascula) Orchis saccifera BRONGNIART, O. coriophora L. und O. longicruris LINK Salep. In Griechenland werden besonders die Knollen von O. Morio und O. papilionacea, dann auch O. undulatifolia, mascula, palustris gesammelt (LANDERER).

In Kleinasien ist die Gattung Orchis durch c. 30 Arten vertreten. Es ist nicht bekannt, welche speziell zur Salepgewinnung herangezogen werden.

Von den 32 Arten, die in BOISSIERS Flora orientalis aufgeführt sind (TCHIHATCHEFF nennt 36 kleinasiatische), sind für Gebiete des westlichen Kleinasiens angegeben: Orchis Morio β picta (Anatolien, Cilicien), O. comperiana (Lydien), O. coriophora β fragrans (Anatolien), O. sancta (Pamphylien, Smyrna), O. tridentata (Anatolien), O. palustris (ebenda.), O. pseudosambucina (ebenda), O. papilionacea (Pamphylien), O. provincialis β pauciflor. (Smyrna), O. anatolica (Carien, Lycien), O. Simia (Pamphylien) und weiter im Norden O. maculata und fusca (in Cappadocien).

In Algerien werden die sehr großen Knollen von Orchis Munbyana und O. Robertiana benutzt (LANDERER, Pharm. Jahresb. 1878, SIMMONDS, Am. journ. pharm. 1891).

In Nordpersien werden die Knollen besonders von Orchis latifolia L., dann auch von O. laxiflora LAMCK. gesammelt und unter dem Namen Salapmisri nach Indien gebracht (AITCHISON, STOLZE und ANDREAS).

Orchis und Anacamptis, sowie Ophris und Aceras gehören zu der Abteilung Monandrae — Ophrydinae — Serapiadaceae; Gymnadenia zur Abteilung Monandrae — Ophrydinae — Gymnadenieae.

In Nordindien sind die großen Knollen (man-kand, amber-kand) von Eulophia campestris LINDL., Eul. herbacea LINDL., in Südindien die kleinen von Habenaria pectinata DON und etwa fünf anderen Arten Salep liefernd (WATT, Dict. of econ. prod. LINDLEY, ROYLE). Pharmac. ind. nennt auch Eulophia virens BR., Eu. campestris WALL., Eu. nuda LINDL.

Eulophia gehört zur Abteilung Monandrae — Cyrtopodiinae, Habenaria zur Abteilung Monandrae — Ophrydinae — Habenarieae.

Die Gattung Orchis mit ihren 70 vorwiegend in der alten Welt vorkommenden Arten wird jetzt eingeteilt in:

Sect. I. Herorchis LINDL.

a) Papilionaceae: O. papilionacea. b) Moriones: O. Morio. c) Militares: O. militaris, purpurea, tridentata (variegata), ustulata. d) Ibericae: O. iberica.

Sect. II. Anderorchis LINDL.

a) Globosae: O. globosa. b) Saccatae: O. saccata. c) Masculae: O. mascula, palustris, pallens. d) (Latifoliae): O. latifolia, incarnata, maculata.

Ausführlichere Angaben in LUERSSEN, Mediz. pharm. Botan.

Die LINNÉsche O. militaris umfaßt: O. purpurea, tridentata, Simia und Rivini.

O. militaris ist von England, Nord- und Mittelspanien, sowie Italien über Deutschland bis Mittelrußland und Sibirien, sowie Ost-Dahurien, O. Morio durch Europa und auch im westlichen Asien, O. maculata durch ganz Europa und Sibirien, O. mascula in Europa bis zum Ural, O. latifolia von Europa bis Kamtschatka heimisch. Diese sind bei uns die häufigsten, O. papilionacea und saccata sind im Mittelmeergebiet, O. purpurea in Mittel- und Südeuropa, O. ustulata in Europa bis zum Ural, O. iberica im Gebiet des Kaukasus, O. incarnata von Europa bis Kamtschatka heimisch.

Die Orchisarten sind Wiesenpflanzen und sog. «Magerkeitszeiger», die gedüngte Stellen fliehen und vom Weidevieh gemieden werden.

Folgende Standorte werden in GARCKES Flora von Deutschland angegeben: O. purpurea HUDS. schattige Gebirgswälder, gern auf Kalk, am häufigsten in Mittel- und Südwestdeutschland, namentlich in Thüringen, bei Hannover, auf Rügen. O. militaris (L.) HUDS., Wald- und Moorwiesen, sonnige Kalkberge, in Nordwestdeutschland fehlend. O. ustulala L., Bergabhänge, Wiesen niedriger und gebirgiger Gegenden, in den Alpen verbreitet. O. Morio L. (die kleinste unserer Arten), Wiesen, trockene Abhänge, häufig. O. mascula L., Wiesen, Wälder, häufig in Süd- und Mittel-, selten in Norddeutschland. O. maculata L., sumpfige Wiesen, Wälder häufig. O. latifolia L., feuchte Wiesen, häufig. O. incarnata, torfige, sumpfige Wiesen, zerstreut. Diese Standorte wären bei der Anlage einer Kultur zu beachten. Man hört oft aus den Handelsberichten, daß Trockenheit die Ernte beeinträchtigt.

Beschreibung der Stammpflanze. Die Orchisarten sind sämtlich ausdauernde Kräuter, die ihre unterirdischen Organe ziemlich tief im Boden bilden. Aus dem Samen bildet sich im ersten Jahre ein Knöllchen, das der Wurzel entspricht, an ihm sitzt ein aus Niederblättern und der Laubblattanlage gebildetes Knöspchen (Fig. 132, AB). Im nächsten Jahr entwickeln sich 2–3 Laubblätter und in der Achsel einer der Niederblätter ein Knöspchen, das eine Adventivwurzel bildet (Fig. 132, CD). «Diese verdickt sich knollenförmig und wird durch die vergrößerte röhrenförmige Scheide seines untersten Blattes wie durch ein Rohr tiefer in den Boden gesenkt» (Fig. 132, FG). Dieser kleine Knollen bildet den Grundstock für eine neue Pflanze, die sich dann im nächsten Jahre entwickelt (Entwicklung des Knollens ausführlich bei IRMISCH und ARTHUR MEYER).

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 132.

A-K

Orchis militaris

. a junge Keimpflanze nach der Blüte, B stärker vergrößerter Längsschnitt durch A, CD ältere Keimpflanze mit hervortretender Wurzel. E Längsschnitt durch eine solche Keimpflanze. FG Keimpflanze im nächsten Frühjahr, die Wurzel hat einen Knollen gebildet. H Anlage des aus einem Seitensproß und einer Adventivwurzel kombinierten Knollen an der erwachsenen Pflanze. Die Wurzel steckt noch in der Scheide (v). J Basis einer erwachsenen Pflanze im Sommer. K dasselbe im Längsschnitt. L

Orchis latifolia

. Basis einer erwachsenen Pflanze. (A–H nach

Irmisch

, J–L nach

Luerssen

.)

Die blühende Pflanze besitzt zwei Knollen (Fig. 132, JKL). Der ältere Knollen hat seine Reservestoffe an die oberirdische Pflanze abgegeben und erscheint daher mehr oder weniger geschrumpft und außen bräunlich, das Gewebe ist entleert. Der helle junge Knollen dagegen, der ähnlich wie der Knollen an der Keimpflanze aus der Adventivwurzel einer Knospe des vierten oder fünften Niederblattes entstanden ist, ist mit Reservestoffen prall gefüllt. Er ist ziemlich frühzeitig innerhalb der Achse entstanden, deren Gewebe ihn noch eine Zeitlang wie ein Sack umgibt (Fig. 132, H), sitzt, wenn ganz entwickelt, was schon im Juni erfolgt ist, einem kurzen Aste an und trägt oben ein Knöspchen (Fig. 132, K). Aus ihm entwickelt sich die neue Pflanze im nächsten Jahr. Der Knollen trägt ganz den Charakter einer Speicherwurzel. Daneben finden sich noch am Grunde der Achse Ernährungswurzeln. Orchis purpurea und militaris (Fig. 132, JK), sowie Platanthera bifolia haben ovale oder eiförmige, O. ustulata, Morio, mascula und coriophora und die Ophrys-Arten rundliche, O. tridentata, laxiflora und globosa längliche, O. sambucina zylindrische oder spindelförmige, Orchis maculata, latifolia (Fig. 132, L), incarnata und saccifera, sowie Gymnadenia conopea handförmig geteilte Knollen.

Der krautige Stengel ist einfach. Er wird bei den einzelnen Arten verschieden hoch. Die Niederblätter sind scheidenartig, und soweit sie im Boden stecken weiß. Die Blätter tragen bei O. militaris auf einer Scheide eine oblong-lanzettliche, stumpfliche, etwas fleischige, 4–5 cm breite, 8–16 cm lange Spreite, die getrocknet nach Vanillin riecht. Der Blütenstand ist eine Ähre, die bei O. militaris 7–10 cm lang wird. Die Deckblätter sind breit eiförmig, rot. Der sitzende einfächerige, unterständige Fruchtknoten ist gedreht und dadurch die zygomorphe Blüte resupiniert, d. h. die oberen Teile der Blüte nach unten gekehrt. Die drei äußeren Perigonblätter sind ziemlich gleich, eilanzettlich, bei O. militaris außen rötlich weiß, an den Nerven rot, zwei Perigonblätter des inneren Kreises etwas kleiner, schmaler, dunkler, alle fünf nach oben gerichtet, einen Helm bildend, das dritte (ursprünglich das hintere obere) Blatt des inneren Kreises aber als Labellum entwickelt und nun nach unten gerichtet, aus der Blüte heraushängend. Er trägt einen hohlen Sporn, der als Nektarium wirkt, obwohl er keine eigentlichen Nektarien bildet (der süße Saft muß «erbohrt» werden) und bildet eine breite, tief dreispaltige, als Anlockungsmittel für Insekten dienende Lippe, die länger ist als die übrigen Perigonblätter und deren Mittellappen wieder zweigespalten erscheint mit einem kleinen Zwischenläppchen (bei O. Morio ist die Lippe dreilappig, der Mittellappen abgestutzt-ausgerandet, bei O. papilionacea ganzrandig, bei O. mascula tief dreilappig mit breiten gezähnten Lappen, bei O. latifolia breit-keilförmig, dreilappig). Die Farbe der Lippe ist bei O. militaris weiß mit purpurnen Haarpinseln (bei O. ustulata weiß, rot punktiert, bei O. coriophora purpurn geadert, am Grunde weiß, purpurn punktiert, bei O. Morio purpurn mit grünen Adern). An die eigenartige Insektenform und den Geruch gewisser Orchisblüten erinnern die Bezeichnungen: conopea (von κώνωψ = Mücke), muscifera (= Fliegenträger), coriophora (von κόρις = Wanze) und Fliegenblumen. Das Androeceum ist mit dem Griffel verwachsen und bildet das Gynostemium, das aus der Columella, dem Clinandrium und dem Rostellum besteht. Die Griffelsäule ist sitzend, vorn flach, hinten gewölbt; die Narbe am Grunde der Säule quer gestellt, umgekehrt herzförmig. Über ihr liegt die kleine Bursecula und in dieser die beiden Klebscheiben (retinacula) der zwei gestielten, keulenförmigen Pollinien, die aus der verklebten Pollenmasse bestehen. Die Anthere ist also dithecisch. Senkt nun ein Insekt seinen Rüssel in die Blüte, so schiebt es, wie CHARLES DARWIN zuerst beobachtete, die Bursecula beiseite, der Rüssel kommt mit den Klebscheiben in Berührung, diese kleben sich am Rüssel fest und wenn nun der letztere aus der Blüte herausgezogen wird, so werden die Pollinien aus ihrem Behälter herausgerissen (vgl. auch I, S. 389). Sie stehen zunächst senkrecht auf dem Rüssel, senken sich aber dann herab und wenn nun das Insekt eine zweite Blüte besucht, so treffen die Pollinien direkt auf die Narbe: das klassische Beispiel einer an Insektenbefruchtung angepaßten zoidiophilen Blüte. Die Frucht ist eine sechskantige Kapsel, die mit drei Klappen aufspringt. Der Fruchtknoten stellt sich später wieder richtig, die Resupination der Blüte wird aufgehoben. Die sehr kleinen Samen haben einen ungegliederten Keimling. Sie werden zur Reifezeit durch den Wind verstreut.

Die Orchisarten blühen bei uns meist im Mai bis Juni. Die Knollen werden vor der oder zur Blütezeit der Pflanze gesammelt.

Lit. Abbild.: H. G. REICHENBACH, Orchideae in Flora germanica recensitae etc. 170 col. Taf. 1851 (B. 13 u. 14 der Icones flor. germ.). — Abbild. von O. militaris in BERG-SCHMIDT, Atlas taf. 134 (dort die system. Lit.), PABST-KÖHLER, Medizinalpfl. t. 61, LUERSSEN, Med. pharm. bot. (dort die systemat. Lit. der Familie). HAYNE, Arzneigew. t. 17. GIESENHAGEN, Botanik 1910, Fig. 367. — Von O. ustulata in HAYNE, Arzneigew. t. 16. — Von O. Morio in HAYNE, Arzneigew. t. 24 und NEES VON ESENBECK, Plant. med. t. 72. — Von O. mascula in NEES VON ESENBECK, Plant. med. t. 71. und GIESENHAGEN, Botanik 1910. Von O. latifolia im Bonner Lehrb. d. Bot. u. in GARCKES Flor. v. Deutschl. — PFITZER, Entwurf eines natürlich. Syst. d. Orchid. und Orchidaceae in ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam. II, 6, S. 52 (dort die Literatur d. Familie). — IRMISCH, Morph. d. monokotyl. Knollen usw. Berlin 1850, Beitr. z. Biolog. u. Morph. d. Orchid. 1853 u. ein. Beobacht. an einheim. Orchid. Flora 1854. — A. MEYER, Knollen der einheim. Orchideen. Arch. Pharm. 1886 (m. zahlr. Abbild. u. Literaturnachweisen) und Wissensch. Drogenkunde.

Pathologie. Über die tierischen Schädlinge berichtet ISRAEL: Die Orchideen scheinen unter den Insekten sehr wenige Feinde zu haben, doch trifft man gelegentlich polyphage Eulenraupen auch an Orchideen, ohne daß sie jedoch Feinde derselben genannt werden könnten. Bei Jena fand ich eine Dipterenmade (vermutlich eine Cortdyluraspecies) auf Orchis mascula, die Blätter minierend.

