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Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst

Charaktere berühmter Tonkünstler.

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Ehrenberg, Hofmusikus in Dessau. Wir haben ein paar Sammlungen Lieder von ihm, die er aus den besten Dichtern gewählt, und mit Geschmack in Musik gesetzt hat. Die schwermüthigen Stücke gelingen ihm sonderlich gut, und niemand würde fähiger seyn, Höltys Geist in Musik zu übersetzen, als dieser Ehrenberg. — Grabgedanken, Todesahndungen, Geistererscheinungen, mit einem Wort: Ossians Manier in Musik übergetragen, ist sein Charakter.

Friedel. Es sind dieß zwey Brüder, die sich beyde als Geiger rühmlichst ausgezeichnet. Sie haben Geschwindigkeit und Schönheit des Vortrags: und spielen besonders das Flagiolet mit ausnehmender Stärke. — Mehrere Violinisten haben sich nach diesen Friedels gebildet, so daß sie fast eine Schule stifteten. Schade, daß diese trefflichen Köpfe so tief in Liederlichkeit versanken, daß man sie nicht mit Ehren in gute Gesellschaft einführen konnte. Beyde setzten ungemein schöne Stücke für die Violine: ihre Compositionen sind voll Reitz, und so ganz für dieß Instrument gemacht.

Frik aus Durlach, jetziger Clavicymbalist beym Fürsten von Lichtenstein. Er spielt nicht nur das Clavier meisterhaft und gründlich, sondern hat auch die von Franklin erfundene Harmonika, zur größern Vollkommenheit gebracht. Dieß tief rührende melancholische Instrument spielt er mit unvergleichlicher Zärtlichkeit, und vielleicht so gut als es sich behandeln läßt. Seine Stücke für die Harmonika sind der Zeit noch die einzigen; denn was Franklin dafür setzte, hat keinen musikalischen Werth. Franklin war mehr Mechaniker als Musiker; Frik aber beydes.

Gluk. Ein von allen drey großen Schulen in Europa bewunderter Mann, der sich zum Rang eines musikalischen Epochenmachers aufschwang. Er setzte Anfangs simple Clavierstücke, die nur wenig Sensation machten: mit einmahl aber wagte er sich an eine Oper, und ganz Italien staunte. Seine Alceste wurde zuerst in Florenz, dann zu Venedig und Neapel mit einem Beyfalle aufgeführt, der an Manie gränzte. Immer gleiches, durch die ganze Oper fortloderndes Feuer, kühne und ungewöhnliche Sätze; dithyrambische Fantasieflüge, starke Modulationen, schöne, nur nicht immer richtige Harmonien, tiefes Verständniß der Blas-Instrumente, die er weit häufiger und wirksamer als irgend ein Tonsetzer anzubringen weiß; dieß sind Gluks Charakterzüge in der ersten Periode seines Lebens. — Auf einmahl warf er sein bisheriges System über den Haufen, und wälzte den großen Gedanken in seiner Seele: Die ganze Musik zu reformiren. Er fand, daß die heutige Tonkunst mit vielen unnöthigen Verzierungen überladen sey: er wollte ihr also ihren Flitterstaat nehmen, und sie wieder ins Gewand der Natur kleiden. Die Musik so sehr zu vereinfachen, als es irgend möglich ist — war der Hauptgedanke des neuen Glukischen Systems. In diesem neuen Geschmacke schrieb er die berühmte Oper Iphigenie. — Noch nie hat eine Oper so viel Aufsehen erregt als diese. Die Kunstrichter Frankreichs und Deutschlands lobten und tadelten sich heiser; und Lob und Tadel war übertrieben. Ganz Paris spaltete sich damahls in zwey große Parteyen: in die Glukische und Piccinische. Gluks Oper wurde zwölfmahl hinter einander mit unbeschreiblichem Beyfall gegeben. Die Chöre gränzen ganz nahe an unsern Choral. Die Arien sind ohne alle Verzierung: ohne Coloraturen, ohne Fermen, und ohne Cadenzen: es ist gleichsam mehr Declamation als Musik. — Es macht den Franzosen viel Ehre, daß sie eine so simplificirte Musik in wenig Jahren achtzigmahl hören konnten. Doch frägt sichs: Ist Gluk in seinem Systeme nicht zu weit gegangen? Hat er nicht Declamation mit dem Arioso vermischt? nicht die Musik ihres nöthigen Schmuckes beraubt? — Polyhymnia soll nun freylich nicht im Flitterstaate einher stolziren; aber mutternackt soll sie auch nicht gehen. — Forkel in seiner musikalischen Bibliothek hat diesen für die Tonkunst äußerst wichtigen Streit mit Gründen und Gegengründen so stattlich beleuchtet, daß ich den Leser auf diese Recension der Glukischen Iphigenie hinweise, nur mit der Warnung, Forkeln als einen zu ängstlichen Anhänger an die Berlinerschule zu betrachten: denn diese Anhänglichkeit verleitet ihn, dem großen Gluk zu wenig Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. — Gluk ist unstreitig einer der größten Musiker, welche je die Welt hervorgebracht hat. Seine Ideen reichen alle ins Große, ins Weitumfassende. Klopstock ist so ganz der Dichter für seinen erhabenen Geist; seine Hermanns-Schlacht ist von Gluk so herrlich in Musik gesetzt worden, daß die Deutschen schwerlich ein erhabeneres Theaterstück besitzen als dieß. Wer es Gluk selbst spielen und singen hörte, gerieth in entzücktes Staunen.

