Aulestad, April 1888.
Reading edition
Ich finde, liebe Bergliot, es wäre eine wahre Sünde, wenn ich Dir nicht ein paar Zeilen schriebe. —
Mir ist nicht recht klar, weshalb ich an Jonas Lie schreiben soll, nein, ich tue es nicht. Mir liegt nichts daran, daß Du mit ihnen verkehrst; Du wirst keine ungetrübte Freude daran haben. Aber wenn Du es durchaus willst, so würde ich schon eine Form finden können; z. B. jetzt bei meinem neuen Buch.
Ich sehe, Bräkstad ist in Paris gewesen, um sein Geld loszuwerden, das leichtsinnige Huhn. Aber er war wohl gemütlich? — Meine liebe, süße Bergliot, hörst Du auch genug Musik? Du schreibst nichts darüber; und es macht mir Sorge, daß Du vielleicht die Maschine nicht mit dem Verständnis und dem Geschmack ölst, die wir immer aus der Arbeit anderer gewinnen. — Du sagst, wir sollen Cavlings danken. Ja, was ist ein Brief für ein merkwürdig armselig Ding; weder er noch sie zweifeln an unsrer Dankbarkeit. Wir müssen bei Gelegenheit etwas anderes für sie aushecken. Aber ich weiß noch nicht was. — Jetzt beginnt der große Schneeschmelzprozeß, und der ganze lange, kahle Frühling hinterher ohne Grün. Haben wir einen Winter ohnegleichen gehabt, so müssen wir jetzt für ihn büßen. — Ich glaube annehmen zu können, daß Du jetzt gut französisch sprichst. Ist das der Fall? Dann könntest Du vielleicht auch lernen, es korrekt zu schreiben? Ich sehe, Du schreibst immer noch „brilliant“ statt brillant. — Mutter wird entsetzlich taub, Du; aber prachtvoll sieht sie aus! Und so gesund ist sie! Sie behauptet, sie schlafe nicht gut, wenn sie nicht von halb zehn bis acht Uhr durchschläft! — Ich lese das 10. Heft von Darwin; hast Du es bekommen? Wenn nicht, so sag’ es mir oder schreibe an Husebye & Comp., Storgaten, Kristiania. Ich finde, es gehört zum besten, was man in der Welt lesen kann. Gibt es etwas Französisches, was sich lohnt, so kauf’ es, lies es und schick’ es mir! Dann werd’ ich es Ejnar schicken. Nichts geht über einen gemütlichen Schwatz; aber gleich danach kommt ein gutes Buch.
Heute habe ich nichts zu schreiben, ich sitze da mit leerem Kopf, weil das, was ich drin habe, bei der Erzählung ist und fürs erste nicht heimkommt.
Dein Freund Vater.