← Table of contents
Reisen in den Philippinen

ZWEITES KAPITEL

Reading edition

RHEDE. — ZOLLWESEN. — GESCHICHTE DES HANDELS. — SPANISCHE KOLONIALPOLITIK. — REISEN DER GALEONEN.

Die Zollvisitation und die vielen, von den einheimischen Subalternbeamten ohne alle Rücksichten nach dem Buchstaben gehandhabten Förmlichkeiten erschienen dem neu Angekommenen um so lästiger, da er eben erst in den englischen Freihäfen Ostasiens verkehrt hatte. Auf die Bürgschaft eines angesehenen Kaufmanns wurde ihm nach 16 Stunden als eine besondere Gunst die Landung gestattet, jedoch ohne das kleinste Gepäckstückchen.

Die Rhede ist im S.W. Monsun und zur Zeit der von Stürmen begleiteten Monsunwechsel unsicher; dann suchen grössere Schiffe in dem 7 SM. entfernten Cavite Schutz; im N.O. Monsun können sie ½ L. vom Lande ankern. Fahrzeuge von weniger als 300 Tonnen gelangen über die Barre in den Fluss Pásig, wo sie bis zur Brücke, unmittelbar am Ufer, und bis in die Mitte des Flusses hinein, in dicht gedrängten Reihen liegen, und durch ihre Anzahl sowohl, wie durch das zwischen ihnen herrschende rege Treiben von der Lebhaftigkeit des Binnenhandels zeugen.

In jedem Regenmonsun führt der Pásig der Barre so viel Schlamm zu, dass dessen Fortschaffung die Thätigkeit der aufgestellten Baggermaschine wie es scheint vollauf in Anspruch nimmt.

Während des N.O. Monsun, in unseren Wintermonaten, wo die Schiffe vom indischen Archipel nach China, um einige Deckung zu haben, durch die Gilolostrasse gehn, müssen sie überdies dicht an Manila vorbei, und würden dort eine bequeme Station finden; namentlich aber liegen die Philippinen wie bereits erwähnt, für die Westküste Amerikas sehr günstig.

Dass das spanische Ultramar-Ministerium diese Verhältnisse richtig erkennt und ihnen Rechnung trägt, geht aus dem für die Zukunft der Kolonie so wichtigen Dekret vom 5. April 1869 hervor, das wohl schon früher erschienen wäre, wenn nicht die durch Schutzzölle verwöhnten spanischen und kolonialen Schiffsrheder sich hartnäckig gegen eine Neuerung gesträubt hätten, die ihre bisherigen Privilegien antastet und sie zu grösserer Rührigkeit zwingt.

Später wurde erstere Summe auf 300,000 Doll. mit entsprechender Rückfracht erhöht, den Spaniern aber untersagt, China zu besuchen, so dass sie die Ankunft der Junken abwarten mussten. 1720 endlich wurden chinesische Stoffe in allen spanischen Besitzungen beider Welttheile gänzlich verboten. Eine Verordnung von 1734 (mit Zusätzen von 1769) gestattete den Handel mit China auf’s Neue und erhöhte das Werthmaximum der Fracht nach Acapulco auf 500,000 Doll., die Rückfracht auf 1,000,000 Doll. Silber.

Nachdem endlich die auf Kosten der Staatskasse erhaltene Nao von Acapulco ihre Reisen eingestellt (die letzte Galeon verliess Manila 1811 kehrte 1815 von Acapulco zurück), wurde der Handel mit Amerika durch Kauffahrer betrieben, denen 1820 erlaubt ward, bis zu 750,000 Doll. jährlich aus den Philippinen auszuführen und ausser Acapulco auch San Blás, Guayaquíl und Calláo anzulaufen. Dieses Zugeständniss war aber nicht ausreichend, um den Philippinischen Handel für seine durch den Abfall Mexico’s von Spanien erlittenen Verluste zu entschädigen. Die Besitznahme Manila’s durch die Engländer (1762) hatte die Bewohner mit Gewerbserzeugnissen bekannt gemacht, welche ihnen die Einfuhren von China und Indien nicht bieten konnten. Um der Nachfrage zu genügen, wurden Ende 1764 spanische Kriegsschiffe mit Produkten der spanischen Industrie (Wein, Esswaaren, Hüte, Tuche, Kurzwaaren und Luxusgegenstände) nach der Kolonie gesandt.

