Wie ich hier sitze,
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hat man mich am 13. April 1872 geboren. Nur das Monokel ist etwas später hinzugekommen.
Meine Bildung, soweit von Bildung die Rede sein kann, verdanke ich dem Gymnasium zu Ungarisch-Hradisch. Doch bekam ich, als ich dreizehn Jahre alt war, eine Gouvernante — die bot mir manche Aufklärung, besonders auf biologischem Gebiet.
Anfangs wollt ich mich der Landwirtschaft widmen. Auch mein Vater war Agrarier gewesen — doch im vergeblichen Kampf mit dem Klima hatte er den Glauben an Gott verloren. Infolgedessen erbte ich nur etwas Uhrkette von ihm — die konservativ-patriotische Gesinnung der Landwirte hingegen in so homöopathischer Verdünnung, daß ichs mit ihr kaum elf Jahre beim Militär aushielt.
1901 verließ ich die Armee. Über meine Lebensführung in den folgenden vier Jahren verweigere ich die Aussage.
1905 etablierte ich mich in München als Schriftsteller.
Ich darf mich rühmen, ein selfmade-man zu sein; klomm den mühsamen Pfad der Lyrik hinan — bis es mir gelang, eines Julinachmittags 1906 sechsundvierzig Schüttelreime zu dichten. Dadurch gelangte ich zu einigem Wohlstand. Doch ich verpraßte das Geld nicht, das mir so in den Schoß gefallen war, sondern kaufte dafür ein ausgemustertes Pferd der Königlich Bayerischen Post. Bald konnte ich einen wohlfeilen Göpel erstehen und bespannte ihn mit meinem Pferdchen. Es hieß Sophie. Tagaus, tagein trottete Sophie im Hof rund um den Göpel; ein Transmissionsriemen reichte von unten in meine Stube und trieb hier sechs Schreibmaschinen.
Die Jahreswende 1907 machte Epoche in meinem Leben. Ich erwarb eine kleine Wasserkraft und verkaufte das Pferd an den Hofcharcutier Deininger. Gleichzeitig trat ich in das Alter der Geschlechtsreife und schrieb meinen Entwicklungsroman. Er hatte viel Erfolg. Schon 1908 konnte ich einen Explosionsmotor einstellen und sechs neue Schreibmaschinen mit automatischer Verstabulatur.
Seitdem dichte ich meistens dramatisch, wenigstens vormittags. Zum zweiten Frühstück verfasse ich gern eine Erholungsballade — seis über Konradin, den letzten Hohenstaufen, seis über Cesare Borgia oder König Etzel.
Die Zeit von eins bis fünf ist dem Humor geweiht. Auf dem Weg ins Café Stephanie lasse ich mich von einer jungen Dame begleiten, die neben mir hergaloppiert und meine Gedankensplitter aufzeichnet. Einer oder der andre erweist sich als mißlungen; den werfen wir dann weg.
Von sechs bis sieben plagiiere ich, dann schimpfe ich ein Stündchen über meine Verwandten.
Um acht halte ich meine Hauptmahlzeit — kalter Aufschnitt, den ich aus Pietät von Deininger beziehe. In der Verdauungspause diktiere ich eine feinpsychologische Novelle. Grade in der Annaliese der Frauenseele glaube ich es zu einiger Meisterschaft gebracht zu haben.
So verbringe ich meine Tage. Auf den Nobelpreis aspiriere ich nicht; ich sehe ein, daß da mein Talent ein unüberwindliches Hindernis bildet. Doch ich hoffe, daß es mir gelingen wird, noch zu Lebzeiten in Breslau anerkannt zu werden; ein Schicksal, das bisher keinem Dichter beschieden war.
Roda Roda
500 Schwänke