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Briefe aus Aulestad an seine Tochter Bergliot Ibsen

30. Oktober 1888.

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Liebe, süße Bergliot, die Treue, mit der Du an Frau Lürig hängst, berührt mich sehr angenehm, — natürlich vorausgesetzt, daß Du sicher bist, sie kann Dich weiter bringen.

Treue und alles, was einen Menschen darin festigen kann, ist das Mittel, unser Gemüt und unsern Charakter zu erweitern. Nichts bringt so großes Leid, aber auch nichts so große Freuden; deshalb führt auch nichts so viel der Seele eines Künstlers und dem Willen eines Menschen zu. Halt an der Treue fest, Bergliot, sie ist die Krone des Lebens! Alles andere, was die Menschen so nennen, ist es nicht, — mögen nun Priester oder Gott weiß wer sonst es behaupten. Allein die Treue ist es. Dabei aber erhebt sich die Frage: wem schuldet man das Meiste? Also auch die höchste Treue? Dem Vaterland. Unter diesem Namen hast Du Wahrheit, hast Du alles Gute. Paß’ auf, daß Deine Treue gegen die Menschen niemals in Widerstreit kommt mit Deiner höchsten Verpflichtung. Erst sie, dann alles andere! — Ich zweifle nicht, daß gerade Du hierin meinen Spuren folgen wirst, meine liebe, treue Bergliot, und obwohl die Gelegenheit, Dir das zu sagen, etwas fern liegt, so benutze ich sie doch. Du bist außerordentlich pflichttreu (das hast Du wesentlich von Deiner Mutter) und daraus folgt die Treue gegen andere.

Falls Lies keinen Krieg, direkt oder indirekt, gegen uns führen, so magst Du sie besuchen; aber am liebsten in Arves Begleitung; und dann müßt ihr zusammen spielen und singen, was ihr uns vorgespielt und vorgesungen habt; so könnt ihr ihnen ein Stück Sommer von uns bringen und sie gleichzeitig von uns grüßen.

Dein nervöser Brief an Mutter hat uns sehr erschreckt. Was, glaubst Du, wird die Folge sein, wenn Du diese Deine Nervosität nicht bekämpfst? Du mußt mehr an die Luft, Bergliot! Sag’ lieber Deine Unterrichtsstunden ab! Hast Du überhaupt Nutzen davon?

Wir haben einen herrlichen Spätherbst, voll Wärme und Sonnenschein, die Kühe sind noch draußen, und heute schreiben wir den letzten Oktober. Wir haben ein gutes Jahr gehabt. Aber wir haben den großen Kummer, daß X. nicht nur lotterig, sondern unredlich gewesen ist. Er hat mir das Geld durchgebracht zu Tausenden. So werde ich auf alle mögliche Weise geschunden. — Ißt Du jetzt gut? Ißt Du Dich ordentlich satt? Vergiß nicht, das zu beantworten. Lebwohl, mein liebes, süßes Mädel. Und vergaff’ Dich in keinen, sondern komm wieder als unser altes, munteres Prachtmädel!

Dein Vater und Freund B. B.

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