Zugleich besaß dieser Meister ein ganz eigenes Geschick, Sänger und Sängerinnen abzurichten. Seine Nichte würde jetzt die erste Sängerinn in Europa seyn, wenn sie nicht ein Engel abgepflückt und auf seinen Armen in Himmel getragen hätte. — So groß der Geist Gluks im Tragischen ist; so arbeitete er doch zuweilen auch mit Glück im komischen Style; nur hält seine Riesenseele nicht lange in der Harlekinsjacke aus. Dieser seltene Mann hat auch verschiedene Abhandlungen in französischer, welscher, und deutscher Sprache über die Tonkunst geschrieben, die von seinem Feuergeiste, und seiner tiefen musikalischen Kenntniß zeugen. Mit dem hier Gesagten vergleiche man, was Riedel über den Charakter Gluks geschrieben hat.

Haidn. Ein Tonsetzer von großem Genie; der in den neuesten Zeiten nebst Mozart Epoche gemacht hat. Er ist Capellmeister beym Fürsten Esterhazy, und ein Liebling von ganz Deutschland. Seine Messen athmen hohen Geist, gründliche Einsicht in die Gesetze der Tonkunst und Herzensfülle. Seine Symphonien sind mit Recht durch ganz Europa beliebt, denn sie sind im wahren Symphonienstyle gesetzt, leicht ausführbar, oft mit strömendem Feuer, und ganz origineller Laune geschrieben. Durch seine Clavierstücke ist er endlich der Liebling aller Kenner geworden. Sie sind nicht nur gründlich, und dem Instrument angemessen, sondern zeichnen sich vor allen durch die ungemeine Schönheit der melodischen Gänge aus. Seine Adagios, Largos, Andante, Cantabile, Rundos und Variationen, scheint ihm Göttin Harmonia selbst eingegeben zu haben. So lehrreich für den Spieler, und so angenehm und unterhaltend für den Hörer, sind noch wenig Stücke in Deutschland gesetzt worden. Das Genie jauchzt ihm Beyfall zu — und der mäßige Kopf schlingt mit Entzücken seine Töne, (bis 1784.) als Note.

Himmelbauer. Ein solider und äußerst angenehmer Violoncellist, ohne allen Künstlerstolz; ein Mann von dem geradesten und liebenswürdigsten Herzen. So ruhig und zwanglos führt niemand seinen Bogen, wie dieser Meister. Er trägt die schwersten Passagen mit der äußersten Leichtigkeit vor, besonders ergießt sich sein Herz ins Cantabile. Sein süßer Ausdruck, seine lieblichen Fermen, und sonderlich seine große Stärke in den Mitteltinten — sind von allen Kennern und Hörern bewundert worden. Er hat wenig für sein Instrument gesetzt, aber dieß wenige hat desto mehr innern Werth. Er ist aus Wien, und hält sich jetzt in Bern auf.

Hofmann, ein schon etwas betagter Symphoniencomponist, vor zwanzig Jahren noch allgemein beliebt; heut zu Tage aber beynahe vergessen. Sein Geist verdient dieß Schicksal nicht: denn man findet in seinen Symphonien oft herrliche Sätze und große Gedanken: allein leider! tyrannisirt die Mode über keine Künstler mehr, als über die Musiker.

Hofmeister, einer der neuesten Tonsetzer, dessen Galanteriestücke wegen ihres modischen eleganten Gewandes viel Beyfall erhielten. Seine Symphonien haben fließenden Gesang, und sprühen manchen Funken echtmusikalischen Feuers. Doch scheint er zu wenig tiefes Studium zu haben, als daß er lange im Ansehen bleiben könnte.

Jarnovik, ein Böhme, und geraume Zeit der größte Geiger in Paris. Seine Geschwindigkeit ist unglaublich, sein Strich frey, und sein Ton körnig. Er ist ein gebornes Genie für die Violine, und wetteifert mit einem Lolli und Cramer. Er setzte vieles für sein Instrument mit tiefer Einsicht und richtigem Geschmacke: ganz Europa hat den Werth dieses großen Musikers anerkannt.

Körber, ein sehr guter Waldhornist im Secundhorn. Er trägt fremde wie seine eignen Stücke richtig und anmuthig vor. Sein Satz ist eben nicht gründlich; aber doch im Geiste seines Instruments.

Lang, ein überall beliebter und wirklich vortrefflicher Musiker. In mehr als einem Fache zeigte er sich mit Ruhm. Sonderlich werden seine Clavierstücke durch ganz Deutschland begierig gesucht, und mit immer wachsendem Beyfalle da und dort vorgetragen. Seine Concerte und Sonaten sind eben nicht außerordentlich schwer, und mit Tiefsinn gearbeitet: sie zeichnen sich aber doch durch schöne Melodien, und durch glänzende Clavierpassagen aus. Zu bewundern ist's, wie Lang so schöne Clavierstücke setzen konnte, da er doch selbst das Clavier nur mittelmäßig spielt.

Mislimizek, ein Böhme, und sehr berühmter Componist. Er hielt sich meistentheils in Italien auf, und setzte daselbst große Opern, welche zu Florenz, Turin und Genua viel Beyfall erhielten. Sein Gesang ist einfach und eindringend; seine Arien und Cavatinen sind reich an neuen Motiven; seine Recitative gründlich, und seine Chöre stark und himmelhebend. Er versteht die Kunst, die Instrumente so zu bearbeiten, daß sie dem Gesang keinen Eintrag thun — in einem hohen Grade. Auch seine Kammerstücke werden in allen europäischen Orchestern als Meisterstücke gesucht und executirt. — Dieser vortreffliche Künstler starb 1722 zu Florenz im acht und dreyßigsten Jahre seines Alters. Da er sehr fleißig war, so besitzt die Welt von ihm einen reichen Vorrath von Geistesproducten.

Nopitsch, Musikrector und Organist in der Reichsstadt Nördlingen. — Ein Kopf von großer Erwartung. Er spielt die Orgel und das Clavier meisterhaft, und hat einen sehr feurigen Vortrag. Seine Lieder und Clavierstücke verrathen ein herrliches Talent für die Musik. Sein Satz ist nicht nur gründlich, sondern auch neu, und hebt sich durch glänzende Einfälle. Er modulirt kühn und glücklich, und versteht den einfachen und doppelten Contrapunct.

Reinek, ein sehr ausgezeichneter musikalischer Kopf, aus Memmingen gebürtig. Er setzte zu Paris eine komische Oper, welche selbst Rousseau abschrieb, und mit Beyfall beehrte. Das Clarinet bläst er zum Entzücken schön. Auch versteht er das Clavier ungemein gut; und hat die Natur des Menschengesangs genau belauscht. Seine in zwey Bänden herausgegebenen Lieder gehören unter die schönsten, und schimmern sonderlich auf den Clavierpulten des schönen Geschlechts. Einfalt und Unschuld ist der Hauptcharakter seiner Lieder; nur selten entwischt ihm ein kleiner Muthwille. Seine Clavierstücke hingegen sind nur mittelmäßigen Spielern und Spielerinnen zu empfehlen.

Schobert, ein außerordentlicher feuriger Flügelspieler. Er hat viele Jahre den Ton in Frankreich angegeben, und noch jetzt glänzen seine Concerte und Sonaten in den ersten musikalischen Zirkeln zu Paris. Er verstand die Natur des Flügels vollkommen, und besaß im Allegro und Presto eine ungewöhnliche Stärke. Nur das Adagio gelang ihm nicht, weil er das Clavicord nicht genug studierte, und die Empfindung mit Läufern und überhäuften Verzierungen erdrückte. Er schwang sich durch sein außerordentliches Talent bis zur wichtigen Stelle eines Organisten in Versailles empor — und starb, ehe er völlig ausgezeitiget war, an vergifteten Erdschwämmen. Sein unermüdeter Fleiß hat uns eine Menge Stücke geliefert, worunter man aber eine Auswahl treffen muß; denn er setzte vieles für Schüler und Schülerinnen von mittelmäßigem Fassungsvermögen. Ein trauriger Umstand, der manchen großen Meister veranlaßt, weit unter seine Sphäre herabzusinken! — Was er für sich selbst setzte, war immer im besten Style geschrieben, und verrieth häufig Spuren einer Feuerseele.