Einsammlung und Handel. Im Handel dominiert der kleinasiatisch-türkische (anatolische) Salep. Der türkische, auch der aus Macedonien, wird meist Levantiner Salep genannt. In Kleinasien wird Salep im Süden bei Mersina (Rhodus gegenüber), Milas (Melassa) und Mugla (südöstlich von Smyrna) gewonnen (SCHERZER 1874), im Norden bei Kastamuni und Angora (Ber. über die Wiener Weltausstellung 1873), neuerdings (1895) werden auch Castambol, Tokat und Egin genannt. Der südliche geht nach Smyrna, der nördliche nach Konstantinopel. Dorthin, zum Teil über Saloniki, wird auch der in Macedonien und Thessalien gesammelte Salep gebracht. Seit den achtziger Jahren des XIX. Jahrh. ist Konstantinopel Hauptausfuhrort für Salep. 1892 betrug die Ausfuhr von dort 19000 kg, die Vorräte 10000 kg. Die Ausfuhr von Smyrna wurde 1879 auf 5000 Oka (zu 1283 g) geschätzt. Die Levantiner Ernte betrug 1893: 200–250 Sack à 80–90 kg. Smyrna exportierte 1905: 4690, 1906: 2926, 1907: 1806 und 1908: 1162 kg. Die Türkei braucht selbst viel Salep, nur ⅕ der Ernte gelangt zur Ausfuhr (GEHE). Die Zufuhren von der Levante treffen im Oktober bis November ein. In Deutschland wurde Salep früher namentlich in Bayern, Nassau (Taunus und Westerwald), Fulda (Rhön und Vogelsberg), sowie im Odenwald gesammelt (WIGGERS 1863), jetzt scheint nur noch bei Kaltennordheim in der Rhön, bei Meiningen und etwas auch im Taunus und Odenwald gesammelt zu werden (FLÜCKIGER 1891). Für den Großhandel kommt deutscher Salep nicht in Betracht. In den Preislisten finde ich S. german. höher im Preise notiert als S. levantin. Die deutschen Knollen pflegen kleiner zu sein. Auch in Frankreich scheint etwas Salep gesammelt zu werden. Der beste persische Salep wird auf dem Idjerûdplateau westlich von Zāndjân gesammelt. Nach der Blütezeit im Juli schicken die Teheraner Apotheker (attâr) Leute dorthin, um die Knollen zu graben und die Bewohner von Idjerûd verpachten den Salepsuchern ihre Wiesen (SCHINDLER). In Nordpersien wird sálāb bei Mesched (Meschhed) gegraben. Der bessere persische Salep heißt Panjeh-i-sálāb (= Handsalep), der schlechtere Abushaheri oder Lasaniya (Pharmakogr.). Der persische Salep geht über Buschir besonders nach Indien, kommt aber auch bisweilen nach Europa. Die großen indischen Salepknollen stammen aus Bengalen, den Nilagiris und Ceylon, sowie aus Afghanistan, Belutschistan, Kabul, Bokhara und dem Pandschab (Pharmakographia).

Die gegrabenen prallen Tochterknollen werden vom Stengel, dem Mutterknollen und den Wurzeln befreit, gewaschen, mit Tüchern abgerieben, dann — oft auf Fäden gereiht — in siedendes Wasser getaucht, um sie abzutöten und bei gewöhnlicher Temperatur oder bei künstlicher Wärme getrocknet. Bisweilen findet sich auch die Handelsware noch auf Fäden gereiht. Nur an der Luft getrocknete Knollen treiben, da der Schleim reichlich Wasser zurückhält, leicht an feuchter Luft aus. In Kultur werden die Knollen besonders in gutem Boden viel größer und schöner (VALTA, BEISSENHIRZ) und es sollte daher der Anbau (Anzucht aus Samen) versucht werden. Es dürfte sich lohnen, da die Handelsberichte fortgesetzt über schlechte Ernten und geringe Zufuhren aus der Levante berichten, auch fehlt es dort oft an Transportmitteln zu den Hafenplätzen. Die Bedingungen der Kultur müßten aber erst studiert werden. Immerhin bildet die Pflanze aus dem Samen erst im dritten Jahre brauchbare Knollen. Die Orchisarten lieben kalkhaltigen Boden. Eine spontane Aussaat ist bei wildwachsenden oft beobachtet worden, da sehr zahlreiche kleine, leicht verbreitbare Samen gebildet werden (s. oben).

Lit. HELDREICH, Nutzpflanz. Griechenlands. Athen 1862. — TCHIHATCHEFF, Asie mineure Bot. II, 1860. — C. V. SCHERZER, Smyrna, mit bes. Rücks. auf d. geograph., wirtschaftl. u. intellektuell. Verhältn. Wien 1873 (auch Arch. ph. 53 [1874] 53). — (Anonym), Pharm. Post 1890, 22. — SCHINDLER, Reis. im nordwestl. Persien 1880–82. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. 18. — STOLZE und ANDREAS, Handelsverhältn. Persiens. PETERMANNS Mitteil. Ergänzungsheft 77 (1885). — AITCHISON, Some plants of Afghanistan and their medic. prod. Pharm. Journ. 17 (1886) 467 und Notes on products of W. Afghanist. and N. E. Persia. — LINDLEY, Journ. Linn. Soc. 1859. — ROYLE, Illustrations of the Botany of the Himalayan mountains 1839. — POWELL, Economic products of the Punjab 1868. — STEWART, Punjab plants 1869. — HOLMES, Catalog. p. 135.

Beschreibung der Droge. Die Droge besteht aus den durch Abreiben oft von der äußeren Schicht, besonders dem Korke, befreiten, gebrühten und dadurch hornartig-hart gewordenen Tochterknollen, deren Form nach der Art wechselt (s. oben S. 377). Neuerdings sind auch viel handförmige im Handel. Der die Pflanze tragende Mutterknollen kommt nicht in Betracht. Er schrumpft beim Trocknen zusammen. Zugelassen sind (z. B. von Pharmac. helvet. IV) sowohl die europäischen wie die vorderasiatischen, sowohl die kugeligen wie die länglich-eiförmigen und handförmig geteilten Knollen (s. oben). Im allgemeinen gibt man den kleineren Knollen den Vorzug, doch läßt z. B. Pharm. helvet. IV noch solche von 4 cm Länge zu. Die Knollen tragen an der Spitze eine Knospe, sowie bisweilen die Reste des «Stieles», mit dem sie an der Mutterpflanze befestigt waren (Fig. 132, JK). Nicht selten wird jedoch bei dem Abreiben der Knollen das Knöspchen, das sich leicht ablöst, entfernt, so daß dann der Knollen in der Handelsware an der Spitze eine Narbe bzw. eine kleine Mulde zeigt. Das Knöspchen ist das Endknöspchen der Achse, in deren Gewebe die Nebenwurzel ursprünglich entstanden war (A. MEYER, Fig. 132, H). Der deutsche Salep ist durchscheinend-gummiartig. Frische Knollen schmecken etwas bitter und haben einen eigenen Spermageruch.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 133.

Querschnitt durch den gebrühten Salep.

Die großen Schleimzellen sind von Stärkekleister enthaltenden Zellen umgeben. Links oben (St) eine Stärkezelle aus dem ungebrühten Knollen, links unten eine Schleimzelle aus dem alten Knollen während der Entleerung.

[

Tschirch

.]

Anatomie. Der ausgewachsene Tochterknollen zeigt den typischen Bau unterirdischer Speicherorgane: kleine zerstreute Bündel und reichlich entwickeltes Speicherparenchym. Er ist bedeckt von einer Epidermis, die oft noch Wurzelhaare trägt. Dann folgt eine sehr schmale Rindenschicht und dann eine verkorkte Endodermis (A. MEYER). Diese Schichten pflegen bei der Droge zum Teil durch Abreiben entfernt zu sein. Innerhalb der Endodermis liegt ein lockerer Kreis von etwa 30 (MEYER) zarten, radialen, von einer Bündelscheide umgebenen, in der Droge oft stark zusammengefallenen Gefäßbündeln und auch im Innern des Knollen finden wir solche. Sie führen 2–4 zarte alternierende Gefäß- und Siebstränge (Abbild. bei MEYER). Die schmalen Gefäße sind Spiral- und Netzleistengefäße. Mechanische Zellen fehlen. Da jedes «Bündel» seine eigene Endodermis besitzt, die einen kleinen Kreis radialer Gefäßbündel umschließt, so nehmen einige an, daß hier nicht eine Wurzel, sondern ein Bündel miteinander verwachsener Wurzeln vorliegt. Das Speicherparenchym ist stark entwickelt. Es besteht aus dünnwandigen Zellen, die bei den frischen Knollen reichlich bis 35 mik große, eiförmige oder rundliche Stärkekörner enthalten (Fig. 133, St). Größe und Gestalt der Stärkekörner variiert etwas nach der Art. Sie sind nach VOGL bei O. militaris klein, unregelmäßig zusammengesetzt, bei O. Morio, variegata und pallens einfach kugelig oder eirund, meist mit einer Kernhöhle versehen, bei O. maculata verlängert und mit deutlichen Schichten versehen. VOGL gibt den Durchmesser auf durchschnittlich 8 mik an. Bei der Droge findet sich aber in den Zellen infolge des Brühens ein Kleisterballen (Fig. 133), der nur in den seltensten Fällen noch intakte Körner erkennen läßt. Durch Jod färbt sich der Kleisterballen violett bis rotbräunlich, die Stärke ist also zum Teil in Amylodextrin übergeführt. Eingebettet in dies Stärkeparenchym finden sich zahlreiche, bis 700 (im Mittel 250–350) mik große Schleimzellen (LINDLEYS «Knötchen»), meist einzeln, selten auch in übereinander stehenden Reihen, die ziemlich regellos im Gewebe verteilt sind oder doch wenigstens nur um die Bündel herum eine etwas regelmäßigere Anordnung zeigen. Meist trennt die Schleimzellen nur eine Reihe Stärkeparenchym (Fig. 133). Der Schleim wird durch Jod und Jodschwefelsäure gelb (echter Schleim). Eosin färbt den Schleim junger Zellen gelbrot, den alter Zellen rosa, welche Färbung stehen bleibt, wenn man kurze Zeit Alkohol auf den Schnitt wirken läßt (HARTWICH). Kongorot färbt orange (HEINRICHER). HANSTEINS Anilingemisch färbt nach schnellem Abspülen mit Alkohol rot. Rosolsäure in Sodalösung orangerot (HARTWICH). In der Handelsware enthalten die Schleimzellen der ausgewachsenen Knollen nur selten noch Raphidenbündel von Calciumoxalat [RASPAIL (Nouv. trait. syst. org. 1838) hielt die Kristalle für Calciumphosphat] — am meisten noch die der Randschicht. Der Schleim entsteht im Inhalt. Die Schleimbildung beginnt um (HARTWICH) oder in der Nähe (KOHL) eines kleinen Raphidenbündels. Dann erscheint er die Zwischenräume eines Plasmanetzes erfüllend und schließlich erfüllt er das ganze Innere der Zelle. Nur selten sieht man an der fertigen Schleimzelle einen zentralen Hohlraum, oft ein feines regelmäßiges Plasmanetz an der Peripherie der primären Wand anliegend, in dem sich dann auch wohl die bizarren Reste des Zellkerns (Fig. 133, Ke) bemerklich machen (A. MEYER, HARTWICH, BIRGER). KOHL beschreibt die Sache so, daß im Zentrum in einer Plasmascheide das Kristallbündel liegt und dieses Zentralplasma mit dem Randplasma durch den Schleim durchziehende Fäden verbunden ist. Beide sollen Netzstruktur zeigen (ähnlich A. MEYER). Die Kristallnadeln werden meist, aber nicht immer aufgelöst (Fig. 133, Kr1). In den jungen Schleimzellen liegen Stärkekörner, die aber mit fortschreitender Ausbildung des Schleimes zunächst in ihrer Substanz verändert (sie färben sich mit Jod erst blau, dann violett, dann rot, endlich gar nicht mehr), dann aufgelöst werden. Sie liefern das Material für die Schleimbildung. Schleim und Stärke sind Reservestoffe. Sie werden aufgelöst, wenn die Knospe im Frühjahr austreibt (s. oben) — zuerst die Stärke, dann der Schleim. Noch lange findet man in dem schon fast entleerten Knollen große korrodierte Schleimklumpen: die in Auflösung begriffenen Inhalte der Schleimzellen (Fig. 133, a). Wenn bei dem Knollen das Knöspchen an der Spitze erhalten ist, pflegen sich auch Reste des Stieles resp. der Tute vorzufinden, mit der der Knollen an der Pflanze befestigt war und in der das Knöspchen steckte (Fig. 132, K). Es kommt sogar vor, daß auch die Scheide, in der das junge Knöllchen ursprünglich sich entwickelte (s. oben S. 376), lange erhalten bleibt und auch den fertigen Knollen noch teilweise umgibt. Sowohl im Gewebe des Knöspchens als in dem der Tute finden sich sehr zahlreiche, oft dicht beieinander liegende Zellen mit Raphidenbündeln. Über den primären Bau der Wurzel vgl. HOLFERT, Arch. Pharm. 1889. Die Wurzeln enthalten eine endotrophe Mycorhiza.

Im Pulver der Salepknollen prävalieren die oft maschige Struktur zeigenden Kleisterballen und deren Fragmente, die sich mit Jod violett färben, sowie die Inhalte der großen Schleimzellen oder deren Fragmente, die Jod gar nicht oder gelb bis braunrot färbt und die oft noch das periphere Plasmanetz, seltener die zentrale Höhle mit dem kleinen Raphidenbündel zeigen und Parenchymfetzen. Gefäßfragmente treten auch im Chloralpräparat wenig hervor. Das Gleiche gilt von den Raphidenbündeln, die den peripheren Schichten der Knollen und der Knospe entstammen. Nur halb verkleisterte Stärke, wie sie KOCH abbildet, habe ich niemals gesehen, auch intakte Stärkekörner sind höchst selten. Jede Verfälschung des Pulvers mit anderen Stärkemehlen (s. unten) ist daher leicht zu erkennen. «Legt man das Pulver in Weingeist, so erscheinen die Schleimzellen als helle Schollen, läßt man dann Wasser zufließen, so verwandeln sie sich in helle, runde Blasen» (Pharm. helv. IV).

Lit. ARTHUR MEYER, Drogenkunde (dort das Detail). — BERG, Anat. Atlas t. 23. — VOGL, Kommentar (1908). — KARSTEN-OLTMANNS, Pharmakognosie, Fig. 128–133. — MOELLER, Pharmakogn., Fig. 291–293. — HARTWICH, Artikel Salep in Realenzyklop. d. Pharm. XI. — DE BARY, Anatomie 146, 151 u. 377. — JOHANN E. WEISS, Anat. u. Phys. fleischig verdickt. Wurz. Flora 1880. — PRILLIEUX, Ann. sc. nat. 4 (1865), 265. — LINDLEY (Bem. über die Anat. d. Ophryd. Wurz.), Transact. Linn. Soc. V, 18, 423 (Arch. Pharm. 39 (1844), 178, Okens Isis. 1843, 449, älteste mikroskop. Unters. d. Salep). — KOHL, Unters. über d. Raphidenz. Bot. Centralbl. 79 (1899), 273, Fig. 14–18.

