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Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst

Von sonstigen Instrumenten.

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Die Pauke.

Ein Zweig der Trommel. Kühn war der Gedanke des Menschen, Esel zu tödten, ihre Haut zu gerben, und ihr Töne zu entlocken. Im grauesten Alterthum, schon unter den Phöniciern, Aegyptiern, Juden, Karthaginensern, Griechen und Römern trifft man Pauken an, wie aus allen Denkmahlen dieser Völkerschaften erhellt. Schrecklich und wahr ist der Gedanke, daß Rache den ersten Stoff zur Erfindung der Trommel hergab. Mein Feind ist todt! dachte ungefähr ein Barbar; aber auf seinem Felle will ich mich noch tummeln. Er that es; und seine menschlicheren Nachahmer wählten Eselshäute. Kriegerischer Ton ist der einzige Charakter dieses Instruments; daher gibt es auch wenige Völker in der Welt, welche die Trommel nicht kennen. Forster traf auf seiner Reise um die Welt, sogar unter den Tahitanern, Ottahitanern und Irokesen Trommeln oder Pauken an, die sie theils im Kriege, theils in kleinerer Form, zum Tanze gebrauchen.

Die Trommel

hat auch wirklich so etwas Wildes, Tosendes, zum Streit Erweckendes, und durch seine weithallende Stärke zum Signalisieren so etwas Eigenthümliches, daß sich schwerlich ein anderes Instrument zu dieser Absicht denken läßt. Da sich das Crescendo und Decrescendo, da sich das Wirbeln, Brausen, Toben und Ineinanderströmen der Töne auf der Trommel im höchsten Grade ausdrücken läßt, so muß der Tambour etwas mehr haben als Uebung.

Der Pauker ist ganz musikalisch; er muß sich nach Noten, und dem Tactschlag richten. Man kann die Pauken durch alle Töne stimmen, und Wunder damit hervorbringen, wenn man äußerste Habilität der Arme mit raschem immer gegenwärtigem Geiste zu verbinden weiß.

Wir besitzen ein sehr schönes Buch von der Pauke, welches Hauber, Hofpauker in Dresden, im Jahre 1768 heraus gab. Das Instrument wird im Kriege, in der Kirche und in der Oper gebraucht. Nur im traulichen Privatconcert ist es unerträglich.

Bekanntlich werden nun auch die Trommeln bey gut organisirten Janitscharenmusiken, so wie die Pauken nach Noten gespielt.

Die türkische Musik

welche seit vierzig Jahren auch in Deutschland bey verschiedenen Regimentern eingeführet wurde, hat auch das Studium der musikalischen Instrumente der Türken veranlaßt. Der Charakter dieser Musik ist so kriegerisch, daß er auch feigen Seelen den Busen hebt. Wer aber das Glück gehabt hat, die Janitscharen selber musiciren zu hören, deren Musikchöre gemeiniglich achtzig bis hundert Personen stark sind; der muß mitleidig über die Nachäffungen lächeln, womit man unter uns meist die türkische Musik verunstaltet.

Als man dem türkischen Gesandten in Berlin, Achmet Effendi zu Ehren, ein türkisches Concert aufführte, schüttelte er unwillig den Kopf, und sagte: Ist nicht türkisch! — Seit dem aber hat der König von Preußen wirkliche Türken in seine Dienste genommen, und die wahre türkische Musik bey einigen seiner Regimenter eingeführt. Auch zu Wien unterhält der Kaiser ein treffliches Chor türkischer Musikanten, die der große Gluk bereits in den Opern gebraucht hat.

Die Instrumente zu dieser Musik bestehen in Schallmeyen, welche die Türken meisten Theils um den Ton zu schärfen; aus Blech verfertigen; aus krummen Hörnern, die im Ton fast an unsere Baßhörner gränzen; aus einem großen und einem kleinen Triangel; aus dem so genannten Tambourin, wo das Schütteln der Schellen, die bey den Türken von Silber sind, große Wirkung thut; und aus zwey Becken vom feinsten Bronce, oder Glockenspeise die tactmäßig an einander geschlagen werden; endlich aus zwey Trommeln, wovon die kleinere immer wirbelt und fluthet, die große aber gedämpft, und unten mit einer Ruthe gestäubt wird.

