← Table of contents
Handbuch der Pharmakognosie

I. Kohlehydratdrogen. (continued 14)

Reading edition

Auch ein Teil des Ghatti, Ghátí oder Gatti gum aus Indien wird von A. arabica gewonnen (ATKINSON). Das Gummi der von Penjáb bis Behar vorkommenden A. arabica heißt in Indien Babul gum (babúl-kí-gónd, kikar, ki-gónd, babúl-gónd) und ist ein minderwertiger Ersatz für Cordofangummi. Man sammelt es im März und im April. Ein Baum liefert 2 lbs (WATT, Dict.). Das Gattigummi meiner Sammlung (1888) bildet relativ große, hellgelbliche, glasige Knollen. Der Namen Ghátí (das Adjektiv ghati bedeutet: aus dem Lande Desh stammend, DYMOCK) wird aber auch für das Gummi von Anogeissus latifolius benutzt (s. weiter hinten S. 437).

Weniger Bedeutung besitzen die Gummis von Acacia leucophloea (ist in Wasser reichlich löslich), von Ac. Catechu (auch fälschlich unter dem Namen babul gum gehend), hauptsächlich in rundlichen, gefärbten Tränen (reichlich in Wasser löslich), von A. modesta WALL., kommt aus Nordindien unter dem Namen Amritsargummi in kleinen Tränen oder wurmförmigen Stücken (sehr löslich in Wasser) und von Acacia Farnesiana aus Sind, rundliche Stücke, hellgelb-rötlichbraun, (in Wasser teilweise löslich); enthält oft einen Pilz (Ascomycet?) und Kristalle. Auch das Gummi von Ac. ferruginea DC., A. Jacquemontii BENTH., A. lenticularis HAM. und A. Suma KURZ wird in Indien gesammelt.

Das indische Gummigeschäft wird oft durch Pest und Hungersnot ungünstig beeinflußt. Gummi wird neuerdings auch sortiert in: glasig, blaß, ostindisch fein, ostindisch-rot Amrad.

Vorderindien exportierte Gummi arabic. 1905/06: 3967, 1906/07: 2684, 1907/08: 3010, 1908/09: 1119 cwts.

C. Australisches Acaciengummi.

Aus Australien, das ja sehr reich an Acacien ist, wurde besonders seit der Gumminot Gummi exportiert (1899: 2186, 1905 aber nur 98 cwts). Obenan steht hier das Gummi des Golden oder Common Wattle Tree, A. pycnantha BENTH., das sog. Wattle gum aus Victoria. Es bildet große, gelbliche oder rötliche, wasserlösliche Tränen, ist aber bisweilen gerbstoffhaltig; dann das ebenfalls wasserlösliche Gummi (Sidneygummi) von A. decurrens WILLD. (A. mollissima WILLD.), des Black oder Green Wattle tree und die G. von A. homalophylla A. CUNN., A. pendula CUNN., A. sentis F. V. M.

Als gummiliefernd werden auch A. excelsa, A. Farnesiana, A. harpophylla, A. neriifolia criophylla und A. microbotrya angegeben. Die Gummis von A. binervata DC., A. dealbata LK., A. elata CUNN., A. glaucescens WILLD., A. penninervis SIEBER, A. vestita KER. Gawl. sind nicht ganz löslich und lassen 4–41% ungelöst. Exportiert wird zurzeit vornehmlich das Gummi von A. pycnantha. Die Eigenschaften der australischen Gummis gehen aus folgender Tabelle MAIDENS hervor.

I. Gruppe (Arabin-Gruppe) Arabin Metarabin (Bassorin) Feuchtigkeit Asche

Acacia homalophylla 79,84 — 16,83 2,86

„ pendula var. glabrata 79,5 — 17,51 2,39

„ sentis 76,97 — 17,88 4,59

II. Gruppe (Übergang zu III) Arabin Metarabin (Bassorin) Holz- substanz Feuchtigkeit Asche

Acacia binervata 76,57 4,24 1,62 16,01 0,771

„ dealbata 76,37 4,163 1,0 16,3 1,12

„ elata 74,20 6,85 — 17,73 0,581

„ glaucescens 66,59 12,30 0,5 16,48 3,18

„ penninervis 70,30 11,42 — 16,67 0,66

III. Gruppe (Metarabin-Gruppe) Arabin Metarabin (Bassorin) Holz- substanz Feuchtigkeit Asche

Acacia decurrens (Cambewarra) 41,07 32,96 — 23,26 2,38

„ decurrens (Rydalmere) 23,45 49,88 — 25,45 1,706

„ decurrens (Gosford) 30,10 44,45 — 20,57 3,418

„ decurrens (Valley) 29,10 46,20 — 21,02 2,827

„ decurrens (Sydney) 17,20 56,14 — 23,83 2,08

„ mollissima 23,82 52,10 — 21,66 2,081

„ mollissima var. Leichhardtii 9,20 66,59 — 21,20 2,28

„ mollissima var. Leichhardtii 7,90 63,80 — 23,83 3,80

„ vestita 38,99 46,40 1,2 11,63 0,954

D. Amerikanisches Acaciengummi.

Ohne große Bedeutung ist z. B. das sog. Paragummi aus Brasilien, das von A. Angico MART. gesammelt wird und dem Arab. G. ähnlich ist. LEMELAND fand in einem Gomme de Brésil (Angico) 7,8% Unlösliches, 12,75% Wasser, 2,2% Asche, 20,6% Galaktane, 70,2% Pentosane. Es lieferte Arabinose und drehte αD = +46°94. Auch VÉE analysierte (1888) brasilianisches G. Das Cujigummi aus Caracas wird von A. micrantha BENTH. abgeleitet. Wasser löst nur 26%.

Eine gute Übersicht über die Beschaffenheit der Acaciengummis gibt folgende Tabelle von MARTINA.

Name des Gummis Ort der Herkunft Asche % Kalk in Gummi % Kalk in der Asche % Schleimsäure % Galaktose % Furfurol % Pentosen % Gesamt- glukosen % Galaktose +Pentosen %

Arabisches Arabien 3,60 1,04 28,88 22,98 30,66 13,57 27,14 58,30 57,80

„ Senegal 3,25 0,90 27,69 19,72 26,29 12,97 25,94 57,58 52,23

„ Ghezireh 2,75 0,94 34,13 12,42 17,89 19,32 36,62 60,66 54,52

„ Senegal 3,30 0,95 28,70 15,13 20,17 16,75 33,50 60,59 53,67

„ „ 7,16 1,21 16,89 22,68 30,24 16,58 33,16 64,34 63,40

„ „ 3,30 1,07 29,39 12,30 16,68 22,40 44,80 61,53 61,48

„ Aden 3,70 1,33 35,40 18,68 24,90 15,26 30,52 56,90 55,42

„ Mogador 3,50 0,78 22,30 18,10 24,13 13,90 27,80 50,31 51,93

„ Neu-Holland 0,50 — — 45,82 61,09 10,85 21,70 43,75 82,79

„ Egypten 3,60 0,64 17,77 14,95 19,93 15,56 31,12 55,10 51,05

„ Keggias 3,15 1,17 37,14 10,27 13,69 21,06 42,12 57,72 55,81

G. Chartum Obernil 3,05 1,22 40,00 5,67 7,56 24,60 49,20 63,90 56,76

G. bianca Sudan 3,30 1,00 30,30 6,72 8,96 17,60 35,20 42,76 44,16

Arabisches Ostindien 4,16 0,97 23,31 14,75 19,66 17,68 35,96 56,52 55,62

G. Galam Senegal 3,00 0,53 17,66 15,15 20,20 13,91 27,82 47,16 48,02

G. Adansonii „ 4,05 0,61 15,06 4,00 5,34 21,10 42,20 46,11 47,54

A. Senegal „ 3,30 0,78 23,63 10,03 13,37 13,89 27,78 43,80 41,05

A. nilotica Egypten 2,80 1,36 45,00 5,91 7,88 21,44 42,88 49,13 50,16

„ „ „ 2,60 0,77 29,61 13,40 17,86 30,10 60,20 70,80 78,06

A. homaloph. Melbourne 2,20 0,78 35,45 55,41 73,77 9,75 19,50 71,57 93,27

A. Lebbeck Isle d. France 3,25 0,49 15,07 22,99 30,75 17,10 34,20 66,20 64,90

A. dealbata Van Diemensland 0,65 — — 39,09 52,12 8,89 17,68 73,93 69,80

A. della Vesta Australien 0,75 — — 45,49 60,65 10,27 20,54 59,86 81,19

A. Angico Brasilien 2,89 — — 1,23 1,63 40,35 80,70 74,22 82,33

Name des Gummis Ort der Herkunft Asche % Kalk in Gummi % Kalk in der Asche % Schleimsäure %

Arabisches Arabien 3,60 1,04 28,88 22,98

„ Senegal 3,25 0,90 27,69 19,72

„ Ghezireh 2,75 0,94 34,13 12,42

„ Senegal 3,30 0,95 28,70 15,13

„ „ 7,16 1,21 16,89 22,68

„ „ 3,30 1,07 29,39 12,30

„ Aden 3,70 1,33 35,40 18,68

„ Mogador 3,50 0,78 22,30 18,10

„ Neu-Holland 0,50 — — 45,82

„ Egypten 3,60 0,64 17,77 14,95

„ Keggias 3,15 1,17 37,14 10,27

G. Chartum Obernil 3,05 1,22 40,00 5,67

G. bianca Sudan 3,30 1,00 30,30 6,72

Arabisches Ostindien 4,16 0,97 23,31 14,75

G. Galam Senegal 3,00 0,53 17,66 15,15

G. Adansonii „ 4,05 0,61 15,06 4,00

A. Senegal „ 3,30 0,78 23,63 10,03

A. nilotica Egypten 2,80 1,36 45,00 5,91

„ „ „ 2,60 0,77 29,61 13,40

A. homaloph. Melbourne 2,20 0,78 35,45 55,41

A. Lebbeck Isle d. France 3,25 0,49 15,07 22,99

A. dealbata Van Diemensland 0,65 — — 39,09

A. della Vesta Australien 0,75 — — 45,49

A. Angico Brasilien 2,89 — — 1,23

Name des Gummis Ort der Herkunft Galaktose % Furfurol % Pentosen % Gesamt- glukosen % Galaktose +Pentosen %

Arabisches Arabien 30,66 13,57 27,14 58,30 57,80

„ Senegal 26,29 12,97 25,94 57,58 52,23

„ Ghezireh 17,89 19,32 36,62 60,66 54,52

„ Senegal 20,17 16,75 33,50 60,59 53,67

„ „ 30,24 16,58 33,16 64,34 63,40

„ „ 16,68 22,40 44,80 61,53 61,48

„ Aden 24,90 15,26 30,52 56,90 55,42

„ Mogador 24,13 13,90 27,80 50,31 51,93

„ Neu-Holland 61,09 10,85 21,70 43,75 82,79

„ Egypten 19,93 15,56 31,12 55,10 51,05

„ Keggias 13,69 21,06 42,12 57,72 55,81

G. Chartum Obernil 7,56 24,60 49,20 63,90 56,76

G. bianca Sudan 8,96 17,60 35,20 42,76 44,16

Arabisches Ostindien 19,66 17,68 35,96 56,52 55,62

G. Galam Senegal 20,20 13,91 27,82 47,16 48,02

G. Adansonii „ 5,34 21,10 42,20 46,11 47,54

A. Senegal „ 13,37 13,89 27,78 43,80 41,05

A. nilotica Egypten 7,88 21,44 42,88 49,13 50,16

„ „ „ 17,86 30,10 60,20 70,80 78,06

A. homaloph. Melbourne 73,77 9,75 19,50 71,57 93,27

A. Lebbeck Isle d. France 30,75 17,10 34,20 66,20 64,90

A. dealbata Van Diemensland 52,12 8,89 17,68 73,93 69,80

A. della Vesta Australien 60,65 10,27 20,54 59,86 81,19

A. Angico Brasilien 1,63 40,35 80,70 74,22 82,33

II. Gummi von Pflanzen, die nicht zur Gattung Acacia gehören.

A. Indische Gummis.

Außer den oben genannten G. von Acaciaarten produziert Vorderindien noch eine ganze Anzahl anderer G. und bringt einige auch zur Ausfuhr. (1887 schon 60000 Quint.) Obenan steht hier das G. von Feronia Elephantum CORR., einer in Vorder- und Hinterindien, Ceylon und Java vorkommenden baumartigen Aurantiee, die viel G. aus der Rinde ausschwitzt. Dies Wood apple gum ist das wertvollste indische G. Es findet sich in kleinen farblosen bis rötlich-braunen unregelmäßigen Tränen oder großen Klumpen oder Stalaktiten oder hornförmigen Stücken, ist, wenn nicht mit anderen G. vermischt (was öfter vorkommt), ganz (oder doch zu 75%) in Wasser löslich und gibt eine Lösung, die stärker viskos ist als die des G. arab. Die Lösung rötet Lakmus, dreht rechts (+0,4°, FLÜCKIGER) und wird gefällt durch Alkohol, Ammonoxalat, Alkalisilikat, Eisenchlorid, Bleiacetat und Bleiessig, Ätzbaryt, nicht durch Borax und Pottasche. Es enthält 17% Wasser und 5,12% Asche und gibt mit HNO3 Schleimsäure. Es ist mit G. arab. nicht identisch. Feroniableiarabat gab z. B. 14,76% PbO. Bleiarabat 30,6% PbO. LEMELAND fand im G. von Feronia Eleph. 8,4% Unlösliches, 17,7% Wasser, 4,3% Asche, 51,8% Galaktane, 40,1% Pentosane. Es lieferte Galaktose und drehte αD = −6°41′. Es ist das beste indische Ersatzmittel fürG. arab. und wird als solches von der Pharmacopoea indica empfohlen. Da es keine Oxydasen enthält, ist es also in mancher Hinsicht besser als jenes (GORIS et LEFÈVRE).

Ein anderes wichtiges G. ist das auch unter dem Namen Ghattigummi, G. indicum Gháti oder Dhaurag. (s. oben S. 435) im Handel vorkommende G. der Combretacee Anogeissus latifol. WALL. (und A. pendula EDZW.). Es bildet jedenfalls die Hauptmasse des Ghati von Bombay (Pharm. indic.) und wird in großen Mengen exportiert, etwas auch aus franz. Indien und Nord-Nigeria. Es bildet rundliche oder wurmförmige, bernsteingelbe oder farblose, opake Stücke mit glasigem Bruch, frei von Rissen, löst sich, wenn rein, in Wasser, hat die doppelte Viskosität wie G. a., ist also sehr wertvoll, seine besten Sorten auch für pharmazeutische Zwecke wohl brauchbar.

Weniger wichtig sind dann die folgenden indischen G. (vgl. Pharmacogr. indic.). Zunächst das G. von Melia Azadirachta L. (Meliacee) in großen Tränen oder wurmförmigen Stücken, farblos bis bernsteinfarben, leicht löslich in Wasser, die Lösung gelatiniert durch Eisenchlorid und Bleiessig, nicht durch Borax oder Bleiacetat (wird auch in Réunion, Gouadeloupe und Franz. Indien gesammelt, BOCQUILLON). Swietenia Mahagoni (Meliacee) aus der Rinde, helle Fragmente, löst sich leicht in Wasser, Lösung reduziert FEHLINGsche Lösung. — Pithecolobium dulce (Mimosee) in rundlichen Tränen von rotbrauner Farbe; in Wasser löslich. — Pithecolobium Saman (Mimosee) liefert ein schlechtes G., das in Wasser aufquillt. — Prosopis spicigera, viele Risse, sehr brüchig, gibt eine dunkel gefärbte viskose Lösung, ein wertvolles Gummi, ähnlich dem Mesquileg. — Albizzia procera wächst bei Bombay. Das G. bildet rötlich-braune, glatte Tränen, wird beim Liegen opak und löst sich dann nicht mehr vollständig, enthält oft Hyphen, Kristalle und Gewebetrümmer. — Albizzia stipulata gibt ein dunkelgefärbtes G., das in Wasser nur aufquillt und nur wenig löslich ist. — Albizzia Lebbeck bildet glatte Stalaktiten, ist nicht immer ganz löslich. — Albizzia odoratissima, große transparente Tränen von Bernsteinfarbe, quillt nur mit Wasser. — Albizzia amara BOIV., süßlich, mit hoher Klebkraft. — Anacardium occidentale L. (Acajoug. Cashawag.), gelbe bis rotbraune Stalaktiten, trübe löslich, reduziert Fehlingsche Lösung, dreht links. Wird auch in Brasilien, Martinique und Guadeloupe gesammelt (BOCQUILLON, Beschreibung in WIESNER, Rohstoffe). Semecarpus Anacardium in Cochinchina, Indien, Neucaledonien, Réunion (enthält 96% Bassorin) — Spondias Mangifera, gelblich bis rotbraun, mit viel Wasser einen Schleim gebend. — Odina Wodier ROXB. in großen brüchigen, rissigen Tränen und Stalaktiten von heller bis Bernsteinfarbe. — Mangifera indica. LEMELAND fand im G. von Mangifera indica 60,64% Unlösliches, 16,5% Wasser, 4% Asche, 30,36% Galaktane, 42% Pentosane. Das G. lieferte Arabinose. Es drehte αD = −25°33′. Buchanana laitifol. ROXB. völlig löslich. — Bauhinia purpurea wenig löslich. — B. variegata L., enthält viel Stärke und Calciumoxalat, unregelmäßige Stücke, nicht vollständig löslich. — Cedrela Toona (Meliacee) von den Nilagiris, bildet einen dicken Schleim. Wird beim Aufbewahren unlöslich. — Terminalia Belerica in Tränen und wurmförmigen Stücken, schwillt nur in Wasser, enthält Kristalle. — Terminalia tomentosa WIGHT et ARN., nur zum Teil löslich. — Aleurites moluccana, teilweise löslich, enthält oft Pilzhyphen. — Poinciana regia, enthält viel Kalkoxalatsphärokristalle, löslich in Wasser zu einem dicken Schleim, reduziert etwas FEHLING. — Chloroxylon Swietenia aus Bangalore, in Wasser kaum löslich. — Eriodendron orientale, ähnlich dem Cochlospermumg. (WIESNER). — Bombax malabaricum ROXB. und B. pentandrum L., Malabargummi. — Aegle Marmelos. — Diospyros melanoxylon. — Moringa pterygosperma (gomme de ben ailé Moscherus, G. Shega, auch aus Réunion), wohl eher ein Traganth (s. d.), wie das von Cochlospermum Gossypium (s. unter Traganth). Beschreibung bei WIESNER. — Über die Sterculiaceeng. siehe unter Traganth (S. 406) und Bull. Imp. Inst. London 1910, 361.

