Schweden und Dänemark.
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Diese beyden nordischen Königreiche haben nie Epoche in der Tonkunst gemacht: der Geschmack anderer Nationen hat sie in der Musik geleitet. Besonders ist ihre enthusiastische Neigung für die Deutschen so sichtbar, daß seit mehrern Jahrhunderten, keine andern als deutsche Kapellmeister in diesen Reichen waren.
Schweden hat indeß doch einen Nationalgesang; doch dieser Nationalgesang ist so unbedeutend, dissonirt so sehr mit dem Stimmeisen der Natur, daß es den Leser langweilen würde, wenn ich ihm nur ein einziges schwedisches Beyspiel vorlegte. Genug ist es, wenn ich sage, daß in einer Quart der ganze Umfang des schwedischen Volksgesangs liege; z. B.


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Dir, o tapfres Schwedenland! bieth' ich diese rauhe Hand.
Nach diesem Zuschnitt sind fast alle Urvolksmelodien der Schweden gemodelt. Da aber deutscher Geist so gewaltig in diesen Reichen athmet; so drangen auch unsre Volkslieder, unsre Tänze, Gesänge und Melodienformen bis zu den Dalekarls und Norwegischen Bauern durch. Was ungefähr zu Anfang dieses Jahrhunderts unter den Deutschen musikalische Mode war, das geht noch jetzt in den kalten Zonen dieser Königreiche als Neuigkeit im Schwunge. Der dessauische Marsch ist noch 1776 durch ganz Schweden ein Favoritmarsch gewesen. So vortrefflich und einzig dieser Marsch auch ist; so wurde er doch unter den Deutschen nach einem mehr als fünfzigjährigen Alter so agonisirend, daß er nur noch in Bierzirkeln spukt. Aber in Schweden und Dänemark wird nicht bloß dieser Marsch, sondern auch andere deutsche Exstücke noch immer als neue Waare ausgekramt.
Gustav Adolph war der erste, der zu Stockholm die Figuralmusik mit dem Chorale verband. Sein Kapellmeister Erichsen verfertigte auch Kriegslieder auf diesen König, die nicht ohne Geist sind: allein der erste Vergleich mit unsrer Musik vernichtet alle seine Versuche. Die paradoxe Königinn Christina war eine pedantische Verehrerinn der Tonkunst. Sie hatte den besondern Einfall, ein Concert im griechischen Geschmack hören zu wollen. Mizler, ein Deutscher, arbeitete es auf das genaueste aus, ließ es die Virtuosen streng durchstudieren, und die wichtige Folge davon war, daß es ausgezischt wurde. Von dieser Zeit an hat die Musik in Schweden mannigfaltige Veränderungen erlitten, und hing meist einzig von den Launen des Hofes ab.
Zu den Zeiten Carls XII. der nichts als die Trommel und Trompete leiden konnte, versank die Musik so sehr in Schweden, daß — credite posteri! — 1715 nur zwey Menschen in Stockholm waren, die Noten lesen konnten. Die verstorbene Königinn von Schweden, eine Schwester des großen Friedrichs, befahl der Musik zu leben, — und sie lebte! Seit dieser Zeit, sonderlich seit der glücklichen Epoche der Souverainetät in Schweden, findet man zu Stockholm ein wohlbesetztes Orchester; und sogar eine schwedische Oper, wovon Kora ein meisterhaftes Beyspiel ist.
Inzwischen bleibt es richtig, daß sich in der ganzen musikalischen Geschichte nicht ein einziger Schwede ausgezeichnet hat.
Dänemark, erwarb sich etwas größere Verdienste um die Tonkunst. Ohne die Zeit der Skalden hinaufzugehen, deren Musik ganz roh und kriegerisch war; so finden wir von den Zeiten der Reformation an, daß die Dänen immer vorzügliche Beschützer der Tonkunst gewesen. Ihre Könige haben sogar Gesetze gegeben, die Musik durch das ganze Land zu üben. Sie hielten nicht nur stattliche Orchester, sondern befahlen auch, nach deutscher Sitte, durch das ganze Reich Cantoren und Stadtzinkenisten anzustellen. Die Volksgesänge der Dänen sind grunddeutsch. Nur die Ißländer haben an ihren Volksliedern eine ganz originelle Melodie. Sie umschreiben ungefähr sechs bis sieben Töne, beginnen meistens in Moll und endigen in Dur. z. B.

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Walle Mondglanz, strahl herab, Schein' auf meines Liebchens Grab!
Auch ihre Kirchenlieder sind in diesen Geschmack getaucht. Doch hat Deutschlands Wogenstrom in neuern Zeiten alles hinweggeflößt, und Dänemark ist in Absicht auf die Tonkunst eine unterjochte Provinz von uns geworden. Der große Graf Bernstorf beförderte den schon oben gezeichneten Scheibe zum Capellmeister; stimmte den König zur Unterhaltung eines trefflichen Orchesters, ließ Opern im welschen und deutschen Geschmack aufführen — und verbreitete hierdurch den guten Sang durch ganz Dänemark. Was der unsterbliche Holberg wünschte, — der selbst ein trefflicher Musiker war, und die Violine als Meister spielte — das wurde unter Christian VII. realisirt! Polyhimnia bekam auch Sitz und Stimme im dänischen Sanhedrin: und seit dem schwebt Daniens Musik mit der deutschen fast in gleicher Höhe. Doch hat auch Dänemark — mirum visu! — nicht einen einzigen großen Musiker hervorgebracht: wer dort glänzte, oder noch glänzt, ist entweder Welscher oder Deutscher!
