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Briefe aus Aulestad an seine Tochter Bergliot Ibsen

Schwaz, Tirol, 22. Juni 1894.

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Liebe Bergliot, Mutter soll nach Innsbruck; wir warten nur auf Geld. Dort ist ein Arzt, der berühmt ist wegen seiner Kuren für Magengeschichten. Es kommen viele von weither zu ihm.

Es freute mich, daß Du kein Hase warst. „Absalons Haar“ ist das Stärkste, was ich geschrieben habe, weil es die teuerste Erfahrung meines Lebens ist. Wer Dichter ist, und das auf meine Weise ist, und etwas so Fürchterliches erlebt, und dann nicht das Seine tut, um zu warnen und die Wiederholung im großen und kleinen zu verhindern, der wird seiner Aufgabe untreu. Rücksichten wie: dann sagen die Leute das, und dann denken sie so von Dir, nehme ich nicht. Ich gehe drauf los, und dafür sollten alle einstimmig mir danken und mich ehren. So habe ich ja mein ganzes Leben lang gehandelt, und das wollen die Leute nie sehen, und es mir nie lohnen. Denn Aufopferung wird ihren Lohn und ihren Ruhm haben, wenn die Zeit gekommen ist. Sie ist nämlich ein Vorschuß, den starke und gesunde Menschen auf das Ganze nehmen.

Rache? — Nicht ein Wort der Rache, nicht ein Wort der Bosheit findet sich in der Schilderung, um die es sich hier handelt. Derartiges verdunstet mir, wenn ich vor dem Ernst der Aufgabe stehe. Ja, mehr noch: ich wehre mich dagegen, ganz entschieden. Um sicher zu gehen, lasse ich mindestens ein Drittel von dem, was das Bild verschlimmern könnte, weg und rücke den Rest in das Licht des Verstehens vom psychologischen Gesichtspunkte aus. Ihr, die Ihr das Modell kennt, wißt alle, daß ich auch diesmal so verfahren bin. Ich werde später darüber öffentlich etwas schreiben, falls kein anderer es kann oder will.

Tausend Grüße an Euch alle!

Euer Freund Vater.

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