Unter den ostindischen Sorten finde ich 1910 bei GROSSMANN auch Camporeg. (Cownpore ist eine der besten technischen G. Sorten Indiens, MORPURGO), in der Liste von FRITZ ein Elas-India (?) aufgeführt.

Übersicht der Löslichkeit und der Reaktionen von indischen Gummis. (Nach Pharmacographia indica.)

A. Dem arabischen ähnliche Gummis, in Wasser löslich.

Neutrales Bleiacetat Eisenchlorid Borax

Acacia arabica — — Gelatinisiert

„ leucophloea? — — Gelatinisiert

Anogeissus latifolia — — Gelatinisiert

Acacia modesta Wird niedergeschlagen Gelatinisiert —

Feronia Elephantum Wird niedergeschlagen Gelatinisiert —

Swietenia Mahagoni Wird niedergeschlagen Gelatinisiert —

Acacia Catechu — Gelatinisiert Gelatinisiert

Pithecolobium dulce — Gelatinisiert Gelatinisiert

Melia Azadirachta — Gelatinisiert —

Prosopis spicigera Wird niedergeschlagen Gelatinisiert Gelatinisiert

B. Gummis, die sich leicht in Wasser lösen, aber einen mehr oder weniger trüben Schleim bilden, infolge unlöslicher, suspendierter Substanzen.

Bleiessig Eisenchlorid Suspendierte Substanzen

Anacardium occidentale — — Ein gelbliches Öl

Odina Wodier — Gelatinisiert Ein gelbliches Öl

Bauhinia variegata Wird niedergeschlagen Gelatinisiert Stärkekörner

Poinciana regia — Gelatinisiert Calciumoxalat in Sphaero-Kristallen

Keines dieser Gummis wurde durch Borax gelatinisiert.

C. Gummis, die unvollkommen löslich sind und einen mehr oder weniger gelatinösen Schleim bilden mit einer großen Menge Wasser.

Neutrales Bleiacetat Eisenchlorid Borax

Cedrela Toona — — —

Albizzia Lebbeck — Gelatinisiert —

Acacia Farnesiana — Gelatinisiert —

Albizzia procera — Gelatinisiert —

Spondias mangifera Wird niedergeschlagen Gelatinisiert —

Aleurites moluccana Gelatinisiert — Gelatinisiert

D. Gummis, die zu einer gelatinösen Masse aufschwellen, sehr wenig löslich.

Albizzia odoratissima — Albizzia stipulata — Bauhinia purpurea — Terminalia belerica — Chloroxylon Swietenia.

Auch LÜHN bestimmte bei zahlreichen indischen Acacien- u. and. Gummis Viskosität, Klebkraft, Asche, Verhalten zu Alkohol, Eisenchlorid und Bleiacetat. Ebenso untersuchte MASING (1880) zahlreiche indische Sorten. (Siehe Lit.)

B. Javanische Gummis.

In Java finden sich wenige Gummis, das Klima ist zu feucht. Das beste ist das wasserlösliche Mimbagummi von Azadirachta indica JUSS. (PRINSEN Geerligs).

C. Australische Gummis.

Das Gummi der australischen Meliacee Flindersia maculosa ist vorzüglich; es enthält c. 80% Arabin, 16,5% Wasser und 2,6–2,7% Asche (MAIDEN). Dann liefern Eucalyptusarten (WIESNER), z. B. Euc. rostrata (BROWNSCOMBE) Gummi, sowie Grevilleaarten, z. B. Gr. robusta (RÖSER und PNAUX). Weitere australische Gummis erwähnt MAIDEN. Sie stammen von Mezoneurum Scortechinii F. V. M., einer Caesalpiniee (Barristergummi, quillt nur in Wasser), Panax dendroides var. angusta F. V. M., einer Araliacee (nur quellbar), Panax Murrayi F. V. M. (löslich). Auch andere Panaxarten (P. elegans, P. sambucifol. var. angustum) werden angegeben (HARTWICH).

D. Amerikanische Gummis.

Das Cajougummi (s. oben S. 438) ist das Gummi von Anacardium occidentale L. Es ist löslich in Wasser. — Das Mesquitég. (Mezquite, Misquit, Miquit) aus den südlichen Vereinigten Staaten, Mexiko und Südamerika, besonders von Texas bis Kalifornien, von der Mimosee Prosopis glandulosa TORREY u. and. Prosopisarten (vgl. WIESNER, Rohstoffe), ist eine untergeordnete Sorte, die nur in der Technik und Malerei brauchbar ist. Einige Sorten sind löslich in Wasser, von süßem Geschmack, andere lösen sich nur teilweise (WIESNER). VALENTA und STOHMANN stellen diesem Gummi ein günstiges Prognostikon. — Das amerikanische Chewing gum stammt von Prosopis dulcis SCHIEDE. — Das Sonorag. Mexikos, früher von Mimosa coccifera abgeleitet (SOUBEIRAN), ist wohl auch ein Prosopisg. Bei seiner Bildung ist, wie es scheint, ein Tier (Coccus?) beteiligt. Die Mexikaner nennen es auch tzinacantuitlatl (= stercus vespertilionum). Ebenso wird das Goma de cujé yaque aus Venezuela von Prosopisarten abgeleitet. Außer den angeführten Prosopisarten werden noch besonders genannt: P. horrida KUNTH, P. inermis H. B. K., P. pubescens BENTH. — Das Ciruelagummi aus Caracas stammt von Bunchosia glandulifera H. B. K. Es ist vollständig in Wasser löslich (HARTWICH). — Das Guaramachog. aus Caracas von Pereskia Guamacho ist nur zu 48% löslich, das Cederng. aus Caracas von Cedrela odorata sogar nur zu 25%. — Das Chagual- oder Magueygummi aus Chile, das lösliche und nur zum Teil lösliche Stücke, meist Hohlzylinderfragmente, enthält und bei dessen Bildung auch ein Tier (Castnia elegans) beteiligt ist, stammt von Bromeliaceen, und zwar Puya-(Pourretia)-Arten (WIESNER, HARTWICH). Es löst sich meist nur zu c. 16–18% in heißem Wasser (HARTWICH), ist daher eines der bassorinreichsten. Die Gallerte färbt sich mit Soda gelb. Es enthält 13,46% Wasser und 2,43% Asche (WIESNER). Doch kommen sehr verschiedenartige Produkte unter dem Namen im Handel vor. Die Farbe schwankt zwischen farblos und schwarz. — Das «Goma de orore» von Venezuela stammt von Pithecolobium hymenaeaefol. BENTH., das «Goma de caro» von ebenda von Enterolobium cyclocarpum GRIS. (ERNST, vgl. bei WIESNER), das «Goma de tuna» von Venezuela und den Antillen von Opuntia ficus indica (ERNST, HANAUSEK). — DOMIMGUEZ beschreibt zwei argentinische G.: Cebil von Piptadenia Cebil GRISEB. (enthielt 80,78% Arabin) und Brea von Caesalpinia praecox R. et PAV. (mit 77,9% Arabin). Er erwähnt auch ein brasilianisches G. von Piptadenia rigida BENTH., das 80,7% Arabinose aber nur 1,63% Galaktose und 1,2% Schleimsäure lieferte. Die Herkunft des Perugummi ist unbekannt. Einige (GINTL, HOEHNEL) leiten es von einer Asphodelusart ab, WIESNER bestreitet die Ableitung.

Lit. Cordofang.: DAVID a. a. O. — BEAM, III Rep. Wellc. res. Labor., Khartoum 1908. — Senegalg.: SOUBEIRAN, Des gommes du Sénégal. J. ph. chim. 1856. — FLÜCKIGER, Schweiz. Wochenschr. 1869. — VUILLET, Gommes etc. du Sénégal. Bull. jard. col. Paris 1901. — Somalig.: REVOIL, Voyages au Cap des Aromates. Paris 1880. — DURAND, Voyage au Sénégal. 1802. — CORRE, Journ. pharm. 1876. — Pharm. Post 1896 und Bull. soc. pharm. du Sud Ouest. — WÖRDEHOFF und SCHNABEL, Zeitschr. trop. Landwirtsch. 1897. — Somalig.: MILES, Roy. geogr. Soc. 1872. — Capg.: VÉE, Thèse. Paris 1888. — HAHN, Zeitschr. Ges. f. Erdkunde. 1868, 214. — Tunisg.: DOUMET-ADANSON, Note sur l’acac. gommifère de la Tunesie. Rep. pharm. 1874. — Mogadorg.: J. D. HOOKER und JOHN BALL, Journal of a tour in Marocco and the Great Atlas etc. London 1878. Bot. Jahresb. 1878, 899. — G. aus Deutsch-Südwestafrika: HARTWICH, Apoth. Zeit. 1897 u. 1898, Nr. 22. — THOMS, Tropenpfl. 1898. — SIEDLER, Ber. d. pharm. Ges. 1898. — K. DIETERICH, Ebenda 1898. 87. — WARBURG, Zeitschr. trop. Landw. 1898. — MANNICH, Tropenpfl. 1901, 284. — GESSERT, Zeitschr. f. trop. Landwirtsch. 1898. — G. aus Deutsch-Ostafrika: VOLKENS, Notizbl. d. K. Bot. Gart. Nr. 14 (1898). — BUSSE, Reisebericht V, 1900. Naturw. Wochenschr. 1901. Ber. d. pharm. Ges. 1904. — WAAGE, Ber. d. pharm. Ges. 1893. — THOMS, Notizbl. d. Bot. Gart. 1899. — MANNICH, Gummiarten Deutsch-Ostafrikas. Tropenpfl. 1902, 201. — Togo: FENDLER, Tropenpflanzer 1903, 228. — Angola: MOLLER, Tropenpfl. 1898. — Nord-Nigeria: G. from North. Nig. Bullet. Imper. Instit. London 8 (1910). — Indische G.: FLÜCKIGER, Pharm. Journ. 10 (1869) 641. — HANBURY a. a. O. — PREBBLE (East Ind. gums). Pharm. Journ. 1892, 683 u. 1893, 22. — GORIS et LEFÈVRE, Ghati-Gummi. Bull. Sc. pharmacol. 1904, 17. — LEMELAND (G. von Mangifera indica). Journ. pharm. 1904, 584. — MASING, Vergl. Unters. einiger indischer Handelssorten d. arab. G. (Tabelle). Arch. pharm. 59 (1880) 34. — LÜHN, Indische G. Pharm. Zeit. 1902. — RIDEAL und YOULE, Pharm. Journ. 1891, 147. — DYMOCK, Veget. mat. med. West. Ind. 1885. — Pharmacograph. indic. — Javag.: PRINSEN Geerligs, Rev. cult. col. 1902. — Austral. G.: MAIDEN, Chemistry and commercial possibilities of wattle gum Pharm. Journ. 20 (1890) 869 und Panaxgum Pharm. Journ. 1892. — J. WIESNER, Unters. über d. Sorten von sog. Eucalyptusgummi, welche in d. Samml. d. Öster. Apoth. Ver. enthalten sind. Zeitschr. d. Öster. Ap. Ver. 1871. — F. V. MÜLLER, Select plants for industr. cult. in Victoria. 1876. — BROWNSCOMBE, G. Eucal. rostr. Pharm. Journ. 1899. — RÖSER et PNAUX, Anal. de la gomme du Grevillea robusta. Journ. ph. 10 (1899) 398. — MAIDEN, Proc. Linn. Soc. New South Wales 1891 u. 1892. — Amerikan. G.: SYMES, Notes on Brazilian Drugs Yearbook of ph. 1882. — SOUBEIRAN, La gomme de Sonora. Journ. pharm. 1855, 196. — MILLER, Mezquite gum. Pharm. journ. 1876. — HARTWICH, Chagual-Gummi. Z. öster. Ap. Ver. 1896, 565 (dort die Literatur). — HOEHNEL, Öster. Chem. Zeit. 1900. — DOMIMGUEZ, Note sur deux gommes d. l. Rep. Argent. Rev. farmac. Buenos Aires 1904.

LEMELAND, Contrib. à l’étude d. quelqu. gommes (Gezireh, Cordofan, Brésil, Cochlosperm., Feronia u. and.). Thèse 1905. — THOMAS MABEN, Notes on some gum samples. Pharm. Journ. 20 (1890), 717, Pharm. Zeit. 1891, 122. — SIMMONDS (Gummisorten des Hand.), Bull. of pharm. 1891. — MARTINA, l’Orosi 1894 (Apoth. Zeit. 1894, 296). — BOCQUILLON (Gummisort. d. franz. Hand.). Rep. de pharm. 1899, 194. — T. F. HANAUSEK, Gummi in LUEGER, Techn. Lexikon. — HARTWICH, in HAGER-FISCHER-HARTWICH, Pharmaz. Praxis. — WIESNER, Gummi u. Harze und Rohstoffe. — VALENTA, Klebe- und Verdickungsmittel. Catal. d. colon. franc. Exposition intern. Paris 1867. — COOKE, Rep. of the gums etc. of the East India Museum 1874. — GEHE & CO., Handelsberichte. — FLÜCKIGER, Pharmakogn. (dort auch die Lit. der Reisen). — USES, Propert. a. production of gums, Bullet. Imper. Inst. London 6 (1908) 29.

Handel. Hauptgummihäfen sind Hamburg, London, Bordeaux, Marseille, Triest, Antwerpen, New York, Melbourne, dann auch Hâvre, Liverpool, Barcelona. Hamburg importierte 1908 seewärts 32758 dz Gummi arabicum; davon aus Ägypten: 17576, Brit. Ostindien: 4210, kleinere Mengen aus Westafrika (1084), Argentinien, Kamerun, Marocco, Australien, Syrien, Arabien, Persien, beträchtliche Mengen über London und Frankreich. Die Einfuhr an Gummi Senegal ging von 1087 (1907) auf 512 dz (1908) zurück; dagegen kam erheblich mehr (1383 dz), über Portugal. Deutschland importierte 1909: 25424 dz Gummi aus Ägypten (aus Brit. Indien 13590 dz). Triest importierte 1908: 8487, 1909: 4484 dz Nilgummi. Frankreich importierte 1908: 74145 Quint.; davon entfielen auf Ägypten 30550, auf den Senegal 28525. Bordeaux importierte 1909: 24807 quint. Senegal und 5804 quint. Nilgummi. Die Einfuhr von Gummi arabicum aller Art nach London betrug 1906: 12779, 1907: 10776, 1908: 8540, 1909: 10733 packages. Die britische Einfuhr an Gummi arabicum betrug 1908: 63786, 1909: 84710, 1910: 107367 cwt (die Ausfuhr 1909: 20440, 1910: 33068 cwt). Nordamerika importierte G. arab. 1907: 7084468, 1908: 4895897 und 1909: 4153958 pounds. Nordamerika importierte G. Senegal 1907: 298258, 1908: 148618, 1909: 111942 pounds. Die Ausfuhren s. bei den einzelnen Sorten.

Morphologie und Anatomie der Droge. Bestes Cordofangummi bildet mehr oder weniger rundliche, seltener wurmförmige, helle, weißliche oder höchstens gelbliche Stücke von verschiedener Größe (bis nußgroß), die außen matt und von zahlreichen Rissen durchzogen sind und leicht in kleinmuschelig-eckige, scharfkantige, glasglänzende, zuweilen leicht irisierende Fragmente brechen. Bei 100° erweitern und verlängern sich die Risse und das Gummi wird bröckelig. Das Senegalgummi ist meist etwas rötlich, was besonders bei Betrachtung in größerer Masse hervortritt, und zeigt weniger Risse. Es wird aber im Schwefelsäureexsikkator auch stark rissig (FLÜCKIGER). Wurmförmige Stücke sind bei ihm häufiger. Während die Risse beim Cordofangummi stets bis in tiefere Schichten reichen, sind sie beim Senegalgummi auf eine oberflächliche Schicht beschränkt. Dadurch lassen sich selbst die besten Sorten Senegalgummi von dem Cordofangummi unterscheiden (WIESNER). Mikroskopisch zeigen die Fragmente des Gummipulvers bisweilen eine leichte Streifung (WIESNER, KOCH) und bei beginnender Lösung Körnelung, eine eigentliche Struktur, etwa wie beim Traganth, oder Zellwandreste sind nicht wahrzunehmen. Nur sehr selten finden sich in den guten Sorten kleine Stärkekörner oder mit Stärke erfüllte Rindenzellen. Wenn man sehr große Mengen löst, verdünnt und lange absetzen läßt, findet man bisweilen dergleichen, häufiger sind, auch in den guten Sorten, Bastfasern, wie überhaupt Fragmente des Rindengewebes. Gummischleim muß stets coliert werden.

In aus schlechteren Sorten hergestelltem Pulver fand KOCH: Bastfasern, Holzelemente, Kork, Pilzmyzel, Pollenkörner, Haare, Blattfragmente und Gesteinstrümmer, aber Stärke auch nur in Spuren.

