VIERZEHNTES KAPITEL
Reading edition
LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER.
Bei der zweiten Reise nach Camarínes, die ich im Februar unternahm, fuhr ich zu Wasser von Polángui über Bátu bis Nága. Der Quináli, der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss wieder aus, und läuft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Miguél. Er vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Albáy und Camarínes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene für die in Folge des Abacábau’s sehr gestiegene Bevölkerung nicht ausreicht und Camarínes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in grossen Kähnen flussaufwärts bis Quináli geschafft und von dort in Büffelkarren weiter verführt; die Boote gehn leer zurück. Die Breite des sehr windungsreichen Bicol beträgt in der trocknen Jahreszeit am Seeausfluss wenig über 60 Fuss und nimmt nur sehr allmälig zu. Die Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen und Wasservögel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster) besonders häufig — aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen sie auf den Bäumen am Ufer, nur ihr dünner Hals und Kopf ragt wie eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annähern des Bootes stürzen sie jäh in’s Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man den dünnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle, wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen.
Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hügelzug, zwei Stunden Büffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen Korallenriff. Weiter stromabwärts wird die Gegend flacher, nur die grossen Vulkane ragen über die von Reisfeldern eingenommene Ebene.
In Nága, der Hauptstadt von Süd-Camarínes, stieg ich im Tribunal ab, wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit über die Grenzen seiner Provinz berühmten Administrador in sein Haus geholt und mit Liebenswürdigkeit und Gefälligkeiten überhäuft. Der allgemein beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu machen und meine Zwecke zu fördern.
Nága ist die Hauptstadt von Süd-Camarínes, Sitz eines Bischofs und der Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cáceres genannt zu Ehren des aus Cáceres gebürtigen General-Kapitäns D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nága eine spanische Stadt gründete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zählte sie gegen 100 spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwärtig kaum ein Dutzend. Schon Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika, von allen in den Philippinen gegründeten Städten, mit Ausnahme Manila’s, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben, darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen Ansiedlern fehlt. Früher war Nága Hauptstadt des ganzen östlich von Tayábas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevölkerung in die drei Provinzen Nord- und Süd-Camarínes und Albáy zerlegt wurde. Die Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Albáy und Süd-Camarínes ziemlich willkürlich gezogen, während das Gesammtgebiet, wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr wird es auch wohl noch gegenwärtig im Zusammenhang Camarínes genannt; am passendsten könnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch seine Sprache, als durch manche Eigentümlichkeiten von seinen Nachbarn, den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Süden und Osten unterscheidet.
Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhältnisse und der durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten ist bereits S. 94 gegeben worden.

Der Pflug, Arado,
ist von dem noch heut in Spanien gebräuchlichen wenig verschieden. Ausgenommen d und e ist alles von Holz, selbst die Nägel. — a, tokod 0m71; b, timon 0m21; c, caballo 1m67; d, lipia, Länge 0m21, Breite oben 0m16, unten 0m11; e, sodsod 0m21 lang, 0m16 breit; g, pakanap 0m71; d ist mit a, g mit a und c durch Stuhlrohr verbunden.

Ackergeräth der Bicolindier.
Fig. 1 und 2 Soród: a, tampong aus Bambus 0m52; b, badas von Caryota 0m68; c, papan aus dem sehr harten Holze des Camagon, einer Ebenacee 0m73 lang, 0m12 dick; d, tagiak, aus knorrigen Aesten, zum Anspannen des Büffels; e, nipon (Zahn) aus Caryota 0m31; f, Bänder von Stuhlrohr.
Fig. 3 und 4 Azadón.
Fig. 5 und 6 Kag-kag (ganz von Bambus) Länge der Zähne 0m16.

Reismesser.
NB. Der Reishalm ist aus Versehn zu gross dargestellt, ist nicht dicker als ein Strohhalm.
Ein Quiñon bestes Reisland gilt 60–100 Dollars (8 bis 13 Thaler per Morgen). Am theuersten sind Rieselfelder auf Anhöhen, die nicht wie die Felder in der Ebene verheerenden Ueberschwemmungen ausgesetzt sind, und so bewirtschaftet werden können, dass ihre Frucht zur Zeit der höchsten Preise reift.
Das Rindvieh ist gewöhnlich in den Händen Einzelner. Es giebt in Camarínes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stück besitzen, in der Provinz ist es kaum verkäuflich, doch wird es seit einigen Jahren mit Vortheil nach Manila ausgeführt. Das Rindvieh der Provinz ist klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die Kühe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Büffelfleisch dem Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewöhnlich geniessen sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kräuter zum Reis.
Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingeführte Rasse von Schafen hält sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewöhnlich bald sterben. In Manila ist Hammelfleisch täglich zu haben, im Innern aber, wenigstens in den östlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben werden könnte. Man ist aber zu nachlässig, um die jungen Lämmer zu hüten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch wird von wohlhabenden Europäern nur dann gegessen, wenn das Schwein von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhüten, dass es sich herumtreibe, wird es gewöhnlich in einen Bambuskäfig, einen weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet, wenn es denselben ausfüllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in manchen kleinen Häusern nur aus den Zwischenräumen der aus Bambuslatten gebildeten Diele besteht und ernähren sich von seinen Abfällen, die sie gierig verschlingen; häufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen, Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt.
Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den Philippinen fremden Sprachen angehören. Hund, Schwein, Ziege, Büffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch; Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen eingeführt wurden, so waren die Ureinwohner übler daran, als die Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicuña hatten. — Auch die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr, Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die für Silber, Kupfer, Zinn. Von den auf Gewerbe bezüglichen Wörtern sei ein Drittel malayisch, von Handelsausdrücken die grosse Mehrzahl; auch die Benennungen für Maasse, Gewichte, für den Kalender, soweit ein solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwörter, die Wörter für Schreiben, Lesen, Sprache, Erzählung. Dagegen ist nur eine Minderzahl der Ausdrücke, die sich auf den Krieg beziehn, dem malayischen entlehnt.
Aus den ächt einheimischen Wörtern schliesst Crawfurd auf den Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen- und Abacá-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und böse Geister und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren sie den Bewohnern der Südsee voraus durch den Besitz von Gold, Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund, Schwein noch Huhn besassen.
In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte gemacht. Die Handwerke werden hauptsächlich von Chinesen betrieben.
Die Ausfuhr besteht in Reis und Abaca. Die Provinz führt etwa zweimal so viel Reis aus als sie verzehrt, hauptsächlich nach Albay, das zum Reisbau weniger geeignet, fast nur Abacá erzeugt. Ein Theil geht nach Nord-Camarínes, das sehr bergig und wenig fruchtbar ist. Nach Manila kann der Reis kaum verschifft werden, da eine Landstrasse nach dem der Hauptstadt nahen Südrande der Provinz nicht vorhanden und der Wassertransport vom Nordrande und dem ganzen östlichen Theil von Luzon das Produkt zu sehr vertheuern würde. Die Einfuhr beschränkt sich auf das Wenige, was chinesische Krämer einführen. Die Händler sind fast alle Chinesen, sie allein besitzen Läden, in denen namentlich Kleiderstoffe und Tücher, theils inländischer, theils europäischer Fabrik, gestickte Frauenpantoffeln und unächte Schmucksachen zu haben sind. Das Gesammtkapital, welches in diesen Läden steckt, erreicht gewiss nicht 200,000 Dollar. In den übrigen Pueblos von Camarínes giebt es keine chinesischen Handelsleute, sie müssen sich also aus Naga versorgen.
Das Land gehört dem Staat, wird aber einem Jeden, der es bebauen will, umsonst überlassen; der Niessbrauch geht auf die Kinder über, und hört nur dann auf, wenn der Boden zwei Jahre lang unbenutzt liegen bleibt. Es steht dann der Behörde frei, zu Gunsten eines Andern darüber zu verfügen.
