Aulestad, 13. Januar 1890.
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Frohes neues Jahr, Du unser lieblicher Singvogel! Mögest Du lange und weithin zwitschern! Und das Glück haben, die Übung des Herzens im Guten, die Vorbedingung!
Kam Mittwoch den 8. abends nach Hause, — unerwartet — und fand Mutter im Bett, Erling und Anna auf Vestad bei Mählums und alle mehr oder weniger unwohl — entweder noch mitten im Kranksein oder eben darüber weg. Karen ist sehr unwohl; eine Drüsenanschwellung, die gefährlich ist; und Mutter aufs neue angegriffen; heut aber wieder auf und schreibt ein bißchen für mich ab; Großmutter und ich die einzigen auf dem Hofe, die gesund waren (und sind).
Meine Reise ein einziger großer Erfolg von Anfang bis Ende. Peter und die Pferde im höchsten Wohlbefinden, ich frisch wie ein Fisch, überall so gestopft voll von Menschen, als ihre kleinen Stuben mit den anstoßenden Kammern und Dielen nur fassen konnten. Überall ist die Linke im Aufschwung, und „V. G.“s Richtung abgelehnt. Das Volk will reinliche Verhältnisse haben. Es freut mich, daß Du den Grieg-Rummel mitgemacht; aber mir ist dies des Guten viel zu viel, das ist sicher. Na, — hat es Dir Vergnügen gemacht, so ist es gut und schön. — Du mußt uns erzählen, wie Du lebst, Bergliot. Ißt Du gut? Schläfst Du gut? Ist Madame freundlich gegen Dich? Auch das Mädchen? — Es freut mich sehr, daß Du Mademoiselle Breslau und ihre Freunde, die ja auch die Deinen sind, wieder getroffen hast. An denen solltest Du festhalten. Und dann solltest Du Sansots wieder aufsuchen. Runebergs habe ich ein Buch geschickt. — Daß Du „leichtere“ Sachen mit Mad. Marchesi singen sollst, bedeutet, daß sie glaubt, Du hast esprit und bon sens, und Dir tut nur noch mehr Geschmeidigkeit not. Alle die feinsten Geheimnisse der Kunst liegen in dem leichten Gesang. Was Du innig und leidenschaftlich singen mußt, damit hat es bei Dir keine Gefahr, jedenfalls ist das kein Gegenstand des Studiums in demselben Grad wie der leichte Gesang mit all seinen Anforderungen an technische Vollendung und Stil. Und singst Du so, daß sich Seele darin offenbart, dann gehst Du zu größeren Dingen über. Denn Seele drängt nach mehr Seele, beim Lehrer wie beim Schüler.
Ich bin einigermaßen gespannt auf Erlings und Annas Reise. Sie werden Annas Sachen einpacken, und viele davon sind täglich auf Vestad im Gebrauch gewesen, so daß es wohl sein könnte, es setzt saure Mienen und vielleicht gar Zweifel über die Abrechnung. Selbst schienen sie an so etwas nicht zu denken, und ich wollte nichts im voraus sagen, aber es wird sich schon zeigen. Sie sind beide sehr hitzig; ich hoffe, Mählum ist es nicht. Wahrscheinlich kommen sie heute (Sonntag) abend nicht nach Hause, denn es schneit entsetzlich, und die Schlittenbahn ist zu schlecht für Jakob; aber ich bin sehr gespannt darauf, was sie erzählen. — Die Frau oben auf Lunde liegt im Sterben; über fünfzig an Lungenentzündung in Gausdal. X. Y. und Frau telegraphierten an Torstein Lunde und baten ihn, zu kommen. Er antwortete, seine Frau sei krank. Worauf X. Y.s antworteten: „Dann kommen also wir!“ Dann legte sich auch Lunde, — und X. Y.s kamen! — Ich soll Dich von Lina und Sigurd und den Kindern grüßen. Nein, wie es gemütlich dort ist, und wie artig die Kinder sind und wie hübsch! Die alte Frau, die Mutter des Küsters, liebt Dich und bat mich, Dich zu grüßen. Hast Du ihr Dein Bild geschickt? Liebling, es freute mich so, zu hören, was für Erwartungen sie in Dich setzt. Sie war bei Sigurds als Köchin die Tage, als wir dort waren. — Bei Forr auf Forr in Fron waren wir auch (Castberg und ich); es ist das größte und stattlichste Haus im Tal, und die Menschen dort sind meine besten Freunde. Wir müßten an einem Sommertag hinfahren. Tausend Grüße von allen durch
Deinen Freund Vater.