Abbild.: WIESNER, Rohstoffe. — KOCH, Mikr. Anal. d. Drogenpulver IV, S. 169. —

Chemie. JOHN führte den Namen Cerasin, CHEVREUL den Namen Arabin ein, GUÉRIN fügte dann noch das Bassorin hinzu und so haben sich bis heute die drei Gruppen erhalten, obwohl schon BERZELIUS darauf hinwies, daß dies keinen tieferen Einblick in die Chemie dieser Gruppe zu tun erlaube. Arabin ist in Wasser löslich, Cerasin und Bassorin quellen nur darin. Die letzteren unterscheiden sich nur dadurch, daß Cerasin mit Alkalikarbonaten gekocht Calciumkarbonat abscheidet und in Lösung geht, Bassorin scheidet bei gleicher Behandlung keinen Kalk ab. Cerasin kann also als metarabinsaurer Kalk betrachtet werden. Beide reduzieren FEHLINGsche Lösung nicht und geben bei der Hydrolyse Arabinose und Galaktose. Im G. arabicum ist nur Arabin enthalten, im Kirschgummi Cerasin, im Traganth (s. d.), Chagual- und Moringagummi Bassorin. NEUBAUER und FRÉMY gelang es Cerasin in Arabin überzuführen.

GUÉRIN fand im G. arabicum kein Bassorin, 79,4% wasserlösliches Arabin, 17,6% H2O und 3% Asche; im Senegalgummi kein Bassorin, 81,1% wasserlösliches Arabin, 16,10% Wasser und 2,8% Asche. Auf 150° erhitzt wird G. arabicum zum Teil unlöslich, nimmt also die Eigenschaften des Kirschgummis an (GELIS). Mit Natronlauge färbt sich Gummi nicht, nach einigen Stunden wird es gelblich, damit erwärmt rasch schwarz (FLÜCKIGER). Alkohol von 52 vol % löst Gummi nicht, verdünnter etwas, im Verhältnis zu seinem Wassergehalt. In dem doppelten Gewichte Wasser löst sich G. arabicum langsam aber vollständig (Unterschied von den bassorin- und cerasinhaltigen Gummis) zu einem klebenden, aber nicht fadenziehenden, hellgelblichen Schleim von saurer Reaktion. Das Verhalten zu Wasser wechselt bei den einzelnen Sorten sehr. Nur die Gummis, welche sich in Wasser, bis auf einige beigemengte Pflanzenreste, vollständig zu einem filtrierbaren oder doch kolierbaren Schleime lösen, sind für pharmazeutische Zwecke brauchbar. Andere Gummis «geben einen scheinbar völlig homogenen Schleim, der aber nicht filtrierbar ist, andere eine mehr oder weniger konsistente Gallerte, bei anderen wieder quellen die einzelnen Körnchen so weit auf, daß scheinbar ein gleichmäßiger Schleim entsteht, in dem aber bei genügender Verdünnung die einzelnen Körnchen sich erkennen lassen, bei anderen trennt sich der Schleim bald in zwei Teile, einen gewöhnlich sehr konsistenten dicken und einen wässrigen, dünnen, und schließlich kommen Sorten vor, die nur mehr oder weniger aufquellen» (HARTWICH). Bleichen mit Chlor oder schwefliger Säure vermindert die Löslichkeit. Der Gummischleim wird durch Beimischung eines gleichen Volumens Alkohol weiß und gallertig, klärt sich aber auf weiteren Zusatz des fünffachen Volumens Wasser wieder vollständig. Auch durch Wasserglas, Eisenchlorid, Ferrisulfat (LASSAIGNE) und Boraxlösung (LAMBERT und GIESEKE) wird der Schleim zu einer steifen Gallerte verdickt. Der Gummischleim ist eine kolloidale Lösung. Er ist mit Bleiacetat ohne Fällung mischbar (Unterschied von den Schleimen), erleidet dagegen selbst in einer Verdünnung 1 : 50000 durch Bleiessig noch eine Fällung (LASSAIGNE). Gerbsäure fällt Gummilösung nicht (Unterschied von Leim). G. arabicum läßt sich aus der Lösung mit Ammoniumsulfat, Ammoniumphosphat oder Kaliumacetat nicht aussalzen (POHL). Die bei der Gärung des Gummischleims entstehende Säure ist Milchsäure (Arabinsäure liefert hierbei fast nur Milchsäure, BOURQUELOT). Gummischleim neigt nicht zur Schimmelbildung. Bei längerer Aufbewahrung bildet sich Zucker. Die Jodabsorption des G. arabicum bestimmte GRÉLOT (100 g absorbierten 7 mg J). Jod und Natriumbicarbonat bilden aus G. arabicum etwas Jodoform, mit Kalk erhitzt entsteht neben Aceton auch Metaceton (FRÉMY). Essigsäureanhydrid bildet Acetylarabine (SCHÜTZENBERGER und NAUDIN). Hefe und Diastase sind ohne Einfluß auf Arabin. G. arabicum reduziert FEHLINGsche Lösung auch bei 60–70° nicht.

VAUQUELIN fand bereits, daß das G. arabicum ein organisches Kalksalz ist. Die Säurenatur des Arabins (der Arabinsäure) erkannte C. NEUBAUER (1857). Er betrachtete das Arabin als das saure (Kali-, Magnesium- und) Kalksalz der Arabinsäure. Das Calcium läßt sich durch Oxalsäure fällen oder nach Zusatz von HCl durch Dialyse entfernen. Auch FRÉMY betrachtete das Gummi als das Kalksalz einer sehr schwachen wasserlöslichen Säure (acide gummique), die durch Hitze in ein unlösliches Isomeres (acide metagummique, Metarabinsäure) übergeht. Kalk verwandelt die unlösliche Säure wieder in Calciumgummat. Auch Calciumgummat wird durch Hitze unlöslich. GRAEGER stellte die Metarabinsäure zu den Pektinen. Ob die Metapektinsäure (Zellulosesäure FRÉMYS) mit der Arabinsäure SCHEIBLERS aus Rüben und diese mit der Arabinsäure NEUBAUERS identisch ist, erscheint im Lichte der neueren Untersuchungen zweifelhaft. Das G. arabicum wird seit SCHEIBLER als ein wechselndes Gemenge von zwei Bestandteilen, einem rechts- und einem linksdrehenden aufgefaßt (Rechts-Arabin und Links-Arabin). Im normalen Kalksalz der Arabinsäure sind 2,15 bis 2,50% CaO enthalten (NEUBAUER). Zur Darstellung der Arabinsäure (NEUBAUER, SCHEIBLER) wird das Gummi in Wasser gelöst, filtriert, mit Essigsäure (BÉCHAMP) angesäuert und dialysiert — es dialysieren Zucker und anorganische Salze —, die eventuell mit Essigsäure angesäuerte im Dialysator verbleibende Lösung wird mit Alkohol fraktioniert gefällt. Eine so dargestellte Arabinsäure enthält aber, wie ich gezeigt habe, stets Stickstoff und alle bisherigen Analysen sind, da es unmöglich ist, die stickstoffhaltige Substanz quantitativ abzutrennen, mit N-haltigem Material gemacht worden (TSCHIRCH und STEVENS). Die übrigens vorwiegend in den ersten Alkoholfällungen enthaltenen N-haltigen Bestandteile lassen sich zum Teil auch dadurch entfernen, daß man die mit Kochsalz versetzte Lösung zunächst mit einer mit Essigsäure angesäuerten Tanninlösung fällt.

Der Arabinsäure, dem Arabin der Autoren, das auch im Tierreich gefunden wurde (? STÄDELER), wird bald die Formel (C12H22O11)n resp. C12H20O10.H2O (NEUBAUER, SCHEIBLER), bei 120° getr. C6H10O5, bald die viel kompliziertere C89H142O74 oder C91H142O74 (O’SULLIVAN) gegeben. Jedenfalls ist ihr Molekulargewicht sehr groß (über 2000, GLADSTONE und HIBBERT). Sie löst sich, nur wenn sie feucht ist, in Wasser leicht, trocken quillt sie in Wasser nur langsam auf. Die wässrige Lösung reagiert sauer und dreht links. Das Drehungsvermögen wird sehr verschieden angegeben (−25,5° bis −98,5°, ja sogar Rechtsdrehung) und steht im Zusammenhang mit der relativen Menge der bei der Hydrolyse abgespaltenen Araban- und Galaktangruppen (GUICHARD), neben denen auch zuweilen bei gewissen Gummis Glykosan- (nicht aber Fruktosan- und Mannan-) Gruppen vorhanden sind. RÜMPLER erhielt sie in mikroskopischen Nadeln. Durch Erhitzen über 100° geht sie in Metarabinsäure über, die in Wasser nur froschlaichartig aufquillt. Bei höherem Erhitzen entsteht Furol (SCHIFF), beim Erhitzen mit Kalk viel Aceton neben wenigen Furanderivaten, mit Salpetersäure Schleimsäure, bei der Kalischmelze CO2, Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Oxalsäure und Bernsteinsäure (HLASIWETZ und BARTH), durch Destillieren mit starker Salzsäure Furol (aus den linksdrehenden Arten das meiste, HERZFELD). Da die Lösung der Arabinsäure sauer reagiert, hat man daher in der Bestimmung der Acidität ein Mittel der Identifizierung in der Hand.

Die Säurezahl einiger G. bestimmte zuerst WILLIAMS. BEAM fand bei Cordofan hard variety: 9,89–12,15% Wasser, 2,66–3,28% Asche, Acidität (mg KOH auf 1,0) 2,66–2,93, bei Cordofan softer: 11,69–12,14% Wasser, 2,77–2,86% Asche, Acidität 2,48–2,57. Bester Hashab grosse gum (Turkey) enthielt: 9,03% Wasser und 0,34% Unlösliches und zeigte eine Acidität von 3,14. — Granular sorts cleaned: 8,70% H2O und 2,67% Unlösliches, Acidität = 2,95. — Siftings: 7,45% H2O und 20,12% Unlösliches, Acidität = 1,95. BEAM fand bei Senegalgummi picked: 9,18–11,20% Wasser, 2,45–3,33% Asche, Acidität 2,45–3,33. Bei Senegal crude gomme du bas du fleuve: 9,60–10,50% Wasser, 3,33–3,41% Asche, Acidität 2,14–2,50. Galam: 10,19–10,57% Wasser, 3,22–3,39% Asche, Acidität 2,50–2,54. Salabreda: 11,51% Wasser, 2,81% Asche, Acidität 3,56.

Daß bei der Hydrolyse des Gummis ein Zucker entsteht, fand bereits LUDWIG (1859). Bei der Hydrolyse der Gummis (und der Arabinsäuren) entstehen neben Gummisäuren (O’SULLIVAN) Pentosen und Hexosen. Sie enthalten also Hexoso-Pentosane. Es entstehen aber selbst bei derselben Handelssorte wechselnde Mengen der Zucker, woraus man schließen muß, daß es verschiedene Arabinsäuren gibt oder wechselnde Gemenge vorliegen. Unter den Hydrolysierungsprodukten wurde in erster Linie Arabinose (S. 274) (GUÉRIN VARRY, SCHEIBLER, CLAËSSON, VON LIPPMANN, KILIANI) und Galaktose (S. 274) (Kiliani) gefunden, bisweilen auch etwas Glukose (VOTOCEK und VONDRACEK) und Xylose (HAUERS u. TOLLENS); nach ULLIK soll auch ein Mannan in einigen Gummis enthalten sein, was der Bestätigung bedarf. Doch herrschen stets Arabinose und Galaktose beträchtlich vor. Daß arabisches Gummi bei der Oxydation mit Salpetersäure Schleimsäure gibt, fand bereits GUÉRIN Varry. Entsprechend der wechselnden Menge Galaktose zeigt auch die bei der Behandlung mit Salpetersäure entstehende Schleimsäure verschieden hohe Beträge [bis 66,7%(?) MAUMENÉ]. Man kann aus der Menge der gebildeten Schleimsäure (S. 282) die Galaktosemenge berechnen (TOLLENS, KILIANI) (75 Schleimsäure = 100 Galaktose). Die rechtsdrehenden Gummiarten liefern meist weniger Schleimsäure als die linksdrehenden. KILIANI erhielt bei verschiedenen Gummis 14,3–38,3% Schleimsäure, bei Cordofan- und Senegalgummi 20,7–24%, (vgl. auch die Tabelle von MARTINA S. 437). Daneben treten Oxalsäure, Weinsäure (LIEBIG), Mannozuckersäure, Trioxyglutarsäure, Zuckersäure, Arabonsäure, Galaktonsäure auf.

Den Pentosanen kommt die Phloroglucin- und die Orcin-Reaktion zu. Phloroglucin in Salzsäure (20%) gibt beim Erwärmen eine kirschrote Lösung (IHL), die einen Absorptionsstreifen zwischen D und E FRAUNHOFER zeigt (TOLLENS, WHEELER und ALLEN). Orcin in Salzsäure gibt in der Kälte eine blauviolette, beim Erwärmen erst rötliche dann violette Färbung, zuletzt blaugrüne Flocken, die in Alkohol gelöst ein Band zwischen C und D geben (REICHL, REINITZER, ALLEN u. TOLLENS). Ebenso kommt die Eigenschaft des Gummis beim Kochen mit 12% Salzsäure Furfurol (S. 274) zu liefern (STONE und TOLLENS) den Pentosanen zu, und man kann aus der Menge des gebildeten Furfurols die Arabinose berechnen. G. arabicum ergab c. 28% (GÜNTHER), Kirschgummi 45,5–59% (CHALMOT, FLINT und TOLLENS). Der Pentosangehalt des Gummis schwankt in weiten Grenzen zwischen 20,65% im australischen und 51,21% im argentinischen Gummi (HEFELMANN). Die Cerasingummis enthalten mehr Pentosane als Galaktane (LEMELAND). (Bei der Furfurolreaktion tritt auch Lävulinsäure und Ameisensäure auf.) HEFELMANN fand keine Beziehung zwischen der Menge der Pentosen und dem Handelswert. (Vergl. auch die Tabelle von MARTINA S. 437).

Im Gummi von Acacia Senegal und anderen Acaciaarten fand ROSENTHALER neben Pentosen auch Methylpentosen und WIDTSOË und TOLLENS konnten Methylpentosane nicht nur in G. arabicum und Traganth, sondern auch im Gedda-, Brasil- und Kirschgummi nachweisen. Möglicherweise enthält das G. arabicum auch Fucosan. (S. 292).

EDIE erhielt (nach KROEBER und RIMBACH bestimmt) Pentosen, als Arabinose berechnet, bei Cordofan: 33,52–35,49%, bei Senegal 33,66–34,59%. Die Galaktose (bestimmt durch Hydrolyse mit Essigsäure und Reduzieren mit Fehlingscher Lösung, enthält wohl auch die Pentosane, TOLLENS) betrug bei Cordofan: 50,52–53,04%, bei Senegal: 51,72–53,17% (BEAM). In dem rechtsdrehenden Gummi von Acacia arabica WILLD. fand MEININGER 21,85% Galaktan und 50,43% Pentosane (die Hydrolyse lieferte Galaktose und Arabinose), in dem rechts- (+ 53,94°) drehenden Gummi von Acacia horrida WILLD.: 27,36% Galaktan, 36,5% Pentosane und 2,83% Methylpentosane (die Hydrolyse lieferte Galaktose und Arabinose), in dem links- (−19,37°) drehenden Gummi von Acacia pycnantha BENTH.: 58,72% Galaktan, 16,98% Pentosane und 2,92% Methylpentosane (die Hydrolyse lieferte Galaktose und Arabinose). Auch das Opuntiag. liefert Arabinose und Galaktose (HARLAY), ebenso alle anderen untersuchten Acaciagummis (MARTINA, vgl. S. 437, STONE) und das Pfirsich-, Kirsch- und Pflaumengummi (STONE, BAUER) — Kirschgummi ist ein gutes Material zur Arabinosedarstellung (BAUER, KILIANI) — ferner das Rübengummi (LIPPMANN), das Gummi von Mangifera indica (LEMELAND), das Weingummi (HUBERT). Der G. von Cochlospermum Gossypium und das von Feronia elephantum liefern bei der Hydrolyse Galaktose und eine Pentose, die mit Arabinose nicht identisch ist (LEMELAND). Das Chagualgummi liefert Xylose und i-Galaktose (WINTERSTEIN), ebenso das Laplatagummi, aber kein Acacieng. gab Xylose (HAUERS), Es enthalten Ostafrikan. G.: 22,59% Galaktan, 29,53% Pentosane; Cochlospermum Gossyp.: 45,28% Galaktan, 32,97% Pentosane (LEMELAND); Feronia elephantum: 51,84% Galaktan, 40,16% Pentosane; Aprikosengummi: 23,6% Galaktose, 48,57% Arabinose (LEMELAND); Chagualgummi lieferte: 28,47% Galaktose, 45,29% Pentose (WINTERSTEIN); Mangifera indica G. 30,36% Galaktose, 42,06% Pentose; Laplatag.: 0,62% Galaktose, 55,31% Pentosen.