Wie original, wie einzig sind hier die Töne zusammen gesucht! Die Deutschen haben diese Musik noch mit Fagotten verstärkt, wodurch die Wirkung noch um ein Großes vermehrt wird. Auch Trompetenstöße lassen sich dazwischen gut anbringen. Kurz, die türkische Musik ist unter allen kriegerischen Musiken die erste, aber auch die kostbarste, wenn sie so vollkommen seyn soll, als es ihre Natur, und ihr heroischer Zweck erheischt. Da die türkische Musik nicht nach Noten, sondern bloß aus dem Gedächtniß spielt, (denn nur wir Deutsche haben angefangen, sie in Zeichen zu setzen), so läßt sich von ihrer Theorie nichts weiter sagen, als daß Ohr und Uebung ihre Vollkommenheit allein entscheiden: Sie liebt bloß den zweyviertels Tact, wie wohl wir auch sehr glückliche Versuche mit andern Tacten gemacht haben. Indessen erfordert keine andere Gattung von Musik einen so festen, bestimmten und allgewaltig durchschlagenden Tact. Jeder Tactstrich wird durch einen neuen männlichen Schlag, so stark conturirt, daß es beynahe unmöglich ist, aus dem Tacte zu kommen. Fdur, und Bdur, scheinen die Lieblingstöne der Türken zu seyn, weil in diesen der Umfang aller ihrer Instrumente am genauesten zusammen läuft. Inzwischen haben wir Deutsche auch glückliche Proben mit Ddur, und Cdur angestellt, woraus die große Wichtigkeit der türkischen Musik erhellet.

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Außer den gedachten Instrumenten gibt es noch verschiedene, die eben nicht für ganze Concerte, sondern bloß für Gesellschaften erfunden sind. Unter diese gehören vorzüglich die Reiseorgel, oder Tragorgel, die heutiges Tages eine solche Vollkommenheit erreicht hat, daß auf einer Walze oft zehn bis sechzehn Stücke gesteckt werden können. Die kleinern Flagioletten-Instrumente, womit man Vögel abrichtet, gehören nur in einem niedrigern Grade in eben diese Sphäre. Da hier alles Mechanismus ist, und der Zephyrgriff des Genies gar nichts dazu beyträgt; so gehören diese Instrumente nicht in den Gesichtskreis der Aesthetik.

Man hat das Mundblättchen in unsern Tagen zu einer solchen Vollkommenheit empor getrieben, daß man die ersten Hoboenconcerte damit weg bläst. Auch gibt es Menschen, die bloß mit der Zunge und den Lippen alle Instrumente nachahmen. Man bläst auf den Hutecken; man bildet mit nassen Fingern den Baß auf dem Tisch oder Stocke; man pfeift durch die Nase; man nöthigt gleichsam der ganzen Natur Töne ab.

Die Maultrommel

wurde wegen ihres unmerklichen Nachhalls, und wegen der schnarrenden Zunge, die diesen Nachhall verschlingt, nur unter die niedrigsten Classen der Menschen verdammt. Aber was vermag der Mensch nicht! Man spielt jetzt Sonaten, Variationen, und was man will auf der Maultrommel. Ja man hat sogar gefunden; daß der Nachhall dieses verachteten Instruments, unter die delicatesten Töne der Welt gehöre. Könnte man diesem Nachhalle mehr Umriß geben, und ihn in die Schranken der Melodie einleiten, so würde die Maultrommel geadelt werden müssen. Vielleicht aber steht noch ein Genie auf, das die Schwingungen der Maultrommel scharf conturiret, und mit der Zunge beschränkt: dann hat man ein Instrument, das unter allen nachtlichen Instrumenten das erste ist. Man denke sich den feinsten Tonnachhall, mit allen Winkelzügen aufs genaueste bestimmt; so denkt man die Maultrommel in ihrer Vollkommenheit.

So hoch es der musikalische Geist in der Erfindung seiner Werkzeuge hinauftrieb; so lassen sich doch sehr leicht noch weit mehrere musikalische Instrumente gedenken. Das Holz und alle Metalle, die Stahl- Messing- und Darmsaiten, Stein, Silber und Porzellan haben noch unzählige Empfänglichkeiten für Töne. Nicht einmahl alle Formen für musikalische Instrumente sind erschöpft. Man findet in scharf beobachtenden Reisebeschreibern so viel neue bey uns unbekannte Instrumente bemerkt, daß nur noch ein Schöpfergeist dazu gehört, auch die Erfindungen der Wilden unter uns zu veredeln.

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