Schleimzellen: SCHMIDT, Pflanzenschl. u. Bassorin. Lieb. Ann. 1844, 41. — LINDLEY a. a. O. — BEHRENS, Hilfsb. z. Ausf. mikr. Unters. S. 311. — CRAMER, Pflanzenphys. Unters. 1855. — WIGAND, Pringsh. Jahrb. III, 149. — KÜTZING, Grundz. d. philos. Bot. 1883, 194. — MEYEN, Sekretionsorg. — FRANK, Pringsh. Jahrb. V, 161. — ARTH. MEYER, Knoll. d. einheim. Orchideen. Arch. Pharm. 1886, 325 und Drogenkunde. — HARTWICH, D. Schleimz. d. Salepknollen. Arch. Pharm. 1890, 563 (m. Abbild.). — BIRGER, Om tuber Salep Arkiv för Bot. 6 (1907) u. Bot. Centralbl. 105, 31. — Das Pulver ausführlich in KOCHS Atlas II, t. 11. — Anatom. d. Eulophia in Pharmacogr. indic.

Chemie. DRAGENDORFF fand in Prozenten: Schleim (Arabin und Dextrin) 48,14, Stärke 27,30, Zellstoff 2,43, Zucker 1,21, Eiweiß und Albuminate 5, Fett 0,44, Weinsäure Spuren, Wasser 8,5, Asche 2,1. NYGÅRD gibt den Zuckergehalt auf 1% an. Im Knollen von Orchis purpurea fand HARLEY im Mai 0,41% Saccharose und 0,51% reduzierenden Zucker. Die Menge des Schleims variiert etwas. Er ist schwer zu reinigen und hält hartnäckig Stickstoff und Asche zurück. 1 : 100 erhält man mit Saleppulver einen dicken Schleim, 2 : 100 eine Gallerte. Der Schleim wird durch Jod rot und nach dem Eindampfen violett, da neben Schleim auch Amylodextrin aus den Stärkezellen in Lösung geht. Er wird durch Bleiessig und Alkohol gefällt, nicht durch Bleizucker. Magnesia und Borax verdicken ihn. Der Schleim färbt sich mit Chlorzinkjod nicht blau und quillt in Kupferoxydammon ohne sich zu lösen (A. MEYER). Er wird gefällt durch MgSO4, Na2SO4, (NH4)2SO4, (NH4)2HPO4 (POHL). GIRAUD betrachtete den Salepschleim als ein Umwandlungsprodukt der Stärke und zwar als «eine in Wasser schwellende Varietät des Dextrins». SCHMIDT nennt den Schleim Salepbassorin, gibt an, daß er mit verd. Schwefelsäure Gummi und Zucker liefere, bei gleichzeitiger Abscheidung von Zellulose und fand ihn zusammengesetzt = 47,20–47,28% C und 5,94–6,10% H. Er hielt ihn für ein Übergangsprodukt vom Gummi zur Zellulose, FRANK für eine Modifikation der Zellulose. Aus dem Salepschleim wird durch Zusatz von Salzlösung und nachher festem Salz zunächst ein schwerer löslicher, die Gallertebildung des Schleims bedingender Körper (α-Schleim) und dann erst ein gummiartiger β-Schleim gefällt (POHL). Im deutschen Salep ist α-Schleim nicht vorhanden. Mit Salpetersäure gibt Salepschleim Oxalsäure und keine Schleimsäure. Bei der Hydrolyse liefert er neben Dextrin Mannose und Glukose aber keine Galaktose oder Arabinose, Furfurol entsteht nicht (GANS und TOLLENS). Dabei wird Zellulose abgeschieden (TOLLENS). Daß Dextrose vorhanden schlossen GANS und TOLLENS daraus, daß sich bei der Oxydation Zuckersäure bildet, «so daß er zur Stärkereihe gerechnet werden könnte» (TOLLENS). (Sie erhielten aber auch ein Glukosazon.) Bei der vollständigen Hydrolyse liefert der Salepschleim ausschließlich Mannose (HILGER), die unvollständige liefert zunächst ein Mannotetrasaccharid und eine Mannobiose. Der Salepschleim enthält also ein Mannan. Bei der Oxydation mit H2O2 entsteht neben Formaldehyd, Ameisensäure und Kohlensäure d-Mannozuckersäure und d-Trioxyglutarsäure. HAUKE fand meist 1,5–2,5% Asche. Obere Grenzzahl 3% (Niederländ. Pharmakop.: 1,5 minim., 4% max.). Die Asche enthält viel Phosphate. Frische Knollen enthalten ein flüchtiges Öl, das von MATHIEU de Dombaste durch Destillation isoliert wurde. Beim Trocknen der frischen Knollen «entwickelt sich ein feiner an Cumarin erinnernder Wohlgeruch» (FLÜCKIGER).

Lit. Ältere Untersuchungen von BERZELIUS, CAVENTOU, GUILLEMIN, GUIBOURT, RASPAIL, PAYEN, LINLEY. — GIRAUD, L’Union pharm. 16, 249. — SCHMIDT, Lieb. Ann. 51, 29. — DRAGENDORFF, Pharm. Z. f. Rußl. 1865, 145. — HARLEY, Thèse. Paris 1905. — FLÜCKIGER, Pharmakogn. — GANS u. TOLLENS, Ber. d. d. chem. Ges. 21 (1888), 1806 und 2150, Lieb. Ann. 249, 256. — TOLLENS, Kohlenhydrate. — E. FISCHER u. HIRSCHBERGER, Ber. d. d. chem. Ges. 21, 1805 u. 22, 365. — POHL, Zeitschr. phys. Chem. 14, 150. — HILGER, Ber. d. d. chem. Ges. 36 (1903), 3198. — THAMM, Salepschleim, Diss. München 1903.

Anwendung. Salep dient, da ein Mucilaginosum, als reizmilderndes und einhüllendes Mittel bei Diarrhöen und Darmkatarrhen besonders der Kinder. Als Mucilago, Dekokt, Gallerte, Mixtura Salep, auch äußerlich zu Klystieren oder deckendes Mittel (UNNAS Salepbassorinfirniß). Salep gilt auch als Nährmittel und wird auch z. B. in der Form der chocolat analeptique au salep mit Milch, Bouillon und Wein angewendet. Die, wie es scheint, durch nichts begründete Ansicht des Volkes, daß die Orchisknollen Aphrodisiaca seien, beruht auf der Signatura (Hodenform, Spermageruch).

Anrühren des Saleppulvers mit Alkohol erleichtert die Erzielung klümpchenfreien Schleims. Den besten Salepschleim erhält man (nach FROMME) weder mit feinem noch mit mittelfeinem Saleppulver, sondern mit der Griesform (Sieb 5). Ähnliches beobachteten schon FENNER und WINCKLER (1843). Zuckerzusatz konserviert den Schleim (VULPIUS). In Indien wird Salep viel für Süßigkeiten benutzt. Die Orientalen bereiten aus dem Salep ein Getränk, das an Stelle von Tee im Winter in großen Mengen genossen wird (GEHE, Handelsber. 1896). Salepdekokt mit Honig gemischt wird in der Türkei und Griechenland als erfrischender Frühtrunk genossen (HELDREICH). Aber auch zur Speiseeis-Bereitung dient dort der Salep. Mit Gewürz und Wein gibt das Dekokt ein angenehmes Krankengetränk. Salep dient auch als Klebemittel, zur Appretur statt Gummi arabicum. Nach AINSLIE soll Salep Salzwasser seines Salzgeschmackes berauben.

Verfälschungen. Als Verwechslung werden die Bulbotubera von Colchicum angegeben, die aber entweder in weißen Querscheiben oder mit dem braunen Niederblatt umgeben im Handel sind, auch eine seitliche Rinne haben, also ganz anders aussehen. Immerhin kommen Salepknollen bisweilen vor, die eine seitliche Rinne besitzen (HOCKAUF). Die anatomische Untersuchung läßt die Beimengung sofort erkennen. Die Stärke ist bei Colchicum niemals verkleistert. Als die Einsammlung des deutschen Salep in den fünfziger Jahren des XIX. Jahrh. in der Rhön und im Westerwald in Blüte stand und im Jahr bis 14000 Pfund der Droge nach Frankfurt kamen, beobachtete METTENHEIMER nicht nur Beimengung geschälter Colchicumknollen, sondern einmal bestand die ganze als «weißer Salep» angebotene Masse aus diesen Knollen. In Indien fanden sich vor einiger Zeit unter dem Namen banawati salap oder salam künstliche Salepknollen aus Gummi und Kartoffelstärke. HOCKAUF fand in einem Salepknollen ein Steinchen, das der wachsende Knollen eingeschlossen hatte. Das Saleppulver wird oft mit Stärke, z. B. Weizenstärke (HARTWICH), verfälscht angetroffen.

Lit. METTENHEIMER, N. Jahrb. f. prakt. Pharm. II, 165. — HOCKAUF, Ein interessant. Salepknollen. Pharm. Centralh. 1905, 83.

Geschichte. Der Unterschied zwischen den beiden Knollen war schon den Alten aufgefallen und sie schrieben ihnen eine verschiedene Wirkung zu. THEOPHRAST sagt, der größere vermehre die facultas coëundi, der kleinere vermindere sie. DIOSKURIDES sagt, daß der größere Knollen vom Manne verzehrt, die Geburt von Knaben bewirke, der kleinere, von der Frau genossen, die Geburt von Mädchen, und erwähnt, daß in Thessalien die Frauen den zarteren vollsaftigen (bei PLINIUS den größeren, härteren) Knollen als Aphrodisiacum, den festeren trockenen (bei PLINIUS den kleineren weicheren) als Antiaphrodisiacum benutzen. Die in dem von der Form hergenommenen Namen ὄρχις zum Ausdruck kommende Beziehung zu den Geschlechtsorganen und die entsprechende Verwendung zeigt, daß hier den Alten wie in so manchen Fällen eine Signatura (vgl. I, S. 886) vorschwebte. Auch der eigenartige Geruch frischer Knollen mag hier wegleitend gewesen sein. DIOSKURIDES unterscheidet ὄρχις (ὀ. κυνὸς), ὀ. ἔτερος (Serapias), σατύριον und σ. ἐρυθρόνιον. Von diesen wird das letztere nicht auf eine Orchidee bezogen, die übrigen sind Orchis- bzw. Ophrysarten. Ähnlich PLINIUS, der Orchis (Serapias), zwei Arten Satyrion (Männchen und Weibchen) und ein Satyrion erythraicon unterscheidet, und auch Krankheiten nennt, gegen die sie angewendet wurden. Blüten und Knollen der O. serapis (muscifera) spielten bei den üppigen Serapisfesten in Canopis eine Rolle. Im germanischen Altertum waren Orchisarten der Göttin der Liebe FREYA geweiht («Friggagras»), andere der Riesin BRANA («Brönnagras») und in zahlreichen, zum Teil sehr alten Namen (z. B. hiônarôt = Heiratswurzel, gradrôt = Gierwurzel), tritt auch hier die Beziehung zum Geschlechtsleben, die man besonders der Wurzel der Pflanze zuschrieb, hervor. Sie wurden denn auch damals viel zu Liebeszauber und als Aphrodisiacum benutzt (I, S. 1009), wie auch später noch im XV. und XVI. Jahrh. (vgl. d. Kräuterbücher). Eine alte Sage läßt sie aus dem verspritzten Samen von Vögeln hervorgehen (daher wohl Kuckuckspeichel, s. oben). Die Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Orchis finden wir auch noch in späterer Zeit. In Sušrutas fehlt Salep. Die Araber des Mittelalters (z. B. AVICENNA) verwendeten die Orchisknollen wohl vorwiegend ungebrüht und brachten die Droge aus Persien nach dem Abendlande, wo sie bis dahin wenig beachtet worden war und nur die ungebrühten Knollen heimischer Orchideen ein wenig benutzt worden waren. Satyrion steht im Nördlinger Register (1480); Rad. satyrii sive testiculus vulpis, Staudelwurtz in der Hamburger Taxe von 1587 (I, S. 818), in Zucker eingekochter Salep im Braunschweiger Register (I, S. 814) und in SCHRÖDERS Pharmakop. vom Jahre 1649 (FLÜCKIGER). Abbildungen und Beschreibungen der Orchisarten lieferten die Patres botanices, z. B. FUCHS (Fig. 134), dann auch GERARDE (1636). CLAUDE JOSEPH GEOFFROY zeigte (1740), daß der bis zum XVIII. Jahrh. fast allein benutzte orientalische Salep ein Orchisknollen ist, wie schon vor ihm GERARDE (I, S. 909) und JOS. MILLER (Botanicon officinale, I, S. 948) erkannt hatten, und BUXBAUM (1733) auf seiner orientalischen Reise bestätigt fand, und daß man von den europäischen Arten der Gattung Orchis gleichwertigen Salep gewinnen kann.

Lit. BUXBAUM, Plantar. minus cognitar. Cent. III. Petropol. 1740. — CLAUDE JOS. GEOFFROY, Mém. de l’acad. d. sciences 1740. — FLÜCKIGER, Pharmakognosie.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 134.

Aus

Fuchs

, New Kräuterbuch. Basel 1543.

[Phot. verkleinert.]

Paralleldrogen. In Mexico werden die Knollen der Orchideen Blettia campanulata und coccinea, Epidendron pastoris und Arpophyllum spicatum wie Salep benutzt (MAISCH).

1888 kam als Ersatz des Salep die Wurzel von Asparagus ascendens aus Ostindien nach England (DYMOCK).

Die zuerst 1865 im Handel erscheinende und als Ersatz für Salep empfohlene Rad. corniolae, die STRIELACK Nourtoak (von nourriture und toak = Wurzel) nannte, stammt von Asphodelus Kotschyi (? nicht im Kew Index). Sie weicht in der Zusammensetzung stark von dem Salep ab, denn sie enthält, neben 52% Schleim, 8–14% Zucker und keine Stärke, sowie 10% «unlöslichen Pflanzenschleim» (DRAGENDORFF).

Der Königs-Salep (Padischah-, Badschah-, Radja-Salep) der indischen Bazare (HANBURY) ist die amylumfreie Zwiebel von Allium Macleanii (AITCHISON, abgeb. in Bot. Mag. 1883, t. 6707), nicht die Zwiebel der Orchidee Pholidota imbricata HOOK. (DYMOCK) oder die der Amaryllidacee Ungernia trisphaera BUNGE (BAKER). Sie schmeckt bitterlich.

Lit. MAISCH, Jahresb. d. Pharm. 1885, 104. — (DYMOCK) Pharm. Journ. 1887/88. — DRAGENDORFF, Ph. Z. f. Rußl. 1865, 145. — Jahresb. d. Pharm. 1865, 87. — PASCHKIS, Pharm. Post 13. — HANBURY, Pharm. Journ. 17 (419) und Science papers, p. 155 (m. Abbild.), Journ. pharm. chim. 33 (1858). — AITCHISON, Ann. of botany 1889, Pharm. Zeit. 1888, 744.

d) Schleimzellen in Rinden.

