Il giornalista
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Schauplatz der Begebenheit: Riva, Café ... — na, wie hieß es doch gleich? Kurz: ein Café in Riva.
Ich bin von den Ponalefällen gekommen und möchte den Wagen bezahlen. Dazu muß ich ein Goldstück wechseln.
Rasch ins Café. Da, als ich eintrete, ist der Cafetier knapp vor mir eingetreten, schmeißt die Tür zu — mir entgegen ... Klirr! Ratsch! Die Glastafel ist zerbrochen, meine Hand blutet. Blutet immer ärger.
„’tschuldigen schon,“ sagt der Wirt.
„O, bitte — es war mir ein Vergnügen.“
Fünf Minuten später bringt man mir eine Rechnung:
„1 lastra di vetro decorata ... 12 L.—“
Ein Blick auf die Uhr: es ist drei. Mein Dampfer geht um vier. Ich weiß nicht, wie ich diese Stunde amüsanter und lehrreicher verbringen könnte als auf einem südtirolischen Bezirksgericht.
„Eine Glastafel — zwölf Lire? Ich zahle nicht.“
Nach mannigfachem Hin und Her schreiten wir dem Gerichtsgebäude zu. Zeugen sind der Münchener Maler Wilm und eine junge Dame, die zufällig dabei war. Wirklich zufällig dabei war. (Sowohl Wilm wie ich sind verheiratet.)
Der Wirt bringt seine Klage vor.
Ich erwidere: die Schuld läge nicht an mir; der Wirt habe mir die Tür entgegengeworfen; übrigens müßten Glastüren durch Gitterchen, Messingstangen oder dergleichen verwahrt werden.
Grade dieser Einrede schenkt der Richter — wie erstaunlich — besondres Gehör. Und Richter, Kläger, Angeklagter und Zeugen unternehmen einen Streifzug durch Riva, um festzustellen, ob die Sicherung von Glastüren durch wagrechte Messingstäbchen ortsüblich wäre.
3 Uhr 45. Der Streit ist nicht entschieden. Noch lange nicht.
Ich beantrage Vertagung. Der Richter ist einverstanden, wenn ich mich legitimieren könne. Ich kann mich legitimieren: Roda Roda aus München.
„Waaas?“ ruft der Wirt — „Wie? Roda Roda? Nein, Herr, von Ihnen nehme ich nichts. Nein, nicht einen Heller.“
Ich verstehe plötzlich Dionys, den Tyrannen, der Möros, seinem Feind, verzieh. Ich wachse um zwei Zoll. Mein deutsches Wams wird mir zu enge. Ich spende zwölf Lire der Armenkasse von Riva und reiche dem Wirt stumm, bewegt die Hand.
Und vor der Tür sagt mir der Wirt:
„Sie sind giornalista. Mit einem giornalista aber will ich keine Händel haben. Ich bin einmal im Corriere della sera jämmerlich verrissen worden.“