Jede Familie besitzt ihr eignes Haus. Gewöhnlich erbaut es der junge Ehemann mit Hülfe seiner Freunde. An manchen Orten kostet es nicht über 4 bis 5 Dollar; zur Noth kann er es auch selbst herstellen, ohne Auslagen, ohne andres Handwerkzeug als das Waldmesser (Bolo) und ohne andres Material, als Bambus, spanisches Rohr und Palmblätter. Dergleichen Häuser, die wegen der Feuchtigkeit immer auf Pfählen stehn, und oft nur einen einzigen überdachten Raum haben, in welchem alle Verrichtungen vorgenommen werden, sind Ursache grosser Liederlichkeit und schmutziger Gewohnheiten; die ganze Familie schläft darin gemeinschaftlich und jeder Durchreisende ist ein willkommener Gast. Ein schönes Haus von Brettern für die Familie eines Cabeza mag gegen 100 Dollar kosten. Das Vermögen einer solchen Familie an Immobilien, Möbeln, Schmuck u. s. w. (sie müssen jährlich ein Inventarium einreichen) beläuft sich auf 100 bis 1000 Dollars. Einige haben sogar über 10,000, der Reichste der ganzen Provinz wird auf 40,000 Dollars geschätzt.
Im Allgemeinen lässt sich behaupten, dass jedes Pueblo seine Bedürfnisse selbst erzeugt und wenig darüber hervorbringt. Für den indolenten Indier, namentlich für den der östlichen Provinzen, ist das Dorf, in dem er geboren worden, die Welt. Er verlässt es nur unter dringenden Umständen. Uebrigens würde das von der Kopfsteuer unzertrennliche strenge Passwesen der Reiselust, falls sie vorhanden wäre, grosse Schwierigkeiten in den Weg legen.
Der Indier isst täglich dreimal: um 7 Uhr Vormittags, 12 und 7 oder 8 Abends; die kräftigsten Arbeiter verzehren bei jeder Malzeit eine Chupa Reis, gewöhnliche Individuen eine halbe zum Frühstück, eine zum Mittag, eine halbe zum Abend, zusammen 2 Chupas. Jede Familie erntet ihren Reisbedarf selbst und bewahrt ihn in Scheuern auf, oder kauft ihn enthülst auf dem Markt, und dann gewöhnlich nur den Bedarf eines Tages oder einer Malzeit auf einmal. Der mittlere Einzel-Preis ist 3 Cuartos für 2 Chupas (14 Chupas del Rey für 1 r.). Für jede einzelne Malzeit wird der Reisbedarf in einem hölzernen Mörser von den Frauen gestossen um ihn zu enthülsen — aus alter Gewohnheit, und auch wohl aus Furcht, dass der Vorrath sonst zu schnell verschmaust werden würde. Der Reis wird nur halb gar gekocht. Es scheint, dass dies überall geschieht, wo er einen wesentlichen Theil der Nahrung ausmacht; schon in Spanien und Italien ist dies wahrzunehmen. An Würzen werden Salz und viel spanischer Pfeffer (Capsicum) genossen, der, ursprünglich aus Amerika eingeführt, überall um die Häuser wächst. Die Eingeborenen ziehn sogenanntes Steinsalz dem gemeinen Kochsalz vor; es wird durch Eindampfen von Meerwasser erhalten, das vorher durch Asche filtrirt worden. Eine Chinanta (12,6 Zoll-Pfund) kostet 1½ bis 2 r. Der Salzverbrauch ist äusserst gering.
Hausrath: Zum Kochen dient ein irdener Topf für 3–10 cu., beim Reiskochen wird er mit einem Bananenblatt fest zugebunden, so dass der Dampf einer sehr geringen Wassermenge hinreicht. Ein anderes Küchengeräth ist bei Aermeren nicht vorhanden. Reichere haben auch einige gusseiserne Pfannen, irdene Töpfe und Schüsseln. Der Heerd besteht in den kleineren Häusern aus einer tragbaren irdenen Pfanne oder einem flachen Kasten, oft einer alten Zigarrenkiste voll Sand, mit drei Steinen, welche als Dreifuss dienen; in den grossen Häusern hat der Heerd die Form einer Bettstelle, die statt einer Matratze mit Sand oder Asche gefüllt ist. Das Wasser für kleine Haushaltungen wird in dicken Bambusen geholt und aufbewahrt; Jedermann besitzt ausserdem in seinem Bolo (Waldmesser) ein Universalinstrument, das er in einer selbstgefertigten Holzscheide an einer aus Bastfaser nachlässig zusammengedrehten Schnur um den Leib trägt. Dies und der Reismörser (ein Holzklotz mit einer entsprechenden Vertiefung) sammt Stösser und einige Körbe bilden das gesammte Hausgeräth einer ärmeren Familie; zuweilen findet sich noch eine grosse Schnecke mit Binsendocht als Lampe. Man schläft auf einer Matte von Pandanus oder Buri (Fächerpalme, Corypha), wenn eine vorhanden, sonst auf den Bambusspliessen, womit das Haus gedielt ist. Oel zur Beleuchtung wird von den Armen fast gar nicht verwendet, sondern Harzfackeln, die je 1–2 Tage dauern und auf dem Markt für ½ cu. verkauft werden.
An Kleidung braucht eine Frau: Camisa de Guinara (kurzes Hemd von Abacáfasern), ein Patadíon (Rock der von der Hüfte bis zum Knöchel reicht), ein Tuch, einen Kamm. Ein Stück Guinara zu 1 r. giebt 2 Hemden, die gröbsten Patadíon kosten 3 r., ein Tuch höchstens 1 r., Kamm 2 cu, zusammen 4 Realen 12 cu = 24 Sgr. Die Frauen besserer Klasse tragen Camisa 1 bis 2 r, Patadíon 6 r, Tuch 2–3 r., Kamm 2 cu. Der Mann trägt Hemd 1 r, Hose 3 r, Hut (Tararura), aus spanischem Rohr, 10 cu, oder Salacot (grosser Regenhut, häufig verziert) wenigstens 2 r, oft mit Silberbeschlag bis zum Werthe von 50 Dollar. Es werden jährlich wenigstens drei, wohl eher vier Anzüge verbraucht, die Frauen pflegen aber fast den ganzen Bedarf für die Familie selbst zu weben.
Arbeitslohn: Für den gewöhnlichen Arbeiter 1 r, kein Essen; Arbeitszeit von 6–12 und von 2–6 Uhr. Die Frauen verrichten in der Regel keine Feldarbeit, doch pflanzen sie den Reis um und helfen ihn ernten; in beiden Fällen ist ihr Lohn gleich dem der Männer. Holz- und Stein-Arbeiter erhalten 1,5 r. per Tag, Kalfaterer 1,75 r.
Ein ziemlich gebräuchlicher Kontrakt bei dem Landbau ist der des Tercio: der Eigenthümer überlässt das nackte, aber urbar gemachte Land für den dritten Theil der Ernte. Einzelne Mestizen besitzen viele Grundstücke, aber selten zusammenhängend, da sie ihnen gewöhnlich als Schuldpfänder zu einem geringen Theil des Werthes zufallen.
Verdienst einer kleinen Familie: Der Mann verdient täglich 1 r, die Frau, wenn sie grobe Stoffe webt ¼ r. und Essen (1 Stück Guinara kostet ½ r. Weberlohn und erfordert 2 Tage Arbeit). Die geschickteste Weberin feinerer Stoffe erhält für das Stück 12 r. Arbeitslohn; und vollendet es in einem Monat, der aber wegen der vielen Feiertage im allerhöchsten Fall gleich 24 Arbeitstagen zu rechnen ist, sie verdient also ½ r. per Tag und Essen. Für das Aneinanderknüpfen der Ananasfasern zur Piña-Weberei (Sugot genannt) wird nur ⅛ r. und Essen bezahlt.
In allen Pueblos sind Schulen vorhanden. Der Schullehrer wird von der Regierung bezahlt, und erhält gewöhnlich 2 Dollars monatlich, weder Wohnung noch Beköstigung. In grossen Pueblos steigt das Gehalt auf 3½ Dollars, davon muss aber ein Gehülfe besoldet werden. Die Schulen stehen unter Aufsicht des Ortsgeistlichen. Es wird Lesen und Schreiben gelehrt, die Vorschriften sind spanisch. Der Lehrer soll eigentlich seine Schüler spanisch lehren, er versteht es aber selbst nicht, andererseits verstehn die spanischen Beamten nicht die Landessprache, die Priester aber haben keine Neigung an diesen Zuständen zu ändern, die ihrer Macht sehr förderlich sind. Es können fast nur solche Indier spanisch, die im Dienst von Europäern gewesen sind. Gelesen wird in der Landessprache (bicol) zuerst eine Art religiöser Fibel, später die Doctrina cristiana, das Lesebuch heisst Casayayan. Durchschnittlich geht die Hälfte aller Kinder in die Schule, gewöhnlich vom siebenten bis zehnten Jahr, sie lernen etwas lesen, einige auch ein wenig schreiben, vergessen es aber bald wieder; nur solche, die später als Schreiber Dienst nehmen, schreiben geläufig und haben meist eine gute Handschrift. Einige Pfarrer dulden nicht, dass Knaben und Mädchen dieselbe Schule besuchen, in diesem Fall besolden sie noch eine besondere Lehrerin mit 1 Dollar monatlich. Rechnen lernen die Indier sehr schwer, sie nehmen gewöhnlich Muscheln oder Steine zur Hülfe, die sie in Häufchen legen und dann zählen.
