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Briefe aus Aulestad an seine Tochter Bergliot Ibsen

2. März 1890.

Reading edition

Liebe Bergliot, ich habe Deinen Brief noch nicht gelesen, nur davon berichten hören; aber ich hatte auch so viel zu hören, zu lesen und war außerdem gestern weg zu einem Vortrag. Große Freude, daß Peter und Dikka hier gewesen sind, große Freude! Und nun kommen auch Kiellands! Wir sind also jetzt glänzend auf der Höhe hier! Es ist, als hätten wir Paris hier. — Und Du Ärmste lebst in der Millionenstadt viel verlassener als wir hier in unserm Winkel. — Nun habe ich Deinen vortrefflichen Brief gelesen, Bergliot. Deine ganze Natur liegt in diesem Brief. Hast Du die Revolutionsgeschichte von Carlyle, die ich für dich bestellt habe bei Huseby & Co. in Kristiania, nicht erhalten, so schreibe selbst! Du mußt sie lesen. Du mußt das Menschenmeer in Aufruhr sehen und die gewaltige Wogenmasse, wo einer den andern jagt, bis alles eine unendlich wogende Bewegung ist, so daß die, die mitgewälzt werden, ihren eigenen Willen verlieren und nur drängen, weil alles drängt. Und das wird noch einmal kommen, wenn man nicht beizeiten gerecht ist. Darum eifre ich. Niemand weiß Zeit oder Stunde oder von wannen. Hebt es aber an, dann weiß keiner, ob unsre Arbeiter stärker sind als andere, ob nicht auch sie mitgerissen werden und niederreißen. Denn auch hier im Lande ist viel Unrecht. — Grüße Frau Sansot herzlich; jetzt will ich mich endlich zu einem Brief an sie aufschwingen. Und Runebergs! Ja, ich weiß, das sind Menschen, sie haben mich verstanden, und sie verschleudern nicht, was sie verstehen. —

Ich habe noch andre Briefe zu schreiben und muß schließen.

Dein Freund Vater B. B.

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