← Table of contents
Reisen in den Philippinen

NEUNTES KAPITEL

Reading edition

DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRÜCHE.

Vulkan Albay oder Mayon
Vulkan Albay oder Mayon

Vulkan Albay oder Mayon

aufgenommen von Convento von Daraga.

Ich brach am 25. Sept. Abends auf und übernachtete, auf Herrn Muñoz Rath, in einer Hütte 1000 Fuss über dem Meere, um am folgenden Morgen die Besteigung mit frischen Kräften zu beginnen. Aber zahlreiche Müssiggänger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren Lärm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem man einige hundert Fuss weit durch 6′ hohes Gras gestiegen, folgt kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten; auch diese hören bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie bilden zuerst ein Gehölz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblöcken mühsam fortkommende Bäumchen auflöst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure und Wasser-Dämpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu können, Mund und Nase mit Tüchern verbanden.

An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht der Verhältnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden Dampfwolken es unmöglich machte die Breite der Klüfte zu übersehn. Die Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mächtigen Bänken festen Gesteins, unter einer von schwefliger Säure gebleichten Schlackenkruste. Viele regellos umherliegende prismatische Blöcke zeigten, dass der Gipfel früher höher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstösse Lücken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814 (s. unten) bisher widerstanden hatten.

Später fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei sehr klarem Wetter von Darága aus zu beobachten; es ergab sich dabei, dass der Nordrand die Südseite überragte. (Vergl. d. Zeichnung.)

Krater des Mayon
Krater des Mayon

An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen, waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe Salze abgesetzt hatten. Ueber 20′ lange, von der Kuppe herabgeglittene Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darága zugekehrten Seite war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberfläche aus so feinen lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die Neigung dieses Stromes betrug über 30°, dennoch hat er unverkennbar eine zusammenhängende Masse gebildet, es kamen Stücke von 5 bis 6′ Länge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stücke zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600′ tiefer, wo sich dieselbe Lava über eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie eine mehr als 40′ lange zusammenhängende, nur durch kleine Sprünge zerborstene Platte von 45° Neigung.

Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als es dunkel wurde. In der Hoffnung die Hütte zu erreichen, wo unsere Lebensmittel zurückgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig und müde zwischen grossen Felsblöcken umher und entschlossen uns endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlässigkeit der Indier veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer Sachen im Biwuak zurückgelassener »sehr zuverlässiger Mann«, der den Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen zu kommen, war schon Vormittags nach Darága zurückgekehrt. Mein Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm für mich trug, verschwand plötzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als unsere sehr dünnen Hüllen durchnässt waren, zum Zähneklappern. Mit Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Hütte und erholten uns nach 29stündigem Fasten.

In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del pais ist angeführt unter 4. September 1823: »Das Mitglied D. Antonio Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. März und die Gesellschaft befahl eine Denkmünze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und besagten Siguenza und seine Gefährten zu belohnen.« In der Provinz Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren, denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrücklich erwähnt, die Belohnung lässt es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt: »Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, beträgt seine Höhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter)« und Seite 143: er habe in den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille schlagen liess zu Ehren Siguenza’s (und seiner Gefährten), der 1823 den Krater des Vulkan’s untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen 1592 zwei Mönche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den Gipfel, da drei tiefe Schlünde ihm den Weg versperrten, aber auf die blosse Erzählung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre »an den Folgen der mannichfachen Temperaturen« denen er bei Besteigung des Berges ausgesetzt gewesen.

In manchen Büchern heisst es, der Berg sei beträchtlich hoch, in andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Höhe nach den Messungen des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen Hydrographen wirklich ermittelte Höhe habe ich nirgends gefunden. Nach meinen Barometermessungen beträgt die Meereshöhe der Gipfelplatte, die aber noch von einzelnen Pfeilern überragt wird, 2374 Meter = 8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss.

Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey verzeichnet, ist vom Februar 1616: »Anchoras suas 19. Februarij ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure (Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26 Francf. 1620 Fol.«

Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die Ortschaft Malináo gänzlich zerstörte, und in Cagsáua, Camálig, Budiáo, Guinobátan, Polángui und Ligáo grosse Verheerungen anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug aus dieser) entzündete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6 Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide, allmälig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October spie der Vulcan während eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7 Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens plötzlich nach S. umsprang und dabei alle Hütten des Dorfes zerstörte, eine so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tíbog und Albáy mehrere Flüsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser Wasserfülle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu durchfurthen waren. . . . »Zwischen Bacacáy und Malináo betrug die Breite der Flüsse über 80 Varas. Von Cemálig nach dem Innern von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verändert, dass man die Strassen nicht wieder erkennt. Malináo ist gänzlich zerstört, fast alle Hütten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen bedeckt; ein Drittel von Cagsáva ist gleichfalls vernichtet, der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemálig, Guinobatam, Liga und Bolangui noch grössere Verheerungen angerichtet. . . Im SW. sind die Palmen und andere Bäume bis an ihre Wipfel begraben worden. . . . In Albay wurden 18, in Malináo über 30 Leichname gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . .«

1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses).

1827 brach in Manila (Luzon) ein Vulkan aus, in der Provinz Albay, der Ausbruch dauerte bis zum Februar 1828. (A. Perrey S. 93).

Den Pfarrern der Ortschaften am Fuss des Mayon verdanke ich folgende Mittheilungen über die Ausbrüche des Vulkans, deren Zeugen sie gewesen sind:

1834 und 1835. In diesen beiden Jahren war der Berg fast ununterbrochen in Thätigkeit. Aschenausbrüche wurden nicht wahrgenommen, aber fast jede Nacht sah man glühende Lava von der Spitze nach verschiedenen Richtungen in den oberen Schluchten herabfliessen. Im Monat Mai 1835 fand ein sehr starker Gipfel-Ausbruch statt, mit Aschen- und Steinregen; er begann um 6 Uhr früh, dauerte aber nicht bis zum Abend; man sah abwechselnd graue und weisse Säulen sich vom Gipfel erheben; in den grauen Säulen konnte man grosse Steine erkennen, die Erscheinung war von starkem Donner begleitet.

Nach den Ausbrüchen von 1835 blieb der Berg ruhig bis 1845, selbst Dampfwolken waren oft mehrere Monate lang nicht wahrzunehmen. Nach Capt. Wilkes (U. S. Expl. Exp. V 283) wäre zu vermuthen, dass auch 1839 ein Ausbruch statt fand: ... »aber viele (Vulkane) rauchten, besonders der im Gebiete von Albay, Ysarog genannt. Sein letzter Ausbruch fand 1839 statt, that aber wenig Schaden im Verhältniss zu dem von 1814 ... er liegt 150 Miles SO. von Manila und soll ein vollkommener Kegel sein.« — Statt des Ysarog ist hier der Mayon gemeint; die mit gesperrter Schrift gedruckten Stellen passen nur auf diesen, der Ysarog ist erloschen. Dieselbe Namenverwechselung wiederholt sich noch zweifelloser bei Dana. (U. S. Expl. Exp. Geology. 541): »In der SO. Ecke (von Luzon) steht der hohe Kegelberg Albay, von den Eingeborenen Ysarog genannt.« — Der fragliche Ausbruch kann wohl nur unbedeutend gewesen sein, da die Pfarrer ihn nicht erwähnen.

Am 21. Januar 1845 verkündete starkes Donnergeräusch einen Gipfelausbruch, der indessen nur 10 Minuten währte. Eine Viertelstunde darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, dauerte abermals zehn Minuten und trat nach etwa einer Stunde zum dritten Mal ein. Um 9 Uhr aber fand mit starkem Getöse ein Aschen-Ausbruch statt, der zwei Stunden ohne Unterbrechung anhielt und in dem Gebiet SW. vom Berge die Luft verfinsterte. In Darága blieb es hell und man konnte die schöne Erscheinung, die in Guinobátan Alles in Schrecken setzte, ungefährdet betrachten. Der Ausbruch hielt noch einige Tage an, aber schwächer; bei Tage gewahrte man eine dunkle Aschensäule, Nachts erschien sie glühend. Auch sah man dann glühenden Sand in den Schluchten sich abwärts schieben; dies Schauspiel währte eine Woche lang. Zugleich hörte man Nachts ein Rauschen wie von einem Sturzbach; bei Tage war nur das Geräusch der gegeneinander schlagenden Steine wahrzunehmen. Wegen des herrschenden NO.-Windes fiel die Asche in Guinobátan, Ligáo und Camálig nieder, wo es bei Tage so finster war, dass man mit Laternen auf der Strasse ging. Auf dem Bergabhange überraschte Büffel und Rinder kamen um, sonst waren keine Unglücksfälle zu beklagen.

1846 starker Ausbruch an einem Nachmittage. Von Camálig aus (im S.) erscheint der ganze Berg in eine Wolke gehüllt, darüber eine schwarze Aschensäule. Mehrere Nächte starker Feuerschein am Gipfel.

1851 zwei Aschenausbrüche, beide unbedeutend, der zweite im Juni.

1853, 27. Juli (13. Juli nach Estado geogr. S. 318). Grosser Ausbruch von zwölf Uhr Mittags bis drei Uhr. Er wird durch starkes Donnern, aber ohne Erdstösse eingeleitet. Aus dem Gipfel bricht eine hohe Aschensäule hervor, welche die Gestalt eines Baumes annimmt; die Dörfer im Umkreise mehrerer Meilen werden mit Asche bedeckt. Glühende Steine rollten bis an den Fuss des Berges herab und zerstörten mehrere Häuser. 31 Menschen kamen in einer Abacápflanzung um (33 nach Estado 318.).

Ein heftiger Ausbruch soll am 22. März 1855 während eines Erdbebens in Manila stattgefunden haben. (A. Perrey S. 105 nach einer Mittheilung der Herren Meister und Kluge.)

Nach Hochstetter (Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 36, S. 131) hat der Mayon 1857 so viel Asche ausgeworfen, dass alle Bienen der Umgegend getödtet wurden.

1858 war der Berg fast ununterbrochen thätig, doch fanden keine grossen Ausbrüche statt, aber fast alle Nächte sah man am Gipfel glühende Lava in den Schluchten. 1859 und 1860 konnte man fast jede Nacht bei klarem Wetter einen Feuerschein am Gipfel wahrnehmen, Ausbrüche fanden nicht statt.

Erdbeben sind in dieser Provinz seltener als in Manila und gewöhnlich wegen der Bauart der Häuser unschädlich. 1840 und 1846 fanden zwei bedeutende statt, deren ersteres die Ortschaft Sorsogón zum grösseren Theil zertrümmerte. Im Anhang zur engl. Uebersetzung von Morga S. 373 wird ein furchtbares Erdbeben angeführt, das am 19. Oct. 1865 in der Provinz Albay viel Hab und Gut zerstörte, wobei die Orte Malináo und Tabáco von der See überschwemmt wurden.

Nach einer in Nature enthaltenen Notiz aus Manila brach Mitte Dezember 1871 der Mayon aus und spie mehrere Wochen lang Rauch, Steine und Lava aus.

Notes in this chapter

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings