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Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst

Schweiz.

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Dieser glückliche Staat hat sich von den Zeiten seiner Ruhe an, um Wissenschaften und Künste höchst verdient gemacht. Theosophen, Rechtsgelehrte, Aerzte, Weltweise, Mathematiker, politische und geistliche Redner, große Dichter und Künstler, haben sich daselbst ausgezeichnet. Daher ist es unbegreiflich, warum diese Republik gerade in der Musik so weit zurück blieb. Die Geschichte kennt kaum ein Paar Schweizernahmen, die in den Annalen der Tonkunst eingezeichnet zu werden verdienen. Indessen blüht doch in den katholischen Cantons die Tonkunst weit mehr, als in den reformirten, aus deren Kirchen die Figuralmusik, ja selbst die Orgeln gänzlich verbannt sind. Die katholischen Messen, die in der Schweiz verfertiget werden, haben viel Würde, und eine unverkennbare Einfalt. Der Modegeschmack hat im Kirchenstyl hier noch nicht so große Verheerungen angerichtet, wie anderwärts. Die Reformirten behelfen sich allein mit Psalmen, wovon einige mit der erhabensten Andacht und im eigentlichsten Psalmenton geschrieben sind. Man hat sie in Basel zusammen gedruckt, und der Welt als Muster dieser Art vorgelegt. In Zürich ist der musikalische Geist in neuern Zeiten sehr allgemein worden. Es gibt da Dilettanten, die sich bis zur Meisterschaft aufschwangen. Auch werden daselbst Jahr aus Jahr ein Concerte gegeben, wo oft die größten fremden Virtuosen auftreten, und dadurch das Ohr der Schweizer immer mehr und mehr bilden. Auch halten sich in der Schweiz oft treffliche Musikmeister mehrere Jahre lang auf, und geben öffentlich Unterricht. Die eignen Schweizercompositionen aber wollen nicht besonders viel sagen. Schmidlin setzte Lavaters Schweizerlieder in Musik, worunter sich einige so sehr durch Popularität auszeichnen, daß sie von dem ganzen Volke mit Entzücken gesungen werden. Auch hat eben dieser Schmidlin einige geistliche Lieder von Klopstock und Lavater so treffend gesetzt, daß man seine Melodien da und dort in die protestantische Kirche aufgenommen hat.

Das Verdienst Junkers um die Bildung des musikalischen Geschmacks in der Schweiz, ist wirklich nicht klein. Er hat sich im theoretischen und practischen Felde mit Vortheil gezeigt: sonderlich besitzt er in der ästhetischen Tonkunst keine gemeine Stärke. Seine vier und zwanzig Componisten, worin über die größten Meister manches reife Urtheil herrscht; seine musikalischen Almanache und seine Abhandlung »Von den Pflichten des Capellmeisters« haben ihm in der musikalischen Geschichte einen bleibenden Nahmen erworben. Er selbst spielt das Clavier und die Flöte mit Geschmack, und seine Abhandlung im würtembergischen Repertorium beweist, daß er die Musik so studiert habe, wie man sie studieren soll.

In Bern wird sehr viel auf die Tonkunst verwandt. Es werden da Meister in allen Instrumenten unterhalten, welche den dasigen Geschmack ungemein modernisirt haben. Zu Winterthur ist durch Steiners löblichen Eifer für die Tonkunst manches schöne musikalische Werk der Welt vorgelegt worden. Weis aus Mühlhausen, hält sich jetzt in London auf, und ist einer der ersten Flötenspieler unsrer Zeit. Auf seinen Flöten, nach Tacerts neuer Erfindung, bringt er auch die kritischen Töne seines Instruments mit der äußersten Reinigkeit heraus. Seine Stärke in der Tiefe ist ungewöhnlich; sein unteres D brauset und schneidet durch Ohr und Herz.

Da der Luxus auch in der Schweiz überhand zu nehmen beginnt; so kann man daraus noch manchen Vortheil für die Tonkunst erwarten; denn Polyhimnia hört den Klang des Silbers vor andern Musen gern, und nichts verscheucht sie leichter, als Mangel und Dürftigkeit.

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