Viele Rinden enthalten Schleimzellen mit typischen Schleimmembranen, wie z. B. die Zimtrinden, die um so weniger geschätzt werden, je schleimreicher sie sind, da die schleimreichen Rinden ölarm zu sein pflegen. Ich habe die Sache aufgeklärt. Es ließ sich zeigen, daß Schleim- und Ölzellen in ihrer primären Anlage sich nicht unterscheiden. Später werden dann die einen zu Ölzellen, indem die Schleimplasmaschicht resinogen wird (TSCHIRCH und RUD. BIERMANN), die anderen bleiben Schleimzellen und bilden die typische geschichtete Schleimmembran aus (Fig. 281). Wie viele zu Ölzellen werden, scheint vom Klima und Standort abzuhängen.

Zu den Rinden mit Schleimzellen gehört auch die jetzt nur wenig benutzte Cort. ulmi von Ulmus effusa WILLDENOW, unserer Rüster, die neben Schleim auch Gerbstoff enthält und die im Sommer bisweilen sogar reichlich Schleim ausschwitzt (FLÜCKIGER, Pharmakognosie S. 513).

Noch schleimreicher ist die Rinde der nordamerikanischen Ulmus fulva MICHAUX (Pharmacographia p. 557).

Die Chinesen bedienen sich außer der Lein- und Quittensamen gern auch der Ulmenrinde als Mucilaginosum (I, S. 521).

7. Gummo-Membranindrogen.

Die Gummis.

Das Gummi schließt sich an die Schleimdrogen (Koryzomembranindrogen) an. Das Traganth bildet den Übergang zwischen den typischen Schleimdrogen, wie sie z. B. bei den Malvales vorliegen, und dem Gummi arabicum, denn bei ihm findet Schleimmembranbildung statt, ähnlich wie bei den oben (S. 314 bis 374) behandelten Schleimdrogen. Doch liegen hier die Schleimzellen nicht isoliert, sondern bilden ein ganzes Schleimgewebe, das bei Verletzungen herausgequetscht wird. Die Bildung selbst ist nicht pathologisch. Bei den Gummis im engeren Sinne dagegen scheinen pathologische Produkte vorzuliegen. SORAUER und GRÜSS haben freilich neuerdings nachzuweisen versucht, daß die Gummosis aus einem normalen Stoffwechselprozesse hergeleitet wird und nicht ein dem gesunden Organismus ganz fremder Prozess sei, aber auch sie geben doch zu, daß Wundreiz, Störungen in der Ernährung, Bakterieninfektion u. a. dazu beitragen, daß dieser Prozeß irregulär verläuft und eine starke Steigerung erfährt. Jedenfalls ist eine irgendwie ergiebige Gummibildung ohne pathologische Eingriffe nicht beobachtet worden, eine Steigerung der Gummibildung durch den äußeren Reiz zweifellos. Damit tritt die Gummosis in Parallele zur Resinosis. Denn wir beobachten ja, daß eine Verwundung die bei vielen Pflanzen normale Harzproduktion durch Ausbildung neuer sekretbildender Organe stark steigert (Gesetz des Harzflusses, I, S. 363). Ebenso fand MIKOSCH, daß die das Gummi bildenden Gewebeinseln («Gummiparenchym») bei den Amygdalaceen erst infolge der Verwundung im Cambium angelegt werden, und zwar zunächst als schizogene Gänge, die sich dann lysigen erweitern — ganz ähnlich wie bei den Harzpflanzen. Diese Analogie wird noch dadurch größer, daß wir in beiden Fällen, der Gummi- wie der Harzbildung, eine Membranschicht beteiligt sehen und der Unterschied eigentlich nur darin besteht, daß in dem Falle der Gummibildung die betreffende Membranschicht gummogen, bei der Harzbildung aber resinogen ist, bei der Harzbildung in der resinogenen Schicht das Sekret entsteht, während bei der Gummibildung die ganze Membranpartie «vergummt» — womit übrigens nichts gesagt sein soll, daß hier eine als Zelluloseschicht angelegte Membranpartie nachträglich in Gummi übergeführt werden müsse, das Gummi kann auch sogleich als solches angelegt werden, wie wir dies ja auch bei den Schleimmembranen beobachten. Über die Gummosis wird im Zusammenhang unter Gummi arabicum berichtet.

Auch die chemische Untersuchung läßt keinen Zweifel darüber, daß die Gummis zu den Membranindrogen gehören. Sie besitzen durchaus den Charakter von Polysaccharid-Membraninen. Die Hydrolyse liefert für gewöhnlich Galaktose und Arabinose (über die nahen Beziehungen dieser beiden Zucker vgl. S. 274). Dies gilt auch für den Gummianteil der Gummiharze. Eine Einteilung der Gummis in Arabin-, Cerasin- und Bassorinhaltige (vgl. TSCHIRCH, Artikel Gummi in der Realenzyklopädie) hat wenig inneren Wert. Die Unterscheidung in ganz oder nur teilweise in Wasser lösliche besitzt jedoch praktische Bedeutung (vgl. Gummi arabicum).

Ein Verzeichnis der Gummi liefernden Pflanzen in WIESNER, Rohstoffe.

Lit. TSCHIRCH, Artikel Gummi in Realenzyklop. d. Pharm. und Angew. Anatomie. — WIESNER, Rohstoffe. Die weitere Lit. unter Gummi arabicum.

Traganth.

Syn. Gomme adragante (franz.) — tragacanth (engl.) — tragacánth (holl.) — gomma adragante, g. dragante (ital.) — goma tragacanto (span.) — dragant (schwed.) — τραγάκανθα (griech.) — pers. und arab. (auch in Indien und Afghanistan): kathîra, katâd, kettira, katira, kutera, katera, chitira, halusia — kurdisch: guini — bei den Türken: ketereh. — Der Traganthstrauch in Kleinasien: ketré oder τραγακάνθινος, in Persien (z. B. im Harirud-Tale, AITCHISON): kon (A. strobilif.) oder gabina (A. heratens.). — In Afghanistan heißt schlechtes Traganth: anserus. — Das nechóth, nᵉkhōth der Bibel (Genes. 37 u. 43) ist wohl = nakaʿat (arab.), nakamâti (assyr.), d. h. als Traganth anzusprechen; LUTHER übersetzt (jedenfalls fälschlich) Würze, KAUTZSCH Traganth.

Etym. Da Lehnwort aus dem griechischen τραγάκανθα Traganth und nicht Tragant. Ebenso auch Traganthon, nicht Traganton. Eigentlich muß man die Traganth sagen, denn THEOPHRAST schreibt ἡ τραγάκανθα, doch ist jetzt der oder das Traganth gebräuchlicher. Ich schreibe das Traganth (scil. gummi). — τραγάκανθα von τράγος (= Bock) und ἀκάνθα (= Horn oder Dorn) entweder in Beziehung zu der dornigen Beschaffenheit des Strauches oder der oft bockshornartigen Form des herausgedrückten Schleims — ἀστράγαλος = Würfel, Halswirbel. Beziehung zweifelhaft, von einigen auf Stengel und Wurzeln, von anderen auf die Samen bezogen.

Stammpflanzen des kleinasiatischen Traganth (nach HAUSSKNECHT, 1879, und PLANCHON, 1892):

Astragalus gummifer (nicht gummifera wie der Autor schreibt) LABILLARDIÈRE (A. erianthus WILLD.), vom Libanon durch die zentralen Gebirge Kleinasiens, um Kaisarieh bis nach Armenien, ferner im Ala-dagh und in den nördlichen Gebieten des Euphrat und Tigris.

A. microcephalus WILLD. Ebenda und auch im südwestlichen Teile Kleinasiens (von Lycien bis Armenien und Iberien, Cappadocien, Paphlagonien).

A. stromatodes BUNGE, besonders in Höhen von 1500 m im Achyr dagh (Akker-dagh, Taurus) nördlich von Marasch in Nord-Syrien und zwischen Marasch und Aleppo. Liefert viel Traganth.

A. kurdicus BOISS. Gegend von Aintab zwischen Marasch und Aleppo, dann im südöstlichen und zentralen Kleinasien und Kurdistan (Nordsyrien, Cilicien, Cappadocien). Liefert viel Traganth.

A. verus OLIVIER in Kleinasien (und Nordwestpersien, Kermanchah).

Stammpflanzen des persischen Traganth (nach HAUSSKNECHT, BRANT und AITCHISON):

A. pycnocladus BOISS. et HAUSSKN. in den Avroman- und Schaho-Bergen in der Provinz Ardilan, überhaupt in den Gebirgen Westpersiens (Zagrosketten) weit verbreitet (Kurdistan). — Sehr reichlich Traganth gebend.

Astragalus adscendens (ascendens) BOISS. et HAUSSKN. (nicht im Kew Index), in den südwestlichen Gebirgsgegenden Persiens in Höhen bis 3000 m.

A. leiocladus BOISS., im mittleren und westlichen Persien, bei Isphahan und Hamadan.

A. brachycalyx FISCHER, in den gleichen Gegenden, besonders in persisch Kurdistan, in Luristan 1300–2600 m.

A. heratensis BUNGE und A. strobiliferus ROYLE (resp. eine diesem verwandte Art) im Harirud(Heri-Rud)-Tale und in den Bergen Chorasans im nordöstlichen Persien (AITCHISON).

A. eriostylus BOISS. et HAUSSKN., wird in Luristan (Südwestpersien) 2 m hoch und 1 cm dick (HAUSSKNECHT).

Stammpflanze des griechischen (Morea) Traganth (nach HELDREICH, 1862).

Astragalus Parnassi BOISS. var. cyllenaeus (A. cyllenaeus BOISS. et HELDR.) bei Vostizza und Pratras, im nördlichen Peloponnes, auf dem Boïdias, Taygetos und Phteri. Auf den höheren Bergen Griechenlands wächst auch A. creticus, A. aristatus und cephallonicus.

Die Sekretion bei A. creticus LAM. (Tragacantha cretica incana TOURNEF.) ist zu gering, um für den Handel in Betracht zu kommen (OLIVIER), ebensowenig liefert A. massiliensis LAM. (A. Tragacantha L.) Traganth.

Systemat. Stellung. Astragalus gehört zu den Leguminosae, Papilionatae — Galegeae — Astragalinae (in die Nähe von Glycyrrhiza); die Traganthsträucher zu der Sectio VII Tragacantha BGE. und zwar zu den Gruppen Brachycalyx, Platonychium, Stenonychium und Rhacophorus. (Näheres bei TAUBERT in ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam.)

Die Gattung Astragalus ist eine der artenreichsten der Leguminosen (über 1200). Sie ist über die ganze Erde außer Australien und dem Cap verbreitet und auch bei uns mit einigen dornlosen Arten (A. excapus, — früher in Gebrauch: Rad. astrag. excapi — A. Cicer, A. glycyphyllos, A. danicus usw.) vertreten. Die Traganth liefernden Arten finden sich aber nur in Kleinasien, Syrien und Persien (sowie in Griechenland). «Ihre Heimat sind die ausgedehnten Gebirgszüge, welche östlich von der Linie aufsteigen, die man von der Insel Rhodus etwa durch Angora nach Sinope am schwarzen Meere zieht. Diese zahllosen Ketten umfassen den Südrand Kleinasiens, die syrische Küste, umfassen Mesopotamien bis zu den großen armenisch-persischen Seegebieten von Wan und Urmia, verzweigen sich bis in die Gegend von Kaschan und Isfahan und endigen unweit des persischen Golfes im Gebirge von Mohamed Senna, nordwestlich von Schiras» (FLÜCKIGER). Die Traganthsträucher bilden eine charakteristische Vegetationsform des östlichen Mittelmeergebietes und der angrenzenden persischen Gebiete, die eigenartigste Form des Dornbusches der Steppen. «Durch keine Pflanzenform», sagt GRISEBACH, «wird das persisch-anatolische Hochland bestimmter charakterisiert als durch die Traganthsträucher, deren gedrängte, zierliche Fiederblätter in Dornen auslaufen und deren Stämme, nachdem die Blättchen abgefallen, durch die stechenden Blattstiele, die sich dauernd erhalten, noch viel stärker bewaffnet sind.» Im Steppengebiet ist Astragalus mit c. 800 Arten vertreten (BUNGE). In der Gummibildung haben wir eine Anpassung an das Steppenklima, eine Ausnutzung auch geringer und vorübergehender Niederschläge durch Ausbildung eines Wasser speichernden Gewebes zu sehen. Die Bildung des Gummis im Mark erfolgt schon dicht unter der Vegetationsspitze (SOLMS). — Die geringe Größe der Sträucher «verschafft ihnen den Vorteil der winterlichen Schneedecke».

Beschreibung der Stammpflanze. Die Traganthsträucher (engl. Gum-bearing-milk-vetch) sind weiß behaarte Dornsträucher. Der Beschreibung mag Astragalus gummifer LABILL. zugrunde gelegt werden. Die Pflanze bildet einen sehr sparrigen, reich verästelten Strauch, der bis 80 cm hoch wird und dessen obere blühbare, stark verkürzte Zweige ein sehr hartes, gelblich-weißes Holz und eine borkenbildende Rinde besitzen. An den vorjährigen, dicht weiß behaarten Zweigen sitzen die paarig-gefiederten, 5–7jochigen Blätter, deren frühzeitig verholzende, gelbe, oben zugespitzte, stechende Spindel lange erhalten bleibt und dem Strauche das dornige Aussehn verleiht. Die oblong-lanzettlichen, 7–8 mm langen Blättchen fallen bald ab. Auch die spitzen, dem Blattstiele angehefteten Nebenblättchen sind sehr hinfällig. Die hermaphroditen, zygomorphen Schmetterlingsblüten stehen gepaart in den Blattachseln und werden von einem gekielten Deckblatte gestützt. Der 7 mm lange Kelch ist bis zur Hälfte fünfteilig, die dicht seidig-zottige Röhre kreiselförmig. Die gelblich-weißen Blüten besitzen eine oben ausgerandete, 14–16 mm lange Fahne, die 12–14 mm langen Flügel sind mit schmalem Nagel der Staubgefäßröhre angewachsen. Der Kiel ist schmal und stumpf, die weiße, geschlitzte Staubgefäßröhre ist nur wenig gekrümmt. Das obere Staubgefäß ist frei. Der schopfig behaarte Fruchtknoten enthält etwa 10 Ovula. Die Frucht ist eine Hülse.

A. adscendens wird 1,5 m, A. kurdicus 1,3 m, A. eriostylus 2 m, A. brachycalyx 1 m hoch (Beschreibung der Arten bei LUERSSEN, Mediz. pharm. Bot. und in PABST-KÖHLER, Medizinalpflanzen t. 119).