Nach O’SULLIVAN sind aber Arabinose und Galaktose nur die Endprodukte der Hydrolyse und es entstehen zunächst Zwischenprodukte, beim arabischen Gummi inaktive, beim Geddagummi rechtsdrehende. Diese sauren Zwischenprodukte zerfallen dann in Arabiose (Arabinon) bzw. Arabinose und in einfachere Säuren und diese dann erst bei mehrstündiger Hydrolyse in d-Galaktose und eine stark rechtsdrehende Gummisäure, die O’SULLIVAN Geddinsäure (C23H38O22) nannte. Im arabischen Gummi sind vielleicht Arabinose und Galaktose als Ester einer Isogeddinsäure (ZEISEL, O’SULLIVAN nennt sie Arabinsäure) (C23H38O22) vorhanden. Die Gummisäuren sind starke Säuren, werden nur durch abs. Alkohol aus ihren Lösungen gefällt und geben bei weiterer Hydrolyse keine Zucker. O’SULLIVAN nimmt an, daß die Gummis resp. die Arabinsäure gemischte Glykosidogummisäuren der allgemeinen Formel:

C23H38−2nO22−n.n C12H20O10.p C10H16O8

Gummisäure (Geddinsäure) Galaktan Araban

enthalten, bei denen n eine konstante, p eine variable Zahl ist. Die Arabinsäure des G. arabicum faßt O’SULLIVAN als Diaraban-Tetragalaktan-Isogeddinsäure auf = C23H30O18.4 C12H20O10.2 C10H16O8 = C91H142O74 (Mol.-Gew. 2418). Werden diese Araban-Galaktan-Geddinsäuren vorsichtig hydrolysiert, so wird zunächst der Arabanrest als Arabinon (C10H18O9 [α]D = +198,5°) abgespalten (s. oben) und es entsteht eine n-Galaktangummisäure, die dann in Galaktose und die entsprechende Gummisäure (Geddinsäure oder Isogeddinsäure) gespalten wird. Andere (E. FISCHER) halten die Arabinsäure für eine der Lakto- und Maltobionsäure analog konstituierte Glykosidosäure. Die SULLIVANsche Formel kann übrigens nicht richtig sein, da auch Methylpentosane im Gummi nachgewiesen sind (s. oben).

Alle Gummis enthalten (durch Dialyse zu entfernenden) reduzierenden Zucker, bei Cordofan Hashab von einer Spur bis 0,15% (EDIE). Der Zuckergehalt des G. arabicum des Handels schwankt ebenfalls, im allgemeinen beträgt er 0,6–1,1% (REINITZER).

Im Acaciengummi sind mindestens vier Enzyme (Gummifermente, Gummasen) vorhanden, eine Oxydase, eine Peroxydase und eine Amylase (Malzdiastase) (WIESNER, BOURQUELOT, TSCHIRCH, REINITZER, s. oben S. 414), sowie Emulsin (Amygdalin spaltend), das VOLCY-BOUCHER in allen Gummis und Gummiharzen auffand. BERTRAND hält die Gummioxydase für Lakkase. Eine große Menge von Reaktionen des Gummis sind auf diese Enzyme zurückzuführen, z. B. wird Pyrogallol durch Gummi in Purpurogallin übergeführt (STRUWE 1872 — darauf gründeten CLERMONT und CHAUTART 1882 eine fabrikatorische Darstellung des Purpurogallins). Daß Guajaktinktur durch G. arabicum gebläut wird, erkannten zuerst GÖTTLING und BOULAY (1809). Auch die Unverträglichkeit des G. arabicum mit zahlreichen Arzneimitteln [Pyramidon (TANZI), Chinaextrakt, Pyrogallol, Guajakol, Vanillin, Thymol, Phenol, Creosol, Eserin, Adrenalin, Morphin] beruht auf dem Gehalt an Enzymen, besonders Oxydasen, TRAUBES Oxydationsfermenten (BOURQUELOT) und deshalb läßt die Pharmac. helvetica den Gummischleim eine halbe Stunde im Dampfbade erhitzen und dadurch die Enzyme «abtöten». Ein so behandelter Schleim bläut Guajak nicht mehr. Gummipulver eignet sich aus dem gleichen Grunde nicht zum Verdünnungsmittel zu starken Opiums. Die Oxydase wird im trockenen G. arabicum selbst durch zweistündiges Erhitzen auf 100° nicht zerstört, ja nicht einmal durch einstündiges Erhitzen auf 115°. Erst beim Erhitzen auf 120° ist sie abgetötet, das Gummi löst sich dann aber nicht mehr in Wasser und quillt nur darin auf. Auf die Oxydasen haben Aldehyde (z. B. Formalin) keinen Einfluß (SELIGMANN).

Daß im Gummi stickstoffhaltige Bestandteile sich finden, war bisher übersehen worden, nur GUÉRIN gibt einmal 0,14% N an. Ich habe mit STEVENS gezeigt, daß bei vielen Gummis zwar die LASSAIGNEsche Stickstoffprobe mit Na negativ ausfällt, daß dagegen mit KOH sich stets Ammoniak entwickelt und Pyrrol gebildet wird. BACH zeigte dann, daß die von ihm abgeänderte LASSAIGNEsche Reaktion gelingt, wenn man statt Na viel K nimmt. MEININGER fand in allen Acaciengummis (A. Senegal, A. pycnantha, horrida, Adansonii, arabica) Stickstoff und zwar zwischen 0,71 und 2.19% (in Senegal z. B. 1,81%. RIDEAL fand bei Acaciengummis nur 0,031 bis 0,082% N). Das Gummi von Melia Azadirachta enthält 4,49%, das von Feronia elephantum 1,57, das von Anacardium occident. 0,92% N. Woher der Stickstoff stammt ist unbekannt, vielleicht sind die Enzyme Glukoproteïde. Ob das Schäumen der Gummilösungen auf den Enzymen beruht (WIESNER) wissen wir nicht bestimmt.

In den schlechteren Gummisorten finden sich auch Gerbstoff, Harz, aromatische Substanzen (der Art von CZAPEKS Hadromal), Farbstoffe. BOURQUELOT führt die Färbung gefärbter Gummis darauf zurück, daß die Oxydasen die aus der Rinde mit aufgenommenen Gerbstoffe im feuchten Zustande oxydieren und dunkler färben. Gegenden mit vorwiegend trockenem Klima sollen daher weniger gefärbtes Gummi liefern.

Niemals enthält reines G. arabicum von Stärke mehr wie Spuren (s. oben S. 441), Kristalle oder Reste von Zellhäuten.

FROMM stellte experimentell fest, daß längeres Lagern die Eigenschaften des Gummis verändert.

Bei den guten Gummisorten schwankt der Wasser- und Aschegehalt nur in sehr engen Grenzen (s. oben S. 444). HAUKE fand 1,7–3,1 (FLÜCKIGER 2,5 bis gegen 4) Asche und gibt als obere Grenzzahl 3,5% an. Oberste Grenze für Wasser 15%, für Asche 4% (Pharm. helv. IV), 5% (D. A. V). Die Asche ist rein weiß. 100 g Cordofangummi enthielten 0,198–0,266 Mg, 0,596–0,730 K und 0,773–0,818 Ca (BEAM).

Über die Zusammensetzung der Asche gibt folgende Tabelle von RIDEAL und YOULE, die auch andere Gummis berücksichtigt, Aufschluß.

Asche NaCl K2CO3 CaCO3 MgCO3 Calcium- phosphat usw.

Aden-Gummi 3,29 0,29 17,2 53,9 29,48 —

Cap-Gummi 3,05 1,14 15,4 57,9 28,89 —

Indisches Gummi 2,00 0,37 12,6 58,5 29,82 —

Eastern-Gummi 2,98 0,24 26,8 43,5 — —

Senegal-Gummi 3,03 0,14 21,5 54,9 15,96 —

Bestes arab. Gummi 3,01 0,94 24,2 57,25 — —

Gutes arab. Gummi 3,15 2,30 29,9 46,23 — —

Amrad arab. Gummi 2,24 0,14 7,39 67,2 16,62 4,86

Ghatti arab. Gummi 2,45 0,25 7,8 53,5 8,4 33,8

Austral. Gummi 2,09 1,91 3,21 20,8 0,45 65,9

Brasil. Gummi 1,39 0,46 17,74 11,8 0,45 67,14

Das Verhalten zahlreicher Gummis zu Reagentien studierten MASING (1879), HOLFERT (1888), MARTINA (1894, bestimmte auch die Schleimsäuremengen, vgl. S. 437) und HIRSCHSOHN (1904). Es ist aber dabei nicht viel herausgekommen: eine scharfe Charakterisierung ist zurzeit noch nicht möglich.

Lit. Älteste Untersuchungen der Gummiarten: FOURCROY et VAUQUELIN, Ann. d. chim. 6 (1790) 178, VAUQUELIN, Ebenda 54 (1805), CRUIKSHANK, Scher. Journ. 3, 289, LAUGIER, Ebenda 72 (1909) 81, Gilb. Ann. 42 (1812) 228. Ältere Analysen von BERZELIUS (Ann. de chim. 95, 77), PROUT (Phil. transact. 1827), GUÉRIN-VARRY (Journ. d. chim. méd. 7, 742), GUIBOURT, (Ann. Pharm. 9, 221 und Drog. simpl.), MULDER (Journ. pr. Chem. 16, 246. Pharm. Centralbl. 1839, 137), GOEBEL, GAY-LUSSAC u. THÉNARD, BERTHOLLET, SAUSSURE, — die Analysen wiedergegeben in PEREIRA, Heilmittellehre II, 618 und bei MEININGER (s. unten). — JOHN, Schweigg. Journ. 6 (1812) 374. — GUÉRIN, Ann. chim. phys. (2) 49 (1832) 248, Schweigg. Journ. 65 (1832) 220, Pogg. Ann. 29 (1833) 50. — LAMBERT u. GIESEKE, Schweiggers Journ. 1826. — LASSAIGNE, Arch. Pharm. 1852. — NEUBAUER, Journ. pr. Ch. 62 (1854) 193 und Lieb. Ann. 102 (1857) 105. — GELIS, Compt. rend. 44, 144. — URRN in Gmelins Handb. 1862, IV, 642. — FRÉMY, Sur la compos. et la mode de production des gommes dans l’organisat. végét. Journ. pharm. 1860, 81. — L. PATROUILLARD, Rech. sur la gomme arabique, sur la transformat. en dulcite. Journ. pharm. 1879, 532. — GRAEGER, N. Jahrb. d. Pharm. 38, 129. — STÄDELER, Lieb. Ann. 121, 26. — HEKMEYER, Rép. chim. appl. 1858, 214. — JOLLY, Et. sur les gommes Thèse. Paris 1870. — GIRAUD, Thèse Paris 1875. L’Union pharm. 16, 249. — E. MASING, Vergl. Unters. d. wichtigsten Handelssorten d. arab. Gummis u. seiner Surrogate. Arch. Ph. 15 (1879) 216 u. 17 (1881) 34. — KOCH, Über Holzgummi. Sitz.-Ber. d. Dorp. Nat. Ges. 1886 und Holzgummi u. dessen Verbreitung im Pflanzenreiche. Ph. Z. f. Rußl. 1886. — VÉE, Et. sur les gommes dit. arab. Thèse Paris 1888. — LUTZ, Contribut. à l’étude chimique et botanique des gommes. Thèse Paris 1895. — GELIS, Journ. pr. Chem. 71, 378. — WILLIAMS, Chem. News 58, 224. — SCHEIBLER, Ber. d. chem. Ges. 1, 58 u. 108, 6, 612, 17, 1729. — VON LIPPMANN, Ebenda 17, 2238. — TOLLENS, Handb. d. Kohlenhydrate, Landw. Versuchsstat. 39, 416 und Chem. Zeit 25, 857. — WHEELER und TOLLENS, Ber. d. chem. Ges. 22, 1046 und Zeitschr. d. Ver. f. Rübenzuckerind. 39, 848. — ALLEN und TOLLENS, Lieb. Ann. 260, 289. — WIDTSOË und TOLLENS, Ber. d. chem. Ges. 1900, 143. — HAUERS u. TOLLENS, Ebenda 1903, 3306. — HERZFELD, Zeitschr. Ver. f. Zuckerind. 41, 667. — GUICHARD, Bull. soc. chim. (3) 19, 9. — MAUMENÉ, Bull. Soc. chim. (3) 9, 138. — GARROS, Contrib. à l’étude d. acid. gumm. etc. (Prunose) Thèse, Paris 1894. — ULLIK, Chem. Centralbl. 92, 432. — RÜMPLER, Ber. d. chem. Ges. 33, 3475 — BÉCHAMP, Bull. soc. chim. III, 7, 586, Compt. rend. 51, 255. Journ. pharm. 1878, 51. — REICHL, Dingl. Polyt. J. 235, 232. — REINITZER, Zeitschr. phys. Chem. 14, 453. — HEFELMANN, Wasser- u. Pentosangeh. d. G. a. Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1901. — O’SULLIVAN, Journ. chem. soc. 1884, 41 und 1891, 1029 (Chem. Centralbl. 1890 u. 1892). Chem. News 48, 301; 61, 23; 64, 271. Chem. Zeit. 25, 569. — ZEISEL, Gummi in Wiesner, Rohstoffe. — FLÜCKIGER, Pharmakogn. — TSCHIRCH, Gummi in Realenzyklop. d. ges. Pharm. 2. Aufl. — KRÖBER und RIMBACH, Zeitschr. Angew. Chem. 15 (1902) 477. — GRÉLOT, Journ. pharm. 1906. — KILIANI, Ber. d. chem. Ges. 13, 2304; 15, 34. — CLAËSSON, Ebenda 14, 1270. — VOTOCEK und VONDRACEK, Ber. d. d. chem. Ges. 37, 3858. — VOTOCEK und SEBOR, Zeitschr. f. Zuckerind. in Böhmen 24, 1. — FISCHER und MEYER, Ber. d. chem. Ges. 22, 1943. — FISCHER und BERNSCH, Ebenda 27, 2483. — MEININGER, Beitr. z. Kenntn. einiger Gummiarten. Dissert. Straßburg 1908. — HAUERS, Dissert. Göttingen 1902. — LEMELAND, Journ. pharm. 19, 584, 20 (1904) 253 und 21 (1905) 289 und Contrib. à l’étude de quelqu. échant. d. gomme Thèse. Paris 1905. — ROSENTHALER, Zeitschr. anal. Chem. 1909, 165. — LEO LIEBERMANN, G. a. und G. Senegal. Apoth. Zeit. 1890, 273. — RIDEAL, Pharm. Journ. 1892, 1073. — RIDEAL and YOULE (Ind. G.), Pharm. Journ. 1891, 147. — MARTINA, Jahresb. d. Pharm. 1894, 56. — GARROS, Chem. Zeit. 1894, 1094. — HIRSCHSOHN, Beitr. z. Unters. einiger Gummisorten d. Hand. Pharm. Centralh. 1904. — BOUCHER (chem. Const. d. G.). Bull. pharm. Sud-Est 1907. — BOURQUELOT, L’orig. d. l. color. d. cert. gommes. Journ. pharm. 1897; 164.

Enzym: GÖTTLING, Bull. d. pharm. 1 (1809), 220. — BOULAY, Ebenda, p. 225. — PLANCHE, Journ. de pharm. 6 (1820), 16. — STRUWE, Lieb. Ann. 163 (1872), 162. — CLERMONT und CHAUTARD, Compt. rend. 94. — WIESNER, Über d. Gummiferment. Sitzungsber. d. Wien. Akad. 92 (1885), 40 (Monatshefte f. Chem. 6 [1885] 592). — BÉCHAMP, Faits pour serv. à l’hist. d. l. g. a. Bull. soc. chim. 9 (1893) 45. — LUTZ, Contrib. à l’étud. chim. et bot. des gommes Thèse. Paris 1895. — BERTRAND, Compt. rend. 120 (1895), 268. — BOURQUELOT, Sur la pres. d. ferm. oxyd. dans quelqu. subst. médicam. C. r. Soc. d. biolog. 4 (1897), 25. — GRAFE, Stud. über d. Gummiferm. WIESNER Festschrift 1908. — MIKOSCH, Sitzungsb. d. Wien. Akad. 115 (1906) 911. — GRÜSS, D. Oxydasen u. d. Guajacreaktion. Ber. d. d. Bot. Ges. 1898, 134. — TSCHIRCH und STEVENS, Japanlack. Arch. Pharm. 1905, 532 und über d. Gummienzyme. Pharm. Centralh. 1905, 501. — BACH, Stickstoffgeh. d. Oxydationsferm. Ber. d. d. chem. Ges. 1908, 226. — REINITZER, Über d. wahre Natur d. Gummifermentes. Zeitschr. phys. Chem. 14 (1890) 453 u. über d. Enzyme d. Acacieng. Ebenda 61 (1909) 352. — TSCHIRCH, Chem. u. Biolog. d. pflanzl. Sekrete. Leipzig 1908. — VOLCY-BOUCHER (Emulsin). Bull. soc. Pharm. Sud-Est 1908, 297. — FIRBAS, Einw. von G. auf Morphin. Pharm. Post 1905.

Physikalische Eigenschaften. Das Gummi verhält sich im allgemeinen wie ein Kolloid (GRAHAM), doch zeigt die Lösung osmotischen Druck, verhält sich also nicht wie ein typisches Kolloid (LINEBURGER). Aus dem kryoskopischen Verhalten leiten GLADSTONE und HIBBERT ein Molekulargewicht der Arabinsäure von c. 2000 und LINEBURGER ein solches von 2400 ab, was mit der O’SULLIVANschen Formel (s. oben S. 445) gut stimmen würde. Der osmotische Druck einer 6% Lösung von Cordofangummi betrug, bestimmt im Osmometer von MOOR und ROAF, bei 32° C.: 152–170 mm Quecksilber, bei 22° C.: 141 mm. Beim Senegalgummi betrug der osmotische Druck bei 16,5° C. 114 mm Quecksilber.

Das spezifische Gewicht ist wegen der oft eingeschlossenen Luft nicht leicht zu bestimmen. Reines Gummi hat bei 15° ein spez. Gewicht von 1,487, bei 100° getrocknet: 1,525 (FLÜCKIGER). Ein anderes Muster Sudangummi zeigte ein spez. Gewicht von 1,316–1,482 (PEREIRA). Das spez. Gewicht des Angra-Pequenagummi war = 1,123–1,134 (HARTWICH).

Die Härte ist verschieden — man unterscheidet ja im Handel hartes und weiches Gummi —, im Durchschnitt ist sie etwa die des Steinsalzes.

Brechungsvermögen. Das G. arabicum ist infolge innerer Spannungen doppelbrechend.

Wichtig für die Unterscheidung der Sorten ist die Bestimmung der optischen Aktivität, des Drehungsvermögens. Sie variiert bei Cordofan- und Senegalgummi bei einer 10% Lösung im 100 mm-Rohr zwischen −1° und +3°21′, in abnormen Fällen zwischen −5° bis +9°. Die besten Sorten sind stets linksdrehend (FROMM). EDIE fand bei Untersuchung zahlreicher Muster, daß alle Cordofan-Hashab-Gummis linksdrehend sind und die Drehung in engen Grenzen schwankt. Auch von anderen Beobachtern wurden Cordofangummi und Senegalgummi so gut wie ausnahmslos linksdrehend gefunden (WIESNER, SCHEIBLER, FLÜCKIGER). (In der Literatur ist meist die direkte Drehung αD, nicht die spezifische αD angegeben.) Die Drehung des Cordofangummi schwankte nach EDIE bei 10% Lösung und 100 mm Rohr zwischen −2,77 und −3,14°, also in sehr engen Grenzen und betrug bei 10% Lösung und 100 mm Rohr nach der Hydrolyse: + 5,35 bis +5,56° (22 Muster). Bei Senegalgummi betrug die Drehung vor der Hydrolyse: −2,70 bis −2,93, nach der Hydrolyse: +5,42 bis +5,48°, bei Gedarefgummi −3,09° (nachher +5,33°). Wie hieraus ersichtlich, ist auch die Bestimmung der Drehung nach der Hydrolyse von Wichtigkeit. LEMELAND fand linksdrehend außer Cordofang. auch Aprikosengummi −1° 93, Mangifera indica −25° 33, Feronia elephantum −6° 41, MANNICH (10% Lös. 100 mm Rohr) die Gummis von A. Senegal −1,1°, A. spirocarpa −2,6°, DIETERICH: Amradgummi linksdrehend, FROMM Cordofang.: von −2° 23′ bis −2° 47′, Senegal: 1° bis 2° 51′, MEININGER das Gummi von A. pycnantha −19,37°. Doch kommen Anomalien vor. So beobachtete FROMM Rechtsdrehung: bei arab. Gummi +1° und bei Senegal +9° 8′, +3° 21′, +8° 31′ und −4° 52′ und FLÜCKIGER und WIESNER fanden das Feroniagummi rechtsdrehend, aber das ist beim Cordofan- und Senegalgummi — ich zweifle nicht daran — auf Vermischung mit Gummis, die nicht von A. Senegal stammten, zurückzuführen.

Andere Gummis zeigen dagegen stets Rechtsdrehung. SCHEIBLER fand (1873), daß unter den Sennaargummis rechtsdrehende sich finden, was FLÜCKIGER bestätigte. Geddagummi ist stets rechtsdrehend. Die Drehung schwankt zwischen αD +45 und +54° (O’SULLIVAN) GUICHARD fand Salabreda- und berberisches Gummi rechtsdrehend. Ebenso dreht Ghezirehgummi regelmäßig rechts (c. +3°) wie Mogadorgummi (FLÜCKIGER). Das Gummi von A. horrida (Angra Pequena-G.) drehte +2° 20′, +3° und +3° 20′, nach Extraktion mit Alkohol +3°, +3° 40′ und +4° 20′ (HARTWICH). LEMELAND fand rechtsdrehend (αD?): Gezireh +45°, Brasil +46° 94′, Cochlosperm. Gossyp. +77° 152′. MANNICH fand rechtsdrehend das Gummi von Acacia Kirckii +2,6°, A. Seyal +5,1°, A. arabica +7,98°, A. stenocarpa +4,75°. Weitere Angaben im Kapitel Handelssorten (S. 436 u. 437). Im allgemeinen findet man angegeben, daß die Gummis, die relativ wenig (bis 20,7%) Schleimsäure bilden, rechts drehen, die, welche über 21% Schleimsäure bilden, dagegen links (WIESNER). Das scheint aber nicht richtig zu sein. Es fehlt eine speziell hierauf gerichtete Untersuchung.

Eine der wichtigsten Methoden zur Wertbestimmung des Gummis ist die Bestimmung der Viskosität. Sie erfolgt im Viskosimeter. Der erste, der Bestimmung der Viskosität der Gummata vorschlug, war SACC (1857). Er benutzte das Viskosimeter von OCHS (Bestimmung der Zeit des Einsinkens eines Senkkörpers). DUCLAUX bediente sich des Compte-gouttes de Salleron, dem er die Form einer Pipette gab. Dann beschrieben VÉE (1888) und LUNGE (1892) Viskosimeter für Gummilösungen. LUNGES Viskosimeter ist eine Spindel von bestimmter Schwere. Man bestimmt die Zeit, die diese braucht, bis sie bis zu einer bestimmten Marke eingesunken ist. Andere Viskosimeter bestimmen die Ausflußgeschwindigkeit des Schleims aus einer Bürette mit bestimmter Ausflußöffnung. So beruhen z. B. das Viskosimeter von ENGLER, das REISCHAUERsche und das nach letzterem konstruierte von E. SCHMID darauf, die Ausflußgeschwindigkeit aus einem Rohre bestimmter lichter Weite (2 mm) zu messen. Zum Vergleich dient entweder Wasser, Rüböl oder eine Rohrzuckerlösung bestimmter Konzentration. FROMM benutzte ENGLERS Viskosimeter für Gummilösungen. Das sehr gute Ausfluß-Viskosimeter von MERVEAU (Fig. 151) berücksichtigt den Einfluß, den Druckhöhe, Temperatur und Querschnitt der Ausflußöffnung besitzen. Seltener benutzt wird das OSTWALDsche Viskosimeter. Das teuerste, aber beste, ist das Torsionsviskosimeter (Fig. 150). Die Bestimmung der Viskosität mit dem Torsionsviskosimeter wurde von BEAM mit einer 20 oder 30% Lösung gemacht.

Fig. 150. Torsionsviskosimeter. Fig. 151. Viskosimeter von Merveau.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie
Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Groß ist die Zahl der für Öle und Firnisse vorgeschlagenen Viskosimeter. Ich nenne nur die von HUGUET, SCHUBLER, REDWOOD, ALLEN, SCHMID, ENGLER, BARBEY, VALENTA. Dann seien die Viskosimeter von NEUMANN, WENDER, MAYER, HESS, YVON, Grorert und DEMICHEL und das Laktoviskosimeter von MICAULT genannt. Sie sind auch für Gummilösung brauchbar.

BEAM fand 1906 mit dem Torsionsviskosimeter von DOOLITTLE, bei 90° F. gemessen, die Viskosität bei Cordofan hard bei 10% Lösung = 94–112, bei 20% Lösung = 93,5–111, bei Cordofan softer bei 20% Lösung = 87,5–92. Bei Senegalgummi bei 10% Lösung = 83–98, bei 20% Lösung = 92,5–104 (bez. der Umrechnung der Grade vgl. bei BEAM. Die Temperatur muß genau beachtet werden). Bestes Cordofan gross gum (Turkey) zeigte im Torsionsviskosimeter 32° Retardation entsprechend der Viskosität einer 61,85% Rohrzuckerlösung. MERVEAU bestimmte (1910) mit einem von ihm konstruierten Ausflußviskosimeter (Fig. 151) bei 15° die Viskosität von Cordofangummi zu 5,27, die des Gomme pelliculée de l’Inde zu 7,9, die des Gomme d’Aden Mokri zu 3,81. Mit steigender Temperatur geht die Viskosität herab. Sie beträgt z. B. im obigen Falle beim Cordofangummi bei 30°: 4,12, bei 40°: 3,87 und bei 50° nur noch 3,28. Die Viskosität des Angra Pequena-G. betrug 1,72, 2,052, 3,39 und 3,67 (HARTWICH). Bei gewöhnlicher Temperatur bereitete Lösungen haben eine größere Viskosität, wie heiß bereitete gleicher Konzentration. Beim Aufbewahren des Gummis nimmt die Viskosität ab. Gummis mit hoher Klebkraft zeigen auch eine hohe Viskosität, einen hohen Säuregrad und eine negative Drehung (FROMM).

Methoden zur Bestimmung der Klebefähigkeit rühren von DALÉN und HIRSCHSOHN her. Die Klebefähigkeit des Gummi prüfte HIRSCHSOHN in der Weise, daß er eine bestimmte Menge Gips mit einer bestimmten Menge 10% Gummilösung verrieb und die Masse zu Stangen formte. Diese wurden durch unten angehängte Gewichte auf ihren Zerreißungspunkt geprüft. G. arabicum riß bei 1000 g Belastung, Senegalgummi bei 1600 g, australisches Gummi bei 1400 g, ostindisches Gummi bei 1500 g («Kunstgummi» erst bei 1800–2000 g) Belastung. Die DALÉNsche Methode beruht darauf, daß man Saugpapier von bekannten Festigkeitseigenschaften mit der zu prüfenden Gummilösung tränkt, trocknet und von neuem nach den bekannten Methoden die Festigkeit prüft.

Auch die Bestimmung der Emulgierungsfähigkeit ist praktisch nicht ohne Bedeutung. HIRSCHSOHN hat sie bei verschiedenen Gummis bestimmt.

Lit. Osmometer: MOOR and ROAF, Biochemic. Journ. 7, 34. — Viskosimeter: SACC, Essai des gommes employées pour épaissir les couleurs. Journ. d. pharm. 1867, 119. — DUCLAUX, Ann. chim. phys. 21 (1870) u. 25 (1872). — VÉE, Etude sur les gommes dites arabiques. Thèse 1888. — LUNGE, Nouv. viscos. pour l’examen des gommes. Ann. chim. an. 1896, 411. — BEAM, Second Report of Wellcome Res. Labor. 1906, 232. — M. J. MERVEAU, Recherches sur la viscosité et en particulier sur la viscosité des gommes. Thèse Paris 1910 (hier d. Literatur). — LUNGE, Zeitschr. angew. Chem. 1895, 437. Apoth. Zeit. 1897, Nr. 75, 1898, Nr. 22. — FROMM, Zeitschr. anal. Chem. 40 (1901) 143. — Drehung: GRAHAM, Lieb. Ann. 121, 56. — GLADSTON u. HIBBERT, Chem. News 59, 277. — LINEBARGER, Am. journ. sc. (3) 426. — GUICHARD, Bull. soc. chim. (3) 9, 19. — DIETERICH, G. vom Hinterland von Angra Pequena a. a. O. — BÉCHAMP, Compt. rend. 51, 255. — SCHEIBLER a. a. O. — WIESNER a. a. O. — FLÜCKIGER a. a. O. — MANNICH, Gummiarten Deutsch-Ostafrikas. Tropenpfl. 1902, 201. — FROMM, Zeitschr. Anal. Chem. 40 (1901), 143. — DALÉN, Mitt. d. k. techn. Versuchsanstalt 1894, 149. — HIRSCHSOHN, Pharm. Zeitschr. f. Rußl. 1893, 803.

Verfälschung und Prüfung. Für pharmazeutische Zwecke kommen nur die besten Cordofan- und Senegalsorten in Betracht. Als Klebstoff sind alle anderen guten G. zulässig. Das Gummi arab. officin. muß sich zu einem hellgelblichen, schwach sauer reagierenden, geruchlosen Schleime langsam aber vollständig lösen, der die oben (S. 442) angegebenen Eigenschaften besitzt und Fehlingsche Lösung kaum sichtbar reduziert. Jodlösung darf auch in der heiß bereiteten Lösung weder eine blaue (Stärke) noch eine weinrote Färbung (Dextrin) geben. 10 ccm des Gummischleims (1=10) sollen sich z. B. mit einem Tropfen n./10 Jod rein gelb färben (Pharm. helv. IV). Auch nach dem Kochen und Wiedererkalten darf die Mischung durch einen weiteren Tropfen der Jodlösung keine Violettfärbung annehmen. Dextrinhaltiges Gummi dreht stark rechts. Auf Dextrin, das öfter im Gummi vorkommt, kann mit Anilinsulfat (PIETRO) oder auch in der Weise geprüft werden, daß man 3 ccm einer Lösung, die aus 15 gtts Liqu. ferr. sesquichlor., 15 gtts einer gesättigten Lösung von rotem Blutlaugensalz, 5 gtts verd. Salzsäure (sp. Gew. 1,165) und 60 ccm Wasser besteht, mit 6 ccm einer 20% Lösung des G. vermischt. Die Lösung von reinem G. wird gelb und bleibt es 10–12 Stunden lang, bei Anwesenheit von Dextrin wird die Lösung blau. Die Prüfung auf Gelatine (Leim) gründet GAUTIER auf die Eigenschaft derselben durch Formaldehyd in der Wärme unlöslich zu werden (G. wird nicht angegriffen). G., das mit schwefliger Säure gebleicht wurde (Verfahren PICIOTTO), gibt mit Baryumchlorid eine Fällung, solches, das mit Chlor gebleicht wurde, mit Silbernitrat. PICIOTTO empfahl auch Reinigung gefärbter G. mit Alaun und KOH, so daß auch hierauf zu prüfen wäre. Auch mit Schwefelsäure soll G. gereinigt werden (?). Reines Cordofang. erhärtet mit Borax zu einer gummiähnlichen Masse, dasselbe geschieht mit bas. Bleiacetat und Eisenchlorid, mit Kalisilikat gelatiniert es. Eine Mischung von Traganthschleim mit Acaciengummi ist dicker als die entsprechende reine Mischung (WHITE). VÉE empfiehlt als bestes Mittel, Verfälschungen aufzudecken, Bestimmung des Rotationsvermögens, und dem möchte ich beistimmen (vgl. oben S. 449) und außerdem Bestimmung der Drehung nach der Hydrolyse vorgeschlagen. In der Pharmazie sollte nur schwach linksdrehendes G. zugelassen werden. Für die Technik ist das wichtigste die Bestimmung der Viskosität (HEFELMANN). FROMM hält für die Wertbestimmung wichtig festzustellen: Löslichkeit, Viskosität, Säuregrad, Drehung, Dehnung und Klebfähigkeit, sowie Feststellung, ob die Lösung schäumt und ob sie reduziert (s. oben S. 427 u. 433). RIDEAL und YOULE (1891) halten auch die Bestimmung des Wassergehaltes für ein gutes Mittel zur Charakterisierung und Aufdeckung von Fälschungen. JAKSCH u. and. empfehlen Bestimmung der Löslichkeit. Auch die Bestimmung der Emulgierungsfähigkeit ist bei G. a. officinale nicht ohne Bedeutung (HIRSCHSOHN).

Mit dem Mikroskop lassen sich die meisten Fälschungen des Pulvers, besonders bei Anwendung von Jodlösung, erkennen: Traganth (vgl. Fig. 140, S. 397), Dextrin (schon von HAGER 1869 beobachtet, und oft vorkommend) (vgl. Fig. 73, S. 200), Stärke (Reisstärke, WILSON), Mehle (Maismehl, bis 50%! FERNAU). Man geht von einem Glycerinpräparat aus. Die Fragmente von beigemengtem wasserlöslichem Dextrin färben sich mit etwas jodhaltigem verd. Glycerin violett-rötlich, bevor sie sich lösen (KOCH). Als anorganische Verfälschung des Pulvers wurde Borax (5%, FERNAU) beobachtet. Im Senegalg. findet sich bisweilen Bdellium (s. oben S. 425), ein Gummiharz, das zu 70% in Alkohol und Äther löslich ist.

Als Ersatzmittel des G. a. kommen jetzt nur in Betracht: Capgummi, Berberisches G. und die blassen Varietäten vom indischen Amradg. und Ghattig. (MABEN). Nur für technische Zwecke kommen in Betracht (für pharmazeutische Zwecke auszuschließen!) die Surrogate: Gummi aus Mesembryanthemumfrüchten (1898), Kunstgummi aus Dextrin, durch NaOH und Na2CO3 löslich gemachtes Kirschgummi, der gummöse Rückstand der Myrrhentinkturbereitung (gibt einen vorzüglichen Klebleim! ALCOCK). Ein neueres Gummiersatzmittel besteht aus mit Stärke versetztem eingetrocknetem Carageenschleim (Tropenpflanzer 1905, 282).

Lit. HOPFF (Verhalten gegen Reagentien), Jahrb. prakt. Pharm. 15, 234. — HIRSCHSOHN, Vgl. Vers. mit Natur- und Kunstgummi. Pharm. Zeitschr. f. Rußl. 1893 und Zeitschr. Allg. Österr. Ap. Ver. 1904. Ph. Centr. H. 1904, Nr. 20. — MABEN (Reagentien), 1891 a. a. O. — KARL DIETERICH, Wertbestimmung. Zeitschr. anal. Ch. 40, 408. — GAUTIER, Compt. rend. 1898. — WHITE (Vergleich mit Traganth). Brit. Pharm. Conf. 1904. — WILSON, Reisstärke. Pharm. Journ. 1889, Nr. 988. — MASING, Arch. Ph. 1879/80. — HOLFERT, Jahrb. d. Ph. 1888. — RIDEAL, ebenda 1892. — MARTINA, ebenda 1894. — JAKSCH, Chem. Zeit. 1891, 77. — RIDEAL und YOULE, Chem. Drugg. 1891, 788. — O. FROMM, Wertbest. v. G. a. Zeitschr. anal. Chem. 40 (1901), 143. — HARTWICH in Pharm. Praxis. — KOCH, Atlas. — A. FERNAU, Untersuchungsergebn. b. offiz. Präp. u. Drog. im Jahre 1902/1903 in Östr. Jahresb. f. Pharm. IV, 1903, 150. — MITLACHER, Zeitschr. d. allg. Östr. Apoth. Ver. 1904, 1480. — PIETRO, Proc. Am. ph. assoc. 1894, 901. — SOLLMANN, Response of gums etc. to Moores Reaction. Am. journ. pharm. 1911, 176.

Anwendung. G. arabicum ist das am meisten in der Medizin gebrauchte Mucilaginosum. Es wird als einhüllendes Mittel, dann besonders bei Katarrhen, aber auch bei Diarrhöen angewendet. Gummi ist Bestandteil vieler Hustenmittel (Gummibonbons) und wird auch als Bindemittel für Emulsionen benutzt. Man benutzt es auch als Hilfsmittel beim Pulvern einiger Drogen (Fruct. Capsici, Fruct. Colocynth.). Vor dem Pulvern ist das Gummi zu trocknen, dies darf nicht über 30–40° und länger als einen Tag geschehen, da sich sonst das Gummi verändert. Da Gummi aus der Luft Feuchtigkeit anzieht, ist es in gut verschlossenen Gefäßen aufzubewahren. Lösungen des G. arabicum dürfen nicht zugesetzt werden: Mineralsäuren, Metallsalze, Bleiessig, Brom- oder Eisensalze, Sulfate, Oxalate, Silikate, Alkohol und alkoholische Tinkturen, sowie, es sei denn, daß die Lösung «sterilisiert» wurde, die oben (S. 446) genannten Substanzen. Technisch wird es als Klebemittel (Briefmarken! die Reichsdruckerei braucht jährlich über 60000 kg) und bei Appreturen (bes. der Seidenwaren), in der Färberei, Druckerei, bei der Bereitung von Tinte, Farben und Zündhölzern, die feinsten Sorten auch in der Liqueurfabrikation und der Confiserie (Pasta gummosa) benutzt. Mit Kaliumchromat gibt Gummi eine lichtempfindliche Masse (EDER).

G. arabicum ist ein gutes Nahrungsmittel, denn die Verbrennungswärme der Arabinsäure beträgt bei konstantem Volum 4004 Cal. für 1 g (1369,4 Cal. für 1 g-Mol.). Salzsäurehaltiger Magensaft wirkt glykosebildend (FUDAKOWSKI), mindestens 46% werden verdaut (VOIT). In Australien leben die Eingeborenen in der trockenen Jahreszeit fast nur von Acaciengummi oder Koljang (PREISS). Auch die Tuaregs der Sahara verzehren das Gummi (DUVEYRIER), ebenso die Eingeborenen in Ostafrika (HOLST). Im Somaliland wird das «süße» Gummi (d. h. G. arab., das «bittere Gummi» ist Myrrha) gekaut und dient bei langen Märschen oft als einzige Nahrung. Während des Mahdiaufstandes im Sudan lebten die Heere besonders von Gummi (s. oben S. 427). Frisches vom Baume gebrochenes G. stillt auch den Durst. DAVID schützte sich in Cordofan durch Gummigenuß vor dem Verdursten.

Geschichte. G. a. findet sich nicht bei den Sanskritschriftstellern, die arabisch-persischen beschreiben es unter dem Namen Samgh-i-arabi (DYMOCK). Der Autor des Makhzan beschreibt G. a. als das G. des Baumes ammughilán oder mughilán, gelblich-weiß, durchscheinend und gänzlich löslich in Wasser (Pharmacogr. ind.). In der Schatzkammer des RHAPSENIT in Medinet-Abu finden sich Darstellungen von Gummibäumen und fand sich Gummi (kami-en-punt) selbst, das die Ägypter seit den ältesten Zeiten aus dem Lande Punt (vgl. I, S. 459) holten. In zahlreichen Rezepten des Papyrus EBERS wird die ägyptische Acacia und Gummi erwähnt. THEOPHRAST erwähnt einen Wald der Gummiacacie in der Thebais in Ägypten. Und auch in dem botanischen Lexikon Kitâb aš šaǧar (X. Jahrh.) stehen die Nilacacien. Die ἄκανθα des THEOPHRAST (hist. pl. IV, 2, 8), von der er sagt «γίνεται δὲ ἐκ ταύτης καὶ τὸ κόμμι καὶ ῥέει καὶ πληγείσης καὶ αὐτόματον ἄνευ σχάσεως», wie des DIOSKURIDES ἀκακία aus Ägypten (I, cap. 133), die er als gummilieferndes Dorngewächs beschreibt, und des PLINIUS Spina (XIII, 20) war die Nilacacie, der Sontbaum (altägypt. cant, sont, šent [die hieroglyph. Zeichen I, S. 468], arab.: charad, śeģer fetna, sense-locht): Acacia nilotica DEL. (A. vera), deren vorzügliches Holz und deren schöne Blumen zu Kränzen und medizinisch in Ägypten angewendet wurden, und die auch Gummi lieferte. Auch STRABO (VII, 1) erwähnt Haine der thebaischen Akantha und HERODOT (II, 96) gedenkt des Gummi unt. and. bei der Einbalsamierung der Leichen, und vergleicht den Baum mit dem kyrenäischen Lotus (Diospyros Lotus). In Kyphivorschriften (I, S. 473) finden sich Acacienfrüchte (sannâr), deren Zeichen bei den hieroglyphischen Inschriften oft als Determinativ hinter Leguminosenfrüchte gesetzt wird (I, S. 466), und die noch heute in Ägypten zum Gerben dienen. Die Blüten, deren Duft die Ägypter im Zimmer liebten, waren Ingredienz von Heilmitteln, z. B. der ägyptischen Salbe (αἰγυπτίον μύρον das μύρον λευκὸνwurde mit den Blüten der A. Senegal bereitet). Blühende Zweige finden sich auf Tempelwänden dargestellt (WÖNIG, Fig. 140). Das Gummi der Nilacacie, das heute in Ägypten nur noch für den Hausbedarf gelegentlich gesammelt wird, war auch in alter Zeit, wie es scheint, kein großer Handelsartikel, denn schon im XVI. Jahrh. n. Chr. bezogen die Ägypter das Gummi, das sie unter anderem zur Bereitung von Malfarben benutzten (mu-nu-qemi = Gummiwasser zum Malen steht z. B. im Totenbuche), aus dem Lande Punt, d. h. von der Somaliküste, aus (oder über?) Süd-Arabien (Cane), vom Roten Meer oder der Küste von Suakim (KRALL). Das ānte von Punt war arabisches Gummi (KRALL). Im römischen Altertum und im Mittelalter kam alles Gummi von der Somaliküste oder über Yedda. Im Periplus (I, S. 535) fehlt das Gummi merkwürdigerweise, oder verbirgt es sich unter dem Worte mocrotu (?). PLINIUS bemerkt, daß das ägyptische Gummi 3 Denare das Pfund koste und daß schlechte Gummisorten von dem Mandel- und Kirschbaume, das schlechteste von der Pflaume stamme. Das beim Tabernakelbau viel benutzte Holz shittah, shittim (Exodus 25, 30), war das sehr harte Holz einer Acacia, entweder Seyal (TRISTRAM) oder arabica (CHARPENTER) oder horrida, mit rundlichen Blütenständen. Der brennende Busch des Moses (seneh) wird von TRISTRAM für Acacia nilotica gehalten. Auch von einem «Tal der Acacien» ist in der Bibel die Rede. Karaz ist die Frucht der Acac. nilotica DEL. Die Alten verwendeten ihr Extrakt. DELILE (Flore d’Egypte) hält die ἄκανθα διψὰς des THEOPHRAST (hist. pl. IV, 8) für A. Seyal (= spina sitiens des PLINIUS, Lib. 13, 1). Des HIPPOCRATES Acacia (ἄκανθα) war (nach DIERBACH) A. Senegal, «die weiße Acacie», da sie weißes Holz, weiße Rinde und weiße Blüten besitzt, nach anderen A. arabica. Arzneilich benutzte das G. auch HIPPOCRATES, doch nur wenig, und im ganzen Altertum und Mittelalter wurde es medizinisch und technisch nicht viel beachtet. Doch kennt z. B. SCRIBONIUS LARGUS Acacia. Bis zum XIV. Jahrh. scheint nur ostafrikanisches G. benutzt worden zu sein. Mit der Erschließung Westafrikas im XV. Jahrh. (I, S. 729) erscheint dann auch das Senegalgummi im Handel. Es erlangt aber erst im XVII. Jahrh. in Frankreich Bedeutung und ist erst seit den dreißiger Jahren des XIX. Jahrh. ein ernstlicher Konkurrent des arabischen. Es setzte sich am Ende des XIX. Jahrh. ganz an seine Stelle, als während der blutigen Unruhen im Sudan der sudanische Gummihandel ganz aufhörte. Jetzt hat das cordofanische G. wieder die Führung (vgl. oben S. 428). Das Mittelalter brauchte nicht viel G. PEGOLOTTI (I, S. 702) erwähnt das G. ar. unter den Drogen, die nach Pfund, nicht nach Quintal gehandelt wurden. Die arabischen Ärzte benutzten das Gummi und von ihnen übernahm es die Schola salernitana. In der Alphita (I, S. 640) steht Acacia cirra (Acassia cira id est dura), bei SERAPION Arbor gummi arabici = Acacia, Spina babylonica, achachie. Die Abbildung des Baumes bei POMET (I, S. 942) ist unkorrekt. Er nennt als Synonyme des Gomme arabique: G. thebaique, Sarracene, de Babylone ou Achantine ou d’Acacia d’Egypte. Das G. kam Ende des XVII. Jahrh. via Arabien nach Marseille, war aber damals selten und wurde durch die «gomme du Senega» ersetzt. Außer diesem unterscheidet POMET noch ein G. turique, G. vermiculée und G. d’Angleterre.

Das Altertum unterschied die Gummis nicht von den Harzen. Auch noch im Mittelalter gingen unter dem Namen Gummi auch die Harze (z. B. gumma colofonia, gummi pini in der Alphita, und auch noch später [Nördlinger Register 1480]: gumi pini, in der Berluliste [1724]: gum copal). Das hat sich bis heute erhalten. In den Grossistenlisten figuriert immer noch Gummi Benzoes, G. Mastix, G. Elemi. Die Jahrtausende sind über diese falsche Bezeichnung hinweggegangen, ohne Spuren zu hinterlassen. Ja, unter Gummi par excellence versteht man heutzutage oft — Kautschuk! Daß G. a. von dem Amygdalaceeng. (gummi qui exit de arbore ceraso vel pruno) verschieden ist, war schon im XII. Jahrh. bekannt.

Der Bezeichnung Gummi arabicum begegnen wir schon im Altertum, bei DIODORUS SICULUS, bei NICOLAUS DAMASCENUS (I, S. 573), ORIBASIUS (I, S. 589) u. and. Und auch in der Alexandrinischen Zolltafel (I, S. 569) steht onyx (commis [?] oder gummi) arabicum — bei SCRIBONIUS LARGUS (I, S. 577) dagegen commi alexandrinum und bei ALEXANDER TRALLIANUS κόμμι λευκόν. — Die Bezeichnung blieb dann durch das ganze Mittelalter erhalten. Sie findet sich z. B. bei SERAPION (I, S. 605). Gomarabische steht unter den Einfuhrartikeln von Pisa (1305) und Telamone (1379), dann in der Liste von Paris (1349, I, S. 706) und PAXI erwähnt gomma rabica unter den Artikeln des venetianischen Handels (FLÜCKIGER). In der Alphita (I, S. 649), in den Tabulae, bei PLATEARIUS sowie den Sinonoma BARTHOLOMEI steht: gummi arabicum — Sanig, Sanag arabicum. Im Inventaire LEFORT (I, S. 804) steht: «2 onces de gomme arabique tauxée 2 blancs», was auf keinen großen Bedarf schließen läßt. Im Droits de courtage établis à Paris au XVᵉ siècle (ed. DORVEAUX) steht «gomme arabic VI d. t. la bale». CORDUS (I, S. 799) unterschied: G. splendidum, arabicum und vermiculatum (Traganth?). Er verwendete auch Succus et fructus arboris Acaciae. Gummi arabic. steht in der Frankfurter Liste (I, S. 812), dem Eßlinger Drogenverzeichnis (I, S. 815) und zahlreichen Taxen. In der Taxe von Hamburg 1587 steht Gummi arabicum = Dinten Gummi. Die Berluliste (I, S. 950) hat neben gum arabicum auch gum cerasorum. Aber die Bezeichnung arabicum bedeutet nicht, daß Arabien das Land ist, wo das G. produziert wurde, ebenso wenig wie wir aus dem häufigen Beisatz aegypticum, indicum, aethiopicum, romanum irgend welche Schlüsse auf das Produktionsland ziehen dürfen. Über Arabien kam G. aber sicher schon im Altertum und Mittelalter. Auch IBN KORDADBAH (I, S. 616) nennt es bei Yemen.

Acacia Senegal ist schon von PROSPER ALPIN (I, S. 770) beschrieben, sodann von ADANSON (XVIII. Jahrh.) und endlich von GUILLEMIN und PERROTTET (a. a. O.).

Lit. FLÜCKIGER-HANBURY, Pharmacographia. — FLÜCKIGER, Pharmakognosie. — WÖNIG, Die Pfl. d. alt. Ägypt. — Die Acacien Ägyptens in JORET, Les plant. dans l’antiquité I, 144. — PEREIRA, Heilmittellehre.

Prunoideengummi.

Amygdalaceengummi, Kirschgummi, gummi nostras, gomme du pays, cherry gum.

Zu technischen Zwecken wurde der Gummi der Kirsche (Prunus Cerasus) und Pflaume (P. domestica u. and.) schon im XII. Jahrh. benutzt (THEOPHILUS oder ROGKER Schedula divers. art. in EITELBERGER, Quellenschr. f. Kunstgesch. 1874) und die HILDEGARD (I, S. 667) erwähnt ein Gummi de Persico (Pr. Persica?) als Heilmittel. Außer diesen wird auch das Gummi des Mandelbaumes (Prunus Amygdalus) und der Aprikose (P. armeniaca) gesammelt und in Böhmen das G. von Amygdalus spartioides (HOFFMEISTER). 1891 kam aus Buschir ein Prunus-G. von P. Bopkarensis ROYLE und P. Puddum ROXB. (SICKENBERGER), 1906 persisches G. besonders von Amygdalus leiocarpa BOISS. in den Handel (HILLIER). SCHINDLER bemerkt (1881), daß das Djedk-i-ardjin genannte Gummi Persiens von dieser Pflanze bei Kerman gesammelt wird und in Afghanistan sammeln die Eingeborenen Pflaumen- und Aprikoseng. (AITCHISON). Der cherry gum Indiens wird von Prunus Puddum abgeleitet (COOKE) und mindestens ein Teil des Bassorag. und des Hog gum (vgl. S. 405) ist ebenfalls Amygdalaceeng. In China wird Pfirsichg. (táu-kian) gesammelt, ebenso in Indien (aru, reck, mandala, DRAGENDORFF). Jetzt ist Prunoideeng. nur wenig in Gebrauch (unter anderem beim Kattundruck), da es nur wenig löslich ist und mit Wasser aufquillt. Es ist der Typus des Cerasingummis.

Die Bildung des Prunoideengummis erfolgt in, infolge von Verwundungen vom Cambium im Jungholz gebildeten, Gummiparenchyminseln (MIKOSCH), aber auch in der Rinde (WIGAND, TSCHIRCH), s. auch oben S. 410–416. Prunoideengummi ist blaßgelb bis rötlichbraun, doppelbrechend, hat glänzende, muschelige Bruchflächen, außen ist es meist trübe. Es wird durch Alkalien braun, durch Salzsäure rotviolett. Es enthält 13–14% Wasser und 2–3,5% Asche. Während sich alle Arabingummis in Chloralhydrat (60%) klar lösen, hinterlassen die Cerasingummis einen gequollenen Rückstand, die Bassoragummis (Traganth) geben eine klare Lösung, über der sich eine klare gequollene Masse absetzt (MACH, WIESNER).

Das Prunoideeng. wird meist als metarabinsaurer Kalk betrachtet (FRÉMY). Der lösliche Teil des Kirschg., der (nach SCHMIDT) bis 52,1% betragen kann, ist kein Arabin (GARROS), er wird durch Bleiessig nicht gefällt. Pfirsich- und Mandelg. scheint mehr lösliches G. zu enthalten als Kirschgummi. Pfirsich- und Pflaumengummi geben bei der Oxydation Schleimsäure. Kirschgummi enthält c. 39,96% Pentosane und liefert bei der Hydrolyse Galaktose und (bis 50%) Arabinose (HAUERS) — die Arabane überwiegen also. Die gleichen Produkte lieferten neben unbekannten Zuckerarten auch das Pfirsich- und Aprikosengummi (LEMELAND, STONE). Kirschgummi gibt bei der Hydrolyse keine Xylose (Kirschholz viel!) oder doch nur sehr geringe Mengen (BROWNE und TOLLENS). Über das Cerasin vgl. oben S. 442. Das Cerasin der Kirsche soll sich durch ein in der Kirsche befindliches (nicht durch ein anderes Amygdalaceen-) Enzym in Arabin überführen lassen (GARROS). Oft enthält das Kirschg. auch Zucker und Gerbstoff (SCHMIDT), stets eine Oxydase. Bei der Hydrolyse des Pflaumeng. erhielt GARROS eine neue (?) Pentose, die Prunose. LEMELAND fand im Aprikoseng. 8,83% in Wasser Unlösliches, 16,1% Wasser, 3,3% Asche, 23,6% Galaktane, 48,5% Pentosane. Es lieferte Arabinose und drehte −1°93. In Pflaumeng. waren dagegen 20,8% Unlösliches, 15,4% Wasser, 2,5% Asche, 13,3% Galaktane und 76,3% Pentosane enthalten. Es lieferte Arabinose und drehte kaum. MARTINA gibt folgende Übersicht:

Art des Gummis Asche % Kalk in Gummi % Kalk in der Asche % Schleimsäure % Galaktose % Furfurol % Pentosen % Gesamt- glykosen % Galaktose + Pentosen %

Aprikosen 4,20 1,85 44,04 9,16 12,21 17,27 34,54 43,48 46,75

Pflaumen 2,15 1,07 49,76 5,19 6,92 31,03 62,06 66,47 68,98

Kirschen 2,50 1,00 40,00 6,13 8,17 23,07 46,14 56,38 54,31

Art des Gummis Asche % Kalk in Gummi % Kalk in der Asche % Schleimsäure % Galaktose %

Aprikosen 4,20 1,85 44,04 9,16 12,21

Pflaumen 2,15 1,07 49,76 5,19 6,92

Kirschen 2,50 1,00 40,00 6,13 8,17

Art des Gummis Furfurol % Pentosen % Gesamt- glykosen % Galaktose + Pentosen %

Aprikosen 17,27 34,54 43,48 46,75

Pflaumen 31,03 62,06 66,47 68,98

Kirschen 23,07 46,14 56,38 54,31

Durch eine Lösung von 1% NaOH und 2,5% Na2CO3 löslich gemachtes Kirschg. ist als «Kunstgummi» im Handel. Auch durch Erhitzen mit Wasser unter Druck werden unlösliche G. löslich.