Sein Bruder Schobert lebt noch jetzt als der erste Fagotist in Paris.

Spandauer, im Primhorn der erste Waldhornist unserer Zeit. Er bringt die zartesten und feinsten Töne auf seinem Instrumente heraus; nur scheinen die Töne öfters unter seinen Lippen zu zerflattern, so wie sich überhaupt das Horn in der äußersten Höhe nie gut ausnimmt. In einem flüchtigen Läufer kann es zwar die äußersten Töne bestreifen, aber nie lange auf ihnen weilen, ohne das gebildete Ohr zu kränken. Spandauer setzte sehr gut, und der Natur gemäß für sein Instrument.

Spath, der Lehrmeister des großen Lolli. Hätte dieser Mann sich nicht allzu sehr dem cynischen Leben preis gegeben, und das Herumziehen weniger geliebt; so würde er eine große Rolle unter uns gespielt haben. Sein Strich ist vortrefflich, kühn und einschneidend, und sein Vortrag, sonderlich im Adagio, voll Kraft und Schönheit. In seiner Jugend spielte er das Allegro rasch und geflügelt; bey mehrern Jahren aber wurden seine Arme steif. — Seine eigenen Sätze haben für unsere Zeit eine etwas altväterliche Miene, und werden mithin nicht sonderlich mehr gesucht.

Schwindel, ein beliebter und durch ganz Deutschland berühmter Violincomponist. Er setzt nicht schwer, aber desto anziehender für Dilettanten. Sein Vortrag ist fließend, und sein Geist zur süßen Schwermuth gestimmt: daher wurde er ein Lieblingscomponist für die Secte der Empfindsamen.

Schönfeld, ein Sangcompositeur, der in den neuesten Zeiten Aufsehen zu machen anfängt. Er wählt Gedichte aus unsern besten Dichtern, und trifft ihren Sinn oft mit vielem Glücke: nur ist sein Geschmack zu hart, sein Colorit zu glühend, und der Ausdruck seiner Empfindungen oft zu erkünstelt. Seine Lieder findet man in verschiedenen musikalischen Sammlungen zerstreut.

Simon, ehemahls ein berühmter Tonsetzer in Nördlingen. Er schrieb vieles für die Orgel, das Clavier und die Kirche, und verstand den Satz gründlich. Jetzt altert er, und liegt im Staube. — Eine große Erbschaft entriß ihn der Musik zu frühzeitig.

Taube, einer der ersten musikalischen Krittler! Er will alles herauszirkeln, und nichts heraus empfinden. Seine Zeitung, und andere musikalische Schriften, verrathen viel Einsicht in die Harmonik. Ihre pedantische Miene aber, und der Schulstaub, womit sie bedeckt sind, schwächten den Eindruck, den sie auf unser Vaterland machen sollten.

Vanhall ist unter den neuesten Tonsetzern unstreitig einer der edelsten und besten. Er hat den Satz gründlich studiert, besitzt eigene Manier, und einen Geschmack, der sich jedem Hörer empfiehlt. Da er solide Harmonie, und liebliche Melodie mit so vieler Klugheit und Einsicht zu vermischen wußte; so ist's kein Wunder, daß er von Deutschen und Welschen gleich günstig aufgenommen wurde. Er hat vieles geschrieben, manches im Galanteriestyle; und immer folgte ihm der Beyfall der Kunstverständigen. Er starb in der Raserey.

Esser, ein berühmter Violinist, von ganz eigenem Ausdruck. Er spielt das Adagio und Allegro gleich stark, und besitzt verschiedene Kunstgriffe, wodurch er die Töne auf die einnehmendste Art modificirt. Lieblicher kann man nichts hören, als wenn er statt des Bogens mit einem Hölzchen die Saiten schlägt und damit seiner Geige die sanftesten Harmonien entlockt. Er componirt sehr schön für sein Instrument, und sein Satz hat ungemein viel Eigenheit. — Mit den Eigenschaften eines Virtuosen verbindet er auch alle Capricen desselben: nie rührt er seine Geige an, wenn er nicht die Schäferstunde des Genius fühlt; denn er behauptet, ein Virtuos, der nicht begeistert ist, sey bloßer Mechaniker. — Esser ist aus Zweybrücken gebürtig.