Lit. BUNGE, Gener. Astrag. Spec. Gerontog. Mém. acad. imp. Petersb. (7) 11 und 15. — BOISSIER, Flora orient. II. — LINDLEY, Flor. med. 247 und Botan. regist. 1840. — F. B. FISCHER, Synopsis Astragalorum Tragacantharum Mosquae 1853. — HAUSSKNECHT, Briefl. Mitth. (1879) in FLÜCKIGER, Pharmakogn. (auch: KIEPERT, Haussknechts Routen im Orient (1865 bis 1869). 4 Bl. Berlin 1882). — AITCHISON, Pharm. Journ. 17 (1886), 467. — GRISEBACH, Vegetation der Erde 1872. — HARTWICH in Realenzyklop. — Die sonst verwendeten Astragalusarten in DRAGENDORFF, Heilpflanzen. — Abbild. von Astrag. gummifer(a) in LABILLARDIÈRE, Observat. sur la Physique 36 t. 1, copiert in NEES VON ESENBECK, Suppl. t. 62. BERG-SCHMIDT Atlas, 2. Aufl. t. 54 (dort die systemat. Lit.). BENTLEY-TRIMEN, Medic. pl. t. 73. BAILLON, Bot. méd. I, Fig. 2200 u. 2201. PLANCHON-COLLIN, Drog. simpl. II, 491 und ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam. III, 295. — Von A. adscendens in PABST-KÖHLER, Medizinalpfl. t. 119. — Von A. creticus LAM. in Flora Graeca t. 736 und in BERG-SCHMIDT, I. Aufl. t. 31. — Von A. Tragacantha in GIESENHAGEN, Botanik. — Von A. verus: OLIVIER in Oliviers Voyage Emp. Ott. t. 44. NEES VON ESENBECK, t. 329 und GILG, Botanik, Fig. 404.

Pathologie. Auf A. leiocladus BOISS. findet sich eine kleine parasitische Phanerogame, nämlich die Rafflesiacee Pilostyles Haussknechtii BOISS. (SOLMS LAUBACH, Bot. Zeit. 1874. Abgebildet auch in BERG-SCHMIDT, Atlas, 2. Aufl.).

Gewinnung. Gute Traganthe kommen nur aus Gebirgsgegenden (SCHLIMMER). Der Austritt erfolgt durch Wunden, die spontan, z. B. durch weidendes Vieh, entstehen oder künstlich angebracht werden.

Hauptproduktionsdistrikte für anatolisches Traganth sind (GEHE 1898) die Distrikte im mittleren Kleinasien: Kaisar (Kaisarie, das Caesarea der Alten) produziert am meisten, dünn, kleinblätterig, sehr ausgiebig, leicht zerbrechlich. — Everek größer wie Kaisar, sehr ausgiebig. — Nidé produziert viel, nach Kaisar das meiste, große kräftige, dicke Blätter von schönem Aussehn. — Angora, dünnes, glänzendes, etwas glasiges Blatt (ähnlich dem syrischen), Weißblatt blank, die blonden und gelben Sorten meist befleckt und sandig. — Joskat glasig, Blätter etwas kleiner als Angora und geringelt. — Sillé glänzend und glasig, sehr dickes Blatt, schwer löslich. Daneben finden sich noch sog. Mischlinge, d. h. zwischen den genannten Distrikten gesammelte Sorten. Auch MALTASS nennt bereits 1855 Kaisarie und Angora neben Yalavatz (Jalowadj, Jabolatsch), Isberta (Isparta), Burdur (Buldur) als Hauptplätze der kleinasiatischen Traganthgewinnung. Andere auch die Berge von Ala-dagh zwischen Kaisarie und Tarsos im Süden (vgl. die Karte I, S. 440/41) und das Hochland von Bingöl-Dhag zwischen Erserum und Musch ganz im Osten (in West-Kurdistan). Nach Smyrna gelangte das Traganth (1874) besonders aus Jalowadsch und Burdur (Prov. Hamid). Haupterzeugungsgebiete sind jetzt (1910) Kaisarieh und Everek, weniger wird in Nigde, Angora, Josgad, Erzinghian, Siwas, Caraman und Guran gewonnen.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 135.

Der Austritt des Traganth.

[Nach

Planchon-Collin

, Drog. simpl.]

Schon HAMILTON, der die Traganthsträucher 1836 auf den Bergen bei Buldur beobachtete, berichtet, daß Einschnitte nahe an der Wurzel gemacht werden. Im Juli und August entfernen die Bauern in Kleinasien von dem unteren Stammteile die Erde und machen mit einem Messer Längseinschnitte in die Rinde. Aus diesen tritt das Blättertraganth aus, das in 3–4 Tagen erhärtet ist. Wird die Rinde nur mit der Spitze des Messers verwundet, so wird Faden- und Wurmtraganth erhalten. Aus natürlichen Wunden tritt Traganth in Form von gelblichen Tropfen oder wulstigen Massen, die meist stark gefärbt sind, aus. Bei trocknem Wetter ist das Traganth weiß, bei nebeligem wird es leicht gelb und bräunlich. So kann also ein und dieselbe Pflanze alle im Handel unterschiedenen Sorten von ganz weißem Blättertraganth bis zu bräunlichem Traganth in Knollen liefern. Beim Traganth spielt daher das Sortieren eine große Rolle. Es geschieht dies meist nicht in den Produktionsorten, sondern in Smyrna, wohin das anatolische Traganth in Säcken gebracht wird (hier früher [1874] besonders durch spanische Juden), Konstantinopel, Kermanchah und (beim persischen und syrischen) in London. In Smyrna rechnet man, daß in dem Rohtraganth im Durchschnitt 40–50% Weißblatt, 15–25% Gelbblatt, 10–15% Vermicelli und 10–25% Traganthon enthalten ist (VALENTA). Im westlichen Kleinasien werden die Sträucher im Frühjahr und Sommer angeschnitten, die Ernte ist im September im wesentlichen beendet. Anhaltender Regen schädigt die Ernte beträchtlich, da das Gummi abgewaschen wird. So lieferten die nassen Jahre 1907 bis 1909 nur wenig Traganth. Eine gute Getreideernte in Anatolien entzieht der Traganthsammlung oft viele Arbeitskräfte und der Ertrag bleibt dann gering.

Als Produktionsgebiete des westlichen persischen Traganth werden die Gebiete zwischen Hamadan und Isfahan und dem Nordende des persischen Golfes angegeben. Auf dem Markte von Kermanchah (Kermanshah) im westlichen Persien, gab es 1904 vier Qualitäten. Die erste Qualität (Katyra) erhält man aus Kermanchah, Nehawend und Burujird (Burudjird), sie wird in drei Preisklassen geteilt; die zweite Qualität kommt aus den gleichen Orten und Kurdistan, sie wird in fünf Klassen geteilt; die dritte Qualität (Zardeh) ist in Persien unter dem Namen Arrehbor (= mit einer Säge geschnitten) bekannt, sie kommt aus dem Delahu-(Dalaho-)Gebirge, Pusht-I-Kuh (Pisch-Kuh), Khorremabad (Chorremabad) und Burujird; die vierte Qualität (Steingummi) als Kurreh (Kora) bekannt, kommt von den gleichen Orten. Diese Sorten gehen nach Bagdad und auf dem Tigris zum Persischen Golf. Sie werden erst in London sortiert, das etwa ⅞ der Menge erhält (1904). Bei den persischen Nomaden heißen die Traganthsträucher Geesen, Gavan oder Gäwann schire (= milchgebende Sträucher, da sie zerkleinert verfüttert werden, SCHINDLER). Katyra wird von der Pflanze Gavansefid (= weißer Gavan) gesammelt, in die Einschnitte gemacht werden, die zweite Qualität von der Pflanze «Gelber Gavan». Sie ist größer. Die Spitze der Pflanze wird verbrannt; wenn die Blätter alle vernichtet sind, löscht man das Feuer und macht die Einschnitte. Am folgenden Morgen wird das ausgeschwitzte Gummi gesammelt. Diese Operation wird drei- oder viermal wiederholt. Die Qualität wird jedesmal besser. Das Arrehbor-Gummi kommt von einem kleinen Baume, die Spitze desselben wird verbrannt und die Zweige werden drei- oder viermal mit einer Säge abgeschnitten. (Die Pflanze, die Koragummi liefert, wird in derselben Weise behandelt.) Die Operation wird dreimal wiederholt und das Gummi wird jedesmal besser. Nach 7 Jahren vertrocknet die Pflanze. Ähnlich ist die Gewinnung in Fars, doch ist das Traganth von dort etwas weniger gut (das beste entspricht der zweiten Qualität von Kermanchah). Um Kermanchah gab es schon 1904 nur noch wenig Traganthsträucher, da die Pflanzen sehr geschädigt werden. Nach HAUSSKNECHT soll das persische Traganth eine spontane Exsudation sein, wenigstens wurden 1869 in Persien und Kurdistan keine Einschnitte gemacht.

STOLZE und ANDREAS nennen im Westen die Gebirge des persischen Kurdistan, Khārähan und Tâläkân (?), dann das Kehris-Kohrud-Gebirge zwischen Kaschan und Isfahan (in Irakadjmi) und die Höhen um Abadeh nördlich von Fars (Farsistan).

SCHINDLER gibt 1881 als Produktionsorte für südpersisches Traganth an: Feridûn zwischen den Chan-i-Surch-Paß und Deh-i-Dáwâi in Kirman (Südpersien). Auch STOLZE und ANDREAS erwähnen Gebiete von Kirman, besonders die Landschaft Sirdjan als reich an Traganth. Für den in diesen bis 8000′ hohen Gebirgen gesammelten Traganth ist Paris (Parîz c. 30° n. B.) Stapelplatz.

Nach AITCHISON wird in Nord-Persien im Herirudtale und in Chorassan Traganth (Katira) gesammelt, besonders in der Nähe des Dorfes Kalla-roving bei Bezd in Chorassan. Dies Traganth geht an die Küste oder über Herat nach Indien.

1894 wurde von einem Aufschwung des Traganthhandels in Persien und Sulimania berichtet. Neuerdings störten aber die politischen Unruhen die Tragantheinsammlung in Persien beträchtlich. (Vgl. auch die Karte von TUNMANN im Kap. Pharmacogeographie I, S. 440/441).

Das griechische oder Morea-Traganth wurde in den Bergen in Nord-Morea gesammelt (HELDREICH 1862).

Lit. LA BILLARDIÈRE, Journ. d. phys. 36, 46 (1790) (Acad. sc. 1789). — OLIVIER, Voyag. dans l’emp. ottom. Paris an IX. — HAMILTON, Research. in Asia min. etc. I, 192 (Pharm. Journ. 1842, 540). — MALTASS, Pharm. journ. 15 (1855) 18. — SOUBEIRAN, Not. s. l. récolte d. gomme adragante en Asie Min. Journ. pharm. 1856 u. 1857. — HELDREICH, Nutzpfl. Griechenlands. Athen 1862. — BOISSIER, Flor. orient. — SCHERZER, Smyrna. Wien 1873 (Auszug in Arch. Pharm. 205 [1874], 48). — SCHLIMMER, Terminol. Teheran 1874. — SCHINDLER, Reisen im nördl. Persien. Zeitschr. Ges. f. Erdkunde 1881, 362. — STOLZE und ANDREAS, Handelsverhältnisse Persiens. Petermanns Mitth. Ergänzungsh. 77 (1885), 15. — HANBURY, Scienc. pap. 117. — SIMMONDS Bull. of pharm. Detroit 1891. — G. PLANCHON, Les Astragales Journ. pharm. chim. 1891, 24, 473 und 1892, 169. — FLÜCKIGER-HANBURY, Pharmacographia. — VALENTA, Klebe- u. Verdickungsmittel. — GEHE & Co., Handelsbericht 1898. — (British. Consularagent) Persian Tragacanth. Pharmac. Journ. 1904, 2, 40. — GUIBOURT, Hist. d. drogues.

Handelssorten. Die höchsten Preise erzielte 1910 das syrische Traganth, dann das anatolische (türkische, levantinische), geringere das persische, die geringsten das minderwertige Traganthon. Das syrische ist in Kisten à 75 und 80 kg und in Säcken à 100 kg, das anatolische in Säcken à 100 und 120 kg und Kisten à 130 und 160 kg, das persische in Ballen à 50, 70 und 100 kg und Kisten à 60 kg, Traganthon in Ballen à 120 und 130 kg im Handel (GROSSMANN 1910). Doch ist zu bemerken, daß die Bezeichnung syrisches Traganth irreführend ist, denn dieses Traganth stammt aus West-Persien und Ost-Kleinasien und kommt über Bagdad nach London. Syrien liefert überhaupt nur wenig Traganth und die syrischen Häfen exportieren nicht viel. Die frühere Einteilung in Blätter-, Stengel- und Körner-Traganth, französische und englische Qualität usw., ist jetzt nicht mehr üblich.

1. Das sog. syrische Traganth zeigt die schönsten weißen Blätter. Die ausgelesenen Stücke meiner Sammlung sind wahre Prachtstücke. Die als extraweiß bezeichnete Handelsware (1910 CAESAR & LORETZ) bildet relativ kleine, dünne, weiße, gestreifte Blätter oder gezonte Stücke. Bei Ia weiß sind die Stücke größer, bei Ia gelblich etwas gefärbt und dicker, die Bänder fehlen, gezonte Stücke bilden die Regel. Auch IIa weiß ist noch eine sehr gute Ware. Ia naturell bildet derbe gelbliche, gezonte Stücke oder fächerartige Blätter. IIa naturell ist gelblich gefärbt.

2. Die beste Sorte des anatolischen, türkischen oder Levantiner Traganth, die aber jetzt oft im Handel fehlt, erhält große Blätter. Die als weiß bezeichnete Handelsware (1910, CAESAR & LORETZ) bildet kleine, etwas gefärbte Blätter und gezonte Stücke von nicht sehr schönem Aussehn, noch mehr gefärbt ist die Sorte fein hellblond und blond I. Alle Sorten stehen den entsprechenden syrischen nach. Sie zeigen ein schmutziges Aussehn. Die Stücke sind zertrümmert, was auf unsorgfältigen Transport schließen läßt.

3. Im persischen Traganth des Handels (1910) fehlen die dünnen Blätter ganz. Es besteht selbst bei der Sorte Ia aus ziemlich großen, gelblich gefärbten, derben, dicken, gezonten oder fächerförmigen Stücken, die oft konzentrische Wülste zeigen, und bei der Sorte IIa an der Ansatzstelle Reste der Rinde erkennen lassen.

4. Das griechische oder Morea-Traganth ist jetzt fast gar nicht mehr zu finden. (Er fehlte 1910 in den deutschen Preislisten.) Es repräsentiert im allgemeinen den Typus des Wurm- oder Fadentraganth (Fig. 137). Das beste Moreatraganth meiner Sammlung bildet wurmförmige oder knollige oder traubige Stücke, oder kurze, derbe, fächerartige Blätter. Die schlechteren Sorten sind mehr oder weniger gelb-bräunlich gefärbt, die besseren hellgelb. Das mir kürzlich durch EMMANUEL aus Kreta zugesandte Traganth bildet relativ dicke gelbliche Blätter und knollige Stücke. Es ähnelt den schlechteren Sorten des persischen Traganth. Kreta und Griechenland lieferten 1910 kein Traganth mehr für den Handel (EMMANUEL).

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 136.

Die Auslese des Traganth (Working traganth) in London.

[

Heap

in

Greenish

, Textbook.]

5. Unter Traganthon versteht der Handel die schlechtesten ausgelesenen Stücke, die eine gelbe, rötlichgelbe oder gelbbräunliche Farbe besitzen. In den Mustern meiner Sammlung prävalieren die kugeligen, knolligen, traubigen und wurmförmigen Stücke.

