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Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst

Vom musikalischen Colorit.

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Das musikalische Colorit scheint mir ganz eine Erfindung neuerer Zeiten zu seyn. Ich sage scheint; denn so zuverläßig kann man doch nicht behaupten, daß die Alten bloß mit einer Farbe gemahlt haben sollten. Aus einer Stelle Plutarch's, wo er ausdrücklich sagt: »Bald brausten die Töne gen Himmel, bald starben sie unter den Griffen des Meisters;« — erhellet sehr deutlich, daß die Griechen wenigstens das Forte und Piano gekannt haben. Allein, so weit die Geschichte der Tonkunst hinauf reicht, findet man nicht die geringste Spur, daß das musikalische Colorit von den Alten bemerkt worden wäre. Selbst das Forte und Piano ist noch nicht hundert Jahre alt: denn vor ungefähr fünfzig bis sechzig Jahren schrieben es die Italiäner zum erstenmahl unter ihre Compositionen; vor dieser Zeit wurden alle Stücke im gleichen Tone vorgetragen, oder doch der Willkühr des Spielers überlassen. Es ist also leicht zu erachten, wie außerordentlich viel die Tonkunst durch die Bestimmung des Colorits gewonnen hat. Zwar braucht der wahre Meister die Bestimmung des Colorits nicht; denn jedes Comma der Musik enthält schon die Gesetze des Vortrags in sich. Da es aber mehr Ripienisten, als Solospieler gibt; so muß um der Gleichheit des Vortrags willen, das Colorit bemerkt werden.

Der große Jomelli war der erste, der die musikalische Farbengebung bestimmte; und seit dieser Zeit ist man so weit gegangen, daß man dem Spieler auch die feinsten Nüancen vorzeichnet. Diese coloristischen Zeichen sind folgende:

Forte und Fortissimo.

Die Bemerkung des Starken, und der noch Stärkern ohne Verflößung.

Piano Pianissimo.

Die Bemerkung des Stillen, und noch Stillern ohne Verflößung.

Crescendo.

Welches nunmehr mit folgendem Zeichen ausgedrückt wird: [Symbol] deutet anschwellende Tonstärke an. Das beginnende Säuseln des Tons bis zum Donnersturme.

Decrescendo,

hat heutiges Tags folgendes Zeichen: [Symbol] also ein umgekehrtes Crescendo. Es geht vom vollen Leben des Tons, bis auf sein Hinsterben und Zerfließen in die Luft.

Forçando.

Plötzliche und rasche Markirung des Tons. Kommt gemeiniglich vorn am Tacte, oder bey Beginnung eines neuen Commas vor.

Diminuendo.

Merkliche Verminderung des Tons.

Calando.

Allmählige Verstärkung des Tons.

Mortando.

Gleichsam der letzte Athemzug des Tonstücks.

Ferma.

Ein Ruhepunct, mit einer Verzierung begleitet.

Mortend.

Ein Schneller, oder kleine Verzierung einer einzigen Note.

Triller, Pralltriller, Doppeltriller.

Geflügelte Vibration von 2, 3, 4 neben einander stehenden Noten.

Cadenz, oder Schlußfall.

gleichsam die letzte Erhebung des Virtuosen in einem Stücke, wo er durch Anstrengung aller seiner Kraft sich das Bravo und Händeklatschen der Zuhörer zu erringen sucht.

Mezzotinto,

oder Mitteltinte. Ist die Verflößung der Töne in einander, ohne Bemerkung ihrer Abstufung.

Staccato,

abgestoßener, oder punctirter Ton. Diese musikalische Figur wird mit Strichen oder mit Puncten angezeigt. Es ist gleichsam bemerkter Umriß jedes einzelnen Tons.

Ligato,

wird mit einer Bogenlinie markirt [Symbol]. Es hängt die Töne so weit zusammen, als das Zeichen reicht.

Vibrato.

Die Töne werden hier nicht mit der Wurzel heraus gezogen, sondern nur an ihren Spitzen gekitzelt.

Pizzicato.

Eine Figur für die Geige und das Clavicord. Wenn nicht mit dem Bogen, oder der Hand selbst gespielt wird, sondern die Saiten nur geschnellt werden.

Tenuto.

Wenn der Vortrag des Tons gleichsam zäh wird, oder wie Harz an unsern Fingern zu kleben scheint. Es ist die angenehme Nachlässigkeit eines reitzenden Mädchens im Morgenputze, und trägt ungemein viel zum schönen Vortrag bey.

Adlibitum

deutet Tactlosigkeit, wo der Spieler oder Sänger freye Gewalt hat, zu thun was er für gut findet.

Tastosolo.

Eine Figur für die Orgel, wo man mit dem Pedal liegen bleibt, und oben mit den Händen modulirt.

Dolce.

Bemerkung des süßen Vortrags.

Furioso.

Wilder rascher Vortrag.

Amoroso.

Zärtlicher, hinschmachtender Vortrag.

Es lassen sich noch viele Nüancen und feine Schattirungen der Tonkunst bemerken, die aber nicht in die Sphäre des Scribenten, sondern in den Lichtkreis des musikalischen Kopfs gehören. Das Portamento, oder, der Träger, der halbe oder ganze Triller, die plötzlichen Unterbrechungen des Tonstücks, das Tempo rubato, wo der Vortrag nicht fort will, und doch fort geht, — dieß zärtliche Zögern eines Liebhabers, der eben von seinem Mädchen gehen will; und hundert andere Nebenzüge, sind nur unter der Faust des Meisters wirksam.

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