Rußland.
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Die russische Nationalmusik hat, wie man leicht erachten kann, sehr viel Wildes und Rauhes. Man bemerkt es in ihren meisten Volksliedern, daß sie das Geschrey gewisser Vögel nachahmen, die in Form und Stimme viel Aehnliches mit unsern wilden Aenten haben. Ein Volk, das in manchen Gegenden, wie z. B. in Kasan, Astrakan, Kamtschatka und in Syberien, sich noch so sehr dem Viehe nähert und der Jagd so ergeben ist, muß leicht zu einer solchen Nachahmung verleitet werden. Auch ist dieß eigene in ihren Volksgesängen, daß sie fast alle in Dur beginnen und in Moll enden. — Man kann eben nicht sagen, daß es eine schlimme Wirkung thue, zumahl wenn der Gesang richtig vorgetragen wird; indeß ist es doch der Natur der Melodik nicht immer angemessen.


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Lowna komm, herzlich lieb' ich dich, Lowna komm -- komm und küsse mich!
Es läßt sich leicht erachten, was so eine Musik von einem Pulk Kosaken, gesungen, für eine gräuliche Wirkung thun müsse. Kaum ist es begreiflich, wie die russischen Mädchen so etwas schön finden können.
Peter der Große war der Erste, der auf seinen Reisen Geschmack an ausländischer Musik bekam. Er zog eine Menge blasender Instrumentalisten nach Rußland, und führte deutsche und türkische Kriegsmusik bey seinen meisten Regimentern ein. Aber Katharina der Ersten war es vorbehalten, auch die feinere Musik nach Rußland zu verpflanzen. Sie verband zuerst in ihren Kirchen Figuralmusik mit der Vokalmusik, und unterhielt ein sehr gutes Orchester, das meistentheils aus Deutschen bestand.
Unter der Kaiserinn Elisabeth stieg die Musik noch höher: Man erbaute ein Opernhaus, und die ersten Opern in russischer und welscher Sprache wurden zu ihrer Zeit gehört. Doch all dieß war nur Dämmerung gegen den vollen Tag, der unter Katharina der Zweyten, für die Tonkunst anbrach. Das russische Orchester besteht nun aus mehr als zwey hundert Personen, worunter Paisiello und Lolli hoch hervorragen. Auch der unsterbliche Galuppi hat für das russische Theater gearbeitet.
Die Kaiserinn selbst spielt den Flügel, und ist eine ecstatische Verehrerinn der Musik. Auch sollen die Russen selbst seit einiger Zeit angefangen haben, sich mit ziemlichem Erfolg dem Studium der Tonkunst zu widmen. Doch hat sich zur Zeit noch kein Meister unter ihnen gezeigt. Was in Rußland glänzt, ist entweder Welscher oder Deutscher. Die Kaiserinn bezahlt die Musiker außerordentlich, von 1000 bis zu 10000 Rubeln steigen die Besoldungen im Orchester[10].