Zu dieser minderwertigen Sorte ist auch das Kuteragummi (auch kurzweg Kutera oder Kutira genannt) zu rechnen, ein aus Nordpersien von A. heratens. und strobiliferus stammendes T. (s. oben) mit deutlichen Membranresten, das früher bald von Acacia leucophloea (TH. MARTIUS), bald von einem Mesembryanthemum (VIREY), bald von einem Cactus (DESVAUX et DAMART) abgeleitet wurde. Kuteragummi löst sich in Wasser unter Druck bei 120° und zeigt dann die Eigenschaften des arabischen Gummi, ist also nach GIRAUD identisch mit dem unlöslichen arabischen Gummi von GÉLIS und dem Cerasin GUÉRINS. Auch das Mosul-Gummi (Moussoli) ist wohl nur ein schlechteres Traganth (HANBURY, nach anderen Pruneengummi).

Zu den echten Traganthen gehört auch, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt, das Bombay-Traganth, das in Indien eine Rolle spielt. Die Muster meiner Sammlung bilden gelbliche oder gelbbräunliche, knollenförmige oder traubige oder wurmförmige, im Querschnitte oft rundliche Stücke, Blätter sind selten.

Unter dem Namen gomme de Sassa (Lassa) und Pseudoadragante beschrieb GUIBOURT (Journ. chim. méd. 1832, 419 und Hist. d. drog. 7 ed. III, 450) zwei nach der mikroskopischen Untersuchung von Traganthsträuchern stammende T., von denen er das eine für identisch hält mit dem Gomme de Sassa von BRUCE (Voyage en Abysinie), von der Pflanze Inga Sassa WILLD., das andere zum Bassoragummi zieht, das er, sowie MÉRAT et LENS (Diction. III, 403, I, 80), als von A. gummifer abstammend ansieht. Beide enthalten viel Stärke. Das in meiner Sammlung als Inga Sassa (?) bezeichnete, aus im Querschnitt runden, langen Fäden oder Stäben bestehende T. ist durch eine feine helle netzleistenartige Zeichnung der Oberfläche ausgezeichnet, die aus Gefäßbündelresten besteht. Es scheint sich hier um den ganzen isolierten verschleimten Markzylinder nebst den umgebenden Resten des Holzkörpers zu handeln, der vielleicht nach Dekapitieren der Stengel herausgequetscht wurde. Auch HANBURY, der die Traganthsträucher am Libanon beobachtete, berichtet, daß, wenn man einen Traganthstrauch dekapitiert, aus dem Marke ein langer Gummifaden hervortrete.

Handel. Es wurden nach Deutschland eingeführt 1905 (1904) Traganth aus Persien 815 (471), aus Arabien 390 (46), Syrien 382 (507), Ägypten 345 (78), Kleinasien 700 (388), Brit. Ostindien 116 (24) dz. (GROSSMANN). Wir ersehen aus dieser Liste nur die Ausfuhr-, nicht die Produktions-Länder. 1909 importierte Deutschland 6148 dz., davon die Hälfte aus der asiat. Türkei, viel auch aus Persien, etwas aus Brit. Indien. Für den Import kommen in Betracht: New York, London, Marseille, Hamburg. Die Einfuhr nach Hamburg betrug 1904: 2618, 1905: 3340, 1906: 4616, 1907: 4747, 1908: 4613, 1909: 4346 dz. Nach Hamburg kommt viel Traganth via London, dann aus Persien, Arabien, Brit. Ostindien, Kleinasien, wenig aus Ägypten, Syrien und der europäischen Türkei. Die Einfuhr von Gum Traganth nach London betrug 1906: 13994, 1907: 13495, 1908: 13225, 1909: 13856 packages (Ballen). Amerika ist ein starker Abnehmer für anatolisches, Rußland für persisches T. Die Einfuhr von Traganth nach Nordamerika betrug 1908: 1309759, 1909: 1315091 pounds.

Traganthmarkt ist für den Export von anatolischem T. Konstantinopel, dann: Smyrna, Mersina, Samsoun. Jetzt geht ⅔ nach Konstantinopel, ⅓ nach Smyrna (1892: 80% nach Konstantinopel, 20% nach Smyrna). T. wird in Kleinasien nach Oka gehandelt (1 Oka = 1283 g). Die Ausfuhr Smyrnas betrug 1874: 4500 cwt (SCHERZER), 1905: 59794, 1906: 44142, 1907: 51310, 1908: 34566 kg. (Im Durchschnitt 4–5000 Sack.) Die anatolische Ernte betrug 1894: 480000 kg, 1908: 475000 kg, 1909 nur 400000 kg, d. h. nur ⅔ des früheren Durchschnitts (GEHE). 1904 und 1905 wurden in Anatolien 400000 Oka geerntet.

Das persische T. gelangt zum Teil via Bagdad über die Häfen des persischen Golfes, ein Teil auch über Ostindien nach Europa. Bagdad empfing 1903: 1496 Kharvar (1902: 1410) Traganth. Nach Rußland wurde via Tâbris (in Nordwestpersien) und Resht (am Caspimeer) etwa ein Drittel dieser Menge exportiert. Persisches Traganth wird meist nach Batman (I, S. 185) gehandelt. Man sortiert in Persien in 5 Qualitäten, davon gelangen die 3 besten zur Ausfuhr (1903). Für persisches (und syrisches) T. bildet jetzt London den Haupthandelsplatz.

Morphologie der Droge. Die Form des Traganth ist abhängig von den Öffnungen, aus denen es austritt: Aus Längseinschnitten tritt das Blättertraganth aus, dessen mehr oder weniger derbe, oft auf weite Strecken hin genau parallel verlaufende Streifung (Fig. 137, 1) von der Konfiguration der Wundränder, an denen es vorbei geschoben wird, bedingt wird, aus Löchern tritt das Traganth in Form von Tropfen, Fäden oder trauben- bzw. wurmförmigen Massen aus. Die Blätter zeigen oft eine eigenartige Zonenbildung. Dementsprechend zeigt das Traganth folgende typische Formen:

1. In ihrem Verlaufe nahezu gleich breite, bei größerer Länge spiralig gedrehte, «gelockte», relativ dünne, aber überall fast gleich dicke Bänder, die parallele Streifung und oft einen wellig verbogenen Rand zeigen (Fig. 137, 1).

2. An den Enden mehr oder weniger breit ausladende gezonte Blätter von verschiedener Dicke mit oft deutlicher, rechtwinklig zu den Zonen verlaufender Streifung (Fig. 137, 2). Die Zonen deuten wohl auf einen durch Wechsel in der Witterung, der Temperatur oder Belichtung hervorgerufenen stoßweisen Austritt.

3. Fächerförmige Stücke mit deutlichen Zonen und Radialstreifen (Fig. 137, 3).

4. Dicke, wurmförmige, hin und her gebogene, knollige Stücke, mit glatter, unter der Lupe oft rissig erscheinender Oberfläche (Fig. 137, 4).

5. Gekrümmte, mehr oder weniger dicke, im Querschnitt oft rundliche Fäden (Fig. 137, 5).

6. Zu unförmlichen Massen zusammengeschlungene, gelockte oder gekräuselte Fäden und Würmer (Fig. 137, 6).

7. Tropfenartige, meist ovale Stücke von verschiedener Größe, bisweilen zu derben, knolligen Massen vereinigt (Fig. 137, 7).

Die ersten drei Formen bilden das Blättertraganth (adragante en plaques, leaf-gum, flaky-g.) und aus diesem bestehen die besten Sorten. Die Bänder sind oft c. 10–15 mm breit und c. 1 bis 1,5 mm dick. Ihre Länge variiert. Ich besitze in meiner Sammlung 21 cm lange Bänder! Sie sind bald hell und durchsichtig wie Glas, bald weiß, bald gelblich, bald gelb oder gar bräunlich gefärbt. Man unterscheidet daher im Handel: Weißblatt, Blondblatt und Gelbblatt. Weißblatt hat stets ein dünneres Blatt als die beiden anderen und bildet die besten Sorten des Handels.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 137.

Formen des

Traganth

(vgl. den Text). 1 Typus 1, 2 Typus 2, 3 Typus 3, 4 Typus 4, 5 Typus 5, 6 Typus 6, 7 Typus 7.

[

Tschirch.

]

Die drei weiteren Formen (4–6) bilden das Wurmtraganth (vermicelli, T. vermicularis), Stengeltraganth, Sesam seed und Fadentraganth (adragante en filets), die letzte das Knollentraganth. Diese Formen finden sich nur in minderwertigen Sorten, wie besonders im Traganthon und Skardo (common, sorts).

Bildung und Anatomie. Die Ausscheidung des Traganth wurde zuerst von TOURNEFORT an A. creticus auf dem Ida in Creta studiert (I, S. 907, Fig. 411). Er hält das Traganth für den durch die Hitze im Juni und den folgenden Monaten verdickten Nahrungssaft, der durch Zusammenziehung der Holzfasern herausgepreßt werde. Er, wie OLIVIER, der die Ausscheidung in Persien an A. verus beobachtete, glauben, daß die als Austrittsstellen dienenden Wunden durch Tritte von Tieren hervorgebracht werden. OLIVIER gibt die Zeit der größten Sommerhitze als Zeit des Austretens an. LABILLARDIÈRE beobachtete die Ausscheidung auf dem Libanon an Astragalus gummifer im August, LANDERER an A. aristatus im August und September. Schon in RITTERS Erdkunde findet sich die Angabe, daß bisweilen Einschnitte gemacht werden. LABILLARDIÈRE gibt an, daß auf dem Libanon wolkige Nächte und starker Tau zum Austreten des Gummis nötig sind, daß dasselbe nur während der Nacht und kurze Zeit nach Sonnenaufgang reichlich ausfließt und daß auf den tiefer gelegenen Stellen des Libanon wachsende Sträucher, die zwar starker Tageshitze, aber wenig nächtlicher Feuchtigkeit ausgesetzt sind, nur wenig Traganth liefern. Auch FRAAS hält das Ausfließen für abhängig von der Witterung und meint, daß die größte Ausscheidung erfolgt, wenn auf kalten Regen große Hitze folge. TREVIRANUS spricht von einer gesteigerten Sekretion. Die Ansicht von KÜTZING, daß das Traganth ein Pilz sei, hat dann MOHL, der die Bildung des Traganth durch Untersuchung der Zweige zahlreicher Astragalus-Arten im wesentlichen richtig ermittelte, widerlegt. Er zeigte, daß es einer Vergummung des Markes und den Markstrahlen seine Entstehung verdankt. Er fand die Reste der Wand und die Stärke im Blätter- und Wurmtraganth, weniger im syrischen, der mehr und größere Stärkekörner enthält. WIGAND, WIESNER und ich haben dann die Sache weiter verfolgt. Bereits UNGER setzte übrigens das Traganth in Parallele zu den sekundären Schleimmembranen bei Linum und Cydonia, und schon SCHMIDT sah 1844 Reste von Zellmembranen und Stärkekörner im Traganth. DE CANDOLLE meint, daß das Aufschwellen des T. in Wasser davon herrühre, daß das Gummi «in Zellen eingeschlossen» sei.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 138.

Querschnitt durch einen Sproß von

Astragalus gummifer

. Mark und einige primäre Markstrahlen in voller Gummose, an einer Stelle ist das

Traganth

ausgetreten. Schh Schleimhöhlen der Rinde.

[

Tschirch.

]

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 139.

Querschnitt durch das Mark und den inneren Teil des Holzkörpers von

Astragalus gummifer

mit Hauptmarkstrahl im Mark. 0–4 die sukzessiven Stadien der Schleimbildung.

[

Tschirch

, Angew. Anatomie 1888.]

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 140.

Blättertraganth.

Querschnitt in Alkohol unmittelbar nach dem Zufließenlassen von Wasser.

[

Tschirch.

]

Das Traganth entsteht durch Bildung von Schleimmembranen in den Zellen des Markes und der Markstrahlen der Stammorgane der Traganth liefernden Pflanzen und Zusammenfließen der Zellen zu Schleimmassen, wobei die Mittellamelle entweder erhalten bleibt oder mit zugrunde geht, schließt sich also an die Bildung der Schleimhöhlen bei den Malvaceen, Tiliaceen und Sterculiaceen an. Durchschneidet man einen mehrjährigen Sproß von Astragalus gummifer, so erhält man folgendes Querschnittsbild. Die Rinde ist außerordentlich reich an großen Bastzellgruppen, innerhalb welcher eine nicht eben mächtige Innenrinde (Siebteil) liegt. Der Bastzellpanzer ist schon bei den einjährigen Zweigen so gewaltig, daß er bei weitem den größten Teil der Rinde einnimmt. Der Holzkörper besteht aus sehr zahlreichen Gefäßen, breiten Libriformgruppen und wenig Holzparenchym. Er wird durchzogen von nicht eben sehr zahlreichen, ein- oder zweireihigen Nebenmarkstrahlen und großen und bisweilen bis zehn Zellen breiten Hauptmarkstrahlen, deren Zellen die bekannte Radialstreckung der Markstrahlzellen zeigen. Durch die Markstrahlen wird der Holzkörper in im Querschnitte keilförmige Abschnitte geteilt (Fig. 138). Im Innern liegt das Mark. In diesem findet die Bildung der Schleimmembranen in erster Linie statt. Dieselbe beginnt im Zentrum des Markes und schreitet nach der Peripherie zu fort. So kommt es, daß man schon bei zweijährigen Zweigen alle Stadien der Vergummung nebeneinander zu sehen bekommt (Fig. 139). Die zu äußerst liegenden Markzellen sind noch gänzlich normal. Ihre unverdickten Membranen geben die Zellulosereaktion. Weiter nach innen zu werden die Membranen dicker. Bei den noch tiefer liegenden Schichten ist schon kaum noch das Lumen zu erkennen (vorausgesetzt, daß der Schnitt mit Wasser benetzt war und in Glycerin betrachtet wurde). Das oft verzerrte Lumen läßt häufig noch kleine Stärkekörner erkennen, die nur zum Teil zum Aufbau der Membranen aufgebraucht werden. Die Membran gibt nur noch eine geringe Zellulosereaktion, Schichten sind in ihr oft sehr deutlich zu erkennen. In der einzelnen Zelle schreitet die Vergummung der Wand von außen nach innen fort, so daß man also in den innersten Schichten eine deutliche Zellulosereaktion auch dann noch erhält, wenn die mittleren bzw. äußeren sie nur noch sehr schwach zeigen. Bei den noch tiefer liegenden Schichten ist nur noch die Mittellamelle als zartes Häutchen erkennbar, alles übrige ist vergummt, mit einziger Ausnahme einiger Stärkekörnchen. Ganz im Innern ist alles vergummt, doch sind selbst hier noch die Zellkonturen schwach zwar aber doch erkennbar erhalten. Bei den älteren Zweigen schreitet die Gummose immer weiter zur Peripherie des Markes vor und dringt nun auch in die breiten Hauptmarkstrahlen ein. Auch hier beginnt die Vergummung in den innersten Partien und schreitet gegen den Rand hin fort. Auch die Nebenmarkstrahlen scheinen der Vergummung bisweilen (aber jedenfalls selten) anheimzufallen. Ja selbst im Holzkörper sind bisweilen einige Gefäße nebst ihrer Nachbarschaft in Gummose begriffen und in dickeren Stengeln sah ich auch Gummidrusen in der Rinde (Fig. 138 Sch h). In erster Linie jedoch entsteht das Traganth, wie schon MOHL erkannte, durch eine zentrifugal fortschreitende Metamorphose der Zellmembranen des Markes und der primären Markstrahlen der Stengel. (In der Wurzel scheint das Traganth anders zu entstehen, LUTZ.) Tritt nun die Regenperiode ein, und nimmt die Pflanze reichlich Wasser aus dem Boden auf, so quellen die vergummten Partien stark auf und werden, wenn nun Trockenheit folgt, durch die schmalen, ebenfalls vergummten Hauptmarkstrahlspalten herausgepreßt, die Rinde durchbrechend: sie werden also als breite, senkrecht gestellte Bänder aus der Rinde hervortreten und diese Form besonders dann annehmen, wenn Längseinschnitte gemacht wurden. Ist der Übergang von Feuchtigkeit zur Trockenheit ein allmählicher, so werden die Bänder in langen gekrümmten Streifen hervortreten, ist der Übergang ein plötzlicher, so wird die Schleimmasse in Klumpen herausgedrückt. In beiden Traganthen kann man jedoch, wenn man dünne Querschnitte herstellt, noch deutlich die organische Struktur erkennen: nicht nur die Reste der Zellhäute, sondern ganze Zellen, sowie einzelne oder zu länglichen oder runden Gruppen vereinigte Stärkekörner sind noch, namentlich bei Anwendung von Jodlösung, im Lumen der Zellen gut nachzuweisen (Fig. 140). Die Stärkekörner gehören also den Schleimzellen an und sind nicht aus anderen Geweben beim Herausquellen des Schleims mitgerissen worden. Die wenigste Stärke enthält das kleinasiatische und syrische, schon mehr das persische, am meisten das Moreatraganth, bei dem auch die meisten, zum Teil ziemlich hoch zusammengesetzten, Körner vorkommen. Bei dem persischen Traganth steigt die Größe der Stärkekörner bis auf 20 mik und mehr.

Bei Herbarmaterial von Astragalus brachycalyx FISCH. fand WEYLAND in den Zellen der Markperipherie, der primären Rinde und der Markstrahlen einen festen, durchscheinenden, vom Plasmaschlauch umschlossenen Zellinhalt, der sich mit Jod blau färbte. (War das Material vielleicht erhitzt?)

Die Schichtung der herausgequetschten Schleimzellen ist beim syrischen, anatolischen und persischen Traganth vorzüglich zu sehen, wenn man zu dem in Alkohol liegenden Schnitte durch das Traganth Wasser vorsichtig zufließen läßt, wenig deutlich fand ich sie beim Moreatraganth. Bombaytraganth und Kuteragummi (abgeb. bei WIGAND) zeigen ebenso wie Traganthon auch geschichtete Membranen und Stärkekörner im Lumen. Sie entstehen also auch wie kleinasiatisches.

Eine ähnliche Schleimbildung scheint übrigens bei den Malvaceen Kydia calycina (Rinde) und Bombax malabaricum (Rinde) vorzukommen (Pharmac. indica). Bei Bombax scheint es sich um einen pathologischen Gummifluß zu handeln. Auch das Gummi der indischen Moringacee, Moringa pterygosperma GÄRTN. (gomme de benailé) zeigt typische Schleimzellen mit geschichteter Membran, aber keine Stärke (WIESNER).

In der Regel zeigen die Traganthschleimmassen keine Zellulosereaktion mehr. Doch beobachtete MOHL bei einigen Astragalusarten, die allerdings niemals Traganth liefern, eine vorübergehende Blaufärbung mit Chlorzinkjod. Da sich aber die jungen Schleimmembranen stets mit Chlorzinkjod färben, die alten nicht, so findet also beim Traganth eine Umbildung des Zelluloseschleims in echten Schleim statt, was wir bei den Malvaceenschleimzellen niemals beobachten, bei denen die Schleimmembran sofort als echter Schleim aufgelagert wird.

Lit. TOURNEFORT (vgl. I, S. 907). — OLIVIER, Reise durch d. türk. Reich III, 293. — LABILLARDIÈRE a. a. O. — FRAAS, Synops. plant. flor. class. p. 59. — DE CANDOLLE, Astragalogia 1802. — TREVIRANUS, Physiol. II, 21. — KÜTZING, Philosoph. Botan. I, 203 und Arch. Pharm. 8 (1851), — UNGER, Anatom. u. Phys. d. Pfl. — MOHL, Unters. über d. Entstehungsweise d. Traganthgummi. Botan. Zeit. 1857, 33. — WIGAND, Desorganisat. d. Pflanzenz. Pringsh. Jahrb. f. wiss. Bot. 3 (1861), 115. — WIESNER, Gummi u. Harze 1869 und Rohstoffe. — TSCHIRCH, Angew. Anatomie 213 u. Fig. 214. — SOLMS-LAUBACH, Bot. Zeit. 1874. — WEYLAND bei SOLEREDER, Systemat. Anatomie, S. 301. — FLÜCKIGER-HANBURY, Pharmacograph. — HARTWICH, Artikel Traganth in Realenzykl. d. Pharm. — LUTZ, Sur le mode de formation de la gomme adragante. Compt. rend. 1910, 1184 und Bull. soc. bot. France 57 (1910), 250.

Betrachtet man das Pulver in Alkohol, so sieht man zwischen einer körnigen Masse viele unregelmäßige helle Schollen. Läßt man alsdann Wasser zufließen, so quellen diese auf und lassen, bevor sie undeutlich werden, zunächst oft sehr deutliche Schichtung erkennen (Fig. 140). Tritt dann Jodlösung hinzu, so sieht man zahlreiche einzelne oder zu rundlichen bzw. gestreckten Gruppen vereinigte Stärkekörner zwischen unregelmäßigen Häuten. Die Körner sind meist rundlich, einfach oder zu zwei bis vielen zusammengesetzt, klein, 2–4 mik breit, doch kommen auch größere (bis 25 mik) vor (4–15, WIESNER). KOCH, der auch verquollene sah, fand sie 1–20, meist 6–10 mik breit mit oft auffallender Kernhöhle. Bisweilen fand ich im Traganthpulver auch einige Fragmente der Bastfasern und Gefäße der Traganthpflanze, seltener Rindenparenchymfetzen.

Lit. MOELLER, Pharmakogn. Atlas t. 43. — KOCH, Atlas IV, S. 193, Fig. 16. — KRAEMER, Proc. amer. pharm. assoc. 1898, 306.

Chemie. Über die Chemie des Traganth herrscht keine Klarheit, da es sehr verschiedene Sorten gibt und selten klar gesagt ist, welche untersucht wurde. Daß die einzelnen Sorten chemisch verschieden sind, ist zweifellos, denn die Menge der bei der Hydrolyse auftretenden Produkte ist verschieden (DREYFUS). J. OGLE fand z. B. in syrischem Traganth neben 18,92% Feuchtigkeit 35,94% lösliches «Gummi», das durch Alkohol, bas. und neutrales Bleiacetat fällbar war (nicht durch Borax), und nach dem Kochen mit Salzsäure Fehlingsche Lösung reduzierte, 42,39% «unlösliches Gummi», löslich in Kalilauge und 2,75% Asche. MASING fand in Smyrnaeer Traganth 3,34 (1.84)% Asche, 12,11 (10,91)% Feuchtigkeit und 23,08 (19,14)% lösliche Substanz. GERSTNER in Kutera 14% H2O, 44,6% Bassorin, 27,5–30% lösliches Gummi, 3,2–4% Asche.

Nach WILLIAMS beträgt die Gesamtkaliabsorption 11,05–11,98, das Verseifungsäquivalent 468–508, Kali zur Neutralisation der freien Säure 0,14, Jodabsorption keine bzw. 0,16, Verlust bei 100° 13,52–16,86, Asche 2,64–2,69. Traganthschleim läßt sich mit Ammonsulfat aussalzen (POHL).

Traganth gilt als der typische Vertreter der sog. Bassorin-Gummis, d. h. der mit Wasser nur quellenden, sich nicht darin lösenden. Bassorin gibt mit Salpetersäure 22,5% Schleimsäure (GUÉRIN-VARRY). Es wird mit Alkalien dünnflüssig (FRÉMY). Zuerst GUÉRIN nannte den Schleimstoff des Traganth Bassorin, GUIBOURT Adragantin, PEREIRA nennt den löslichen Teil Tragacanthin oder Adragantin, den unlöslichen Bassorin. Nach GIRAUD enthält Traganth 60% «composé pectique», (Adragantin, Pektose), 8–10% lösliches Gummi, 3% Zellulose, 2–3% Stärke, 3% Asche, c. 20% Wasser und Spuren von stickstoffhaltigen Substanzen. Das Adragantin enthielt 40,6% C, 5,35% H und 53,8% O. Nach GUIBOURT enthält das Traganth weder Arabin noch Bassorin, sondern ist eine organisierte gallertige Materie sui generis. Auch GIRAUD meint, daß Traganth nicht, wie GUÉRIN-VARRY angibt, aus Arabin und Bassorin, sondern hauptsächlich aus einer pektinartigen Substanz (Pektose FRÉMY) bestehe, der 7–10% lösliches Gummi beigemengt ist. Verdünnte Mineralsäuren bilden Glukose und Pektin, Alkalien und alkal. Erden Pektin, Pektinsäure und Metapektinsäure. Alkal. Erden bilden Niederschläge, die bei schwachem Erwärmen hart und eigelb werden (GIRAUDS Nachweis von Traganth). SCHMIDT fand in rohem Traganth 45,63% C und 6% H, in reinem Traganth 45,10–45,33% C und 6,16–6,27% H. Traganth soll der Formel C24H40O20 entsprechen. HILGER und DREYFUS formulieren jedoch: (C11H20O10)n. Sie fanden 42,4% C und 6,5% H. Das das Traganth vorwiegend bildende Polysaccharid nennen auch HILGER und DREYFUS Bassorin. Es reduziert weder SOLDAINIS Reagens noch FEHLINGsche Lösung, wohl aber ammoniakalische Silberlösung beim Kochen. Kalte 30–40% Alkalilauge führt das Bassorin in Oxybassorin: (C11H20O10)2O über, welches rechts dreht, SOLDAINIS Reagens und FEHLINGsche Lösung reduziert und mit den Metallen unlösliche Verbindungen bildet. Wird T. in Stücken mit kaltem Wasser maceriert, so erhält man bisweilen ein Filtrat, in dem Alkohol, in geringer Menge zugesetzt, weiße Flocken abscheidet (MAISCH). Auch Bleizucker scheidet zunächst eine Gallerte ab, erst später entsteht ein Niederschlag. Die Ansicht, daß der lösliche Teil des Traganths Arabin bzw. Arabinsäure sei (SANDERSLEBEN), ist nicht richtig (FRÉMY, POHL). T. enthält kein Arabin (DREYFUS). Es ist neutral und wird durch Borax, Eisenchlorid und Wasserglas nicht gefällt. Bleiessig und Bleiacetat geben eine Gallerte, die beim Erwärmen sich trübt und dann einen Niederschlag bildet. Mit Salpetersäure gibt Traganth Oxalsäure, Weinsäure, Zuckersäure und besonders Schleimsäure (GIRAUD). Die Menge der erhaltenen Schleimsäure wechselt. TOLLENS erhielt nur sehr kleine Mengen, DREYFUS 11,5–17%, GIRAUD 20%.

Die Hydrolyse lieferte GIRAUD (1876) einen reduzierenden Zucker. Auch SCHMIDT erhielt bei der Hydrolyse gärungsfähigen Zucker und ein Gummi, das mit dem aus Salep identisch war. Nach SANDERSLEBEN ensteht neben viel Sirup kristallisierbare Arabinose. Bei der Hydrolyse verschiedener Traganthsorten erhielten in neuerer Zeit WIDTSOË und TOLLENS Pentosen, aus einigen Sorten Arabinose, aus anderen Xylose, aus allen Fukose (Methylpentose, s. S. 299) und (in geringer Menge) Glukose und (wechselnde Mengen) Galaktose. Einige Traganthsorten enthalten 38,1–51,8% Xylan (TOLLENS und WIDTSOË). Möglicherweise bildet also entweder ein Galakto-Xylan oder ein Galakto-Araban den wichtigsten Bestandteil der Traganthe, denn das Traganth enthält (s. oben) auch oft beträchtliche Mengen eines bei der Oxydation Schleimsäure liefernden Bestandteils (GUÉRIN-VARRY, OGLE, POHL) — der Galaktosegehalt beträgt oft 15–21,5% (DREYFUS). Die Hydrolyse gewisser Traganthsorten soll ähnlich wie beim Gummi arabic. (s. d.) verlaufen. Als Hauptprodukt der Hydrolyse des wasserlöslichen Anteils entsteht zunächst eine linksdrehende Polyaraban-Trigalaktan-Geddinsäure (11 C10H16O8.3 C12H20O10.C23H36O20.H2O), die bei weiterer Hydrolyse 72% Arabinose und etwas Galaktose liefert (O’SULLIVAN). Das Bassorin einiger Tragantharten gibt mit überschüssigem Alkali die α- und β-Traganthan-Xylan-Bassorinsäure. Die α-Säure (C24H34O20.H2O) ist in kaltem Wasser löslich, dreht rechts (αD = +138,6°) und zerfällt bei der Hydrolyse mit verd. Schwefelsäure in Traganthose (eine linksdrehende Pentose, Fukose?) und Xylan-Bassorinsäure: C19H28O17, die fast unlöslich in kaltem Wasser ist, rechts dreht und bei weiterer Hydrolyse in Xylose und Bassorinsäure (C16H20O13) zerfällt, eine Substanz, die in kaltem Wasser unlöslich ist und in alkalischer Lösung stark rechts dreht (αD = +225°). Die in kaltem Wasser nicht lösliche β-Säure gibt ähnliche Hydrolysierungsprodukte (O’SULLIVAN).