1785 erlangte die Compañia de Filipinas das Handelsmonopol zwischen Spanien und der Kolonie, durfte sich aber nicht in den direkten Verkehr zwischen Acapulco und Manila mischen. Sie wollte grosse Massen von Kolonialprodukten, Seide, Indigo, Zimmet, Baumwolle, Pfeffer etc. für die Ausfuhr erzielen (ähnlich wie es später durch das Kultursystem in Java geschah); da sie aber nicht über Zwangsarbeit verfügte, so misslang die plötzliche künstliche Steigerung des Landbaues vollkommen.

Durch ihr falsches System und die Unfähigkeit ihrer Beamten erlitt sie grosse Verluste (sie zahlte z. B. 13,5 Doll. für den Pico Pfeffer, der 3–4 Doll. in Sumatra galt).

1820 wurde auf 10 Jahre der direkte Handel zwischen den Philippinen und Spanien freigegeben, ohne Beschränkung für die Produkte der Kolonie, vorausgesetzt, dass die Erzeugnisse Indiens und China’s 50,000 Doll. bei jeder Expedition nicht überstiegen. Von 1834 an, wo das Privilegium der Philippinischen Kompanie erlosch, ist in Manila der freie Verkehr mit dem Auslande gestattet, doch zahlten fremde Schiffe doppelte Zölle. Seit 1855 sind noch vier neue Häfen dem Weltverkehr geöffnet; 1869 ist der oben erwähnte freisinnige Tarif erlassen worden.

Die mehrfach erwähnten Reisen der Galeonen zwischen Manila und Acapulco nehmen eine so hervorragende Stelle in der Geschichte der Philippinen ein und gewähren einen so interessanten Einblick in das alte Kolonialsystem, dass sie wenigstens in ihren Hauptzügen kurz geschildert zu werden verdienen.

Zu Morga’s Zeit, Ende des 16ten Jahrhunderts, kamen jährlich 30–40 chinesische Junken nach Manila (gewöhnlich im März); Ende Juni ging die Nao (oder Galeon) nach Acapulco ab. Der Acapulcohandel, dessen Geschäft sich auf die dazwischen liegenden drei Monate im Jahr beschränkte, war so gewinnbringend, bequem und sicher, dass die Spanier sich in keine andere Unternehmungen einlassen mochten.

Da der Raum des einzigen jährlichen Schiffes dem Zudrang durchaus nicht entsprach, so vertheilte ihn der Guvernör nach seinem Dafürhalten, und die Begünstigten trieben gewöhnlich nicht selbst Handel, sondern übertrugen ihre Konzessionen an Kaufleute.

Alles war bei diesem Handel im Voraus bestimmt: Zahl, Form, Grösse und Werth der Waarenballen, ja sogar ihr Verkaufspreis. Da dieser dem doppelten Kostenpreis gleichkam, so entsprach die Erlaubniss, Waaren für einen gewissen Betrag zu verschiffen, unter gewöhnlichen Verhältnissen dem Geschenk eines solchen Betrages. Solche Erlaubnissscheine (Boletas) wurden daher später zum grossen Theil an Pensionäre, Offizierswittwen und als Gehaltszulagen an Beamte gegeben, doch durften die also Begünstigten unmittelbar keinen Gebrauch davon machen, denn zum Acapulcohandel waren nur die Mitglieder des Consulado (einer Art Handelsgericht) berechtigt, die einen mehrjährigen Aufenthalt im Lande und 8000 Doll. Kapital nachweisen mussten.

Wegen der Unbeständigkeit der Winde waren die Reisen in so niedrigen Breiten äusserst beschwerlich und dauerten fünf Monate und darüber. Die Furcht, das reiche, unbeholfene Schiff den kräftigen, zuweilen stürmischen Winden höherer Breiten auszusetzen, scheint dieser Vorschrift zu Grunde gelegen zu haben.

Eine Galeon oder Nao maass 1200–1500 Tonnen und führte 50–60 Kanonen, letztere aber gewöhnlich im Schiffsraum, wenigstens bei der Reise ostwärts. Auf der Heimkehr, wo es nicht an Platz mangelte, wurden die Kanonen aufgestellt.

Fray Gaspar (S. 436) erzählt von der Nao Sa. Ana, die Thomas Candish 1586 an der Küste von Californien kaperte und verbrannte: »Die Unsrigen fuhren so sorglos, dass sie ihre Artillerie als Ballast mit sich führten ... der Korsar machte eine so glückliche Reise, dass er in London einlief mit Segeln von chinesischem Damast und seidenem Tauwerk.«

Die Rückkehr des Schiffs in Manila, mit Silberdollars und neuen Ankömmlingen beladen, war ein grosses Fest für die Kolonie. Ein beträchtlicher Theil des ohne Anstrengung wie im Spiel gewonnenen Geldes wurde gewöhnlich schnell verprasst; dann sank Alles wieder in die gewohnte Leblosigkeit zurück.

Lastboot (Casco).
Lastboot (Casco).

Lastboot (Casco).

Nach der Zeichnung eines Tagalen.

Haus mit Azotea am Pasig.
Haus mit Azotea am Pasig.

Haus mit Azotea am Pasig.

Notes in this chapter

Note 1 · Die Oeffnung dieser Häfen hat sich so erspriesslich erwiesen, dass darüber einige interessante Thatsachen in einem besonderen Kapitel mitgetNote 2 · 1868 liefen 112 fremde Schiffe von 74,054 Tonnen, 93 spanische von 26,762 Tonnen in Manila ein; erstere kamen fast alle in Ballast, und verlNote 3 · 1868 14,013,108 Doll. Gesammtausfuhr, England 4,857,000 Doll., das ganze übrige Europa 102,477 Doll., wobei freilich der von der Kolonie nacNote 4 · Lapérouse nennt Manila die vielleicht am glücklichsten gelegene Stadt der Welt. ↑Note 5 · Näheres über das Zollwesen s. im Anhange. ↑Note 6 · Sapán oder Sibucao, Caesalpinia Sappan. Das Fernambuk- oder Brasilholz, dem das Kaiserreich Brasilien seinen Namen verdankt, kommt von C. ecNote 7 · Ein interessantes Verzeichniss der zu jener Zeit von den Chinesen eingeführten Waaren findet sich im Anhang. ↑Note 8 · Schon damals gingen grosse Mengen kleiner Muscheln (Cypraea moneta) nach Siam, wo sie noch heut als Münze dienen. ↑Note 9 · Berghaus Geo-hydrogr. Memoir. ↑Note 10 · Manila wurde erst 1571 gegründet, aber schon 1565 glückte es Urdaneta, Legaspi’s Steuermann, den Rückweg durch das Stille Meer zu finden, inNote 11 · Grav. No. 6. ↑Note 12 · Vgl. Kottenkamp I. 1594. ↑Note 13 · Gestützt auf Leyes de India 1a u. 6a, C. 4, L. 9. ↑Note 14 · Zuerst wurde nur die Einfuhr durch Festsetzung eines Werthmaximums beschränkt, die Manila-Kaufleute halfen sich durch Angabe viel zu geringeNote 15 · Informe Hist. 2. ↑Note 16 · Informe I. 4. 6. ↑Note 17 · Lapérouse (358) erwähnt 1787 ein französisches Handelshaus (Sebis), das seit mehreren Jahren in Manila etablirt war. ↑Note 18 · Informe, Comercio 2. ↑Note 19 · R. Cocks to Thos. Wilson (Calendar of State Papers (India) No. 823) . . »the English will obtain a trade in China, so they bring not in any Note 20 · Noch 1857 werden ältere, gegen die Niederlassung von Ausländern gerichtete strenge Erlasse durch ein Gesetz (L. ult. II 512) erneut. Eine R.Note 21 · Pinkerton XI, 85. ↑Note 22 · II, 201. ↑Note 23 · Von 5 × 2½ × 1½ = 18,75 span. Cub.-Fuss (St. Croix II, 360). ↑Note 24 · Comercio exterior 47. ↑Note 25 · Die Obras pias sind fromme Vermächtnisse, bei denen in der Regel bestimmt war, dass zwei Drittel zu kaufmännischen Unternehmungen im SeehandNote 26 · Thevenot Religeux 12. ↑Note 27 · 14–15° Morga 171. ↑Note 28 · Nach Legentil 32–34°. ↑Note 29 · De Guignes, Pinkerton XI, Anson X. ↑Note 30 · Anson X. ↑Note 31 · Edmund Randolph, Hist. of California. ↑Note 32 · Zu Morga’s Zeit 70 Tage bis zu den Ladronen, 10–12 Tage bis Cap Espiritu Santo, 8 Tage bis Manila. ↑Note 33 · Eine sehr gute Beschreibung der Naofahrten findet man in Anson Kap. X. Dasselbe Werk enthält die Kopie einer an Bord der Cavadonga erbeuteteNote 34 · de Guignes. ↑Note 35 · Dem Befehlshaber, der den Titel General hatte, war ein Kapitän untergeordnet, dessen Gewinn auf jeder Reise 40,000 Doll. betrug. Für den SteNote 36 · Die von Anson erbeutete Ladung betrug 1,313,000 Doll., abgesehen von 35,682 Unzen Feinsilber und Cochenille. Die von Drake mitten im FriedenNote 37 · So fand z. B. 1786 die Nao S. Andrés, die für 2 Millionen Doll. Fracht enthielt, keinen Markt in Acapulco; ebenso erging es 1787 der S. JoséNote 38 · Die geringe Zahl von Schiffen auf der Rhede, besonders fremder Flaggen, war um so auffallender, als, ausser Manila, kein Hafen des ArchipelsNote 39 · Der Grund jener Erscheinung lag zum Theil in der geringen Entwicklung des Landbaues, trotz der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens, Note 40 · Die Kolonie exportirt fast nur Rohprodukte, die mit einem Ausfuhrzoll von 3 Procent belastet waren; für die spanische Flagge betrug er nur 1Note 41 · An und für sich ist die Lage Manila’s für den Welthandel sehr günstig, als Zentralpunkt zwischen Japan, China, Anam, den englischen und hollNote 42 · Die bemerkenswerthesten Punkte dieser neuen Verordnung sind: Ermässigung der Differenzialzölle und ihr gänzliches Erlöschen nach zwei JahrenNote 43 · Als die Spanier nach den Philippinen kamen, fanden sie die Eingeborenen mit Seiden- und Baumwollenstoffen bekleidet, die von chinesischen ScNote 44 · Durch die grössere Sicherheit, die mit den Spaniern in’s Land kam, mehr noch durch den von ihnen eröffneten Verkehr mit Amerika und mittelbaNote 45 · Die an den bequemen Acapulco-Handel gewöhnten Manila-Kaufleute sträubten sich aber gewaltig gegen diese Neuerung, obgleich sie gute GeschäftNote 46 · Europäischen Fahrzeugen war nach der englischen Invasion streng verboten, Manila zu besuchen; da dieses aber die indischen Waaren nicht entbNote 47 · 89 wurde fremden Schiffen gestattet, Waaren aus China und Indien einzuführen, aber keine europäischen. 1809 erhielt ein englisches HandelshaNote 48 · Heute nach drei Jahrhunderten ungestörten Besitzes hat Manila in jenen Meeren durchaus nicht mehr dieselbe Bedeutung, die es bald nach AnkunNote 49 · Nach de Guignes21 wurde der Frachtraum der Nao in 1500 Theile getheilt, von denen eine grosse Anzahl den Klöstern, der Rest bevorzugten PersNote 50 · Der Astronom Legentil22 beschreibt ausführlich die zu seiner Zeit geltenden Verordnungen und deren Umgehung: die Ladung war auf 1000 Ballen,Note 51 · Sobald die Schiffe an die grosse Sargassobank gelangten, schlugen sie einen südlichen Kurs ein und liefen dann die Südspitze der CaliforniscNote 52 · Die Rückkehr nach den Philippinen war bequem und dauerte nur 40–60 Tage.32 Das Schiff verliess Acapulco im Februar oder März, lief südwärts,Note 53 · In Acapulco wurde die Ladung mit 100 Prozent Nutzen verkauft und in Silber, Cochenille, Quecksilber etc. bezahlt. Der Gesammtwerth der RückfNote 54 · Oft aber gingen auch Schiffe verloren, da sie über die Grenzen der Verordnungen und der Vorsicht, mit grosser Beeinträchtigung ihrer Seetüch
Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings