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Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst

Schule der Deutschen. (continued 3)

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Otto, ein mittelmäßiger Organist, und noch mittelmäßigerer Spieler.

Helferich, ein Mode-Clavierist. Er tändelt Blumen hin, die heute blühen und morgen verwelken.

Kayser, der beste musikalische Kopf, den Frankfurt hervorbrachte. Er hat sich expatrirt, und hält sich jetzt in Zürich auf. — Die Originalität seines Charakters drückt sich in allen seinen Compositionen, wie in seiner Spielart aus, seine Faust ist geflügelt und schimmernd, der Umriß seiner Passagen stark markirt; seine Manieren sind rund und schön, und sein Triller kräftig. Er hat viel für den Gesang und das Clavier gesetzt, und jedem Producte den Stämpel seines Originalgeistes eingeprägt. Sein Satz ist gründlich und männlich, voll Einfalt, und zur Größe aufstrebend. Gluk ist sein Mann: nur diesen scheint er sich zum Muster gesetzt zu haben, ohne sich darum seine Eigenthümlichkeit rauben zu lassen. Er hat verschiedene Lieder von Gellert, nebst einigen von Cramer und Klopstock, sehr schön für die Kirche, auch für Privatconcerte componirt. Auch etliche Lieder von seinem Busenfreund Göthe sind ihm trefflich gelungen. Und doch hat dieser Musiker wenig Sensation in Deutschland hervorgebracht. Es fehlt ihm an Grazie, an Gefälligkeit, und an Leichtigkeit der Melodien. Sein Satz ist oft mürrisch und finster, als wenn er seinen Zeitgenossen sagen wollte: Ihr seyd Thoren, daß ihr mich nicht erwählt. Wir besitzen von diesem Manne auch manchen schönen Aufsatz über die Tonkunst. Sein Styl ist original, in starken Empfindungen aufflammend, voll großer und richtiger Gedanken; nur zu einseitig im Geschmacke. — Er ist auch kein übler Dichter; allein aus allen seinen Producten schimmert ein Geist hervor, der Originalität affectiren will, nach neuen Einfällen hascht, und seinen Entzweck immer nur halb erreicht. Er lebt mit den ersten Köpfen Deutschlands in Verbindung, und in diesem Strahlenkreise kann es leicht seyn, daß er sich größer träumt, als er wirklich ist. — Als Gulliver von Brobdingnak nach Hause kam, bückte er sich unter seiner Hausthür, weil er glaubte, er sey unter den Riesen um zwey Köpfe größer geworden.

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Ulm.

Diese Stadt unterhält schon seit der Reformation mit ziemlichem Aufwand eine Stadtmusik, worunter sich oft gute Leute ausgezeichnet haben. Der Choralgesang ist daselbst sehr gut besetzt, und in der Figuralmusik herrscht ein solider Geschmack. Die Orgel im stolzen Münster, vielleicht der schönsten Kirche Deutschlands, hat drey Manual, und sechzig Register: ihr Ton ist dick, und durchbraußt alle Tempelgewölbe. Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde diese Orgel von einem weit berühmten Organisten gespielt, Nahmens Schneider, dessen Nachkommen noch jetzt als sehr gute Musiker in Deutschland blühen. Seine Stücke sind mit ausnehmender Gründlichkeit gesetzt, und könnten noch heute auf jeder Orgel mit Beyfall vorgetragen werden. Er selbst spielte stark, und war sonderlich Meister im Pedal. Sein Nachfolger Walter, ist bereits oben in der sächsischen Schule geschildert worden. Auf ihn folgte der jetzige Organist Martin, der alles dem Studium, äußerst wenig aber der Natur zu danken hat.

Die Privatconcerte, welche zuweilen in Ulm angestellt werden, wollen nicht viel sagen: denn ob man gleich oft sehr gute Stücke wählt; so verunglückt doch meistens die Ausführung. Die Nachkommen des eben erwähnten Schneider's nennen sich jetzt, vielleicht weil es vornehmer klingen soll, Sartorius, worunter ein sehr gründlicher Violinist ist, der sich in der Manheimerschule bildete, und vor den größten Höfen und Städten Deutschlands mit Beyfall hören ließ. Sein Strich ist gigantisch, und sein Ton schneidend und dick. Schade, daß er kein Trillo hat, sondern statt dessen nur Mordenten hintändelt. Der vortreffliche Kleinknecht, dessen Charakter oben unter dem Artikel Anspach gezeichnet worden, ist ebenfalls ein Ulmer; und Nißle, einer unsrer größten Waldhornisten, stammt aus der Ulmischen Stadt Geißlingen.

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