Ich kann aus den Publikationen meist nicht klar ersehen, ob besonders die in allen Traganthen enthaltene Stärke, die primären Zellulosemembranen und die übrigen Beimengungen vor der Untersuchung des Schleims abgetrennt worden waren. Meist scheint dies nicht geschehen zu sein. Denn Traganth enthält ja auch Stärke (c. 3% DREYFUS, 2,3% GIRAUD, aber in einigen Sorten viel mehr, TSCHIRCH), Zellulose (die Reste der primären Membran, c. 4%), kleine Mengen stickstoffhaltiger Körper (TSCHIRCH), Dextrin und Invertzucker, sowie etwas Chlorkalium (DREYFUS). Die Stärkemenge im Traganth ist gering. Filtriert man daher einen kalt bereiteten Traganthschleim nach Verdünnung mit Wasser, so färbt sich der Filterrückstand mit Jod nicht schwarzblau, da die Stärkekörnchen in große Mengen unlöslichen Schleim eingebettet sind (doch sieht man bei Betrachtung mit dem Mikroskop die schwarzblau gefärbten Körnchen). Besser gelingt die Jodprobe, wenn man zu dem Traganthschleim direkt Jod zusetzt. Die suspendierten Teilchen färben sich alsdann blaugrau und nach dem Filtrieren erhält man einen blaugrauen Rückstand auf dem Filter und ein farbloses Filtrat. Die meisten Traganthsorten werden durch Natronlauge nicht in der Kälte, sondern erst bei gelindem Erwärmen gelb. Der diese Färbung bedingende Körper ist nicht derselbe, der die geringeren Sorten gelb färbt; denn auch, wenn man diesen mit 91% Alkohol entfernt, tritt trotzdem die Gelbfärbung mit NaOH ein (REUTER). Durch Alkohol wird den schlechtesten gelben Sorten ein Substanzgemenge entzogen, das ein Fett, einen Bitterstoff und einen Zucker enthält (REUTER). Wurmtraganth liefert nach LUDWIG 4,234% weingeistiges Extrakt (mit Spuren Zucker), Blättertraganth 1,557% (zuckerfrei). T. gibt beim Erhitzen mit KOH die Pyrrolreaktion (Rotfärbung des mit HCl befeuchteten Fichtenspans) und die Dämpfe färben Lackmus blau, gibt aber nicht die Oxydasereaktion (TSCHIRCH und STEVENS), enthält also im Gegensatz zu den Gummis und entsprechend seiner ganz anderen Bildungsweise keine Oxydase. Guajakharzlösung wird direkt auch nach 3 Stunden nicht gebläut (erst nach 10 Stunden tritt geringe Bläuung ein, RUNNE).

LUDWIG gibt den Wassergehalt auf 16,2% (Blättertraganth) bis 16,5% (Wurmtraganth), HILGER und DREYFUS auf 9,42–15,4%, PETERS (im feinem Pulver) zu 13,7–14,98%, WIESNER zu 11–17% an. Nach HILGER und DREYFUS soll die Farbe der verschiedenen Sorten wesentlich durch verschiedenen Wassergehalt bedingt sein (?) und die wasserreichsten besten Sorten auch die meiste Asche enthalten. Fadentraganth enthielt 3,1–3,57% Asche (LÖWENTHAL und HAUSMANN, HILGER und DREYFUS). In anderen Sorten wurde gefunden 3,16% (FLÜCKIGER), 2,89–2,95% (RÖDER), 2,68–2,85% (DREYFUS), 2,42–2,57% (PETERS), 1,75% (SCHMIDT) (s. auch oben), obere Grenze 3,5% (Pharm. helv. IV). In der Asche findet sich mehr Kalk als in der aller anderen Gummis: 76,3% CaCO3, aber relativ wenig Kali (11,9% K2CO3) und Magnesia (8,89% MgCO3), sowie 4,74% Calciumphosphat (RIDEAL und YOULE).

Lit. VAUQUELIN, Ann. de chim. 54, 312. Bull. d. pharm. 3, 56. — BUCHOLZ in GMELINS Handb. II, 779. — GUÉRIN-VARRY, Ann. chim. phys. (2) 49 (1832) 248 und 51, 522 und Journ. chim. méd. 7, 742. — FRÉMY, Journ. pharm. (3) 37, 81. Jahresb. d. Chem. 1860, 504. — H. LUDWIG, Pharmakogn. Beitr. (Gummi) Arch. Pharm. 132 (1855), 33. — FRANK, Chem. Centralbl. 1865, 902. — HERMANN in PEREIRAS Handbuch. — GIRAUD, Etud. comp. d. gommes et d. mucilages. Journ. pharm. chim. 1875, 485, 1876, 462. Compt. rend. 80, 477 u. l’Union pharm. 16, 249. — POHL, Zeitschr. phys. Chem. 14, 156. — V. SANDERSLEBEN in SACHSSES Phytochem. Unters. 1880. — SCHMIDT, Über Pflanzenschleim und Bassorin. Lieb. Ann. 51, 29. — GERSTNER in VALENTA, Klebe- u. Verdickungsm. 1884. — WILLIAMS, Chem. News 1888, 224. — OGLE, Pharm. Journ. 20, 1889, 3, Chem. Zeit. 13, R. 224, Arch. Ph. 1889, 905. — O’SULLIVAN, Proc. Chem. Soc. 17(1901), 156 (Chem. Zeit. 25, 569, Chem. Drugg. 1901). — MAISCH, Am. journ. pharm. 1889, 72. — TOLLENS und WIDTSOË, Ber. d. chem. Ges. 33, 132. — HILGER, Naturforschervers. München 1899. — HILGER und DREYFUS, Ber. d. d. chem. Ges. 33 (1900). — DREYFUS, Dissert. München 1900. — L. REUTER, Apoth. Zeit. 1890, 644. — TSCHIRCH, Gummasen. Pharm. Centralb. 1905, 504. — Aschenanalysen: RIDEAL und YOULE, Chem. Drugg. 1891, 788. — PHIL. RÖDER, Pharm. Post 1906, 298. — PETERS, Apoth. Zeit. 1909, S. 538. — LÖWENTHAL und HAUSMANN, Lieb. Ann. 89, 112. — LA WALL, Amer. journ. pharm. 1897, 141. — Asche, Löslichkeit, Wassergehalt: E. MASING, Vgl. Unters. d. wichtigst. Handelss. d. Traganth u. sein. Surrogate. Arch. Ph. 1880, 41.

Physikalische Eigenschaften. Traganth zeigt Doppelbrechung (WIESNER). Im Polarisationsmikroskop treten bei gekreuzten Nikols Polarisationsfarben hervor. Die Frage, ob diese Anisotropie auf Zusammensetzung der Substanz aus anisotropen Micellen beruht (SCHWENDENER), oder durch Zug und Druck zustande kommt (V. EBNER, WIESNER), wird von AMBRONN im erstgenannten Sinne beantwortet. «Die optischen Eigenschaften des Traganth im gequollenen Zustande sind auf das Vorhandensein optisch und räumlich anisotroper Micellen zurückzuführen», sagt AMBRONN, doch beobachtete EBNER, daß trockenes Traganth sich wie Glas verhält, d. h. durch Zug positiv, durch Druck negativ doppelbrechend wird; umgekehrt verhält sich gequollenes Traganth. Bei trockenen Traganthfäden ist das Elastizitätsellipsoid quergestellt (SCHWENDENER).

Das spez. Gew. des Traganth beträgt 1,384 (Watts Dict. und Enc. britt.). Es ist schwer genau zu bestimmen, da wenigstens die Blätter oft Luft einschließen.

Mit Wasser übergossen quillt Traganth stark auf; gepulvert liefert es mit dem 50fachen Wasser einen trüben schlüpfrigen, geschmack- und geruchlosen Schleim. Mit dem 200fachen Wasser häufig geschüttelt, zerfällt Traganth erst nach Wochen zu einem gleichmäßigen, trüben Schleim, der sich nur sehr langsam klärt (FLÜCKIGER). POHL hält den Traganth für löslich in Wasser, allerdings für sehr schwer löslich (1 : 1000). DREYFUS fand dagegen in Fadentraganth nur 0,06% wasserlösliche Bestandteile, FLÜCKIGER erhielt 0,47, MAIDEN 7,7, GIRAUD 8,10%; andere Sorten scheinen aber bis 50% und mehr (BUCHOLZ, GUÉRIN-VARRY) Lösliches zu enthalten. Traganth verhält sich im allgemeinen wie ein Kolloid. Traganthlösung gibt keinen osmotischen Druck, aber es konnte nur eine sehr verdünnte Lösung benutzt werden (MOOR und ROW). Eine «Lösung» des Traganth 1 : 1000 läßt sich filtrieren. Der wasserlösliche Anteil des Traganth zeigte FLÜCKIGER im Polarisationsapparat keine Drehung. Die unter Zusatz von Ammoniak, das die Löslichkeit erhöht, hergestellte Lösung (FLÜCKIGER) des Traganth drehte rechts. In Chloralhydrat löst sich Traganth, aber es bleibt eine wolkige Trübung in der Flüssigkeit, die wohl von den Zellulosehäuten herrührt (WIESNER). Die schön gelb gefärbte Lösung in verdünntem KOH bleibt auch nach Zusatz einer Säure klar, erst auf Zusatz von Alkohol entsteht eine Fällung. Diese besitzt keine sauren Eigenschaften. Traganth bleibt auf 100° erwärmt hell und zeigt auch dann keine Risse.

Traganth ist weicher als Akazien- und Kirschgummi, zähe und hornartig, schneidbar. Der Bruch ist eben. Die helle weiße Farbe der besten Sorten wird besonders durch reichlich eingeschlossene Luft bedingt. Die luftarmen Sorten erscheinen glänzend und gefärbt, die hellen matt. Traganth ist stets geruchlos.

Lit. WIESNER, Gummi u. Harze 1869 und Rohstoffe. — SCHWENDENER, Sitzungsb. d. Berl. Akad. 1889 u. 1890. — V. EBNER, Unters. über d. Urs. d. Anisotropie organ. Subst. 1882 u. Sitzungsber. d. Wien. Akad. 1888. — AMBRONN, Ber. d. d. Bot. Ges. 7 (1889), 103. — MOOR and ROW, Bioch. journ. 2, 34. — POHL a. a. O. — DREYFUS a. a. O.

Verfälschungen. Die guten Traganthsorten sind leicht kenntlich und mit nichts anderem zu verwechseln. Bei den schlechteren kommen Vermischungen oder Substitutionen mit falschen Traganthen und (s. d.) und anderen Gummis vor; die von KLENKE erwähnten, aus Mehl, Brot oder Kleister und Gummi geformten «künstlichen» Traganthe habe ich nicht gesehen. Der «Traganthersatz» von CARL BOSCHAN besteht aus: Stärke 20, Leim 6, Glyzerin 2, mit Wasser erhitzt. Neuerdings (1909) wurde T. mit indischem Gummi von Sterculia urens ROXB. und Cochlospermum Gossypium DC. verfälscht gefunden (SCOVILLE). Traganth muß geruch- und geschmacklos sein. (1905 [FRANCIS] und 1907 [STOEPEL] waren bittere in Handel). Das Bombaxgummi ist adstringierend. Mit Gummi arabic. vermischtes Traganth gibt dünnere Schleime als reines Traganth in entsprechender Konzentration (WHITE).

Die Unterschiede zwischen Sterculiagummi und echtem T. beschrieb MAIDEN: Mit kaltem Wasser bleibt Sterculiagummi farblos und bildet eine körnige Gallerte, wenig oder gar nicht klebrig, Traganth opaleszierend, weiche, zähe klebrige Masse. Beim Kochen in verdünntem Alkali ist Sterculiagummi unlöslich. Traganth löst sich fast ganz. Bei Behandlung mit Natronhydrat und Erwärmen zeigt Sterculiagummi keine Farbenänderung. Traganth bekommt eine kanariengelbe Farbe, die beim Abkühlen verblaßt. Beim Kochen mit verdünnter Säure ist Sterculiagummi löslich, bildet Arabin; Traganth löslich, bildet Pektin (GIRAUD). Fügt man obiger Flüssigkeit Alkohol hinzu, so bildet Sterculiagummi einen weißen Niederschlag, Traganth eine eiweißähnliche Masse. Das spez. Gew. beträgt bei dem Sterculiagummi über 1,4, der Aschengehalt ist ziemlich hoch: 5,83% (St. urens), 7,8% (St. Tragac.), 8,19% (St. diversifol.), 9% (St. rupestris). Stärke enthalten die Sterculiagummis nicht.

HANBURY beobachtete 1855 Bleiweiß als «Schönungsmittel» von Traganth. Auch KICK und GINTL berichten bei minderwertigen Sorten von «Bestreichen mit Bleiwasser», um die gefärbten Sorten den weißen ähnlicher zu machen (?).

Im Pulver ist fremde Stärke (Mais- und Weizenstärke, 1906 OHLIGER), getrockneter und gemahlener Stärkekleister (KICK und GINTL), Dextrin (1905 in Amerika) und Gummi arabicum beobachtet worden. Fremde Stärke und Stärkekleister sind durch das Mikroskop leicht nachzuweisen, ebenso Dextrin (vgl. S. 200, Fig. 73). Die Schollen von etwa beigemengtem Gummi arabicum lösen sich rasch in Wasser. CAESAR und LORETZ (Jahresber. 1910, 121) weisen beigemengtes Gummi arabicum durch die Oxydasereaktion des letzteren (mit Guajacol-Wasserstoffperoxyd) nach. Die Methode rührt von PAYET her. Es ist aber eine seit langem bekannte Erscheinung, dass Guajacharz und Guajactinktur wohl durch (mit kaltem Wasser bereiteten) Gummischleim, nicht aber durch Traganthschleim gebläut wird (BERG, Pharmakogn. 1869) und die Guajactinktur ist schon von PLANCHE zur Unterscheidung der beiden empfohlen worden. Auch RUNNE bezeichnet sie als das geeigneteste Reagens zum Nachweise von Gummi arab. im Traganth. Weniger eignen sich Benzidin-Wasserstoffperoxyd-Essigsäure und α-Naphthylamin. Auch der Umstand, daß Gummi arabicum mit Pyrogallol Purpurogallol liefert, Traganth nicht, ist zur Erkennung eines Gummizusatzes benutzt worden (FLÜCKIGER). Traganth bräunt sich nur mit Pyrogallol. Indisches Gummi (s. oben), das auch im Pulver beobachtet wurde (1909), läßt sich folgendermaßen nachweisen. Setzt man zu einem Schleime (2 auf 100) 2,0 Borax und läßt über Nacht stehen, so wird die Mischung nach 24 Stunden klebrig und fadenziehend, wenn mehr als 5% indisches Gummi beigemischt wurde (SCOVILLE). 2,0 Traganth geben, wenn rein, mit 5,0 Wasser einen Teig, der beim Drücken nur wenig an den Fingern klebt (HAGER) und der FEHLINGsche Lösung nicht merklich reduziert.

Lit. SCOVILLE, Pharm. Journ. 28 (1909), 493. — STOEPEL, Apoth. Zeit. 1907, 1064. — FRANCIS, Bull. Pharm. Detroit 1905. — WHITE, Pharm. Journ. 1905, 133. — PAYET, Rep. de Pharm. 1904, 301 (Ann. chim. anal. 1905). — RUNNE, Z. Prüfung des Traganths. Apoth. Zeit. 1909, 389. — OHLIGER, Proc. Michig. Pharm. Assoc. 1906, 48 und PEINT, Oil and Drug. Rep. 1905. — MAIDEN, Amer. journ. pharm. 1890. — KICK und GINTL, Techn. Wörterbuch IX (1888), 567. — FLÜCKIGER, Pharmakogn. — WIESNER, Rohstoffe. — HANBURY, Science papers, p. 117.

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