Freyherr von Dalberg, ein Liebhaber wie es wenige gibt, der es mit Meistern aufnimmt. Er spielt nicht nur das Clavier vortrefflich und besitzt sonderlich viel Stärke im extemporellen Fantasieren, sondern setzt auch gründlich und neu.

Seine Claviersonaten sind sehr schwer und voll Tiefsinn; und sein Gebeth der Eva aus dem achten Gesang der Messiade, welches er mit musikalischer Declamation herausgab, zeugt von seinem schönen Geiste. Klopstock ist sein Lieblingsdichter: daher setzte er vieles von ihm in Musik, und es gelang ihm meist vortrefflich.

Ditters, ein Schlesier, und beliebter Symphoniencomponist. Er hat eine ganz eigentümliche Manier, die nur zu oft ins Burleske und Niedrigkomische ausartet. Man muß oft mitten im Strome der Empfindungen laut auflachen, so buntscheckige Stellen mischt er in seine Gemählde. Nicht leicht dürfte einem Componisten die komische Oper besser gelingen als diesem: denn das Lächerliche versagt ihm nie.

Forkel, einer der größten Theoreten unserer Zeit, und vortrefflicher musikalischer Schriftsteller. Seine musikalische Bibliothek enthält Funken der treffendsten Bemerkungen; nur scheint seine Critik öfters kalt und steif zu werden. Da er die Berlinerschule als die erste und herrschende annimmt; so ist er dadurch zu Unbilligkeiten gegen andere Schulen verleitet worden. Wir haben von ihm eine Geschichte der Tonkunst zu erwarten; und er wird gewiß unsere Erwartungen nicht täuschen. Seine seltne musikalische Gelehrsamkeit, die reichen Hülfsmittel, die er an der berühmten Göttinger Universitäts-Bibliothek hat, und sein kräftiger deutscher Styl, — machen ihn vor vielen andern Autoren am fähigsten zu einem so wichtigen Werke.

Forkel ist zugleich einer unserer besten Clavierspieler, ganz nach Bachs Schule gebildet: nur wollen seine Compositionen für Sang und Spiel nicht besonders viel sagen. Er hat zu wenig Feuer, sein Gesang ist nicht fließend genug, und seine Modulationen und Harmonien sind oft ängstlich gesucht.

Von Eschstruth, einer der angenehmsten Sangcomponisten. Sein Gesang hat sehr viel Adel, sehr viel wahren Ausdruck, und seine Harmonieen sind rein und männlich. Die verschiedene Begleitung der Instrumente durch Versetzung im doppelten Contrapuncte, bey einerley Melodie in den Singstimmen erhöht seine Gesänge ungemein. Seine Jugend und sein Enthusiasmus für die Tonkunst verspricht uns noch manches Product seines schönen Geistes.

Eckard, aus Augsburg gebürtig. Ein großer Clavierist, der sich viele Jahre in Paris aufhielt, und sich Geld und Ansehen erwarb. Er spielt stark und außerordentlich schwer. In Variationen hat er seines Gleichen nicht, denn er weiß einen gegebenen Satz aus dem Stegreif so oft man will, und in allen Tönen umzuändern. Seine Faust hat Glanz und Flug, und sein Fingersatz ist unverbesserlich. Seine Fermen und Cadenzen sind ganz neu, und niemand wird sie ihm so bald nachmachen.

