8. Juni 1900.
Reading edition
Liebe Bergliot, ich soll von Tankred grüßen. Ich machte ihn auf der Herreise für den Mjösen verantwortlich. Jedesmal, wenn er verschwand, war das Tankreds Schuld, und er bekam Prügel dafür, und jedesmal, wenn der Fluß wieder zum Vorschein kam, war er nur schnell um den Wald herumgelaufen, um ihn vor den Prügeln zu retten. Tankred wurde natürlich dieses Spiels nicht müde. Besonders spannend war es jedesmal, wenn die Bäume anfingen, die Aussicht aufs Wasser zu versperren, und ganz entsetzlich wurden die Prügel, wenn wir durch einen Tunnel kamen; dann hatte er den Mjösen nämlich weggeworfen. Kaum waren wir in Aulestad, so war Tankred auch bereits verschwunden. Um halb 10 kam er wieder herein — wir hatten ihn nämlich total vergessen, wir hatten so vielerlei zu ordnen — und da war ihm schlecht und er war sehr blaß. So müde war er! Heute um 6 Uhr hörte ich, wie ein Rouleaux in die Höhe gezogen wurde. Was meinst Du wohl? Das war er! Um 8 Uhr gelang es uns endlich, ihn zum Frühstück einzufangen. Aber er hatte nur gerade Zeit, einen Bissen zu essen! Die Kühe sollen auf die Alm, und Gott weiß, was alles ihn jetzt in Anspruch nimmt. Wir denken so: er mag den ersten Rausch austoben. Jörgen und Else traben mit. Er freute sich, als er Arne in Jungenskleidern sah und gab sich eine Weile mit ihm ab. Aber weil Arne glaubte, Tankreds Ball sei lebendig und deshalb sich nicht mitzuspielen getraute, war Tankred dieses zu dummen Verwandten bald überdrüssig.
Ja, weiter wäre nichts zu berichten. Grüße Sigurd!