Lit. MIKOSCH, Sitzungsb. d. Wien. Akad. 1906, 911 (dort die Lit.). — WIGAND, Pringh. Jahrb. 3. — TSCHIRCH, Angew. Anatomie S. 210, Fig. 211. — WIESNER, Rohstoffe. — SICKENBERGER (Prunusg.). Chem. Zeit. 1890, 350. — C. HOFFMEISTER, Amygdalusg. Ber. d. d. bot. Ges. 1898. — Aprikoseng.: LEMELAND, Journ. pharm. 1905, 443. — HILLIER, Kew Bull. 1906, 109. — HUERRE (G. d. Mandelbaums). Journ. pharm. chim. 1908, 561. — HAUERS, Dissert. Göttingen 1902. — LEMELAND, Journ. pharm. chim. 21, 443. — STONE, Ber. d. d. chem. Ges. 23, 2574. — GARROS, Journ. ph. 1892, 535. Bull. soc. chim. (3) 7, 625. — ALLEN und TOLLENS, Lieb. Ann. 260, 289. Ber. d. chem. Ges. 23, 137. — MARTINA, Apoth. Zeit. 1894.

B. Drogen, welche vorwiegend aus Membraninen bestehen, die keine Polysaccharide enthalten oder von denen es nicht sicher ist, ob sie solche enthalten.

Zu dieser Gruppe gehören Kork, Pollenin, Pilzzellulose und die Diatomeenschalen. Neuere Untersuchungen haben es zweifelhaft gemacht ob in diesen Polysaccharide vorkommen, da die als Beweis angeführte Reaktion, daß die mit Kali behandelten Membranen mit Jodreagentien (z. B. Jod-Schwefelsäure, Chlorzinkjod) sich violett färben, auch auf andere Substanzen, beim Kork auf die Phellonsäure, bei der Pilzzellulose auf Chitosan zurückgeführt werden kann.

Die Drogen dieser Gruppe mögen also den Zellulosindrogen gegenüber gestellt und ihnen hier angehängt werden.

1. Suberino-Membranindrogen.

Ein höchst eigenartiges Membranin ist der Kork, der hier als Suberinomembranin bezeichnet werden mag, da er eine Bildung sui generis ist. Die ältere Annahme ging dahin, daß die Korkmembran eine durch Suberin (V. HÖHNEL) «inkrustierte» Zellulosemembran sei. Daß dies nicht richtig ist, wissen wir jetzt bestimmt. Ob die Suberinlamelle überhaupt Polysaccharide enthält ist unsicher und neuerdings bestritten worden (GILSON, WISSELINGH). Die älteren Beobachtungen von PAYEN, MOHL, FRÉMY und URBAIN, KÜGLER, WIESNER, HABERLANDT und VON HÖHNEL stützten sich auf die Tatsache, daß die Korkmembran nach Behandeln mit kochendem Alkali sich mit Chlorzinkjod und Jodschwefelsäure violett färbt, was als «Zellulosereaktion» angesprochen wurde. Aber es ist zu berücksichtigen, daß auch die Phellonsäure und ihre Salze, die beim Behandeln von Kork mit kochenden Alkalien entstehen, durch Chlorzinkjod violett werden (GILSON), also die Zellulosereaktion vortäuschen können. V. WISSELINGH bestreitet daher das Vorkommen von Zellulose in der Suberinlamelle. Bemerkenswert ist auch, daß bisher aus Kork allein weder Hexosen noch Pentosen isoliert werden konnten. Charakteristisch für den Kork sind jedenfalls andere Verbindungen als Polysaccharide, besonders Fettsäureester, weniger aromatische Reste. Die wichtigste Gruppe ist die der Fettsäuren, die KÜGLER zuerst darin (1884) nachwies und die dann GILSON und V. SCHMIDT näher studierten. Gefunden wurde neben Stearinsäure, besonders Phellonsäure, Suberinsäure und Phloionsäure. Der Phellonsäure schreibt SCHMIDT die Formel:

Formel der Phellonsäure
Formel der Phellonsäure

zu. Sie wäre dann eine hydroaromatische Verbindung. Bei der Aufspaltung des Ringes bei Behandeln mit HNO3 entsteht Korksäure:

Formel der Korksäure
Formel der Korksäure

Wie diese Säuren gebunden sind, ist noch nicht aufgeklärt. Die geringe Menge Glycerin, die KÜGLER bei der Verseifung erhielt (auf 30% Säuren nur 2,65% Glycerin, V. SCHMIDT fand mehr), deutet darauf, daß nur relativ geringe Mengen der Säuren als Glycerinester vorliegen können, das meiste ist wohl anders gebunden. GILSON denkt an zusammengesetzte Ester, Kondensations- und Polymerisationsprodukte verschiedener Säuren, CZAPEK auch an laktonartige Anhydride, V. SCHMIDT an Anhydride und Polymerisationsprodukte. Keinesfalls können wir den Kork als ein Gemisch von Fett und Zellulose auffassen, wie man dies früher tat und Zellulose findet sich, wenn überhaupt, nur als Ligninomembranin in der Mittellamelle (und der Innenlamelle, GILSON). Daneben finden sich auch aromatische Reste im Kork. Korkzellmembranen speichern Chlorophyll, Alkanna (CORRENS), Cyanin (ZIMMERMANN) Sudan III (LAGERHEIM), was auf die Fettsäuren zurückzuführen ist und färben sich mit Osmiumsäure, müssen also ungesättigte Verbindungen enthalten. Mikrohistochemisch ist die Korkmembran dadurch ausgezeichnet, daß sie in konz. Schwefelsäure, selbst nach längerer Einwirkung, sich nicht löst (MITSCHERLICH, 1850). Ebenso ist sie in Kupferoxydammon, in kaltem und heißem SCHULTZEschen Gemisch (chlorsaures Kali und Salpetersäure), in kalter Chromsäurelösung unlöslich. Konz. Kalilauge färbt besonders beim Erwärmen gelb, dabei tritt zuerst Körnelung auf und dann gelbe Tropfen.

Ich habe schon 1888 darauf aufmerksam gemacht, daß nicht alle in konz. Schwefelsäure unlöslichen Membranen als «verkorkt» zu betrachten sind. Besonders bei Drogen kommen oft durch postmortale Infiltration mit Phlobaphenen mehr oder weniger gefärbte Membranen vor, die sich nicht in Schwefelsäure lösen und doch nicht verkorkt sind.

Vgl. ferner das mikrohistochemische Verhalten bei Suber.

Suber.

Syn. Suber quercinum, Kork, — liège (franz.) — cork (engl.) — corcho (span.) — sughero (ital.) — kurk (holl.) — korkki (fin.) — para (ung.) — suberin (russ.) — plutovina (kroat.) — korek (böhm.) — φελλός (griech.).

Die Korkeiche (Korkbaum, Korg- oder Karchbaum [CORDUS], Gorckenbaum, Sohlenholz, Pantoffelholz) heißt franz. chêne liège, engl. Cork-tree, holl. Korkboom, vlothout, ital. sughero, suvero, port. sobro, sobrereiro, span. alcornoque (in Catalonien suro, surera, in Galicien subreiro), in Algerien, Tunis und Marocco: kerrouch oder fernan. Den Baum nannten die Römer Suber (so schon bei VIRGIL) oder corticis arbor, den Kork vielfach kurz Cortex (Katexochebegriff!), da von allen Rinden die wichtigste — das deutet also auf vielfache Benutzung (FLÜCKIGER).

Etym. Sûber von sub (= unter) und suere (= nähen) wegen der Verwendung zu Schuhsohlen (s. Geschichte), aus dem gleichen Grunde auch zu subire in Beziehung gebracht. Kork, seit SCHOTTEL 1663 gebucht (KLUGE) — ich finde Kork aber schon 1659 im Rostocker Catologus (s. Taxen, I, S. 825) —, aus span. corcho = Korkholz, Pfropf, frühengl. cork, dies von cortex über scorzia, scorza (ital. von excortea) — liège von levis, also = der leichte Stoff — Pantoffelholz wegen der schon von PLINIUS erwähnten Benutzung für Schuhe — Pantoffel aus ngr. παντοφελλός = Ganzkork.

Stammpflanze und systemat. Stellung. Quercus Suber L. Fagaceae — Castaneae. — (Quercus Sect. Lepidobalanus Endl. c. Suber.)

Sehr ähnlich und fast nur durch zweijährige Fruchtreife, einjährige, etwas breitere Blätter unterschieden ist die einen in geringerer Menge in den Handel gebrachten, übrigens guten Kork liefernde, in Südostfrankreich (zwischen Gironde und Adour), Portugal und Spanien heimische, härtere (über den 45° hinausgehende) Quercus occidentalis GAY. (in Frankreich: Corcier), die einige für eine Varietät der Korkeiche halten (Querc. Suber var. latifolia). Der Kork der in Mittelitalien und der Provence häufigen Qu. Pseudo-Suber SANTI (Bastard von Q. Suber und Cerris?) ist minderwertig (MATHIEU). Als Faux lièges gelten (in Algier) die Hybriden: Qu. numidica TRABUT (Qu. Suber × Qu. Afares = Qu. Pseudo-Suber DC. ex parte) und Qu. Fontanesii (Qu. Suber × Qu. Cerris).

Beschreibung der Stammpflanze. Die Korkeiche bildet einen bis 10, ja 16 selten 20 m hohen immergrünen Baum von 3–5 m Stammumfang, mit großer, unregelmäßiger, aufgelöster, zerzauster, meist nicht sehr reich belaubter Krone (vgl. I, Fig. 86 u. 89 u. Taf. X). Die jüngeren Zweige sind grau oder gelblich-filzig, die jüngeren Stämme und Äste sind mit einem glatten, rotbraunen Kork bedeckt, der mit den Jahren sehr dick und rissig und grauweiß wird und sich schließlich vom 50. Jahre an zum Teil in kleinen Schuppen ablöst. Die 2–3 Jahr dauernden Blätter sind elliptisch, eiförmig, eiförmig-länglich bis länglich (wie bei anderen immergrünen Eichen von erstaunlicher Vielgestaltigkeit, RICKLI), 3–7 cm lang, 1,5–3 cm breit, auf 5–12 mm langem Stiel, meist scharf bis dornig-gezähnt, selten ganzrandig, in der Jugend graufilzig. Die männlichen Kätzchen mit filzigen Spindeln, stumpf sechslappigem Perigon und behaarten Antheren. Die weiblichen Infloreszenzen fast sitzend. Früchte im ersten Jahr reifend. Cupula verkehrt-eiförmig-halbkugelig mit locker angedrückten graufilzigen Schuppen. Eichel zweimal länger als die Cupula, glänzend hellbraun. Der Baum blüht meist im April und Mai. Die Samen reifen vom September bis Januar. Sie sind bitter und als Viehfutter weniger brauchbar als die von Q. Ilex var. Ballota, doch kommen auch Varietäten mit süßen Samen vor. Die Wurzel treibt reichlich Schößlinge.

Verbreitung. Größere Bestände der Korkeiche lassen sich nördlich vom 45. Breitengrade nicht halten. Ihre Polargrenze fällt zusammen mit der Isotherme von 13,5° C. Sie gedeiht am besten auf Hügeln und mittleren Gebirgen (200–800 m in Algier, 400 bis 600 m in Spanien). In Spanien geht der Baum bis 1200 m, in Algerien bis 1300 m. Sein Alter übersteigt nicht 200 Jahre. Die Korkeiche findet sich in der Westprovinz des Mittelmeerdrogenreiches (s. die Karte) in Südostfrankreich, Spanien, Portugal, Balearen, Sardinien, Korsika, Sizilien, Italien, Istrien, Dalmatien und Nordwestafrika, besonders Algier und Tunis, aber bis ins Innere von Marocco. Sie bildet Wälder oder ist (selten) in Alleekultur (I, Taf. V). Sie wurde neuerdings in die Südstaaten Nordamerikas und an die atlantische Küste südwärts von Virginien eingeführt.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Die Verbreitung der Korkeichenwälder in der Westprovinz des Mittelmeerdrogenreiches.

Mit Benutzung der Karten von Müller und Lefebvre gezeichnet von A. Tschirch.

⇒ GRÖSSERES BILD

In Spanien sind c. 300000 ha der regenreicheren Provinzen mit Korkwald bedeckt, meist als Mischwald (mit Steineiche) an niederen Gebirgshängen in einer Meereshöhe von 500–600 (800) m, vornehmlich in Catalonien, Nieder-Andalusien und Estremadura. Catalonien besitzt die schönsten und bestkultivierten Korkwälder des ganzen Korkgebietes (Abhänge der Pyrenäen und des catalonischen Gebirges, Ebene von Ampurdan). Besonders schön sind die 80000 ha großen Wälder der Provinz Gerona, zwischen Junquera und Figueras, an den Abhängen der Sierra de las Gabarras (La Bisbal) und im östlichen Bergland (Gerona bis Arbucias) sowie an der Küste (Blanes, Calonge) (s. die Karte).

Die Korkeichenwälder Nieder-Andalusiens, die 112000 ha bedecken, befinden sich in den Provinzen Huelva, Sevilla, Cadiz und Cordoba, die meisten in der Provinz Huelva: in der westlichen Sierra Morena, der sog. Sierra Aracena (Aracena im Quellgebiet des Odiel, Huelva und Murtija) und im Süden (Lepe, Ayamonte, Almonte) in der Provinz Sevilla: zwischen Sevilla und Utrera und in der Sierra de Pedroso, in der Provinz Cadiz: auf den Bergen zwischen Guadiaro und Guadalete und den Sierras de Gazules, de Algeciras, de Palma und de Tarifa — hier fast reine Bestände bildend, weiter oben Mischwald (mit Qu. Lusitanica und Ilex). Schöne Korkwälder liegen auch bei San Roque und in den Tälern des Guadiaro, Jogerganta und Rio Guadarranque, zwischen Arcos de la Frontera und Medina-Sidonia (dort die «Lomas de alcornoque» = Korkhügel); in der Provinz Cordoba: Sierra de Cordoba bis zum Guadalquivir. Von den andalusischen Korkdistrikten liefert Cortes den meisten Kork (1896: 11005 t), dann Jerez und Alcalá, weniger Huelva, Easares und Cadiz u. d. and. Distrikte. In der Sierra Aracena bildet die Korkeiche in Höhen von 400–600 m gemischte Bestände mit Q. Ilex und Q. Ballota (REIN).

Die Korkwälder Granadas liegen in der Provinz Malaga (Sierra de Antequera, Hochebene von Ronda, Sierra de Bermeja zwischen Marbella, Estepona und Gaucin, Sierra Contraviesa), die von Estremadura in der Provinz Cáceres (zwischen Mérida und Cáceres bis zum Rio Tiétar und Toril). Auch die Provinz Burgos in Altkastilien hat Korkwälder, sowie Asturien, weniger Galicien.

Die Korkwälder Portugals umfassen (1911) c. 500000 ha (WEBER), sie liegen besonders im Süden in den Gebirgsketten von Algarve (z. B. den Tälern der Serra de Monchique) im südlichen Alemtejo, in Estremadura (Tal des Sado, Palmella), endlich im südlichen Beira — weniger in Mittel- und Nordportugal (Serra de Cintra). Die Korkwälder längs der Westküste bestehen besonders aus Quercus occidentalis.

Frankreichs Korkwälder umfassen 1911 c. 150000 ha. Die meisten liegen in der Provence (Var, Alpes maritimes), weniger in der Gascogne (Landes, Lot-et-Garonne, Gironde — fast ausschließlich Q. occidentalis), in Languedoc (Roussillon) und auf Corsica (Bavella). In Corsica bildet die Korkeiche besonders im Süden (Portovecchio, Monaccia) ausgedehnte Wälder (RICKLI). Die Korkwälder der Landschaft Roussillon umfassen nur 1928 ha, liefern aber den besten französischen Kork. Die Korkwälder der Provence bedecken 113600, die der Gascogne 24100, die Corsicas c. 9000 ha (1911: 15000 ha, WEBER).

Italien hat nur noch wenige Korkeichen (immerhin 80000 ha WEBER), mehr Sardinien und besonders Sizilien, die wenigsten Dalmatien. In Italien wurde früher unerhörter Raubbau getrieben und viele Korkeichen für Bauholz geschlagen. Jetzt forstet man wieder auf.