Den doppelten Triller hat er ganz in seiner Gewalt. Sein Nervensystem ist stark — ohne dadurch etwas an der Reitzbarkeit verloren zu haben. Hierdurch ist er in Stand gesetzt worden, mehrere Concerte und Sonaten hinter einander weg zu spielen, ohne daß seine Faust müde wird, oder gar lahm. — Dieser Umstand verdient um so mehr angeführt zu werden, je mehr Virtuosen es heut zu Tage gibt, die aus Schwäche der Nerven schon über dem ersten Concerte ermüden. — Ausschweifungen in der Wollust, und Unmäßigkeit im Trinken, auch Zorn, Mangel an Bewegung, zu langer Schlaf, Kaffeh, stark gewürzte Speisen, — haben dieß den Virtuosen so höchst nachtheilige Uebel hervorgebracht. Eckards Diät verwahrt ihn davor; daher wird er im sechzigsten Jahre gewiß noch mit jugendlicher Kraft spielen können, wenn andere ausschweifende Virtuosen schon im dreyßigsten und vierzigsten Jahre siechen. Eckard hat sehr viel für das Clavier gesetzt: Concerte, Fugen, Sonaten, mit und ohne Begleitung. Er versteht die Natur des Claviers vortrefflich: deßhalb verdienen seine Stücke die vorzüglichste Empfehlung. Die Sätze in seinen Concerten sind oft so zauberisch schwer, daß sie nur die geübteste Faust herausbringen kann. Eckard ist mit der linken Faust so stark wie mit der rechten, darum gibt er in seinen Compositionen der linken oft zu viel Arbeit. Auch seine Melodien sind einnehmend, ohne daß sie das Berlockengeklingel der Mode nachäffen. Seine Modulationen und Harmonien sind freylich nicht so neu und tief, wie die Bachischen; aber doch gründlich und naturgemäß. Wider die Sitte seiner Zeitgenossen verstand auch Eckard die Kunst, eine Fuge meisterhaft zu bearbeiten.[9]

Eckard schreibt nicht mit dem Feuer eines Schoberts, ersetzt es aber durch tiefe Gründlichkeit. Rousseau, dieser tiefe musikalische Blicker, setzt einen Eckard den ersten Flügelspielern der Welt an die Seite. — Die Art wie es Eckard zur Vollkommenheit brachte, verdient sehr bemerkt zu werden. Er wählte zuerst einen bekielten Flügel, um sich im simpeln Umriß zu üben, und seine Faust stark zu machen: denn die Faust ermüdet viel früher auf einem Fortepiano, oder Clavicord. Nach mehrern Jahren spielte Eckard erst auf einem Fortepiano, und endlich auf dem Clavicord, um Fleisch, Farbe und Leben in sein Gemählde zu bringen. Dadurch ist Eckard der große Mann geworden, den Frankreich und Deutschland in ihm bewunderten.

Dieser Meister ist zugleich der erste Miniaturmahler in Paris; übt aber diese für die Augen so gefährliche Kunst nur selten aus.

Riepel, ein berühmter musikalischer Pädagog, und ein sehr gründlicher Kirchenscribent. Die Katholischen halten seine Messen in hohen Ehren, und seine in Folio herausgegebene Anweisung zum Satze, hat sich unter den Tonsetzern zum klassischen Ansehen erhoben. Die Grundsätze darin sind unverbesserlich gut, und sein Vortrag ist leicht und deutlich so wie auch die Beyspiele mit Einsicht und Geschmack gewählt sind.

Illustration from Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst

Aus dieser skizzirten Geschichte der deutschen Musik muß auch dem Nichtkenner der Gedanke einleuchten: daß musikalischer Geist zu den Hauptzügen des deutschen Charakters gehöre. So sehr man uns Nachahmung vorwirft, und so wahr es ist, daß sich keine Seele mehr in alle Formen schmiegt, als die deutsche; so hat doch die große deutsche Musikschule ihre Eigenheit beybehalten. Diese Eigenheit besteht: im tiefsten Studium der Harmonik, im naturgemäßen Gang der Töne oder der Modulation; und in einfacher, mit allen Herzen simpathisirender Melodie. Deutscher Gesang wird überall goutirt, wo es Menschenohren gibt. Der Fuß des Wilden zuckt so gut, wenn er einen deutschen Schleifer hört, als der Schenkel des biederen Schwaben. Im Tone des herzigen Volkslieds ist Deutschland noch von keinem Volke übertroffen worden; die größten welschen Meister belauschen oft unsere Handwerksbursche, um ihnen herzige Melodien abzustehlen. Die Natur selbst scheint aus deutschen Kehlen zu singen, und der philosophische Geist unserer Nation hat dieser Natur eine Richtung gegeben, welche nothwendig jene große Schule bilden mußte. Welches Volk hat einen Kirchengesang wie wir? Welches Volk hat uns je in der Instrumental-Musik übertroffen? Welches Volk hat so allgemein gute Stimmen aufzuweisen wie das unsrige? Welches Volk stimmt endlich in das einfältige Concert der Natur so richtig ein wie das deutsche? — Ganz Europa hat unsern Werth anerkannt; alle europäische Orchester sind mit deutschen Kapellmeistern besetzt, und das Wort tedesco ist längst mit dem Worte Virtuos in Italien in eins zusammen geflossen.

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