Die Frauen heirathen selten vor dem vierzehnten Jahre, — zwölf Jahre ist der gesetzliche Termin. Im Kirchenbuche von Polangui fand ich eine Trauung (Januar 1837) verzeichnet zwischen einem Indier und einer Indierin, die den ominösen Namen Hilaria Concepcion führte und bei Vollziehung der Ehe, wie aus einer Randbemerkung hervorgeht, nur 9 Jahre und 10 Monate alt war. Es kommt vor, dass Leute ungetraut zusammen leben, weil sie die Kosten der Trauung nicht zahlen können. Mädchen, die als Geliebte von Europäern Kinder bekommen, rechnen es sich fast zur Ehre. Noch mehr ist dies der Fall, wenn das Kind vom Pfarrer ist; der Cura erhält immer seine Kinder, aber unter angenommenen Namen. In Fällen ehelicher Untreue, die nicht selten sind, wird die schuldige Frau gewöhnlich geprügelt, der Verführer geht frei aus; fast nie gelangen Beschwerden an das Gericht. Die Männer sind meist liederlich. Eine Frau brachte die Geliebte ihres Mannes durch Zureden zum Geständniss ihrer Schuld, und schnitt ihr darauf mit einer bereit gehaltenen Scheere das ganze Haupthaar ab; dies ist das einzige Beispiel von Rache, das in den letzten Jahren vorgekommen war. Europäerinnen, ja selbst Mestizinnen, lassen sich, nach Versicherung ihrer Männer, nie mit Indiern ein. Die Frauen werden im Allgemeinen gut behandelt, verrichten nur leichte Arbeit, Nähen, Weben, Sticken, Besorgung des Haushalts; alle schwere Arbeit mit Ausnahme des Reisstampfens fällt den Männern zu. Oeffentliche Mädchen verkehren mit allen Frauen und verheirathen sich auch oft, zuweilen bieten Väter ihre Töchter Europäern an, indem sie ein Darlehn erbitten und die Tochter dafür als Näherin in’s Haus bringen.
Fälle von hohem Alter sind unter den Indiern, namentlich in Camarínes häufig. Das Diario de Manila vom 13. März 1866 berichtet über einen Alten in Darága (Albay) den ich wohl gekannt habe: Juan Jacob 1744 geboren, 1764 verheirathet, 1845 verwittwet, hat bis 1840 viele öffentliche Aemter bekleidet, hatte 13 Kinder, von denen 5 leben, 170 direkte Nachkommen, ist mit 122 Jahren noch rüstig, hat gute Augen und Zähne; — erhielt sieben mal die letzte Oelung!
Die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes werden sorgfältig aufbewahrt und unter dem Namen Triaca (Theriacum) als ein besonders auch gegen den Biss von Schlangen und tollen Hunden wirksames Universalheilmittel aufbewahrt. Es wird auf die Wunde gelegt und zugleich eingenommen.
Die krankhafte Sucht des Nachahmens, in Java Sakit-latar genannt, kommt auch hier vor und heisst Mali-mali. In Java glauben Viele, dass die Krankheit nur Verstellung sei, weil die angeblich damit Behafteten es vortheilhaft finden, sich vor neu angekommenen Europäern sehn zu lassen. Hier aber beobachtete ich ein Beispiel, bei dem wohl keine Verstellung vorausgesetzt werden konnte; meine Begleiter benutzten den krankhaften Zustand einer armen Alten, die uns begegnete, um auf offener Strasse rohe Spässe mit ihr zu treiben. Die Alte ahmte alle Bewegungen nach, wie von einem unwiderstehlichen Drang getrieben, und äusserte zugleich ihren lebhaftesten Unwillen über die Leute, die ihre Schwäche missbrauchten.