In Algerien findet sich die Korkeiche besonders in der Kabylie du Djurdjura und im Gebiete des Tell (Atlas tellien), einem hügeligen bzw. gebirgigen Landstrich von 100–150 km Breite mit mediterranem Klima, wo das von ihr bestandene Gebiet (in einer Höhe von 10 bis 1300 m, bes. 200–800 m [TRABUT] — zone de chêne-liège —) 1900: 480000 ha einnahm, davon waren 273713 ha Staatswaldungen, der Rest Privat- und Gemeindewald. 1911: 508000 ha (WEBER). Viele Korkeichen finden sich in den Depart. Oran (Tlemcen, Oran, Ammi-Moussa, Tiaret, Mascra, Sidi bel Abbes) und Alger (Djurdjuraberge, Tizi Ouzou, Azazga, Sahelthal, Djebel-Djurdjuraberge, bes. Bouïra und Aumale, dann Ténes, Cherchel, Alger, Tenied el Hâad, Orleansville, Medéa u. and.). Die meisten und schönsten aber in Constantine (von Bougie bis La Calle: Djidjelli, El Milia, Taher, Collo, von Philippeville bis Bône, St. Croix (Edoughberge) im Innern: Constantine, Souk-Arrhas). In Algier bildet Q. Suber mit andern Eichen die Zone der Bergwälder (TRABUT). Sie findet sich mit Qu. Afares besonders in der mittleren Region dieser Zone.

In Tunis beträgt das Korkwaldareal 116000 ha. Es ist alles Staatsdomäne. Die schönsten Korkwälder liegen im Bergland Khoumirie (Tabarka bis La Calle, Beja bis Bizerta und Cap Blanc). Dann an der algerischen Grenze Ghardimaou bis Souk Arrhas, ferner von Souk el Arba bis Fernana.

In Marocco finden sich enorme aber wenig zugängliche Korkeichenwälder (c. 1 Mill. ha, WEBER). Viel im Er Riff bis zur Muluja (Tetuan, Andjira, Ceuta), ferner zwischen Tanger und Rabat (Mamora, El Araisch u. and.). Marocco könnte also, wenn erschlossen, fast soviel liefern wie alle übrigen Länder zusammengenommen.

(Nach der Zusammenstellung in E. A. MÜLLER, Über die Korkeiche, Abh. d. Wien. Geograph. Ges. II [1900] Nr. 7 mit Karte.) Vgl. auch LEFEBVRE, Les forêts de l’Algérie 1900 (dort sind auch die übrigen Länder berücksichtigt) und LAPIE, Etud. phytogéogr. de la Kabylie du Djurjura 1909. Über die Höhengrenzen vgl. KOCH, Beitr. z. Kenntn. d. Höhengrenzen d. Vegetation im Mittelmeergebiet. Halle 1910.)

Die Korkeiche flieht Kalk und gedeiht am besten auf silurischem Schiefer und verwittertem Granit. Viele Korkeichen wurden durch Brände und unverständige Ausbeutung auf Gerberlohe vernichtet. In Frankreich und Algerien sind neue Korkwälder angelegt worden. Meist wird zunächst Mischkultur mit reichbelaubten Bäumen oder Wein bevorzugt.

Die ursprüngliche Heimat ist wohl Nordafrika, über die übrigen Länder ist die Korkeiche vielleicht durch eine sehr alte Kultur verbreitet (? FLÜCKIGER). Doch ist auffällig, daß PLINIUS sie weder in Spanien noch in Nordafrika erwähnt, die er doch als Beamter bereiste. Über die Kultur der Korkeiche vgl. SEMLER, Tropische Agrikultur II, 230.

Lit. GAY, Not. sur une nouv. espèce de chêne franc. Ann. sc. nat. 4, 7 (1856), 223. — DE CANDOLLE, Ebenda 4, 18, 49. — KOTSCHY, Die Eichen Europas und des Orients. Wien 1859–1862 m. 40 Taf. — PRANTL, Fagaceae in ENGLER-PRANTL, Pflanzenfam. — MATHIEU, Flore forestière. Paris 1877. — LAMEY, Le chêne-liège en Algérie 1870. — TRABUT, Les Hybrides du Quercus Suber. Associat. franc. p. l’avenc. Paris 1889. — LUERSSEN, Mediz.-pharm. Bot. — WIESNER, Rohstoffe. — MÜLLER, Die Korkeiche 1900 (dort auch die Reiseliteratur). — BATTANDIER et TRABUT, Flore de l’Algérie 1888/89. — TRABUT, Les zones botan. de l’Algérie. Assoc. franc. p. l’avenc. 1888 und De Djidjelli aux Babors. Bull. Soc. bot. France 1889. — TRABUT et MARES, l’Algérie agricole en 1906. Alger 1907. — Corsica: RICKLI, Bot. Reisestud. auf ein. Frühlingsf. durch Corsica. Zürich 1903. — Derselbe: Bot. Reisestud. von d. span. Mittelmeerküste. Zürich 1907. — FLÜCKIGER, Arch. Pharm. 1879. — Abbild.: Erste in CLUSIUS, Rariorum plant. historia 1601, 22 (Suber latifolium); dann auch bei MATTHIOLI (der eine Suberis consideratio schrieb) und NEES VON ESENBECK, Plant. med. Supplem. — PABST-KÖHLER, Medizinalpfl. t. 152. — Abbild. des Baumes bei POMET, Hist. gen. d. Drog. p. 136 (stilisiert), von VALENTINI im Museum kopiert. — Gute Abbildung des Baumes auch in KOTSCHY, Die Eichen Europas u. d. Orients 1862, taf. 33. Vgl. ferner I, Fig. 86 u. 89 und Tafel V. — Abbild. von algerischen Korkwäldern in: LAPIE, Etude phytogéograph. de la Kabylie du Djurjura. Paris 1909. Cap. I Les forêts de chêne-liège.

Pathologie. Wie andere Bäume, so wird auch die Korkeiche von holzzerstörenden Hymenomyceten besiedelt. Es wurden auf ihr Agaricus melleus, verschiedene Polyporus-, Fomes-, Trametes-, Lenzites-, Stereum-Arten und andere beobachtet (E. FISCHER). Die Insekten behandelt LAMEY (Le chêne liège Paris 1893). Eine Liste der wichtigsten auch in MÜLLER, Korkeiche (Abhandl. d. Wien. Geogr. Ges. 1900). Sehr gefürchtet ist Formica ligniperda LATR. (vgl. bei KÜGLER a. a. O. weiter unten).

Tafel X.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Zweimal geschälte Korkeiche aus dem Korkeichenwald Hafir bei Tlemcen (Algier).

(Basinger phot.)

⇒ GRÖSSERES BILD

Gewinnung. Nicht überall wo Korkwälder vorkommen wird marktfähiger Kork erzeugt, der beste in der spanischen Provinz Catalonien, besonders im Nordosten bei Junquera, Gerona und näher am Meer bei Toca, Palaforgell und San Feliu de Guixols an der Küste, dann in der Sierra Aracena, dem Quellgebiete des Odiel, der sich in den Busen von Cadiz ergießt, des Huelva eines Nebenflusses des Guadalquivir und des Murtija, der in den Ardila, einen Nebenfluß des Guadiana mündet. Mittelpunkt der Korkproduktion ist in diesem Gebiet Aracena und Fuente Heridos. Die sehr ausgedehnten Korkwälder Portugals (s. die Karte) werden ebenfalls stark ausgebeutet. Schon 1879 wurden fast 9½ Mill. kg Kork von dort ausgeführt. Eine von Jahr zu Jahr wachsende Korkproduktion befindet sich in Algier, wo sich die Korkwälder, sowohl die staatlichen wie die privaten, durch vernünftige Schutzeinrichtungen zu großer Blüte entwickelt haben, besonders im Departement Constantine bei Bona, Calle und weiter westlich. Auch Tunis produziert jetzt viel Kork. In Frankreich produziert das Depart. du Var, les Alpes maritimes, Lot-et-Garonne, des Landes, Pyrénées-Orientales und Corsica; in Italien: außer dem Festlande, Sardinien und Sizilien. Der Dalmatinische und der Istrianer ist minderwertig. Über die Produktion aller Länder orientiert LEFEBVRE, Les forêts de l’Algérie. Paris 1900.

Die Korkeiche wird erst, wenn sie 8–25 (in Algier 15) Jahre alt ist, zur Korkgewinnung herangezogen. Die besten Korkplatten liefern Bäume im Alter von 5–100 Jahren auf magerem, steinigem Boden. Derselbe Baum kann in Pausen von 8–10 Jahren immer wieder Kork liefern bis er 150 Jahre und älter geworden ist. Eine vernünftige Korkproduktion scheint dem Baume nichts zu schaden.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 152.

Lager von Rohkork des Schweiz. Konsuls

Borgeaud

in Algier.

[Auf der Ricklischen Studienreise phot. von

Businger

.]

Die Korkeiche produziert im normalen Laufe ihrer Entwicklung eine ziemlich mächtige Korkschicht, die bei einem 130 mm dicken Stamm schon 15 mm erreichen kann. Diese Korkschicht wird mit der Zeit rissig und wird außen partiell abgestoßen, so daß eine außerordentlich unregelmäßige Umrißlinie entsteht. Dieser Kork ist, da stark zerklüftet, jedenfalls wenig zusammenhängend und kaum elastisch, auch in der Richtung der Jahresringe leicht zerreißbar, zur Stöpselfabrikation nicht zu brauchen und wird nur für Schwimmhölzer (Netze), zur Bedachung, zur Bekleidung von Gefäßen, für Gartenmöbel, zu Korkstaub und zur Kohle- und Spanischschwarz-Bereitung, ja bisweilen nur als Feuerungsmaterial benutzt. Dieser normale Kork trägt den Namen liége mâle, kurz: le mâle, männlicher Kork oder Jungfernkork, in Spanien: corcho bornio oder virgin, in Portugal: cortiça virgem. Er zeigt eine deutliche Schichtung, aber die Schichten, die wohl als vom normalen Phellogen erzeugte Jahreszuwachszonen zu betrachten sind, sind nur sehr schmal: 0,9 mm, ja gar nur 0,5 mm (DE CANDOLLE) oder schmäler, besonders die innersten. Die Zellen sind zum größten Teil typische Korkzellen, d. h. im Querschnitt tafelförmig und der Kork daher wenig elastisch. Sklereïden sind häufig, oft enthalten die Zellen braune Phlobaphenmassen. Dieser männliche Kork wird von den Bäumen mit der Axt entfernt. Dieser Prozeß, der als démasclage (span. descorcho) bezeichnet wird, wird zum ersten Male meist an 25–30 Jahre alten Bäumen von mindestens 35–40 cm Umfang nicht eben sehr sorgfältig ausgeführt. Da die Schälung etwa bis zum Phellogen erfolgt, so bleibt der Rest der primären und die ganze sekundäre Rinde am Baum. Sie färbt sich nach dem Ablösen an der Oberfläche erst rosenrot, dann rotbraun. Sie trägt den ganz passenden Namen mère, Korkmutter, denn in ihr erfolgt die Neubildung des Sekundärkorkes. Bald in der primären, bald in einer mehr oder weniger tiefen Schicht der sekundären Rinde, also in sehr verschiedener Tiefe, entsteht ein neues Phellogen und bald setzt nun eine sehr ausgiebige Neubildung von Kork ein. Der neugebildete Kork trägt den Namen liège femelle ou de réproduction, weiblicher Kork, in Spanien: corcho segundero oder fino. Er ist viel gleichmäßiger, und da die Jahreszuwachszonen viel breiter sind, auch viel mächtiger als der männliche. Außen ist er mehr oder weniger rissig und trägt hier als schmale braune Schicht die mère extérieure, die abgestorbenen Reste der primären oder der primären und des äußeren Teiles der sekundären Rinde — je nach dem Orte seiner Bildung. Seine Zellen sind relativ groß und weit, Sklereïden sind selten, daher ist er sehr elastisch. Er kann schon im ersten Jahre eine Dicke von 2, im dritten schon eine Dicke von 19 mm erreichen. Für gewöhnlich läßt man ihn aber 9–12 Jahre am Baum. Die Regierung in Algier ordnete an, daß in den Staatswäldern der Kork nicht eher geschält werden darf, als bis er eine Mindestdicke von 25 mm erreicht hat. Kork für Champagnerkorke muß 15 Jahre alt werden (HARTWICH). Bisweilen werden Stamm und Äste geschält; in Gerona nur der Stamm. Mit der Schälung (démasclage) wird in Algier Ende Mai oder Anfang Juni, in Spanien, Portugal und Frankreich einige Wochen später kurz nach dem ersten Safttrieb begonnen. Zu dieser Zeit löst sich der Kork am leichtesten ab. Sie erfolgt in der Weise, daß der Arbeiter (rusquier, tireur) mit der Axt (franz. picasson, hachette de démascleur, span. dastral) in bestimmten Abständen (c. 1 m) zunächst Horizontalschnitte (Gürtel- oder Ringelschnitte) macht und diese durch ein oder zwei Längseinschnitte verbindet, dann hebt man den Kork an einer Stelle etwas ab, schiebt den am Ende meißelartig zugeschärften Axtstiel dazwischen und löst meist mit einem Rucke die ganze Schicht von der am Baume bleibenden mère intérieure ab. Klopfen befördert die Ablösung (I, Fig. 86 u. 89). Mit der Axt nicht erreichbare Stellen werden mit der burxa abgelöst, einem 2 m langem zugeschärften Hebel. Der neugebildete Kork löst sich meist leicht in der Phellogenschicht ab. Wurde ein Längsschnitt gemacht, so erhält man Röhren (canon), bei zwei Schnitten Platten (planches, planchas). Obwohl oft empfohlen wurde den Baum nach dem Schälen mit einer Schutzhülle von Gras oder Moos zu umgeben (ähnlich wie bei der Erzeugung der Renewed barks der Cinchonen, vgl. I, Taf. XXXIII), scheint dies in der Praxis doch nirgends zu geschehen. Die Ernte muß vor Eintreten der starken Hitze oder der Regenzeit beendet sein. Die großen, etwas gekrümmten Korkplatten werden dann aus dem Walde in die Fabrik gebracht (I, Fig. 87) und die außen ansitzenden Reste der Korkmutter (mère extérieure, s. oben) abgeschabt. Dieser Prozeß heißt démérage (I, Fig. 91). Dann werden die Platten (liège démérés) in großen kupfernen Pfannen ½¾ Stunden in siedendes Wasser getaucht (I, Fig. 88) und schließlich übereinander geschichtet möglichst flach gepreßt (Fig. 152 u. I, Fig. 90). Das Kochen entfernt viel Gerbstoff und andere Stoffe (20–30% des Kork) und macht die Platten elastisch. Der Kork schwillt hierbei um 30% auf. Das Kochen und Abkratzen unterbleibt bisweilen (lièges bruts), alsdann werden die frischen Platten nur durch Beschweren flach gestreckt. Bisweilen wird die äußere Schicht erst nach dem Sieden mit dem Kratzeisen (raclette, raspador) oder dem Hobeleisen (doloire, dolatero) oder mit Maschinen abgekratzt (raclage) oder mit Feuer abgesengt (flambage). Die fertigen Platten werden durch den classeur (viseur) klassifiziert und oft durch hydraulische Pressen zu Ballen von 70 bis 80 kg zusammengepreßt und mit Alfagras oder eisernen Reifen umschlossen.

Illustration from Handbuch der Pharmakognosie: Zweiter Band. Spezielle Pharmakognosie

Fig. 153.

Lager von fertig bearbeitetem Kork des Schweiz. Konsuls

Borgeaud

in Algier.

[

Businger

phot.]

Wird der Kork auf einmal vollständig weggenommen, so erneuert er sich langsamer aber in besserer Qualität als nach einer nur teilweisen Schälung. Gebirgige Gegenden liefern weniger, aber besseren Kork, als das Tiefland, wärmere besseren als kältere. Die Güte des Korkes ist also auch abhängig vom Klima und Standort aber auch von einer nicht zu engen Pflanzweite, vom Boden und dem Wetter. Der 9–12 Jahr nach der Entfernung des männlichen Korkes geerntete erste erneuerte Kork ist ziemlich schwammig, mit jeder neuen Ernte, die immer in Pausen von 8–12 (Algier-Tunis 8–9, Spanien-Portugal 10, Frankreich 12) Jahren am gleichen Baume, wie es scheint sehr lange, erfolgen kann — in Algier schält man zehnmal —, verbessert sich der Kork und ist schon nach der vierten oder fünften Ernte, wenn der Boden mager und trocken ist, tadellos. In der spanischen Provinz Gerona wird der Kork Ende Juni und Anfang Juli gesammelt. Jeder Stamm wird dort nur alle 10–12 Jahre geschält. Bisweilen ist es vorteilhaft, dem Baume 18 Jahre Ruhe zu gönnen. Bei älteren Bäumen (von 120–150 Jahr Alter) werden die Jahreszuwachszonen sehr schmal, so daß man die Pausen auf 14–16 Jahr erhöhen muß, bei 200 Jahr alten Bäumen lohnt die Produktion nicht mehr (LAMEY). Bei jüngeren Bäumen wird nur der Stamm, bei älteren auch die dickeren Äste, die den feinsten Kork liefern, dem démascler (descorchar) unterworfen. Um die gefürchtete Rissebildung zu verhindern, macht man nach dem Ablösen des Korkes in die Korkmutter einen Längseinschnitt (Taf. X), bisweilen auch 2–4, aber niemals an der Nordseite des Baumes. Der Ertrag der Bäume wechselt nach Alter und Umfang. Jüngere Bäume liefern 3–10, sechzig- bis hundertjährige 15–36, noch ältere 44–55 kg Rohkork (LAMEY). Ernten von 100 bis 600 kg pro Baum gehören zu den großen Seltenheiten, sind aber beobachtet (ARTIGAS, LAMEY). Der Rohkork heißt im Großhandel Korkholz.

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings